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Nostalgie Meine Eltern/Eure Eltern

ingo
ingo
Mitglied

Meine Eltern/Eure Eltern
geschrieben von ingo

Durch einen TV-Beitrag sind bei mir gerade Erinnerungen hochgekommen. Vorab: Meine Mutti war geschieden und hat einen anderen Mann geheiratet. Er hat mich nach wenigen Jahren adoptiert und war fortan mein "Vaddi". Er war und ist in meiner Erinnerung bis heute mein Vater! Aber, als ich heute im TV gehört habe, dass ein Sohn von seinem Vater gelegentlich eine "Ohrfeige" bekommen hat, habe ich mich erinnert, dass ich von meinem Vaddi auch ganz gelegentlich (vielleicht ein Dutzend Mal im Leben) eine Ohrfeige bekommen habe. Und wenn ich jetzt zurückdenke, kann ich sagen, dass mir das gewiss nicht geschadet hat. Das waren sicher Situationen, in denen ich total neben der Spur war. Nun stellt sich mir die Frage, ob das heutzutage nicht auch eher hilfreich  als schädlich wäre. Damit wir uns richtig verstehen; Ich meine nicht, wie der Gesetzgeber es bezeichnet "schlagen", sondern, in einem gewissen Moment, eine Ohrfeige, die dafür sorgt, dass man merkt: Bis hierhin und nicht weiter. 
Das schreibe ich jetzt mal, um ein völlig anderes Thema aufzumachen, über die man trefflich Meinungen austauschen kann 😉

Ingrid60
Ingrid60
Mitglied

RE: Meine Eltern/Eure Eltern
geschrieben von Ingrid60
als Antwort auf ingo vom 19.09.2025, 16:05:16
"Bis hierhin und nicht weiter" kann man auch sehr gut besprechen. Der Nachwuchs ist intelligenter als wir glauben. 
Der heutige Erziehungsstil gefällt mir deutlich besser, als der unserer Eltern. 
Es war eben eine andere Zeit, die sich auch im Schulbetrieb "schlagend" auswirkte.
Nein danke!

Ingrid60 
RE: Meine Eltern/Eure Eltern
geschrieben von ehemaliges Mitglied
Ich habe mein leiblicher Vater nie kennen gelernt, nur einmal hat er uns in den 50ziger mit einem Auto abgeholt , meine Erzieher wollten nie dass ich Kontakt zu ihm aufnehmen soll, nach dem Motto tu uns das auch noch an, mit 13 war ich ausser Haus, es tut mir heute noch sehr leid dass ich mein Vater nie kennen gelernt habe, er verstarb in einer Psychiatrie mit 70zig, Mein Erziehender hat uns nie anerkannt, wir waren Fremde für ihn. Es gab auch Schläge aber alles gut , heute sind sie alle auf der ruhenden Seite. Lieber Ingo ich habe nie die Hand gegenüber meine Kinder erhoben, sie haben beide ein stabiler Beruf, das freut mich und meistern ihr Leben recht gut.Phil.
Drachenmutter
Drachenmutter
Mitglied

RE: Meine Eltern/Eure Eltern
geschrieben von Drachenmutter
Die Hand gegen die eigenen Kinder zu erheben zeugt von Schwäche. Und wer behauptet, Schläge hätten ihm nie geschadet, dem sage ich, doch sie haben  Dir geschadet, Du willst es nur nicht zugeben, weil es immer noch weh tut und Du nicht wahrhaben willst, wie schwach Deine Eltern wirklich waren. 

Meine Eltern haben nicht nur die Hand gegen mich erhoben, sondern einen dünnen Rohrstock auf mein blankes Gesäß sausen lassen. Die Hose musste ich mir zuvor noch selbst herunterziehen. Perfekte Demütigung und abartiges Verhalten gegenüber Schutzbefohlenen. Sie haben mich emotional und körperlich misshandelt, weil sie nicht dazu in der Lage waren, eine andere Lösung zu finden. All das hat mich bis ins hohe Alter verfolgt. Angstzustände, Albträume und ein geringes Selbstwertgefühl waren die Folge. Ich habe Jahrzehnte gebraucht, um mich daraus einigermaßen zu befreien, indem ich irgendwann zu meinem eigenen Schutz den Kontakt zu ihnen abbrach. Heute kann ich darüber berichten, ohne in Tränen auszubrechen. Das war viele Jahre nicht möglich.

