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Literatur Kunstorte, Ausflugsziele

Re: Kunstorte, Ausflugsziele
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf pilli † vom 21.05.2007, 17:12:14
Auf der Suche nach einem Fleißkärtchen für e., a. oder p. - fand ich dies; das gilt wohl nicht mehr für eine(n) von uns - aber gesehen wir so etwas wohl alle noch! Brrr!

Und dnn was in die Bank kratzen!
--
elfenbein
Re: Kunstorte, Ausflugsziele
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 21.05.2007, 17:20:49
.... damit hat mich meine Lieblingslehrerin (1./2. Klasse Volksschule) zu besserem Deutsch verlockt!
+
Aber das ist kein Kunstort für mich geworden: Goch-Liebfrauen!

--
elfenbein
enigma
enigma
Mitglied

Re: Kunstorte, Ausflugsziele
geschrieben von enigma
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 21.05.2007, 17:24:17
Abgemacht, wir kriegen Fleißkärtchen, richtig schöööne, Lack oder so....?
Versprochen, Herr Lehrer e.?
Nachdem pilli schon Nietzsche präsentiert hat, muss ich mich jetzt aber ranhalten!


Edgar Allan Poe
Das Kolosseum

Urbild des alten Roms! Reliquienschrein
Erhabener Betrachtung! Nach so langer,
Mühseliger Pilgerschaft und heißem Durst
(Durst nach dem Quell des Einst, der in dir fließt)
Knie' ich, ein andrer, demutvoller Mann
In deinem Schatten, und in vollen Zügen
Trink ich vom Borne deiner Größe, deiner Weihe.
Unendlichkeit, ich höre deinen Strom!
Ich fühl' euch, dunkle Mächte der Zerstörung,
Nacht, Schweigen, Endlichkeit, ich fühl' euch jetzt!
O Zauber, sichrer als Judäas Fürsten
Ihn jemals in Gethsemane gelehrt,
Gewaltiger als die Chaldäer ihn
Vom Sternenhimmel in Verzückung lasen!
Hier, wo ein Held fiel, fällt jetzt eine Säule,
Dort, wo der Adler einst in Gold gestrotzt,
Hält eine Fledermaus Vigilien,
Wo ihr vergoldet Haar die Damen Roms
Im Winde flattern ließen, wogen nun
Riedgras und Disteln, und wo der Monarch
Auf goldnem Thron wollüstig-träge saß –
Da schlüpfen jetzt, vom Monde schwach beleuchtet,
Eidechsen hurtig in ihr Marmorheim.
O Mauern, moosbewachsene Arkaden,
Geschwärzte Schafte, schwankendes Gebälk,
Zerbröckelnde Ruinen, Steine, Steine,
Graue Steine, seid ihr alles, alles,
Was dem Geschick und mir vom Kolossalen
Der Stunden rastloses Zerstören ließ?
Nicht alles! gibt das Echo mir zurück.
Prophetenstimmen dringen zu dem Weisen
Aus uns und allen Trümmern, wie zur Sonne
Vom Memnonsteine Melodien klingen.
Vor unserer Größe beugen sich in Ehrfurcht
Die Mächtigsten der Erde – wir beherrschen
Die Riesengeister aller Nationen.
Wir sind nicht machtlos, wir verblichnen Steine.
Nicht aller Ruhm vergangner Tage schwand,
Nicht aller Zauber unsres hohen Rufs,
Nicht alle Wunderkraft, die in uns wohnt,
Nicht die Mysterien, die in uns liegen,
Nicht die Erinnerung, die an uns hängt
Sich an uns schmiegt wie ein Gewand, uns kleidend
In einen Schmuck, weit köstlicher als Ruhm.


--
enigma
Re: Kunstorte, Ausflugsziele
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf enigma vom 21.05.2007, 18:01:27
... von Sils-Maria:

Kurt Tucholsky:
KARTENGRUSS AUS DEM ENGADIN

Unten im weißen Nietzsche Haus
geht Ludwig Fulda ein und aus und ein und aus.
Wegen kongenial.
Drum herum wallen und ziehn
Menschenbrocken, ausgespien
aus Berlin
Herr Wendriner, Frau Wendriner.
Lauter ringfeine Smoking Berliner.
Wenn sie durch die Landschaft gehn,
wird ihnen hintenrum so mondän.
Sie machen mit den Kellnern Krach,
sie sind wie im Geschäft: überwach.
Der Fexgletscher leuchtet in eisiger Ruh
ihr Gesicht sagt: Das steht mir nämlich zu.
ich hab es bestellt. Ich hab es bezahlt.
Für mich ist der Zauber hier aufgemalt.
Nachts unter den ewigen Sternen
werden sie in grauen Kasernen
untergebracht. Da, in den Riesenhotels,
schlummern die großen Frauen voll Schmelz
selig im Arm der Liebe. Na, Arm ...
Die Leipziger Straße hat ihren Charme
hier hinauf geschickt in sauerster Süße ...

