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Literatur Literaturrätes - DichterInnen und AutorInnen raten - Runde XIII -

enigma
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Re: Literaturrätes - DichterInnen und AutorInnen raten - Runde XIII -
geschrieben von enigma
als Antwort auf longtime vom 21.06.2008, 11:22:10
Hallo Longtime,

danke für Deine Ergänzungen zu Mary “Hot-Flott"!

Ich habe auch noch was gefunden zu “Die Clique”, eine ziemlich alte Rezension aus 1964, kurz nachdem das Buch herausgekommen war - Linktipp!

Wie die Autorin wohl heute schreiben würde über den Fortschrittsgedanken aus weiblicher Sicht?
Da kann man nur Mutmaßungen anstellen.

Aber ich glaube schon, dass sich inzwischen doch im Vergleich zu den im Roman beschriebenen Verhaltensweisen etwas geändert hat.
Vielleicht hat das auch zu tun mit dem Fortschrittsgedanken aus männlicher Sicht!? )

Zum Rätseleinstellen. Das kann doch, wer will, denn Cécile hat sich ja zum Wochenende abgemeldet.

Gruß

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enigma
longtime
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Re: Literaturrätes - DichterInnen und AutorInnen raten - Runde XIII -
geschrieben von longtime
als Antwort auf enigma vom 21.06.2008, 18:12:43
Schule, ein Hobby von mir, ob als Theorie, als Erzählstoff oder als Lernrealität:

Ein ausgewählter Text, der nicht unserer Gegenwart entnommen ist.
Mich interessiert nicht nur der Autor, sondern ich möchte mit seinem Text auch einiges von der Bildungswirklichkeit seiner Zeit und von dem Autor, der nur sehr ausschnitthaft von der Literaturgeschäft und –geschichte wahrgenommen wird.
Namen und Umstände und Rechtschreibung sind wortgetreu.

Der Rätseltext:

(...) Peter Andrion (war) einer von jenen frühreifen, überselbständigen Schülern, die schon als Sechzehnjährige mehr nach ihrer Wahl studieren als im Gehorsam lernen, und so bei einem Teil der Lehrer hoch geschätzt, beim anderen dagegen mit berechtigtem Mißtrauen betrachtet werden.
Es mußte - dies können wir Doktor Martens von vornherein zugute halten - den Widersprach des Mathematikers herausfordern, wenn er wahrnahm, wie ein reichbegabter Schüler der Welt der Sprachen, der deutschen wie der fremden, sieh mit allen Organen zu öffnen wußte, während er den mathematischen, physikalischen und chemischen Erkenntnissen und Formeln nichts als kühle Ablehnung entgegensetzte. Andrion hätte den alten Erziehervorwurf, daß er sehr wohl anders könne, wenn er wolle, schwerlich zurückgewiesen: doch schien sein Entschluß, nicht zu wollen, unabänderlich zu sein.

Nun geschah folgendes - und die erschrockenen Teilnehmer und Kameraden jener Jahre können noch heute Ort und Zeit zuverlässig bestimmen -: an einem Donnerstag also geschah's. In der Pause fanden die aus dien Lehrsälen zurückkommenden Schüler ihre Mathematikhefte auf dem kleinen Tisch im Gang vor. Die letzte Klausurarbeit war korrigiert und sollte nun, gleich nach der Pause, besprochen werden. Wer am Tisch vorbeikam, suchte sich sein Heft und reichte wohl auch dem einem oder anderen Kameraden das seine entgegen. Andrion erschien, am Platze, als nur noch wenige Hefte dalagen; er hatte, wie wir ums denken können; geringe Eile gehabt, sein Heft in die Hand zu bekommen. Gleichmütig öffnete er und fand seine Arbeit mit einem knappen »gut« zensiert. Drei von den vier gestellten Aufgaben waren richtig gelöst, und selbst bei der vierten hatte er noch eine Art Ansatz zuwege gebracht.
Nun, ihm galt es wenig, das »gut«, wie denn auch ein »ungenügend« ihn nicht aus der Fassung gebracht hätte. Unterdessen ging die Pause zu Ende, und die Mathematikstunde nahm ihren Anfang. Zunächst lief alles seine gewohnte Straße, die mathematischen Leuchten rechneten vor, da wurde plötzlich Peter Andrion aufgerufen: »Wollen Sie das noch einmal an der Tafel lösen, Andrion? Ich sehe, daß Sie sich zu einem Obermathematikus entwickeln, insoweit als ich Selbständigkeit bei Ihren schriftlichen Bemühungen voraussetzen darf, heißt das.«

