Internationale Politik Kann Lebensrettung falsch sein?
@Edita,
ja, wie ich schon schrieb, fast jeder bastelt sich seine "Realität" und hält an ihr fest, egal, was um ihn herum passiert. Meldungen, die das eigene Weltbild stärken, werden übernommen, andere Meldungen verworfen.
Ich denke gerade noch einmal daran, dass der wunderbare Hans Rosling leider verstorben ist, aber sein Buch "Factfulness: Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist" ich am liebsten jedem STler zu Weihnachten schenken würde (wenn ich es mir leisten könnte). Denn dort lehrt er uns, wie wir diesen von Fakten losgelösten Vorurteilen entkommen können.
Karl
Margit, du hast es auch noch nicht realisiert. Bitte nicht aufhören zu lesen, wenn die kleinen, roten Pünktchen kommen. Es steht etwas weiter oben im Text, den du von mir zitiert hast. Ich will, daß alle Menschen gerettet werden, aber nicht von Privatleuten. Sie stören die dringende Hilfe in den afrikanischen Staaten, weil sie über die Medien vollkommene Rettung suggerieren die es nicht geben kann und so weitere Flüchtlinge aktivieren. Die Seenotrettung kann aber zurückgefahren werden, sobald die Flüchtlinge ausbleiben.Zitat AdamIch verstehe nicht, wie die private Rettung von Menschenleben andere Maßnahmen behindern kann. Wenn jemand in Lebensgefahr ist, und ich dafür spreche, ihn nicht zu retten, ja , was bin ich dann?
Trotzdem bin ich gegen das private Engagement bei der Seenotrettung, weil es andere Maßnahmen behindert. Trotzdem bin ich selbstverständlich dafür die Menschen zu retten.
Zitat AdamDiese Argumentation der Macht ist schon sehr alt. Früher war der Herrscher von Gottes Gnaden, und deshalb unantastbar und nicht kritisierbar.
Für derartige Aufgaben wählen wir Politiker und Regierung. Mit eueren privaten Gängeleien, Belehrungen und pseudopolitischem Getue stört ihr den gesellschaftlichen Frieden und verfälscht politische Mehrheiten, wenn sich Leute gegen euch wehren. Ihr habt kein politisches Mandat und müßt lernen, euch Mehrheiten zu beugen und denen nicht ins Handwerk zu
Diese Ansicht setzte sich im Christentum mit dem Gottesgnadentum fort. Auch Luther hielt die Obrigkeit für von Gott eingesetzt und für nicht kritisierbar.
Über unsere jüngere Vergangenheit und die weit verbreitete willfährige Hinnahme von Unrecht will ich nicht sprechen.
Ich habe meinen Glauben an den mündigen Bürger, der nicht nur alle vier Jahre wählt und sonst mit seinem Bier die abendlichen Nachrichten konsumiert, noch nicht aufgegeben.
Demokratie lebt vom Engament ihrer Bürger. Dies als Störung des sozialen Friedens abzutun, ist für mich nicht akzeptabel.
Margit
Natürlich lebt Demokratie von Engagement ihrer Bürger. Aber deshalb kann nicht jeder tun, was er will. Das Engagement muß organisiert, in kontrollierbare Bahnen gelenkt werden. Die einen halten es für gut, in Syrien für den IS zu kämpfen und wandern ins Gefängnis und andere wollen auf dem Mittelmeer Menschen retten, ziehen dadurch noch mehr in den Tod, sollen aber dafür einen Orden bekommen? Immer steht Meinung gegen Meinung. Erst der Kompromiß, dann die Tat. Wollen sich die deutschen, privaten Retter unserer Marine anschließen, wenn die einen entsprechenden Auftrag bekommt? Ohne mediales Aufsehen? Bitteschön!
--
adam
Uwe Teschner liest das Hörbuch vor. Danke für diesen Hinweis, Karl.
Wird bald geordert.
LG Adoma
Das sagst Du so, aber so einfach ist das nicht Mareike - JA der Begriff dient dazu das ethische Ideal des guten Menschen in hämischer Weise zu präsentieren, aber ..... um Andersdenkende eben ohne Ansehen der Argumente als naiv abstempeln zu können!Man kann es so auslegen, muss es aber nicht zwangsläufig.MareikeAuch diese Formulierung halte ich für sehr tendenziös. Du schließt Dich hier der Definition von "Gutmensch" durch die Rechten an und damit sollen alle mit anderer Meinung als realitätsfern stigmatisiert werden.
"Gutmenschen" sind in der Regel Idealisten, Realisten reagieren da in der Regel schroff.
Karl
Gutmensch ist zum einen ein Kampfbegriff der Rechten, womit Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd diffamiert wird.
Zum anderen aber einfach eine polemische Zuspitzung in der politischen Debatte, die nicht auf Taten zielt, sondern auf Argumente.
" Der Gutmensch tut nur Gutes um sich hervorzuheben und will nicht sehen oder gar unterschlagen , daß es Menschen gibt, die nicht gut sind ", und eben genau das, bekommt man hier und in anderen themenähnlichen Threads immer wieder geantwortet!
Und meine Devise ist, daß wir wegen ein paar Verbrechern, unsere Hilfe nicht verweigern dürfen!
Edita
Edita
Dieser mein Satz steht in einem Kontext. Ich schrieb: "Das Schimpfen auf Gutmenschen ist die Antwort auf das Schimpfen auf "Schlecht"-Menschen. Beides ist kontraproduktiv."
Es wird da doch erkenntlich, dass ich die polemische Zuspitzung in der Diskussion meinte.
Das Karl und anschließend auch Du es anders auslegt, hat dann eben mit Eurem Verständnis von Diskussion und Hinterfragen zu tun.