Du guter Leser herzliche Postkartengrüße!
Hier gletschern die Gletscher. Der Fexbach rauscht.
Die Sonne brennt. Das Zeltdach bauscht
sich im heißen Mittagswind.
Ein Kindlein pflückt bunte Blumen lind.
Da sitzt Theobald und fühlt innerlich:
Und wer pflückt mich?

*
(Unterm Namen "Theobald Tiger" in: WB vom 27.7.1926)

*
Dass K.T. ihnen begegnete, "Herr[n] Wendriner, Frau Wendriner", war Künstlerpech. Er hatte die Typen geschaffen, da suchten sie ihn auch ihn auch im Urlaub heim.

-

elfenbein
mart
mart
Mitglied

Re: Kunstorte, Ausflugsziele
geschrieben von mart
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 21.05.2007, 18:24:10
Orte, die eine Rolle spielen.... Orte, an denen der Nichtwissende einfach vorübergeht ... auch das gibt es:


Wenn die Blätter auf den Stufen liegen
herbstlich amet aus den alten Stiegen
was vor Zeiten über sie gegangen.
Mond darin sich zweie dicht umfangen
hielten, leichte Schuh und schwere Tritte,
die bemooste Vase in der Mitte
überdauert Jahre zwischen Kriegen.

Viel ist hingesunken uns zur Trauer
und das Schöne zeigt die kleinste Dauer.


Auf die Strudelhofstiege zu Wien aus "Die Strudlhofstiege" von Heimito von Doderer
--
mart
angelottchen
angelottchen
Mitglied

Re: Kunstorte, Ausflugsziele
geschrieben von angelottchen
als Antwort auf mart vom 21.05.2007, 18:44:03
und auch Städte, die erst durch ein Lied, ein Gedicht berühmt wurden ... als ich den Eingangsthread las, fiel mir spontan Barbara und ihr Chanson "Göttingen" ein ...

Gewiß, dort gibt es keine Seine
und auch den Wald nicht von Vincennes,
doch gäb's viel, was zu sagen bliebe
von Göttingen, von Göttingen!

Paris besingt man immer wieder,
von Göttingen gibt's keine Lieder,
und dabei blüht auch dort die Liebe
in Göttingen, in Göttingen.

Mir scheint, wir sind weit schlecht're Kenner
in punkto "Frankreichs große Männer"
als Hermann, Peter, Helga, und Hans
in Göttingen.

Hier spielte auch, ganz ohne Frage,
das Märchen uns'rer Kindertage:
"Es war einmal . . .", ja wo begann's?
in Göttingen.

Gewiß, dort gibt es keine Seine
und auch den Wald nicht von Vincennes,
doch sah ich nur so schöne Rosen
in Göttingen, in Göttingen.

Das Morgengrau ist nicht das gleiche
wie bei Verlaine, das silbern-bleiche,
doch traurig stimmt es auch Franzosen
in Göttingen, in Göttingen.

Kommt es mit Worten nicht mehr weiter,
dann weiß es, Lächeln ist gescheiter:
Es kann bei uns noch mehr erreichen,
das blonde Kind in Göttingen ...

Was ich nun sage, das klingt freilich
für manche Leute unverzeihlich:
Die Kinder sind genau die gleichen
in Paris, wie in Göttingen.

Laßt diese Zeit nie wiederkehren
und nie mehr Haß die Weit zerstören:
Es wohnen Menschen, die ich liebe,
in Göttingen, in Göttingen.

Doch sollten wieder Waffen sprechen,
es würde mir das Herz zerbrechen!
Wer weiß, was dann noch übrig bliebe
von Göttingen, von Göttingen ...

--
angelottchen
pilli
pilli
Mitglied

Re: Kunstorte, Ausflugsziele
geschrieben von pilli †
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 21.05.2007, 18:24:10
wer hätte geglaubt, dass Johann Wolfgang von Goethe den Kölner Karneval und dessen bräuche entscheidend beeinflusst hat?

anlass gaben seinerzeit beobachtungen, die er in der Italienischen Reise beschrieb und u.a. ein gedicht, das er den Kölnern sandte:

...

