Nostalgie Meine Eltern/Eure Eltern
Durch einen TV-Beitrag sind bei mir gerade Erinnerungen hochgekommen. Vorab: Meine Mutti war geschieden und hat einen anderen Mann geheiratet. Er hat mich nach wenigen Jahren adoptiert und war fortan mein "Vaddi". Er war und ist in meiner Erinnerung bis heute mein Vater! Aber, als ich heute im TV gehört habe, dass ein Sohn von seinem Vater gelegentlich eine "Ohrfeige" bekommen hat, habe ich mich erinnert, dass ich von meinem Vaddi auch ganz gelegentlich (vielleicht ein Dutzend Mal im Leben) eine Ohrfeige bekommen habe. Und wenn ich jetzt zurückdenke, kann ich sagen, dass mir das gewiss nicht geschadet hat. Das waren sicher Situationen, in denen ich total neben der Spur war. Nun stellt sich mir die Frage, ob das heutzutage nicht auch eher hilfreich als schädlich wäre. Damit wir uns richtig verstehen; Ich meine nicht, wie der Gesetzgeber es bezeichnet "schlagen", sondern, in einem gewissen Moment, eine Ohrfeige, die dafür sorgt, dass man merkt: Bis hierhin und nicht weiter.
Das schreibe ich jetzt mal, um ein völlig anderes Thema aufzumachen, über die man trefflich Meinungen austauschen kann 😉
Der heutige Erziehungsstil gefällt mir deutlich besser, als der unserer Eltern.
Es war eben eine andere Zeit, die sich auch im Schulbetrieb "schlagend" auswirkte.
Nein danke!
Ingrid60
Meine Eltern haben nicht nur die Hand gegen mich erhoben, sondern einen dünnen Rohrstock auf mein blankes Gesäß sausen lassen. Die Hose musste ich mir zuvor noch selbst herunterziehen. Perfekte Demütigung und abartiges Verhalten gegenüber Schutzbefohlenen. Sie haben mich emotional und körperlich misshandelt, weil sie nicht dazu in der Lage waren, eine andere Lösung zu finden. All das hat mich bis ins hohe Alter verfolgt. Angstzustände, Albträume und ein geringes Selbstwertgefühl waren die Folge. Ich habe Jahrzehnte gebraucht, um mich daraus einigermaßen zu befreien, indem ich irgendwann zu meinem eigenen Schutz den Kontakt zu ihnen abbrach. Heute kann ich darüber berichten, ohne in Tränen auszubrechen. Das war viele Jahre nicht möglich.
Nicht umsonst wurde der feuerspeiende Drache zu meinem Krafttier. Der Nick Drachenmutter zeugt auch davon.
. Damit wir uns richtig verstehen; Ich meine nicht, wie der Gesetzgeber es bezeichnet "schlagen", sondern, in einem gewissen Moment, eine Ohrfeige, die dafür sorgt, dass man merkt: Bis hierhin und nicht weiter.
Lieber Ingo,
ich bin ein "geschlagenes" Kind und es hat dazu geführt, dass ich mich so schnell wie möglich aus dem sog. Elternhaus befreite. Da war ich 18Jahre alt und es gelang mir mit meinem Vormund vom Jugendamt und das Verhältnis zu meiner Mutter war bis zu deren Tod nie mehr reparabel.
Mein Vater starb, als ich 15 Jahre alt war, aber ich erinnere mich gut an die Drohungen meiner Mutter, die bei kleinsten "Verstössen" damit drohte: "warte nur bis der Papa nach Hause kommt" und dem wurde dann befohlen mich zu verprügeln. Aber diese Zeit war bald vorbei, weil er dann mit 53Jahren verstarb.
Aber umgesetzt auf heute? Ich denke an die Kinder kommt man sowieso nur ran, bis diese ca 16 Jahre alt sind - zwei Jahre später sind sie volljährig und wenn dann Ohrfeigen oder was auch immer als Züchtigungsmittel herangezogen werden, schlagen die evtl. sogar zurück.
Und wenn sie noch kleiner sind, kann auch eine Ohrfeige von einem Erwachsenen hier einiges anrichten.
Aus meiner eigenen Erfahrung kann es zu nichts führen - ausser zu einem gestörten Verhältnis zu den Eltern. Das vergisst man dann aber auch bis ins hohe Alter nicht mehr.
Und die Gefahr ist auch gross,dass geschlagene Kinder selbst später zu schlagenden Eltern werden - ein schlimmer Kreislauf und ich bin froh,dass der Gesetzgeber hier den Riegel vorgeschoben hat. Eltern sollten andere Möglichkeiten finden, ihre Kinder pädagogisch zu begleiten - als irgendeine Rache an ihnen auszutoben. Es werden immer noch zu viele Kinder misshandelt, missbraucht usw. Das sollte man nicht weiter "legal" ausdehnen. Olga
Ich meine nicht, wie der Gesetzgeber es bezeichnet "schlagen", sondern, in einem gewissen Moment, eine Ohrfeige, die dafür sorgt, dass man merkt: Bis hierhin und nicht weiter.Nun , das - der Nutzen und daher die Notwendigkeit des'Züchtigens' als Erziehungsmittel bei der Kinderaufzucht, war ja bis vor wenigen Jahren Expertenmeinung, Stand der Wissenschaft und des christlichen Glaubens.