Andrion hatte sich auf den Anruf seines Namens hin erhoben, nun stand er in seiner ganzen Länge starr und streng in seiner Bank. Er erwiderte zunächst nichts, dann aber kam es, unheimlich beherrscht und leise von seinen Lippen: »Ich möchte den Herrn Doktor bitten, nach seinen Worten sehen zu wollen.«
»Was soll das heißen?«

Martens hatte die Kreide weggelegt und starrte in die Klasse, wie als habe er nicht recht gehört, oder wie als habe er zwar den Wortlaut des Satzes vernommen, weigere sich aber, ihm den Sinn zu geben, der doch offenkundig mit ihm verbunden war.
»Ich habe nur zu sagen, daß ich Sie bitten muß, nach Ihren Worten zu sehen.«
Der gleiche Satz wie vorhin, auch im Ton kaum verändert. Andrion stand regungslos da, regungslos stand ihm Doktor Martens gegenüber, regungslos verharrte die Klasse. Nur Barnus, der Nebensitzer von Peter Andrion, versuchte einen beruhigenden, einen beschwörenden Blick zu seinem Nachbarn hinüber zuwerfen.
»Wissen Sie eigentlich, mit wem Sie reden?«
Martens hatte die Stimme erhoben, wie als müsse er den Schüler Andrion aus einem unnatürlichen Schlaf aufwecken. Aber der wa r wach, und ganz wach gab er denn zurück: »Durchaus. Doch scheinen Sie, Herr Doktor, nicht mehr zu wissen, daß Ihre Verdächtigung eine Ungehörigkeit ist, die ich mir nicht gefallen lassen kann.«
»Andrion!«

Der Schüler hatte auch den letzten Satz mit einer kalten Ruhe gesprochen, die mehr beunruhigen mußte als der offene Zorn des Lehrers, der nun den Namen schrie, nichts als den Namen.
Mit der Wirkung, daß der Angeschrieene das Buch, das vor ihm lag, zuklappte und sich zur Türe wandte.
»Sie bleiben!«
Und nun überschlug sich die Stimme des Lehrers: »Ich gebe Ihnen den dienstlichen Befehl, zu bleiben!«
Andrion: »Ich nehme von Ihnen keine dienstlichen Befehle entgegen.«

Martens war ebenfalls an die Türe gelaufen. Dort standen sich beide gegenüber, gleich groß, Schüler und Lehrer. Martens griff nach der Türklinke, um seinem Befehl Gehorsam zu erzwingen. Da war es mit Andrions Fassung zu Ende. »Platz da«, brüllte er nun plötzlich und warf zugleich mit der Wucht seines Leibes die Türe auf. Die Türangeln zitterten, und (das Holz schien zu splittern. Im nächsten Augenblick hörte man das Klirren des großen Glasfensters im Gang, das offenkundig getroffen und in tausend Scherben zerschlagen war. Gleichzeitig vernahm man einen fürchterlichen unartikulierten Schrei von Andrion, es schien, als habe ihn ein Weinkrampf befallen, dann krachte die Türe auf Stube Burgund, dann war Stille, lautlose Stille.
Doktor Martens stand noch immer am gleichen Platz. Nun erslöste er sich langsam aus der erschreckenden Starre, auch die Klasse atmete einen Augenblick auf, dann gab er mit tonloser Stimme den Auftrag, einige schriftliche Wiederholungsübungen anzufertigen. Wir schlugen unsere Bücher auf. Kein lautes Wort fiel in der Stunde, nur das Geräusch der Zirkel und Winkelmaße durchbrach das Schweigen. Martens stand an der Seite, unbeweglich, das Gesicht dem Fenster zugewandt. Ohne Gruß verließ er dass Klassenzimmer, als die Stunde - endlich, wie uns schien - ihr Ende gefunden hatte.
In der folgenden Stunde hatte Professor Consilius Unterricht.
Das Fehlen Peter Andrions wurde weder bemerkt noch gemeldet: niemand konnte ausmachen, ob der Humanist schon verständigt war, ihm sah man keine Gemütsbewegungen an.
Auch beim Essen fehlte Andrion. Ebenso Doktor Martens, der für die Regel am Aufsichtstisch seine Mahlzeit einnahm.
Um zwei Uhr begann die stille Arbeitszeit, Andrion betrat wenige Minuten nach Beginn die Stube Burgund; bald darauf öffnete sich, dem Brauch gemäß, die Verbindungstür zwischen dem Zimmer von Doktor Martens und dem Arbeitszimmer der hier wohnenden Schar. Martens machte seinen Umgang; er schien Andrion nicht bemerken zu wollen. Der stand am Pult und blickte nicht von seinen Papieren auf.
Gegen drei Viertel vier Uhr aber, kurz vor Schluß dieser Arbeitszeit, wurde Peter Andrion aufs Rektorat gerufen. Der Lektor [ein Schüler als Vorleser], welcher den Wochendienst hatte, richtete ihm den Befehl aus. Unverzüglich, wie als habe er darauf gewartet, verließ Andrion das Zimmer.
Über die Rektoratsbesprechungen verlautete zunächst nichts, doch hatte sich das Gerücht des Falles bemächtigt: man munkelte, Andrion solle stehenden Fußes entlassen werden.