"Der Kölner Mummenschanz"
Fastnacht 1825

Da das Alter, wie wir wissen,
Nicht für Torheit helfen kann,
Wär es ein gefundner Bissen
Einem heitern alten Mann,

Daß am Rhein, dem vielbeschwommnen,
Mummenschar sich zum Gefecht
Rüstet gegen angekommnen
Feind, zu sichern altes Recht.

Auch dem Weisen fügt behäglich
Sich die Torheit wohl zur Hand,
Und so ist es gar verträglich,
Wenn er sich mit euch verband.

Selbst Erasmus ging den Spuren
Der Moria scherzend nach,
Ulrich Hutten mit Obskuren
Derbe Lanzenkiele brach.

Löblich wird ein tolles Streben,
Wenn es kurz ist und mit Sinn;
Heiterkeit zum Erdeleben
Sei dem flüchtigen Rausch Gewinn.

Häufet nur an diesem Tage
Kluger Torheit Vollgewicht,
Daß mit uns die Nachwelt sage:
Jahre sind der Lieb und Pflicht.

...

hier sitze ich und kann nicht anders auch meine heimatstadt zu nennen.

--
pilli
Re: Kunstorte, Ausflugsziele
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf pilli † vom 21.05.2007, 20:23:31
Besuch in Weißenstein bei Regen - im Haus des toten Dichters "Siegfried von Vegesack":

Besuch am Waldgrab...


Übersetzung des Toengedichts bei:

http://anton-reyntjes.de/index.php?title=Von_Vegesack

--
elfenbein
enigma
enigma
Mitglied

Re: Kunstorte, Ausflugsziele
geschrieben von enigma
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 21.05.2007, 23:01:43
Park und Schloss von Sanssouci sind mir von zwei Besuchen noch lebhaft in Erinnerung.

Und der Treppe von Sanssouci und einer Begegnung dort hat noch jemand gedacht, vor längerer Zeit.

Obwohl das Fontane-Gedicht eher eine Würdigung des Malers Menzel ist, möchte ich es hier im Zusammenhang mit Sansscouci, dem immer lohnenden Ziel, einstellen:

Auf der Treppe von Sanssouci

7./8. Dezember 1885
(Zu Menzels 70. Geburtstag)

Von Marly kommend und der Friedenskirche,
Hin am Bassin (es plätscherte kein Springstrahl)
Stieg ich treppan; die Sterne blinkten, blitzten,
Und auf den Stufenaufbau der Terrasse
Warf Baum und Strauchwerk seine dünnen Schatten,
Durchsichtige, wie Schatten nur von Schatten.
Rings tiefe Stille, selbst der Wache Schritt
Blieb lautlos auf dem überreiften Boden,
Und nur von rechts her, von der Stadt herüber,
Erscholl das Glockenspiel.
Nun schwieg auch das,
Und als mein Auge, das auf kurze Weile
Dem Ohr gefolgt war, wieder vorwärts blickte,
Trat aus dem Buschwerk, und ich schrak zusammen,
Er selbst, im Frackrock, hinter ihm das Windspiel
(Biche, wenn nicht alles täuschte), dazu Krückstock
Und Hut und Stern. Bei Gott, es war der König.

Was tun? Ich dacht' an Umkehr; doch sein Auge,
Das Fritzen -Auge bannte mich zur Stelle;
So hielt ich denn und machte Front.
»Wie heißt Er?«
Ich stotterte was hin.
»Und sein Metier?«
»Schriftsteller, Majestät. Ich mache Verse!«

Der König lächelte: »Nun hör' Er, Herr,
Ich will's Ihm glauben; keiner ist der Tor,
Sich dieses Zeichens ohne Not zu rühmen,
Dergleichen sagt nur, wer es sagen muß,
Der Spott ist sicher, zweifelhaft das andre.
Poète allemand! Ja, ja, Berlin wird Weltstadt.
Nun aber sag' Er mir, ich les' da täglich
(Verzeih' Er, aber Federvieh und Borste
Wohnt auf demselben Hof und hält Gemeinschaft),
Ich les' da täglich jetzt in den Gazetten
Von Menzelfest und siebzigstem Geburtstag,
Ausstellung von Tableaux und von Peintüren
Und ähnlichem. Ein großer Lärm. Eh bien, Herr,
Was soll das? Kennt Er Menzel? Wer ist Menzel?«

Und dabei flog ein Zug um seinen Mund,
Als wiss' er selber Antwort auf die Frage.