Nicht umsonst wurde der feuerspeiende Drache zu meinem Krafttier. Der Nick Drachenmutter zeugt auch davon.

 
olga64
olga64
Mitglied

RE: Meine Eltern/Eure Eltern
geschrieben von olga64
als Antwort auf ingo vom 19.09.2025, 16:05:16


. Damit wir uns richtig verstehen; Ich meine nicht, wie der Gesetzgeber es bezeichnet "schlagen", sondern, in einem gewissen Moment, eine Ohrfeige, die dafür sorgt, dass man merkt: Bis hierhin und nicht weiter. 
geschrieben von ingo

 
Lieber Ingo,

ich bin ein "geschlagenes" Kind und es hat dazu geführt, dass ich mich so schnell wie möglich aus dem sog. Elternhaus befreite. Da war ich 18Jahre alt und es gelang mir mit meinem Vormund vom Jugendamt und das Verhältnis zu meiner Mutter war bis zu deren Tod nie mehr reparabel.
Mein Vater starb, als ich 15 Jahre alt war, aber ich erinnere mich gut an die Drohungen meiner Mutter, die bei kleinsten "Verstössen" damit drohte: "warte nur bis der Papa nach Hause kommt" und dem wurde dann befohlen mich zu verprügeln. Aber diese Zeit war bald vorbei, weil er dann mit 53Jahren verstarb.

Aber umgesetzt auf heute? Ich denke an die Kinder kommt man sowieso nur ran, bis diese ca 16 Jahre alt sind - zwei Jahre später sind sie volljährig und wenn dann Ohrfeigen oder was auch immer als Züchtigungsmittel herangezogen werden, schlagen die evtl. sogar zurück.
Und wenn sie noch kleiner sind, kann auch eine Ohrfeige von einem Erwachsenen hier einiges anrichten. 

Aus meiner eigenen Erfahrung kann es zu nichts führen - ausser zu einem gestörten Verhältnis zu den Eltern. Das vergisst man dann aber auch bis ins hohe Alter nicht mehr.
Und die Gefahr ist auch gross,dass geschlagene Kinder selbst später zu schlagenden Eltern werden - ein schlimmer Kreislauf und ich bin froh,dass der Gesetzgeber hier den Riegel vorgeschoben hat. Eltern sollten andere Möglichkeiten finden, ihre Kinder pädagogisch zu begleiten - als irgendeine Rache an ihnen auszutoben. Es werden immer noch zu viele Kinder misshandelt, missbraucht usw. Das sollte man nicht weiter "legal" ausdehnen. Olga 
aixois
aixois
Mitglied

RE: Meine Eltern/Eure Eltern
geschrieben von aixois
als Antwort auf ingo vom 19.09.2025, 16:05:16
Ich meine nicht, wie der Gesetzgeber es bezeichnet "schlagen", sondern, in einem gewissen Moment, eine Ohrfeige, die dafür sorgt, dass man merkt: Bis hierhin und nicht weiter. 
Nun , das - der Nutzen und daher die Notwendigkeit des'Züchtigens' als Erziehungsmittel bei der Kinderaufzucht, war ja bis vor wenigen Jahren Expertenmeinung, Stand der Wissenschaft und des christlichen Glaubens.

Wer kennt sie nicht die albernen Sprüche wie : "Was mich nicht umbringt, macht mich stark " ,  oder "Gelobt sei,was hart macht" - "Augen zu, die Zähne zusammengebissen und durch " ! usw.

Die Erkenntnis, dass auch Kinder Menschen sind und so was wie eine 'Seele', ein bewusstes, aber auch unbewusstes, "Schmerzempfinden" und Schmerzgedächtnis haben, setzte sich erst ganz allmählich durch,

Man lese nur mal heutige Berichte aus staatlichen oder konfesssionellen Heimen :

"   Das Züchtigungsrecht lag beim Leiter der Einrichtung und dem von ihm beauftragten Erziehungspersonal ... körperliche Gewalt gab es von ihm und von vielen Erziehern.

