Pflege zu Hause: Welche Betreuungsformen gibt es für Senioren

Aus dem Alltag scheiden viele Menschen mit steigendem Lebensalter aus, wenn sich ihre Kräfte verringern und sie auf Hilfsdienste angewiesen werden. Da die meisten Seniorinnen und Senioren möglichst lange in ihrem vertrauten Haus bleiben möchten, wo sie sich sicher und geborgen fühlen, liegt der Gedanke nahe, welche Arten der Betreuung und Pflege der alte Mensch in seiner heimischen Umgebung erhalten kann.

elderly-woman-caregiver-advice-healthcare-treatment-senior-care-home-nurse-help-retirement-freepik The Yuri Arcurs Collection-590x350.pngThe Yuri Arcurs Collection | Freepik.com

Ambulante Pflege und Alltagsbegleitung

Eine sehr verbreitete Form der Hilfe ist die ambulante Pflege. Zu bestimmten Zeiten kommen die Pflegedienste ins Haus und verrichten die erforderlichen medizinischen Leistungen (Medikamentengabe, Wundversorgung, Körperpflege). Die Einsätze sind zeitlich eng begrenzt und orientieren sich am Pflegegrad.

Darüber hinaus gibt es meist auch noch Hilfe im Alltag, z. B. beim Einkaufen und Kochen oder bei der Hausarbeit. Dabei handelt es sich zwar nicht immer um Leistungen medizinischer Art, sie leisten jedoch einen wesentlichen Beitrag, den Alltag zu strukturieren und die Selbstständigkeit zu erhalten. Für viele Senioren stellt diese Kombination eine gute Lösung dar, solange der Pflegebedarf nicht zu hoch ist.

Tagespflege und teilstationäre Angebote

Wann immer Angehörige ganztags berufstätig sind oder die Pflege zeitlich nicht voll abdecken können, ist die Tagespflege eine hilfreiche Ergänzung. Senioren verbringen tagsüber in einer Tagespflegeeinrichtung ihrer Wahl, abends kehren sie in ihre eigenen vier Wände zurück. Dort erhalten sie Betreuung, soziale Kontakte und auch teils pflegerische Leistungen.

Tagespflege kann helfen, Einsamkeit vorzubeugen und Angehörige zu entlasten. Sie ist auch dann sinnvoll, wenn die alleinige Betreuung zu Hause nicht mehr ausreicht, ein Umzug in eine stationäre Einrichtung jedoch noch nicht in Frage kommt. Die Finanzierung erfolgt anteilig über die Pflegeversicherung, abhängig vom jeweiligen Pflegegrad.

Betreuung im eigenen Zuhause bei höherem Pflegebedarf

Wenn der Unterstützungsbedarf weiter steigt, reichen meist auch die Einsätze nur für einige Zeit nicht mehr aus. Dann wird über weitere Betreuungsmodelle nachgedacht, bei denen ständig eine Ansprechperson im eigenen Haushalt zur Verfügung steht. Eine Möglichkeit ist eine  24 Stunden Pflege,  bei der Betreuungspersonen im Haushalt wohnen und dort sowohl pflegerische als auch alltagsbezogene Aufgaben übernehmen.

Dieses Modell wird häufig gewählt, wenn eine dauernde Anwesenheit notwendig ist, z. B. bei stark eingeschränkter Mobilität der Person, bei fortschreitender Demenz oder bei Unterstützungsbedarf während der Nacht.

Wichtig ist hier, ein klares Regelwerk zur Abgrenzung von Betreuung, Pflege und medizinischen Tätigkeiten sowie zur Ausgestaltung des Beschäftigungsverhältnisses zu schaffen.

Rolle der Angehörigen bei der Pflegeorganisation

Unabhängig von den individuellen Betreuungsvarianten nehmen Angehörige meist eine zentrale Rolle bei der Organisation der Pflege ein. Sie sind für die Koordination zuständig, halten Kontakt zu den Pflegediensten und leisten oft selbst auch einen Teil der Pflege. Dies kann sehr belastend sein, besonders wenn die Pflege über längere Zeit erforderlich ist.

Eine vorausschauende Planung kann helfen, nicht überfordert zu werden. Dazu gehören z. B. regelmäßige Gespräche mit den Pflegekassen, das Einholen von Beratungen und das richtige Einordnen der eigenen Möglichkeiten. Wichtig ist, daß Pflege kein Zustand ist, sondern sich mit der jeweiligen Erkrankung weiterentwickelt.

Finanzierung und rechtliche Rahmenbedingungen

Die Kosten für Pflege und Betreuung werden durch die Pflegeversicherung zum Teil übernommen. Pflegegeld, Pflegesachleistungen und zusätzliche Entlastungsbeträge werden je nach Pflegegrad gewährt. Oft verbleibt aber ein Eigenanteil, der individuell berechnet werden muss. Detaillierte Informationen zu Pflegeberatung, Leistungsansprüchen und regionalen Anlaufstellen stellt das Bundesministerium für Gesundheit im offiziellen Online-Ratgeber zur Pflegeberatung bereit.

Entscheiden im eigenen Tempo

Zur Form der Betreuung muss jeder selbst entscheiden, was Zeit und Gespräche braucht. Wichtig ist es, möglichst frühzeitig Informationen einzuholen und verschiedene Modelle zu vergleichen. Nicht jede Lösung ist für jede Lebenssituation geeignet, und auch der Gesundheitszustand des Menschen, den man betreut, macht Änderungen nötig. Wer sich rechtzeitig mit den verschiedenen Möglichkeiten auseinandersetzt, schafft sich Spielräume. So kann man etwa Pflege und Betreuung in den eigenen vier Wänden organisieren, ohne die Selbstbestimmung aus dem Blick zu verlieren.

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