Und so drehen wir uns im Kreis ...
Wohin jahrezehntelange Gutmenschen-Politik geführt hat, kann man im folgenden Artikel gut nachvollziehen:
https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_84222418/-wir-haben-die-24-mordkommission-in-diesem-jahr-einrichten-muessen-.html
http://smiles.kolobok.us/artists/connie/connie_29.gif
Ja, ja, die Gutmenschen, die schlimmsten von allen. Da erinnern die gar an die Verbrechen der Faschisten. Wie naiv und realitätsfern.
In Italien überlegt der Familienminister Lorenzo Fontana das Gesetz von 1993, das faschistische Propaganda und rassistische Hetze verbietet, abzuschaffen. In bestem Neusprech erklärt er, dieses Gesetz sei als „Schutzmantel für anti-italienischen Rassismus“ benutzt worden. Der Rassismus-Vorwurf sei eine „ideologische Waffe der Globalisten und ihrer Sklaven“.
Wer nicht merkt, wohin die Reise geht, wenn die Menschen nicht endlich wach werden, der muss blind sein.
Ich will den Faschismus nicht wieder haben!
Denn den Schaden, den die Faschisten über die Menschheit gebracht haben, muss ich den wirklich detailliert aufzählen? Was hat er z. B. Deutschland gebracht, außer Tod, Leid und Verkleinerung?
Wer ist also gefährlicher? Faschisten oder gute Menschen?
Karl
Ja, ja, die Gutmenschen, die schlimmsten von allen. Da erinnern die gar an die Verbrechen der Faschisten. Wie naiv und realitätsfern.Mir hat die Kolumne von Sascha Lobo gut gefallen, der er sich mit dem typischen rechten Sprachgebrauch befaßt. Ein kleiner Ausschnitt:
[...]
Für mich ist die Benutzung des Begriffs "Gutmensch" eine Art, sich zu outen. Es demonstriert eine Grundhaltung und die Absicht, Andersdenkende zu diffamieren. Die Frage ist, ob sich die Auseinandersetzung damit überhaupt lohnt. Mit jemandem sachlich diskutieren zu wollen, der seinerseits Diffamierungen benutzt, ist schwierig bis sinnlos, denn es zeigt Unwillen oder Unfähigkeit zur sachlichen Auseinandersetzung.
Gutmenschen
Auch in intellektueller Darreichungsform als "Hypermoralisten" verfügbar, handelt es sich im rechten Sprachgebrauch um Leute, die einen gewissen Mindestanstand im Alltag und Grundrechte für alle Menschen für politische Werte halten. Die Bezeichnung Gutmensch ist eine Schuldabwehr, weil sich Rechte und Rechtsextreme schlecht fühlen, wenn ihr fehlender Anstand im Kontrast zu Nichtrechten so deutlich wird.
Quelle: Spiegel Online: Sprachkritik - Deutsch-Rechts/Rechts-Deutsch
(und bevor jetzt das Geschrei anhebt: Ja, Sascha Lobo ist manchmal auch polemisch. Stimmt.)
det
Danke Karl, es ist einfach traurig wo wir wieder hinsteuern.
Besonders in Italien wächst die braune Ideologie gesteuert von der rechten Regierung rasant.
Ich verstehe nicht wo der "breite" Aufschrei bleibt, das gleiche passiert jetzt auch in der USA, die Gegenwehr ist bedenklich ruhig, In der Hoffnung daß es nicht zum Mainstream - Denken kommt.
Ich bin stolz ein Gutmensch zu sein, wir müssen uns dieser ideologischen Falle entgegenstellen, es ist zwar nur ein Tropfen auf den heissen Stein, schnell könnte die Masse zu Lemmings werden. Die Grünen welche einen moderaten Zulauf haben scheinen sind mir zur Zeit sehr angenehm.
pschroed´s Meinung.
Phil.
Ja, sowas. Gerade lese ich zufällig, diese tolle Kolumne von Sascha Lobo, genau passend zum Thema, will einen Auszug hier einstellen, und schon sehe ich, dass das gerade passiert ist.
Meine kopierten Beispiele stelle ich aber noch ein, das ist saugut zum Teil.
Political Correctness
Merkel der Sprache. Political Correctness ist für Rechte eine Denkfigur, die jedem erlaubt, sich im Alltag in die Opferpose zu werfen: "Mir wird der Mund verboten!" Gegen Political Correctness zu sein, heißt für Rechte, dass sie menschenfeindliche Sprache benutzen wollen, ohne dass ihnen widersprochen werden soll. Rechte nehmen Widerspruch als "Unterdrückung" oder sogar "Verbot" wahr, weil sie die bloße Existenz der Andersartigkeit als Bedrohung begreifen möchten: die Garantie, für immer Opfer zu sein. Der Kampfruf "Political Correctness!" taugt auch als Schutzbeschwörung gegen jedes Nachdenken über Diskriminierung.
Rechte Ecke
Sogar selbsterklärte Rechte wehren sich dagegen, "in die rechte Ecke" gestellt zu werden. Denn Rechte und Rechtsextreme haben den Trick entwickelt, sich selbst für die "politische Mitte" zu halten. Deshalb empfinden sie nicht "rechts" als beleidigend, sondern "Ecke". Eigentlich fehlt nur noch die Beschwerde, dass man Nazis nicht immer gleich in die rechte Ecke stellen solle.
Ha ha, ha,wie oft habe ich das hier schon gelesen von Leuten, die sich, wenn auch manchmal sehr verklausuliert, rechts äußern, aber nie im Leben zugeben würden, dass sie rechts ticken.
Hat der Lobo vielleicht im ST gelesen?
Deutsch-Rechts/Rechts-Deutsch