Falldokumentationen zeigen , dass schon minimale Anlässe wie z.B. freche Sprüche, Mundraub (von Obst) oder nicht befolgte Anweisungen zu unterschiedlichen Formen von körperlicher Züchtigungsgewalt führten : wie  " Schläge mit der Hand oder mit dem Stock/Rute", "Gummiriemen" , "Tatzenstecken" usw. , die bis zur körperlichen Misshandlung , auch mit Verletzungen führten
.....
Neben körperlicher Gewalt wurde auch psychische Gewalt ausgeübt in Form von Beschimpfungen,  Liebesentzug, Demütigungen  und beschämendem Bloßstellen , Einsperren usw.,  was dazu führte, dass  Kinder in einer 'Kultur' der bewussten Beschämung aufwuchsen, mit Schuldgefühlen leben mussten und der Botschaft ihrer eigenen 'Unwertigkeit', ihres Versagens und Unvermögens." 

oder man schaue in der Hl.Schrift nach :

"Mein Sohn, verachte nicht die Erziehung des Herrn / und verzage nicht, wenn er dich zurechtweist!
Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; / er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat.
Haltet aus, wenn ihr gezüchtigt werdet! Gott behandelt euch wie Söhne. Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht züchtigt?
Würdet ihr nicht gezüchtigt, wie es doch bisher allen ergangen ist, dann wäret ihr keine legitimen Kinder, ihr wäret nicht seine Söhne. 
Ferner: An unseren leiblichen Vätern hatten wir harte Erzieher und wir achteten sie.

[Hebräer Brief 12, V. 5- 9 ] 

Meine (begrenzten) Eindrücke in islamischen Ländern waren, dass Eltern-Kinder in der Regel , auf jeden Fall in der Öffentlichkeit , ein zumindest respektvolleres Miteinanderumgehen pflegen, als das bei uns der Fall war , obwohl auch der Koran Schlagen erlaubt,


Übrigens: unsere drei Kinder kamen ohne 'Ohrfeigen' o.ä. aus. Sie  wussten trotzdem, wo die Grenzen des "bis hierher und nicht weiter lagen".
cosi
cosi
Mitglied

RE: Meine Eltern/Eure Eltern
geschrieben von cosi
als Antwort auf aixois vom 19.09.2025, 17:53:17
Es geht auch ohne Schläge.
Auch eine Watsch ist nicht nötig. Zumindest nicht bei meinem Kind. Auch diese Art von Strafen, wie Fernsehverbot usw. gab es nicht. Aber verbaler Kontakt war wichtig.
Meine Mutter war schon eher geneigt zu hauen. Mein Vater nieeeee. Ich hatte zwei Brüder und er hat sie nie angerührt und mich natürlich auch nicht.
Rispe
Rispe
Mitglied

RE: Meine Eltern/Eure Eltern
geschrieben von Rispe
Nicht zu fassen, der Eröffnungsbeitrag.!
Wie kann man denn heutzutage, wo zum Glück vor vielen Jahren der Gesetzgeber körperliche Züchtigungen verboten hat, so etwas Rückwärtsgewandtes, Martialisches noch als adäquates Erziehungsmittel verharmlosen und relativieren bzw. fast wieder empfehlen!
Ich glaub’s ja nicht.
Woher will er überhaupt wissen, dass er keinen Schaden davon genommen hat, solche Strafen versinken irgendwann ins Unterbewusstsein, und wie sie einen geprägt haben, das könnte man nur in einer Psychoanalyse herausarbeiten.
Ich kenne das zwar auch noch aus meiner Kindheit, aber zum Glück war es so wenig, dass ich mich kaum daran erinnern kann. Das Einzige, woran ich mich erinnere, ist, dass mein Vater, wenn er mal geschlagen hat, danach sagte: „Tut mir leid, aber das musste jetzt sein“.
Ja, so waren damals die Erziehungsmethoden, immerhin habe ich dann doch gemerkt, dass mein Vater danach ein schlechtes Gewissen hatte.

Solche Empfehlungen gehören schleunigst in die Mottenkiste, und wenn ich dann Berichte wie die von der @Drachenmutter lese, dann bin ich nur noch entsetzt.
ingo
ingo
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RE: Meine Eltern/Eure Eltern
geschrieben von ingo
als Antwort auf olga64 vom 19.09.2025, 17:23:42
@olga64: Tut mir leid, dass es Dir so ergangen ist, wie wohl auch vielen Anderen. Bei mir war es halt nicht so, und ich habe meine Eltern von Herzen geliebt, bis sie starben. Das Gleiche galt auch für sie mir gegenüber.
val
val
Mitglied

RE: Meine Eltern/Eure Eltern
geschrieben von val
als Antwort auf ingo vom 20.09.2025, 10:14:29
War bei mir auch so, @Ingo.
Obwohl ich meine Mutter einmal so auf Hochtouren gebracht habe  dass sie die Beherrschung verlor und mir 'eine geklebt' hat. Haben wir beide nicht vergessen , aber analysiert haben wirs nicht..
Gruss Val
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