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Re: Literaturrätes - DichterInnen und AutorInnen raten - Runde XIII -
geschrieben von enigma
als Antwort auf longtime vom 21.06.2008, 20:00:51
Hallo Longtime,

um es vorweg zu sagen: Ich kenne die Erzählung (?) nicht, somit ist der Autor mir ebenfalls nicht bekannt.

Trotzdem kommt mir der Text bekannt vor. Hattest Du eventuell vor längerer Zeit in den Klassischen Foren mal einen Hinweis darauf gegeben?

Die beschriebene Situation entlarvt natürlich eine Pädagogik, die nicht darauf angelegt ist, die Stärken und die Persönlichkeit der Schüler zu fördern, sondern eher darauf abzielt, genau diese Persönlichkeit zu brechen und Gehorsam zu erzielen.

In dem Text wehrt sich der offensichtlich begabte Schüler gegen eine Unterstellung seines Lehrers. Er wehrt sich wohl zu Recht, hat aber keine Chance, auch Recht zu bekommen, sondern eher, wie angedeutet, ist ein Verweis von der Schule zu erwarten.
Das wäre ein Sieg der Autorität gegenüber unangepassten Schülern.

Wer könnte so etwas geschrieben haben?
Vielleicht auch ein Autor, der selbst Probleme in der Schule hatte?
Hermann Hesse hatte - glaube ich - große Probleme in der Schule.
Aber ob er so etwas geschrieben haben könnte ? Eher wohl nicht?! Ist mir jedenfalls nicht bekannt.

Friedrich Torberg hat auch einen Roman geschrieben nach verschiedenen Schüler-Selbstmorden.

Aber, wie gesagt, ich weiß es nicht.
Vielleicht kommt ja noch jemand auf die Lösung des Rätsels.


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Re: Literaturrätes - DichterInnen und AutorInnen raten - Runde XIII -
geschrieben von longtime
als Antwort auf enigma vom 22.06.2008, 08:28:24
Ja, der Text stammt aus Schüler-Erleben, die der Autor später, nach eigenen und seiner "Konpromotionalen" Erinnerungen, aufgeschrieben hat zu kurzen Erzählung.
Diese Geschichten waren keine Reißer wie Wertheriaden, keine Bestseller.
S e i n e Texte gehören also nicht zu den Schüler-Suizid-Geschichten, wie von Hesse, Strauß, Torberg u.a.

Sie sind auf anderem religiösen und pädagogischen Hintergrund geschrieben.

Es sind Schulerlebnisse aus "Bildungsanstalten" in Schöntal ...
s. Tipp: http://www.schoental.de/images/his2_kl.gif

... und Urach.

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Re: Literaturrätes - DichterInnen und AutorInnen raten - Runde XIII -
geschrieben von enigma
als Antwort auf longtime vom 22.06.2008, 11:50:45
Hallo Longtime,

den hätte ich nie und nimmer gefunden, weil mir bisher noch nicht einmal der Name Joachim Noob bekannt war.
Aber nun werde ich mir diesen Namen merken, denn es ist ja ungemein wichtig, die Gründe zu kennen, warum junge Menschen (Schüler) in eine Situation geraten können, dass sie nicht mehr leben wollen.

Es kam ja nicht nur zur Jahrhundertwende, sondern kommt auch heute noch vor, dass Schüler dem Druck nicht mehr standhalten können und im Suizid den letzten Ausweg sehen.
Da ist wirkungsvolle Hilfe aus der sozialen Umgebung nur möglich, wenn die Ursachen für eine solche Verzweiflungstat bekannt sind.

