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Soziales Wird der Suizid der Tod der Zukunft?

skys
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RE: Wird der Suizid der Tod der Zukunft?
geschrieben von skys

Suizid kann auch als sehr egoistische Massnahme gewertet werden, d.h., die betroffenenAngehörigen usw. überleben und werden mit dieser Art von unausgesprochenen Schuldgefühlen selbst in grösste psychische Problematiken kommen.
olga64

(Mindestens) Genauso egoistisch ist es, von einem Menschen ein Weiterleben zu fordern, desen Leben und Leiden aber der andere erleben und ertragen muss...


 
skys
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RE: Wird der Suizid der Tod der Zukunft?
geschrieben von skys
als Antwort auf Der-Waldler vom 05.10.2024, 15:58:29

Achso, ok - danke, lieber Der-Waldler.
Dachte schon, wäre wieder etwas verquer gelaufen.

Maya1
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RE: Wird der Suizid der Tod der Zukunft?
geschrieben von Maya1
als Antwort auf olga64 vom 05.10.2024, 19:54:17
 

Ich habe es schon mal erzählt ,dass der Ehemann einer guten Freundin sich ohne Hinterlassen eines Abschiedsbriefes im gemeinsamen Haus erhängte und von der gemeinsamen Tochter gefunden wurde, die lebenslang unter dieser Tatsache leidet.
Suizid kann auch als sehr egoistische Massnahme gewertet werden, d.h., die betroffenenAngehörigen usw. überleben und werden mit dieser Art von unausgesprochenen Schuldgefühlen selbst in grösste psychische Problematiken kommen.
Das sollte sich jemand auch überlegen, der oder die solche Schritte planen - inwieweit sie weitere Menshen hier involvieren müssen oder wollen - die Tragweite einer solchen Entscheidung sollte ihnen bewusst werden. Olga

Ich würde Suizid nie als "sehr egoistische Maßnahme" werten.
Wer sich zu diesem letzten Schritt entschließt, ist sehr verzweifelt. So verzweifelt, daß er es einfach nicht mehr ertragen kann, weiter zu leben.
In dieser Lage zu berücksichtigen, wie sein Suizid auf andere Menschen wirkt, kann man nicht erwarten. Gerade solche Selbstmordarten wie Erhängen sind nicht unbedingt lange vorher geplant.
Ein sehr guter Freund meines Sohnes hat sich auch erhängt, ein junger Mensch, Anfang 20, der einzige Sohn seiner Eltern. Der Vater hat ihn gefunden in seiner Studentenbude, nachdem er tagelang vergeblich versucht hat, ihn zu erreichen. Die Eltern waren/sind am Boden zerstört.
Keiner hat etwas geahnt, auch nicht in der Clique meines Sohnes, auch sie waren alle wie vor den Kopf geschlagen.
Der Junge wollte bestimmt niemanden damit verletzen, es muss ihm seelisch so schlecht gegangen sein, daß er es einfach nicht mehr ausgehalten hat.
Ich kann mir gar nicht vorstellen, was für seelische Qualen er durchlitten haben muss, Egoismus kann ich da nicht sehen.

Ein geplanter Suizid im Alter ist etwas anderes.
Da kann man sich vorher vieles durch den Kopf gehen lassen und besonders an die denken, die zurück bleiben.
Ich habe weiter oben in dem Thread von jemandem geschrieben, der mit einer Überdosis Insulin seinem Leben ein Ende gesetzt hat. Er hat es vorher seiner Familie gesagt, ist dafür in ein Hotel gegangen, um seiner Frau die polizeiliche Untersuchung in der Wohnung zu ersparen. Und er hat für einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er aller erklärt hat. Trotzdem war es sehr schlimm für die Familie.
Er konnte aber alles noch in Eigenregie durchführen, musste keine Hilfe in Anspruch nehmen.

Wenn ein Schwerkranker, ans Bett gefesselt ohne Zugang zu tödlichen Medikamenten sein Leben beenden will, geht das doch gar nicht ohne fremde Hilfe. Auch hier würde ich niemanden als egoistisch bezeichnen, wenn er diese Hilfe in Anspruch nimmt.



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olga64
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RE: Wird der Suizid der Tod der Zukunft?
geschrieben von olga64
als Antwort auf Maya1 vom 05.10.2024, 21:58:14


Ein geplanter Suizid im Alter ist etwas anderes.
Da kann man sich vorher vieles durch den Kopf gehen lassen und besonders an die denken, die zurück bleiben.
Ich habe weiter oben in dem Thread von jemandem geschrieben, der mit einer Überdosis Insulin seinem Leben ein Ende gesetzt hat. Er hat es vorher seiner Familie gesagt, ist dafür in ein Hotel gegangen, um seiner Frau die polizeiliche Untersuchung in der Wohnung zu ersparen. Und er hat für einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er aller erklärt hat. Trotzdem war es sehr schlimm für die Familie.
Er konnte aber alles noch in Eigenregie durchführen, musste keine Hilfe in Anspruch nehmen.