Wer kennt sie nicht die albernen Sprüche wie : "Was mich nicht umbringt, macht mich stark " , oder "Gelobt sei,was hart macht" - "Augen zu, die Zähne zusammengebissen und durch " ! usw.
Die Erkenntnis, dass auch Kinder Menschen sind und so was wie eine 'Seele', ein bewusstes, aber auch unbewusstes, "Schmerzempfinden" und Schmerzgedächtnis haben, setzte sich erst ganz allmählich durch,
Man lese nur mal heutige Berichte aus staatlichen oder konfesssionellen Heimen :
" Das Züchtigungsrecht lag beim Leiter der Einrichtung und dem von ihm beauftragten Erziehungspersonal ... körperliche Gewalt gab es von ihm und von vielen Erziehern.
Falldokumentationen zeigen , dass schon minimale Anlässe wie z.B. freche Sprüche, Mundraub (von Obst) oder nicht befolgte Anweisungen zu unterschiedlichen Formen von körperlicher Züchtigungsgewalt führten : wie " Schläge mit der Hand oder mit dem Stock/Rute", "Gummiriemen" , "Tatzenstecken" usw. , die bis zur körperlichen Misshandlung , auch mit Verletzungen führten.....
Neben körperlicher Gewalt wurde auch psychische Gewalt ausgeübt in Form von Beschimpfungen, Liebesentzug, Demütigungen und beschämendem Bloßstellen , Einsperren usw., was dazu führte, dass Kinder in einer 'Kultur' der bewussten Beschämung aufwuchsen, mit Schuldgefühlen leben mussten und der Botschaft ihrer eigenen 'Unwertigkeit', ihres Versagens und Unvermögens."
oder man schaue in der Hl.Schrift nach :
"Mein Sohn, verachte nicht die Erziehung des Herrn / und verzage nicht, wenn er dich zurechtweist!
Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; / er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat.
Haltet aus, wenn ihr gezüchtigt werdet! Gott behandelt euch wie Söhne. Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht züchtigt?
Würdet ihr nicht gezüchtigt, wie es doch bisher allen ergangen ist, dann wäret ihr keine legitimen Kinder, ihr wäret nicht seine Söhne.
Ferner: An unseren leiblichen Vätern hatten wir harte Erzieher und wir achteten sie.
[Hebräer Brief 12, V. 5- 9 ]
Meine (begrenzten) Eindrücke in islamischen Ländern waren, dass Eltern-Kinder in der Regel , auf jeden Fall in der Öffentlichkeit , ein zumindest respektvolleres Miteinanderumgehen pflegen, als das bei uns der Fall war , obwohl auch der Koran Schlagen erlaubt,
Übrigens: unsere drei Kinder kamen ohne 'Ohrfeigen' o.ä. aus. Sie wussten trotzdem, wo die Grenzen des "bis hierher und nicht weiter lagen".
Auch eine Watsch ist nicht nötig. Zumindest nicht bei meinem Kind. Auch diese Art von Strafen, wie Fernsehverbot usw. gab es nicht. Aber verbaler Kontakt war wichtig.
Meine Mutter war schon eher geneigt zu hauen. Mein Vater nieeeee. Ich hatte zwei Brüder und er hat sie nie angerührt und mich natürlich auch nicht.
Wie kann man denn heutzutage, wo zum Glück vor vielen Jahren der Gesetzgeber körperliche Züchtigungen verboten hat, so etwas Rückwärtsgewandtes, Martialisches noch als adäquates Erziehungsmittel verharmlosen und relativieren bzw. fast wieder empfehlen!
Ich glaub’s ja nicht.
Woher will er überhaupt wissen, dass er keinen Schaden davon genommen hat, solche Strafen versinken irgendwann ins Unterbewusstsein, und wie sie einen geprägt haben, das könnte man nur in einer Psychoanalyse herausarbeiten.
Ich kenne das zwar auch noch aus meiner Kindheit, aber zum Glück war es so wenig, dass ich mich kaum daran erinnern kann. Das Einzige, woran ich mich erinnere, ist, dass mein Vater, wenn er mal geschlagen hat, danach sagte: „Tut mir leid, aber das musste jetzt sein“.
Ja, so waren damals die Erziehungsmethoden, immerhin habe ich dann doch gemerkt, dass mein Vater danach ein schlechtes Gewissen hatte.
Solche Empfehlungen gehören schleunigst in die Mottenkiste, und wenn ich dann Berichte wie die von der @Drachenmutter lese, dann bin ich nur noch entsetzt.
Obwohl ich meine Mutter einmal so auf Hochtouren gebracht habe dass sie die Beherrschung verlor und mir 'eine geklebt' hat. Haben wir beide nicht vergessen , aber analysiert haben wirs nicht..
Gruss Val