Wunderbar giftig

Wunderbar giftig


Die dunkelblau glänzenden Beeren*,
gereift von des Sommers Sonne,
verführen zu gern zum Probieren,
es wär sicher eine Wonne,
die Fruchtsüße gleich mal zu schmecken
vom reichlich vorhandenen Saft,
nur wenig muss man den Arm recken,
schon hat er’s zur Dolde geschafft.

Holunderdolden-2.jpg

Sie lässt sich vom Busch leicht abtrennen
und rasch ist der Sammelkorb voll,
doch söllt man die Sorte gut kennen,
es vermeidet unguten Zoll,
denn ähnlich erscheinende Früchte
tragen in sich schlimmes Gift*,
das niemand im Korb haben möchte
drum acht man, dass das nicht zutrifft.

Hingegen sind die reifen Beeren
vom Busch des „Schwarzer Holunder“
in höchlichsten Tönen zu ehren,
denn sie sind ein wahres Wunder,
wenn man sie nur richtig anwendet
nachdem man sie gut gekocht* hat,
der süßliche Beerensaft spendet
viel Gutes für heilsame Tat.

Mineralien, Zink und Eisen
enthalten die reifen Beeren,
die wichtige Stoffe* ausweisen
zur Heilung schlimmer Miseren
wie Grippe, Erkältung mit Fieber
und Krankheit der Atemwege –
noch manches von diesem Kaliber
dient der Erschöpfung* und Pflege.

Holunderdolden.jpg


Schon vor nicht mehr denkbaren Zeiten
gab man dem Hollerbusch* Ehren,
er konnt böse Geister vertreiben
und so manch Unglück abwehren,
der Strauch strotz voller alter Magie
mit Kräften zu mancher Heilung –
was gibt’s in jeglicher Galaxie
von mythischerer Bedeutung?

© Syrdal 2026


………………………..

Erklärungen:
*Beeren = Holunderfrüchte werden fälschlich Beeren genannt, denn es sind im botanischen Sinn Steinfrüchte
*Gift = alle Pflanzenteile des „krautigen Holunder“ (auch Zwergholunder oder Attich genannt), vor allem aber die Früchte enthalten Blausäureglykoside, Kaffeesäure und Cumarsäure und sind somit giftig (bis tödlich!). Aber auch die Früchte des schwarzen (ebenso des roten) Holunders dürfen nicht roh verzehrt werden
*gekocht = Holunderfrüchte (auch reif) enthalten ein cyanogenes Glycosid (Sambunigrin), das roh genossen zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen kann. Die Wirkung wird durch den Kochprozess (mindetsens 80 Grad) neutralisiert
*Stoffe = Holunderblüten, vor allem aber die reifen Früchte enthalten ätherisches Öl und Flavonoide wie Rutosid (Rutin), Quercentin, Kämpferol und andere Polyphenole, u.a. Chlorogensäure
*Erschöpfung = Holunder zeichnet sich aus durch positive, stärkende Effekte auf das Immunsystem, die Verdauung und den Stoffwechsel
*Hollerbusch (Sambucus nigra) = botanische Bezeichnung des einheimischen schwarzen Holunders

 

Kommentare (8)

pippa

Danke für dein Gedicht, aber die nachfolgenden Erklärungen machten mich dann doch stutzig.

Auf Wanderungen habe ich sehr viele Beeren roh verputzt; ich wusste nicht dass sie giftig sind. auch als Kind habe ich sie gegessen, wenn ich rangekommen bin.
Da mir nie schlecht geworden ist, muss ich wohl meine jetzigen Beschwerden dem giftigen Holunder zuschieben.

Na schön, jetzt ist es nicht mehr zu ändern.

Gruß aus dem Harz von Pippa

Syrdal

@pippa

So viele Holunderfrüchte können es wohl nicht gewesen sein, die du damals genascht hast, denn sonst wäre das sicher spürbar geworden – zumindest durch Unwohlsein. Immerhin enthalten die blauen Früchte das cyanogene Glycosid Sambunigrin, das im rohen Zustand zwar chemisch stabil und harmlos ist, aber nach dem Verzehr im Verdauungstrakt enzymatisch aufgespalten wird. Dabei entsteht Blausäure, zwar nur in kleinen Mengen, aber ausreichend, um deutlich spürbare Beschwerden erzeugen zu können: Übelkeit, Bauchkrämpfe, Erbrechen, Diarrhoe und auch Kopfschmerzen.
Außerdem gibt es in den Beeren Lektine (Proteine), die die Darmwand reizen, die Nährstoffaufnahme stören und ebenfalls Magen-Darm-Beschwerden auslösen können. – Beide Stoffe werden durch Erhitzen neutralisiert, denaturiert und verlieren ihre ungute Wirkung. Deshalb sollte man Holunderbeeren nur in gekochtem Zustand verzehren, dann ist der Genuss völlig unbedenklich.

