Wie man sich freuen kann.
Ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet.
Ja – wenn es denn sein muss, dachte ich –
alles geht einmal zu Ende.
Ich hatte es versucht, alles getan,
damit es noch funktionierte.
Mit Klebeband hier, einer Schraube dort,
den treuen Begleiter notdürftig zusammengehalten.
Achtundzwanzig Jahre lang – durch Sturm und Wind.
Ich war fünfzig, als er zu mir kam.
Ein Geschenk.
Von meiner Frau.
Damals sicher noch teuer.
Und was habe ich nicht alles mit ihm erlebt!
Natürlich brauchte er Pflege.
Ich war gut zu ihm.
Er trug mich überall hin,
und immer schwang in seinen Rädern ein Stück Leben mit.
Ein Geschenk von meiner Frau –
das hat Gewicht, selbst nach all den Jahren.
Oft fuhren wir gemeinsam hinaus,
meine Frau und ich.
Damals rollte alles noch langsamer,
ganz ohne Motor, nur mit Atem und Zeit.
Mit ihr ging es noch gemächlicher,
so dass ich manchmal sagen musste:
„Marlies, du musst treten, sonst geht’s nicht vorwärts!“
„Ja, ja“, sagte sie dann,
denn reden und treten gleichzeitig – das ging nicht.
Und wenn sie mir etwas erzählen wollte,
wurden wir immer langsamer,
bis wir fast stillstanden, oder umfielen.
Ja sie war einmalig.
Da merkte ich:
Ein Rad ist nicht nur ein Rad.
Es ist Erinnerung auf zwei Reifen,
es trägt die Geschichten weiter,
die man längst vergessen glaubte.
Doch irgendwann wurde es unsicher.
Wenn ich plötzlich schneller treten musste, rutschte die Kette durch,
und ich kam ins Schleudern –
mehr als einmal mit klopfendem Herzen.
Ich wusste: Es wird Zeit.
Aber loslassen – das konnte ich nicht.
Zu groß die Angst,
dass es nicht mehr zu retten wäre.
Also brachte ich ihn dorthin zurück,
wo alles begonnen hatte:
in das Radgeschäft von damals.
Der Mechaniker schaute, nickte, schwieg.
„Könnte teurer werden als ein neues“, meinte er.
Doch er versprach, es zu versuchen.
Und heute –
heute habe ich ihn wieder.
Hinten ein neues, altes Rad,
neue Bremsen, ein frisches Schutzblech.
Er glänzt nicht, er lebt.
Ich sah ihn an –
und mir kamen fast die Tränen.
So einfach kann man sich freuen, dachte ich mir.
Und ich fuhr los,
langsam, mit Rückenwind,
Der alte Mann und sein Rad-
Kommentare (9)
Danke Herbert, ich habe Tatsächlich auch ein E-Bike gekauft. Du weiss schon für die lange Strecken, aber das normale alltägliche fahre ich gerne mit mein vertraute alte freund. Man sollte seine Freunde nicht vergessen. Schöne Sonntag herzliche Grüssen Cornelis.
.........👍..über diese Geschichte und über Deine Konsequenz, kann man sich wirklich mit freuen, was ich auch tue...👍
mit Dank fürs Teilen sowie einen Gruß aus dem Rheinland,
herzlichst 🐞-Renate
das kann ich gut nach vollziehen, ich bekam zum 50. Geburtstag ein neues Fahrrad, leider habe ich es nicht mehr, bin aber damit viele Kilometer gefahren und habe schöne Erinnerungen
daran
Liebe Grüße Ingrid.
Danke Ingrid
Ja leider kann das Rad nicht Reden, er hatte sicher viel zu erzählen, was ich schon lange vergesse habe.. Schöne Tag und Grüsse Cornelis
Neu kaufen kann ja eigentlich jeder.
Aber Du hast, wie schön, Deinem „alten Freund“ die Treue gehalten.
Wünsche Euch deshalb noch viele gemeinsame und schöne Touren!
Viele Grüße
Rosi65
Hallo Corneli, die ganze Zeit während dem lesen , hab ich darauf gewartet, das du schreibst, das du dir ein E-Bike zugelegt hättest. Die Überraschung ist dir gelungen, zu schreiben das dein altes Rad repariert wurde .
Für Kurzstrecken benutze ich auch weiterhin mein " Biorad" ; wenn ich zum Boule nach Meiderich fahre ,- ca. 4,5 km weit weg ,- fahre ich mit dem E-Bike meiner Frau, damit ich nicht zu fertig bin zum Boule spielen .
Schöne Geschichte von dir !
Gruß Herbert