Forum Kunst und Literatur Fernsehen und Film "Bevor es Nacht wird" - ein ganz besonderer Film , der das Kubanische System in ein etwas anderes Licht stellt

Fernsehen und Film "Bevor es Nacht wird" - ein ganz besonderer Film , der das Kubanische System in ein etwas anderes Licht stellt

angelottchen
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Javier Bardem als Reinaldo Arenas
geschrieben von angelottchen
Manchmal schlägt der Zufall Purzelbäume: Seit Tagen grüble ich, ob ich Euch den kubanischen Schriftsteller Reinaldo Arenas vorstellen soll; einen Beitrag hatte ich so gut wie fertig, aber dann hab ich es erst einmal gelassen - einfach weil es das von mir kürzlich im original gelesene Buch "Der Palast der blütenweissen Stinktiere" kaum gibt und ich einen guten Aufhänger gesucht habe - und nun war er da, der Aufhänger - zufällig zappte ich gestern Abend in einen Film auf WDR hinein, der am 09.04. um 01:00h noch einmal wiederholt wird und in dem es um den autobiografischen Roman "Bevor es Nacht wird" geht.

Reinaldo Arenas wurde 1943 in Holguín, eine kubanischen Grossstadt mit ca 290.000 Ew. geboren. Er wächst in grosser Armut auf, wird früh misshandelt und viel geschlagen und seine Homosexualität hat er weder je verleugnet noch unterdrückt. Anfang der 60er ist er wie das ganze junge Kuba euphorischer Anhänger von Fidel Castro und seiner Politik, engagiert sich politisch und wird für kurze Zeit flammender Stern unter den jungen, wilden Literaten des Landes - doch das neue Regime hasst Schwule - sie gelten als dekadente,asoziale Elemente, als Schmutz und Pornografie - Castro lässt seine Veröffentlichungen beschlagnahmen und zensieren und Arenas wird immer kritischer. Er versucht, das Land zu verlassen, aber man gestattet ihm die Ausreise nicht; eine Flucht misslingt. Schliesslich wird er inhaftiert und auf unvorstellbare Weise erniedrigt und gefoltert - aber er schreibt ... ein transvestiter Freund, der einen Zellennachbarn besucht, schmuggelt die handgeschriebenen Blätter, gerollt und in Plastik eingewickelt, im After aus dem Gefängnis und schafft alles ausser Landes ... schliesslich weist man ihn zusammen mit anderen "asozialem Dreck" ausser Landes und er kommt in die USA nach New York. Hier lebt er zwar frei sein schwules Leben aus, aber er ist ein Niemand, er infiziert sich mit HIV+, der Virus bricht aus und teils aus Heimweh und Einsamkeit, Teils aus Angst vor der fortschreitenden Krankheit, macht er seinem Leben nach fast 10 Jahren im Land der begrenzten Unmöglichkeiten durch eine Überdosis Tabletten ein Ende.

In seinem Abschiedsbrief nennt er eine Person, die er für sein Ende verantwortlich macht: Fidel Castro. "Die Leiden des Exils, der Schmerz der Verbannung, die Einsamkeit und die Krankheiten, die ich mir nur in der Verbannung zuziehen konnte, hätte ich sicherlich nicht erlitten, wenn ich frei in meinem Land hätte leben dürfen." Und er schließt: "Kuba wird frei sein. Ich bin es schon."

Noch eine Bemerkung zum Film, bzw. zum Hauptdarsteller: Da handelt es sich um den wandlungsfähigen und grossartigen spanischen Schauspieler Javier Bardem, der vor kurzem in "Das Meer in mir" zu sehen war und den viele aus den Filmen "High Heels" , "No country for old man" oder "Die Liebe in Zeiten der Cholera" kennen werden.

Eine andere Rolle - eigentlich eine Doppelrolle - spielt Johnny Depp.


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angelottchen
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