»Zu Gnaden Majestät«, begann ich zögernd,
»Die Frag' ist schwer, das ist ein Doktorthema;
Mein Wissen reicht bis Pierer nur und Brockhaus.
Ja, wer ist Menzel? Menzel ist sehr vieles,
Um nicht zu sagen alles; mind'stens ist er
Die ganze Arche Noäh, Tier und Menschen:
Putthühner, Gänse, Papagei'n und Enten,
Schwerin und Seydlitz, Leopold von Dessau,
Der alte Zieten, Ammen, Schlosserjungen,
Kathol'sche Kirchen, italien'sche Plätze,
Schuhschnallen, Bronzen, Walz- und Eisenwerke,
Stadträte mit und ohne goldne Kette,
Minister, mißgestimmt in Kaschmirhosen,
Straußfedern, Hofball, Hummermayonnaise,
Der Kaiser, Moltke, Gräfin Hacke, Bismarck -«
»Outrier' Er nicht.«
»Ich spreche nur die Wahrheit.
Bescheidne Wahrheit nur. Er durchstudierte
Die groß' und kleine Welt; was kreucht und fleucht,
Er gibt es uns im Spiegelbilde wieder.
Am liebsten aber (und mir schwoll der Kamm,
Ich war im Gang, ›jetzt oder niemals‹ dacht' ich),
Am liebsten aber gibt die Welt er wieder,
Die Fritzen -Welt, auf der wir just hier stehn:
Im Rundsaal, vom Plafond her, strahlt der Lustre,
Siebartig golden blinkt der Stühle Flechtwerk,
Biche (›komm, mein Bichechen‹) streift die Tischtuchecke,
Champagner perlt, und auf der Meißner Schale
Liegt, schon zerpflückt, die Pontac-Apfelsine ...«

»Nun lass' Er nur. Ich weiß schon.«
Und er lüpfte
Den Hut und ging. Doch sieh, nur wenig Schritte,
So hielt er wieder, wandte sich und winkte
Mich an die Seit' ihm. »Hör Er, Herr; ein Wort noch:
Er hat bestanden; so lala. Denn wiss' Er,
Ich kenne Menzel wie mich selbst und wär' ihm
Erkenntlich gern. Emaille-Uhr? Tabatière?
Vielleicht ein Solitaire? Was macht ihm Spaß wohl?«

»Ach, Majestät, was soll ihm Freude machen?
Er hat vollauf von Gütern dieser Erde,
Hat Ansehn, Ehre, Titel, Ordenskreuze
(Pour le mérite, natürlich Friedensklasse),
Hat Freunde, Mut und Glück, und was die Hauptsach',
Hat seine Kunst ...«
»Und fehlt ihm nichts?«
»Rein gar nichts.«
»Na, das ist brav. Comme philosophe! Das lob' ich
Und will nicht stören. Aber eines sagt ihm:
Ich lüd' ihn ein (er mag die Zeit bestimmen,
Ein Jahrer zehne will ich gern noch warten),
Ich lüd' ihn ein nach Sanssouci; sie nennen's
Elysium droben, doch es ist dasselbe.
Dort find't er alte Freunde: Gen'ral Stille,
Graf Rotenburg, die ganze Tafelrunde,
Nur Herr von Voltaire fehlt seit Anno 70;
Franzose, rapplig. Dieser Platz ist frei.
Den reservier' ich ihm. Bestell' Er's. Hört Er?
Ich bin Sein gnäd'ger König. Serviteur!«

Theodor Fontane



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enigma
Re: Kunstorte, Ausflugsziele
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf enigma vom 21.05.2007, 08:53:28
Etwas nicht so "Brennendes" zu einem bösen Jahrestag aus des erzbösen Jahres 33... - etwas Leichtes, aber nicht Leichtsinniges will als Erkundungsziel vortragen:

Besuch in "Böhmisch-Dorf", später genannt "Böhmisch-Rixdorf":


Diese Wanderer kennt jeder Leser, den Dichter und die Mitwanderer Palmström und Herrn von Korf; dass sie sich gemeinsam und gütlich-köstlich vom Fleiß der Bienen ernähren, ist mir ein besondere Lese-Frucht (so lange das noch möglich ist):


Palmström reist, mit einem Herrn v. Korf,
in ein sogenanntes Böhmisches Dorf.

Unverständlich bleibt ihm alles dort,
von dem ersten bis zum letzten Wort.

Auch v. Korf (der nur des Reimes wegen
ihn begleitet) ist um Rat verlegen.

Doch just dieses macht ihn blaß vor Glück.
Tiefentzückt kehrt unser Freund zurück.

Und er schreibt in seine Wochenchronik:
Wieder ein Erlebnis, voll von Honig!
*

Vgl.
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/lyrikkalender/624863

*
Wer sich sprachlich vor Ort erkundigen will, s. TIPP!

--
elfenbein
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