Forum Politik und Gesellschaft Innenpolitik Patientenmissbrauch ehemaliger DDR-Ärzte

Innenpolitik Patientenmissbrauch ehemaliger DDR-Ärzte

navallo
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Re: Patientenmissbrauch ehemaliger DDR-Ärzte
geschrieben von navallo
als Antwort auf hafel † vom 27.11.2007, 23:19:43
@hafel,
ich habe sehr wohl den gesamten Thread gelesen und habe mich bewußt auf einen Punkt beschränkt. Das Wiederkäuen bekannter Standpunkte oder Gegenargumente ist nicht unterhaltsam.
Was mich an der vorangehenden Diskussion stört, ist das moralisierende Schwingen einer ethischen Keule mit Abheben auf einen angeblichen Eid, wie er so nur noch in alten Griechischlehrbüchern oder auf Bütten goldgerahmt in Hörsälen mancher Kliniken existiert.

Die Verletzung der Schweigepflicht (StGB § 203 BRD) war auch in der DDR strafrechtlich zu verfolgen (StGB der DDR § 136). Voraussetzung war und ist die Anzeige bei den Strafverfolgungsbehörden (Polizei, Staatsanwalt ...). Es darf als sicher gelten, daß in der DDR derartige Anzeigen, falls sie überhaupt stattgefunden haben, nicht weiter verfolgt wurden, wenn ein Zusammenhang mit Stasispitzelei bestand.

Ärztekammern sind keine Strafverfolgungsbehörden, müssen aber sehr wohl Anzeigen weiterleiten oder Anzeige erstatten. Die Annahme, dies würde wegen Ärztemangels nicht erfolgen ist falsch. Die Ärztekammern würden sich damit selbst strafbar machen. Der Ermessensspielraum ist für die Bestrafung bei Verletzung der Schweigepflicht recht niedrig - meist Geldstrafe, maximal ein Jahr Freiheitsentzug. Du darfst aber sicher sein, daß allen zur Anzeige kommenden Schweigepflichtverletzungen nachgegangen wird.

Zur Verschwiegenheitspflicht, die übrigens nicht nur Ärzte betrifft, bestehen komplizierende Verbindungen zum Zeugnisverweigerungsrecht und zu bestimmten Anzeigepflichten (seuchenrechtliche Bestimmungen). So ist beispielsweise auch die Nichtanzeige geplanter Straftaten (StGB 138) strafbewehrt. In solchen Fällen kann das zum „Widerstreit der Pflichten“ (Schweigepflicht kontra Anzeigepflicht) führen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, daß es auch Ärzte gegeben hat, vielleicht sogar IMs, die mit ihren Möglichkeiten Patienten vor dem Stasiknast und Bautzen bewahrt haben. Manche mögen durch massive Erpressungen zur Spitzeltätigkeit gekommen sein. Die Stasi hatte keine Hemmungen, in intimste familiäre Beziehungen einzugreifen, wenn jemand nicht spurte. Das pauschalisierende Verdammen ohne Kenntnis der konkreten einzelnen Situationen ist mir zu oberflächlich.

--
navallo
hafel
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Re: Patientenmissbrauch ehemaliger DDR-Ärzte
geschrieben von hafel †
als Antwort auf navallo vom 28.11.2007, 16:44:14
Ich kann mich mit Deinem Beitrag sehr versöhnen. In vielen Punkten denke ich ähnlich. Danke für Deine Anmerkungen.
--
hafel
mart
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Re: Patientenmissbrauch ehemaliger DDR-Ärzte
geschrieben von mart
als Antwort auf hafel † vom 21.11.2007, 18:50:09
Eine Richtigstellung der hier genannten Zahlen erscheint mir wichtig.