Gruß
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Re: Literaturrätes - DichterInnen und AutorInnen raten - Runde XIII -
geschrieben von longtime
als Antwort auf enigma vom 23.06.2008, 07:39:31
Mein, enigma - da ist ein Missverständnis unterlaufen.

Der angegebene Buchtitel von Anja Schonlau ist nicht gemeint; er nennt nur den von mir hier präsentierten Autor an einer Stelle mit seinen Geschichten, in denen, auf Grund der religiösen und pädagogischen Verhältnisse, besonders humane und kommunikative Bedingungen zwischen Schule, Lehrern und Schülern herrschten.
Bei ihm gibt es keine selbstmörderischen "WERTHERIADEN":

Die Geschichte heißt "Das zersplitterte Fenster" und erschien zuerst 1939. Wer schrieb sie?


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Re: Literaturrätes - DichterInnen und AutorInnen raten - Runde XIII -
geschrieben von enigma
als Antwort auf longtime vom 23.06.2008, 10:32:48
Hallo Longtime,

Ja, das war wirklich ein Missverständnis.

Das hatte wohl mit einem Totalausfall meines logischen Denkvermögens zu tun, denn sonst hätte ich nicht unterstellt, dass ein Herr Noob einen Stil pflegt, wie er aus Deinem eingestellten Textauszug zu lesen ist. )

Ja also, nach wie vor kenne ich die Geschichte nicht.
Die Eselsbrücken, die Du mit Schöntal und Urach gebaut hast, könnten auf Albrecht Goes hindeuten.
Mit dem religiösen Ansatz könnte das auch hinkommen.
Und ich meine, dass ich einmal gelesen habe, dass Ernst Kretschmer das Verhältnis von Lehrern und Schülern in Schöntal/Urach gelobt und es als sehr offen und frei geschildert hat.
Es könnte also durchaus jemand sein, der dort z.B. die Seminare besucht hat.

Aber ich habe keine Ahnung, ob Goes eine solche Geschichte geschrieben hat.
Ich habe von ihm nur “Das Brandopfer” - und das schon vor Jahr und Tag - gelesen, kann mich also auch nicht mehr richtig an seinen Stil erinnern.

Auf jeden Fall aber wird er als großer Menschenfreund beschrieben, der seine Fröhlichkeit trotz der schlimmen Geschehnisse während seines langen Lebens nicht verloren hatte.

Gruß



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Re: Literaturrätes - DichterInnen und AutorInnen raten - Runde XIII -
geschrieben von longtime
als Antwort auf enigma vom 23.06.2008, 16:00:52
Hallo, enigma -

du hast ihn, den gesuchten Dichter und evangel. Theologen richtig benannt und gut charakterisiert. Er hatte seine spezielle religöse Lesergemeinschaft; er ist aber literarisch und historisch viel wichtiger, um sie ihr alleine zu überlassen.

Die Erzählung ist nachgedruckt in einer Sammlung, die zum 100. Geburtstag erschien:

Albrecht Goes: Was wird morgen sein? Erzählungen.
S. Fischer Verlag. Frankfurt am Main 2008. Fi-Tabu 17849.

Abschluss der Erzählung von dem symbolischen "... zersplitterten Fenster":


So wäre der Fall beigelegt gewesen und langsam vom Tagesgeschehen überdeckt worden, wenn nicht täglich und stündlich das riesige Loch im Gang das Gedächtnis der Tat frisch erhalten hätte. Und dieses Loch nahm denn auch der Rektor zum Anlaß, ein einziges Mal vor der ganzen Hausgemeinschaft auf die Sache die Sprache zu bringen. Auf etwas ungewöhnliche Weise, sagte er, sei das Loch entstanden, es könne nicht gut auf dem gewöhnlichen Wege wieder verschwinden. Er meine, Begebenheiten wie die nunmehr hinter uns liegenden könnten nur von allen Beteiligten, nicht aber von und vor fremden Kanzleiaugen verantwortet werden. Er möchte keine Meldung an die Behörde machen, keinen Ersatz dort erbitten, wo er denn die Umstände begründen müsse, die Armut sei groß ... kurz, man vorstehe ihn: wer ersetzt die Scheibe?
Wir, sagte die Hausgemeinschaft. Sie sagte es nicht im Chor und nicht zur Stunde, aber sie sagte es mit der einfachen Tat guter Kameradschaft. Peter Andrion verzichtete für diese letzten Wochen des Schönenberger Seminardaseins auf sein Taschengeld, sie, die Kameraden, verzichteten ihrerseits auf eine Wochenlöhnung. Diese Wochenlöhnung, für die Regel Freitag abends ausgegeben, war wichtig für den Kauf kleiner Notwendigkeiten und kleiner Erfreulichkeiten; gut denn, es mußte darauf verzichtet werden an diesem kommenden Freitag: wir wissen unseren Platz.