Wenn ein Schwerkranker, ans Bett gefesselt ohne Zugang zu tödlichen Medikamenten sein Leben beenden will, geht das doch gar nicht ohne fremde Hilfe. Auch hier würde ich niemanden als egoistisch bezeichnen, wenn er diese Hilfe in Anspruch nimmt.

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Ich möchte das mal verallgemeinern: jeder Mensch und jeder Suizid ist anders. Es gibt ja viele Möglichkeiten, wie er gelingen kann oder auch nicht.
Ein Suizid kann auch ein Aufschrei sein an nahestehende Menschen,dass "man" mit einer Situation nicht weiterleben kann oder möchte (das ist sicherlich auch bei sehr jungen Menschen oft ein Auslöser,die glauben,dass man ihnen nicht zuhört).

Aber in einer vergreisenden Gesellschaft, wie wir es seit Jahren sind, wo Menschen immer älter werden und irgendwann auch pflegebedürftig kann auch Druck derer ausgeübt werden, die sich dafür als zuständig erklären und den Umzug eines alten Menschne in ein entsprechendes Altenheim nicht befürworten, da dieses natürlich Geld kostet und im schlimmsten Falle dann auch zu erwartende Erbe reduziert.

Wenn es zu leicht gemacht wird und sich auch Dritte schnell finden, die beim Suizid assistieren (oder sogar ein einträgliches Geschäft daraus machen) kann auch der Druck der Angehörigen für den alten Menschen steigen. Zugeben würden dies das natürlich nie -aber es könnte mit Sicherheit die Entscheidung beschleunigen,wenn alte Menschen diesen Weg irgendwann gehen.

Deshalb sollte es sich "ein Staat" oder eine Gesellschaft nicht leicht machen mit der Gesetzgebung auf diesem Gebiet, weil nun der Tod endgültig und nicht korrigierbar ist. Olga
Maya1
Maya1
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RE: Wird der Suizid der Tod der Zukunft?
geschrieben von Maya1
als Antwort auf olga64 vom 06.10.2024, 17:11:08

Ja, Olga, da kann ich nur zustimmen.
Es kann schon ein großer moralischer Druck aufgebaut werden auf alte Menschen, die eine zeit- und kostenintensive Betreuung brauchen, um menschenwürdig weiter leben zu können. Daß es egoistisch erscheint, entweder das Erbe aufzubrauchen oder den Erben zur Last zu fallen.
Ein alter Mensch, der nur das Beste für Kinder und Enkel will, wird dann vielleicht einem Suizid zustimmen, obwohl er eigentlich doch viel lieber weiterleben würde.

Auf der anderen Seite - wenn die Hürden zu hoch gesetzt werden, werden Menschen gezwungen weiter zu leiden, die eigentlich nichts sehnlicher wünschen, als daß es einfach zu Ende ist.

Eine gute Gesetzgebung ist nicht leicht.
 

skys
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RE: Wird der Suizid der Tod der Zukunft?
geschrieben von skys

Noch eine kleine Ergänzung:
 

Sterbekapsel Sarco

«Die Sarco-Promotoren haben ein provokatives Vorgehen gewählt»

Nachdem die Sterbekapsel Sarco im September in Schaffhausen zum ersten Mal zum Einsatz gekommen war, wurden mehrere Personen der Organisation verhaftet und es wurde ein Strafverfahren eröffnet.


 
schorsch
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RE: Wird der Suizid der Tod der Zukunft?
geschrieben von schorsch
als Antwort auf Maya1 vom 06.10.2024, 17:44:33
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Es kann schon ein großer moralischer Druck aufgebaut werden auf alte Menschen, die eine zeit- und kostenintensive Betreuung brauchen, um menschenwürdig weiter leben zu können. Daß es egoistisch erscheint, entweder das Erbe aufzubrauchen oder den Erben zur Last zu fallen.
Ein alter Mensch, der nur das Beste für Kinder und Enkel will, wird dann vielleicht einem Suizid zustimmen, obwohl er eigentlich doch viel lieber weiterleben würde.

A...........................
 