Es waren "nur" 3 bis 5% der Ärzte, die als Informanten des Staatssicherheitsdienstes arbeiteten.
Re: Patientenmissbrauch ehemaliger DDR-Ärzte
geschrieben von Mitglied_993ca8d
als Antwort auf mart vom 29.11.2007, 00:29:16
Hallo mart
der Artikel ist Aufschlussreich und wohl auch gut recherchiert und gegen die Diskussion hier angenehm unaufgeregt. Im Endeffekt spielen Zahlen wie viele Ärzte das machten oder was auch in anderen Berufsgruppen stattfand keine Rolle. Ein paar hundert Denunziationen mehr oder weniger machten keinen Unterschied in der Beurteilung des Systems welches sie benütze um sich zu halten und um vermeintlichen Schaden von dieser Staatsform abzuwenden.
Ganz sicher war es ein Vertrauensbruch, vielleicht aus Überzeugung oder aus Geldgier oder um sich in das rechte Licht zu setzen es sollte ja auch die Karriere fördern.
Ich denke das solche Vertrauensbrüche in vielen Ländern vorkomme weil Menschen nun mal so sind wie sie sind, nur das solche Verhaltensweisen staatlich gefördert werden, zum Teil mehr oder weniger sanft und nachdrücklich erzwungen wurden und das mit einem System von Belohnungen ist wohl nur in einer Diktatur möglich.
Freundlicher Gruß Claude

hafel
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Re: Patientenmissbrauch ehemaliger DDR-Ärzte
geschrieben von hafel †
als Antwort auf mart vom 29.11.2007, 00:29:16
Okay mart, Du hast die Mitteilung aus der TAZ und ich aus dem ZDF. Ich habe mir mir die Zahl ja nicht ausgedacht.
Es ist aber für mich egal wieviel Prozent es sind.

Ein Beispiel: Ein Mörder reicht, es müssen nicht 10 sein.
--
hafel
hugo
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Re: Patientenmissbrauch ehemaliger DDR-Ärzte
geschrieben von hugo
als Antwort auf hafel † vom 29.11.2007, 09:48:24
immerhin wurde hugo, weil er diese 20% anzweifelte sofort von eko und hafel aufs Korn genommen und ihm wurde "Gesundbeten" des "Unrechtsstaates" oder so ähnlich angedichtet

und klaus ging sogar noch weiter ,,,er beschuldigte Hugo wegen des Verdachts, das es auch heutzutage Datenmißbrauch bei Ärzten gibt ,mit einer Verharmlosung und sogar Billigung dieser Tätigkeit der IM,s

und dabei gabs in den letzten paar Jahren Beispiele in Hülle und Fülle das sich deutsche Ärzte, Apotheker und Pharmaleute mit einer Millionenbeute auf Kosten der Kassenpatienten die Taschen füllten.
ich kann mich an einige Schlagzeilen och gut erinnern:
fingierte Rezepte, überteuerte Herzklappen, Abrechnungbetrug,
Millionen-Betrug mit Scheinpraxen,

fast 150 Großverfahren allein bei der Kriminalpolizeiinspektion Saarland
Teure Medikamente verordnet und abgerechnet, aber nicht verkauft,
Bildung krimineller Netzwerke bei Schrittmachervermarktung,,,,

na wenn das keine Ansatzpunkte für die Stasi gewesen wären, solche korrupte Ärzte unter Druck zu setzen und für ihre Zwecke zu missbrauchen,

vom Betrug aus Geldgier bis zum Verkauf von Daten ists doch wohl kein allzu großer Schritt, oder meint ihr das solche Gauner ein Gewissen haben und dann plötzlich Saubermänner werden nur um Eure Daten zu schützen ??

Verbrecher, Gauner, Betrüger gabs und gibts wohl überall und zu jeder Zeit das besondere am Patientenmißbrauch in der DDR war das bestimmte ungesetzliche bzw. unanständige Tätigkeiten sogar durch staatliche Institutionen abgefordert wurden.

Obs das heute nicht gibt das -na sagen wir mal als Beispiel- die Journalisten angesprochen werden ob sie nicht mal mit einigen Daten aushelfen würden,,natürlich gegen Honorar ?? und was wäre daran anders als zu Stasizeiten ?

ach soo, nun fällts mir ein, es war ja damals ein Unrechtssystem und heute ist es ein ´Rechtsstaat der solches ermöglicht.

ich sehe als einzigen positiven Unterschied, das heute -im Gegensatz zu damals- es noch eher und leichter möglich ist für die betroffenen Leute denen das nicht passt, an die Öffentlichkeit zu gehen, zu protestieren und sich gegen solche Vereinnahmung zur Wehr zu setzen.