Und »Wir« sagte auch die Erzieherschaft, die den jungen Doktor Martens nicht allein lassen wollte und erst recht nicht dem Schülerkreis die ganze Umlage aufzubürden gedachte. Denn man wußte es wohl: wir stehen uns nicht gegenüber, Lehrer und Schüler, sondern zur Seite; hier ist die halbe Summe.

Als der Glaser die neune Scheibe brachte - sie wurde auf einem Wagen hergeführt mit aller Behutsamkeit -, da ergriffen viele Hände das Ungetüm und trugen sie die holten Treppen hinauf, und wie als gälte es die Aufrichtung eines neuen, wichtigen Gebäudes, blieben sie bei der Arbeit stehen und schauten zu. Auch
Doktor Martens, der wie zufällig vorüberkam, gesellte sich zu ihnen: sie sprachen nichts, nicht viel.
Es bedurfte ja auch keiner Worte. Durch dieses Fenster, das wußten sie alle, würde der Blick hinausgehen in helleres und weiteres Land.

Und wenn es wahr ist, daß Jünglinge gewagt werden müssen, damit Männer werden, so müssen wohl je und dann auch Fensterscheiben gewagt werden auf dem Wege des gemeinsamen Lebens und der gemeinsamen Schuld, damit sich das Haus der echten Dienste festige und erneuere.

*

TIPP: Interview mit Albrecht Goes:

*

Dann kriegen wir bald ein neues Rätsel von dir, engima?

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Re: Literaturrätes - DichterInnen und AutorInnen raten - Runde XIII -
geschrieben von enigma
als Antwort auf longtime vom 23.06.2008, 18:40:37
Hallo Longtime,

da freue ich mich, dass der im ersten Textauszug anscheinend so ernsthafte Schüler-Lehrer-Konflikt letzten Endes eine gute Lösung gefunden hat.
Das passt dann auch zu Goes, der Glaube an das Gute in Menschen und dass es sich zum Schluss oft durchsetzt.
Insbesondere habe ich noch sein Gedicht “von den sieben Leben” (oder so ähnlich heißt es) in - allerdings vager - Erinnerung. Ich weiß nur noch, dass es mir gefallen hatte. Ich werde es mal wieder raussuchen und lesen.

Ein neues Rätsel?
Ja, ich setze jetzt eines ein, das leicht sein kann (wenn man den Gesuchten kennt) oder etwas schwerer (wenn man ihn nicht kennt), weil er nicht so einen enormen Bekanntheitsgrad hat, vermute ich jedenfalls.

Also, es ist ein deutschsprachiger Autor, der im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts geboren ist und ganz zu Beginn des 21. Jahrhunderts verstarb.

Bevor er als freier Schriftsteller unabhängig wurde, hatte er einen bürgerlichen Beruf, der auch ziemlich anspruchsvoll war. Diesen Beruf übte er zu Beginn im ständigen Kontakt mit Menschen aus, später aber auch auf überwiegend bürokratischer Ebene.

Er schrieb Romane, Kinder- und Jugend- sowie Drehbücher.

Als Schriftsteller erhielt er einige Preise und Würdigungen und gehörte auch verschiedenen Gremien an.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass der Name des Gesuchten mir bis vor kurzem auch nicht bekannt war. Aber meine Vorliebe für Lebensläufe, die ich ja schon verschiedentlich erwähnt habe, hat ihn mir beschert. Inzwischen habe ich mir ein Buch von ihm bestellt, das ich wahrscheinlich morgen schon erhalten werde. Und dieser Roman, den ich bekommen werde, hat inhaltlich mit seinem ersten Beruf zu tun. Und dieser erste Beruf wiederum hat auch mit Bildung zu tun. )

Also, auf ein neues Rateerlebnis!

Gruß


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enigma
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Re: Literaturrätes - DichterInnen und AutorInnen raten - Runde XIII -
geschrieben von enigma
als Antwort auf enigma vom 23.06.2008, 20:36:01
...
also, unser Gesuchter war im ersten Beruf Lehrer, Direktor einer Schule und - im sozialen Aufstieg - Schulleiter und damit einhergehend überwiegend Bürokrat.

Und tschüss - bis morgen.
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enigma
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