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Das Interview mit der Kölnerin Liane Pütz (95) führte Frau Maja Sommerhalder von unserem Partner ProVita
Frau Pütz, Sie sind 95 Jahre alt und noch immer regelmäßig beim Kölner Karneval dabei. Was bedeutet Ihnen die fünfte Jahreszeit?
Der Karneval gehört zu meinem Leben, seit ich denken kann. Ich bin damit aufgewachsen – und ehrlich gesagt kann ich mir ein Leben ohne ihn kaum vorstellen. Diese Stimmung, das Lachen, die Musik: Das hält jung.
Sie sind gebürtige Kölnerin?
Ja, ich bin 1930 hier geboren. Mein Vater war Mitglied der Ehrengarde und hat mich schon als kleines Mädchen überallhin mitgenommen. Ich stand sogar selbst auf der Bühne und habe getanzt. Den Karneval habe ich wirklich von klein auf mitbekommen.
Wie haben Sie den Karneval als junge Frau erlebt?
Nach dem Krieg ging es richtig los. Wir haben uns für die Sitzungen schick gemacht, mit Abendkleidern – und ich hatte jedes Mal ein anderes an. Mit Freunden sind wir von einer Veranstaltung zur nächsten gezogen, dazu natürlich der Straßenkarneval. Bei uns war eigentlich immer Party.
Heute feiern Sie etwas ruhiger als früher?
Ja, das lässt sich nicht vermeiden. Ich brauche einen Rollator und kann nicht mehr lange stehen, deshalb lasse ich die Umzüge aus. Aber die Karnevalssitzungen besuche ich weiterhin sehr gerne. Die sind für mich wie kleine Theaterstücke – immer lustig, immer besonders.
Sie gehen nicht allein zu den Veranstaltungen?
Nein, ich bin mit meiner Karnevalsgesellschaft unterwegs, den „Kleinen Erdmännchen“. Die habe ich vor vielen Jahrzehnten mitgegründet. Wer Karneval seit der Kindheit kennt, der kommt davon nicht mehr los.
Sind viele Ihrer früheren Weggefährten noch dabei?
Leider nicht. Viele Freunde aus meiner Jugend leben nicht mehr. Oft bin ich die Älteste. Das macht mich manchmal traurig. Alleine bin ich aber nicht. Ich habe viele jüngere Freunde.
Das zeigt sich auch an Ihrem 95. Geburtstag, oder?
Oh ja, da habe ich mit 40 Gästen gefeiert! Die meisten waren deutlich jünger als ich, darunter auch Freunde meiner Tochter. Ich kenne viele von ihnen schon seit ihrer Kindheit, da entsteht eine besondere Verbundenheit.
Ihr Alltag ist trotz Ihres Alters sehr aktiv. Wie halten Sie sich fit?
Ich gehe mehrmals pro Woche zur Physiotherapie und zur Wassergymnastik. Außerdem fahre ich noch Auto und gehe gerne spazieren, zum Beispiel im Stadtwald. Und ich treffe mich viel mit Freunden – wir Rheinländer sind einfach gesellig.
Gab es auch schwere Momente in Ihrem Leben?
Natürlich. Der Krieg, der Tod meines Mannes 2011 oder ein Unwetter 2017, bei dem mein Keller überflutet wurde. Dort lagen all meine Karnevalskostüme aus meinem ganzen Leben. Alles war kaputt. Das tut mir heute noch weh.
Die Freude am Verkleiden haben Sie aber nicht verloren. Was gilt es, am Kölner Karneval zu beachten?
Es gibt keine Regeln. Man benutzt einfach seine Fantasie beim Kostümieren.
Und zum Abschluss: Was ist ihr Geheimnis für ein langes und gesundes Leben?
Wahrscheinlich habe ich gute Gene. Jedenfalls habe ich nichts Besonderes gemacht, sondern mein Leben einfach immer genossen. Und: Ich habe mich von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen.
Kommentare (2)
Als Fischkopf ist mir die Karnevalsfröhlichkeit fremd.
Man muss wohl damit geboren sein, um den Fröhlichkeits-Schalter zu finden und bei Bedarf betätigen zu können.
Was für ein inspirierendes Interview! Es ist schön zu sehen, wie Frau Pütz mit 95 Jahren ihre Begeisterung für den Kölner Karneval bewahrt hat. Ihre positive Lebenseinstellung, ihre Verbundenheit mit der Gemeinschaft und ihr Optimismus trotz schwieriger Zeiten sind wirklich beeindruckend. Ich wünsche ihr weiterhin viel Gesundheit und noch viele schöne Karnevalsmomente. basketball stars