--
hugo
Re: Patientenmissbrauch ehemaliger DDR-Ärzte
geschrieben von Mitglied_993ca8d
als Antwort auf hugo vom 29.11.2007, 10:30:56
Erstens Hugo ist das in der TAZ auch nur eine Nennung von Zahlen, zweitens ist kriminelle Energie nicht nur auf Diktaturen beschränkt ich ich meine um sich zu bereichern wie es das hier in der BRD passiert/passierte, nur zum Systemerhalt wie in der DDR wurde und wird hier in der Regel von Staats wegen niemand ermutigt gegen geltende Gesetze zu verstossen, zumindest nicht so flächendeckend wie im ehemals sozialistischen Deutschland!! Da ist ein Teil deines frohgemuten Beitrages eben doch die übliche Hugomischung aus absichtlichen falschen verstehen und ähnliches

claude
hafel
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Re: Patientenmissbrauch ehemaliger DDR-Ärzte
geschrieben von hafel †
als Antwort auf hugo vom 29.11.2007, 10:30:56
Hugo, rege Dich doch hier nicht künstlich auf. Nur weil es in der TAZ stand muss es ja nicht richtig sein. Meine Info kommt aus BEIDEN öffentlichen TV-Programmen. Außerdem hatte ich in meiner ersten Meldung, was die Prozentzahl angeht, "ca." geschrieben. Was Du machst ist wieder einmal ein Ablenken vom eigentlichen Thema. Es geht hier NICHT darum wieviel Ärzte diese Sauereien gemacht haben, sondern dass sie es gemacht haben. Und da reicht einer alleine!
--
hafel
mart
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Re: Patientenmissbrauch ehemaliger DDR-Ärzte
geschrieben von mart
als Antwort auf Mitglied_993ca8d vom 29.11.2007, 11:03:00
Wie so oft, claude, bringst du es auf den Punkt.

Die Verwirrung um die Zahlen ist offensichtlich dadurch entstanden, daß von den 3 bis 5 % der als Informanten tätigen Ärzten eine überwiegende Mehrheit von fast 90% zur Bespitzelung ihrer (flucht- und ausreisewilligen) Kollegen eingesetzt wurden und "nur" ca. 28 % der als Informanten tätigen Ärzte Informationen über die Patienten weitergegeben hätten.

Hafel, ich meine nicht, daß in diesem Fall die Zahlen so uninteressant sind und es egal ist, ob es sich um einen Fall oder doch um ca. 1000 Fälle handelt.
Es ist ein Ausdruck und Ausfluß der Paranoia, die jedes diktatorische System entwickelt und wohl entwickeln muß, um sich selbst zu erhalten.

mart

PS:Die Mißbräuche, die Hugo anspricht, liegen doch auf einer ganz anderen Ebene.


hugo
hugo
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Re: Patientenmissbrauch ehemaliger DDR-Ärzte
geschrieben von hugo
als Antwort auf Mitglied_993ca8d vom 29.11.2007, 11:03:00
na claude, wenn Du es genauer, detaillierter erfahren und hier wiedergeben möchtest, dann kann ich Dich auf ein Buch vom Berliner Politologen Hanns Lekse mit seinem Buch «Erich Mielke, die Stasi und das runde Leder» verweisen.

eine interessante Kurzfassung hat bei der netzeitung.de Matthias Bossaller verfasst.
Die ist nicht ganz aktuell (so auch wie das Buch nicht) aber das Prinzip ist stimmig, die üblichen Gepflogenheiten und ddr-bekannten Maßnahmen welche die Berliner Dynamos zum Siegen verurteilten ebenso.

Da werden wenigsten Namen genannt, Fakten und Daten und nicht nur mit ominösen Prozenten jongliert.

Bin ja mal gespannt auf eine ähnliche Doku über die DDR-Ärzte

ich kenne bisher nur solche Titel wie:

Ärzte als inoffizielle Mitarbeiter:
Im Dienste der DDR-Staatssicherheit
Götter in Weiß als Stasi-Spitzel
DDR-Gesundheitswesen war von IMs der Staatssicherheit durchsetzt usw,,


hugo
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