Einen beschwerdefreien Genuss von Holunderbeeren oder -saft wünscht immer und allezeit
Syrdal
 

Winterbraut

Lieber Syrdal,
sehr gerne habe ich dein Holundergedicht gelesen und mich an eine herrliche Zeit am Ammersee erinnert. Dort gab es eine Plantage oberhalb des See´s. Dort habe ich oft mit meinem Liebsten eine herrliche Zweisamkeit - fern vom Stress - genossen. Danach kamen dann die Enkel,die in der Nachbarschaft wohnten, um die leckeren Hollerküchle zu verputzen. Manchmal hab ich sie mit ihnen zusammen gebacken. Die bizarre Form hatte es ihnen angetan.
Früher hatte man ja in den Dörfern überall vor den Hütten Holunderbüsche. Sie sollten die Geister abwehren.

Danke für diesen schönen Beitrag
sagt Ingrid

Hortensien.jpg

Syrdal

@Winterbraut

Liebe Ingrid,
so hast du eine ganz besondere Beziehung zum Holunder. Auch ich erinnere mich gerne an die feinen Holunderküchle die es früher zu Hause in der Rhön gab und auch meine Frau hat sie des öfteren gebacken – immer eine feine Delikatesse. Ach ja, lang ist’s her...

Danke, dass du daran erinnert hast. Allerdings haben die „Küchle“ keine Heilwirkung – ganz anders aber der Saft aus den reifen Früchten.

Mit guten Erinnerungen grüßt
Syrdal


PS: Sehr schön auch das Aquarell mit den duftige Blüten 

indeed

Lieber Syrdal!

Im Spätsommer schauten wir immer, welche Fliederbeerbüsche (so nennt man den Holunder in Norddeutschland vornehmlich) die besten Früchte trugen und wo man bequem am Feldrain an die Beeren herankommen konnte, ohne die Büsche zu verletzen.

Im Winter stand immer eine kleine Batterie Flaschen gefüllt mit dem Saft der Beeren bereit. Damit er nicht so bitter schmeckte kam ein wenig Apfelsaft hinzu und er wurde heiss getrunken.
Bei Erkältungen eingesetzt oder auch nur wenn man sich innerlich ein wenig aufwärmen wollte von der kalten Winterluft. Wir nannten ihn bei uns auch Fliederbeergrog. Alkohol war natürlich nicht drin.

So bin ich mit diesem Saft von Kindheit an vertraut und heute wird der Saft in der Apotheke gekauft. Hier stehen nur wenige Holunderbüsche oder sie stehen im Garten anderer Leute.

Danke für deine so ausführliche Information und Beschreibung dieser Beeren. Da habe ich noch einiges dazu gelernt.

Immer wieder ein Erlebnis der besonderen Art, wie du es verstehst, die Botanik in deine Lyrikwerke einfließen zu lassen. Vielen lieben Dank dafür und dass du es mit uns hier teilst.

Herzliche Grüße von
Ingrid

 

Syrdal

@indeed

Liebe Ingrid,
nun lerne ich von dir auch etwas hinzu, denn mir war nicht bekannt, dass man hoch im Norden den den Holunder noch immer als „Flieder“ (auch Flider) bezeichnet. Das ist eine interessante sprachgeschichtliche Besonderheit: Im Niederdeutschen wurde Flieder ursprünglich für verschiedene Sträucher mit duftenden Blüten oder markhaltigen Zweigen verwendet – darunter auch der Holunder. Erst später wurde Flieder im Hochdeutschen fast ausschließlich für den Gartenflieder (Syringa) verwendet. Die niederdeutsche Bedeutung blieb aber regional erhalten.

Du selbst bist ja mit der Verwendung der Früchte des schwarzen Holunders als Saft bestens vertraut. Und richtig, Holundersaft wird traditionell bei Erkältungen und grippalen Infekten eingesetzt. Heute weiß man, dass dabei wichtige Inhaltsstoffe wie Anthocyane, Flavonoide, Vitamin C, Phenolsäuren  und bestimmte Proteine, die in Studien antivirale Effekte gezeigt haben, gute Heilwirkung zeigen. – 
Es ist immer wieder faszinierend, was die Natur uns zu bieten hat, wir müssen es nur kennen und anwenden.

Liebe Grüße zum Wochenbeginn sendet
Syrdal 
 

Tulpenbluete13

Danke für dein Loblied auf den Holunder lieber Syrdal….
Wir hatten einen im Garten und es gibt ihn überall wenn man weiß wie er aussieht.
Im Frühjahr haben wir die weißen Blüten in einem dünnen Pfannkuchenteig in schwimmender Butter
ausgebacken…Ein Genuß und gar nicht giftig….
und Sirup konnte man auch aus den Blüten machen…..
die giftigen Beeren haben wir gar nicht gebraucht…..😃
Ein schönes Wochenende wünsche ich dir…
Angelika
 

Syrdal

@Tulpenbluete13

Aber ja, ausgebackene Blüten vom Schwarzen Holunder sind eine Delikatesse! Und auch die Beeren, die ja nur roh verzehrt unverträgliche Stoffe freisetzen. Gekocht sind diese Stoffe neutralisiert und die schwarzen reifen Früchte können zum Verzehr zubereitet werden. – Die Natur bietet so viele gute Dinge, wir müssen sie eben nur richtig anwenden.

...sagt mit Sonntagsgrüßen
Syrdal 

Anzeige