Es kann aber auch so sein: Der alte Mensch möchte seinem Leben ein Ende setzen, weil die Summe des Unerträglichen die Summe des noch Erträglichen längst übertroffen hat. Der alte Mensch dann aber Angst hat, man könnte den Erben unterstellen, sie hätten Druck ausgeübt.
olga64
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RE: Wird der Suizid der Tod der Zukunft?
geschrieben von olga64
Niemand wird gefragt, ob er oder sie auf diese Welt kommen und jäh ins Leben geworfen werden möchten. Ob man seinem Leben ein Ende setzen wirll,bevor es auf andere Weise vorbei ist, das kann man hingegen selbst bestimmen.
Was nach selbstbestimmt und Wahlfreiheit klingt, ist alles anderes als einfach.
Gemeint ist nicht nur der schwierige Schritt, selbst Hand an sich zu legen oder andere zu bitten, dies zu tun, bzw.dabei zu helfen und zu assistieren.
Wie man nun hört, haben die Kessler-Zwillinge, die gemeinsam "die Bühne des Lebens verlassen haben" schon vor einigen Wochen den 17. November als ihren Todestag ausgewählt. 
Sie vertrauten sich einem Sterbehilfeverein an,welche zusammen mit Ärzten usw. diesen Schritt mit Todeswilligen gehen. Eine solche ethische Zustimmung gerade von Ärzten, wenn sie beim Sterben helfen sollen, wo sie doch Leben retten sollen, ist meist eine grosse Zumutung für diese Berufsgruppe. 
Es gibt zwar den hippokratischen Eid für Ärzte nicht mehr, sondern wurde dieser 1948 abgelöst durch das sog. "Genfer Gelöbnis"" des Weltärztebündnis und in die heutige Berufsordnung für Ärzte übernommen.

Oberstes Prinzip bei diesem Gelöbnis ist, die Autonomie und Würde des Patienten zu respektieren. 

In der christlichen Kultur ist das Bild vom Leben als Geschenk fest verankert, das man nicht fahrlässig oder vorsätzlich aufgibt. Dazu kann es auch gehören, ein etwaiges Leiden anzunehmen und tapfer zu erdulden. 

Aber das ändert sich seit einiger Zeit, weil  auch das Selbstbild im Alter, das von nachlassenden Kräften und Gebrechlichkeit geprägt ist , einen Frieden mit dem früheren Dasein schliesst und dann solche Entscheidungen für einen (assistierten) Suizid möglich macht. Der Wunsch danach dürfte umso ausgeprägte sein, je grösser die Angst ist, dass Hilfe und Beistand im Alter und bei Gebrechlichkeit ausbleiben.
Gelingt es Ärzten und Pflegekräfen, glaubhaft zu vermitteln,d ass sie aufkommende Schmerzen effektiv unterdrücken können, verringert isch der AnteilderMenschen, die vor der Zeit sterben wollen. 

Aber die Ungewissheit, wie es weitergeht und ob es noch schlimmer wird, kann quälend sein; die überwiegende Zahl der Suizidwünschen und -versuche entstehen aus psychischer und auch sozialer Not. 

Der Wunsch, aus dem Leben zu scheiden, besdeutet für die meisten Menschen nicht unbedingt, dass sie sterben wollen - er heisst, dass vielmehr, dass sie so nicht mehr leben möchten. (Textpassagen übernommen dem Artikel "Ein gutes Ende" von Dr. Werner Bartens in der heutigen SZ, Seite 11). Olga 
schorsch
schorsch
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RE: Wird der Suizid der Tod der Zukunft?
geschrieben von schorsch
als Antwort auf olga64 vom 19.11.2025, 18:24:30
Oberste Aufgabe der Mediziner ist das Heilen und Lindern. Zum Lindern gehört meiner Meinung nach auch, den hoffnungslosen Menschen von seinen Leiden zu erlösen, resp. ihm dabei zu helfen.
olga64
olga64
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RE: Wird der Suizid der Tod der Zukunft?
geschrieben von olga64
als Antwort auf schorsch vom 19.11.2025, 22:48:49
Oberste Aufgabe der Mediziner ist das Heilen und Lindern. Zum Lindern gehört meiner Meinung nach auch, den hoffnungslosen Menschen von seinen Leiden zu erlösen, resp. ihm dabei zu helfen.
Lieber Schorsch - das muss aber in der persönlichen 'Entscheidung eines jeden Arztes liegen und darf nie in Zwangshandlung ausarten.
Ich möchte weder von einem Arzt therapiert werden,der dies unter Zwang macht als von einem solchen,der gezwungen wird, mir zu helfen, mein Leben zu beenden. 
Olga 
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