WENN ES DEM ESEL ZU WOHL WIRD, GEHT ER AUFS EIS


WENN ES DEM ESEL ZU WOHL WIRD, GEHT ER AUFS EIS
Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis.

Plötzlich standen wir mitten in Las Vegas.
Allerdings war diese Spielbank nur eine Miniaturausgabe des weltbekannten Unterhaltungsmekkas und lag hier gleich nebenan, nämlich im östlichen Ruhrgebiet.
Mit großen Augen staunte ich über den quierlig besuchten Saal mit den vielen Roulettetischen, die alle komplett von einem Menschenpulk umringt waren.

Anfangs war ich sehr skeptisch, als mir Gabi und Peter den Vorschlag machten, sie doch bei ihrem Spielbankbesuch zu begleiten. Schließlich konnte ich mich für Glücksspiele noch nie begeistern.
Doch die beiden hatten blendende Laune, weil sie dort kürzlich erst Geld gewonnen hatten. Jawohl, gleich beim ersten Mal! Nun waren sie richtig euphorisch.
Zugegeben, etwas neugierig war ich schon. Deshalb sagte ich schließlich zu. Und weil ich meinem Geld auch nicht böse war, nahm ich vorsichtshalber nur ganz wenig davon mit.

Souverän begaben sich die beiden dort erst einmal an die Bar, um sich gleich zwei teure Getränke zu bestellen. Selbstgefällig schienen sie den Augenblick wohl sehr zu genießen. Gabi, in einem neuen und figurbetontem Kleid, hielt dabei ihr buntes Getränk zierlich in der Hand, und wirkte dabei wie eine Promi-Frau bei der Berlinale.
Ja, und dann der Peter erst, den ich eigentlich nur in Jeans und in seiner geliebten „Horst-Schimanski-Jacke“ mit den vielen verbeulten Taschen kannte, konnte in seinem eleganten Outfit glatt als verkleideter Heiratsschwindler durchgehen.
Was war denn nur mit meinen Freunden los? Und warum kamen sie mir jetzt wie zwei Fremde vor?

Peter kaufte sich zur Feier des Tages auch gleich noch eine Schachtel Zigaretten. Verblüfft schaute er sich danach die aufgedruckte Preisangabe auf der Verpackung an, denn der Angestellte hatte dafür eine höhere Summe von ihm eingefordert. Schon seltsam. War das eigentlich erlaubt?

Ich fühlte mich in diesem Umfeld gar nicht so wohl. Sicher waren auch überall Kameras installiert, die aus Sicherheitsgründen alles aufzeichneten.Die Daten unserer Ausweise hatte man direkt im Eingangsbereich erfasst. Was mich sofort an George Orwell`s Roman "1984" erinnerte.
Dann teilte meine innere Stimme mir auch noch warnend mit:
Vorsicht! Das ist hier die Unterwelt, auch wenn alles noch so schön und elegant kaschiert ist.“
Doch noch konnte ich keine verdächtigen Personen erkennen. Eigentlich sahen alle Gäste recht normal aus.

An der Kasse tauschten wir unser Geld gegen Jetons um, denn diese benötigte man für das Roulettespiel.
Dann hörte ich aber auch schon die Aufforderung eines Croupiers, der die Spieler zum Einsatz ermunterte. Danach setzte er unverzüglich den Spielkessel in Bewegung, in der eine kleine Kugel rotierte.
Alle Spieler, die sich um den Tisch gruppierten, starrten nun gebannt auf die Kugel. Auf welcher Zahl würde sie wohl liegen bleiben?

Ich entschloss mich schließlich auf eine Farbe zu setzten, weil mir damit das Risiko etwas begrenzter erschien. Doch welche Farbe sollte ich auswählen? Die schwarze oder besser die schöne rote Farbe?
Schwarz, wie die Sünde natürlich. Was denn auch sonst? Das ist hier ein modernes Babylon, und ein Ort des Lasters!“ bemerkte die innere Stimme ziemlich hämisch.

Gehorsam setzte ich also auf die schwarze Farbe, die dann auch direkt mehrmals gewann. Doch die roten Zahlen ließen sich nicht lumpen, und holten langsam auf. Danach ging es eine Weile immer hin und her, fast wie an der Nordsee bei Ebbe und Flut. Doch langsam wurde mein Gewinn, den mir die „Schwarze Flut“ so schön angeschwemmt hatte, immer kleiner und kleiner.
Zwischendurch erhobt sich ein Spieler von seinem Platz und warf zum Abschied lässig eine Spielmarke auf den Tisch. Trinkgeld für die Angestellten?

Die „Rote Ebbe“ hatte nun eine Gewinnserie, und schlang jetzt gierig meinen kleinen Gewinn fort. So, nun würde ich langsam aber sicher verlieren.
Meine innere Stimme tobte: Schluss jetzt! Sofort aufhören! Oder gehe raus, und werfe Dein Geld einfach in den nächsten Gulli. Das geht nämlich wesentlich schneller.“
Ja, ich hörte sofort auf und wechselte schnell an der Kasse die Jetons wieder um.
Mein Verlust hielt sich in Grenzen.

Dann sah ich Peter wieder mit einem frischen Getränk an der Bar stehen. Dabei schaute er ziemlich düstern drein. Kein Wunder, denn er hatte sein Geld komplett verloren. Nun suchte ich Gabi.Wo war sie nur? Ich fand sie schließlich an einem Black-Jack-Tisch beim Kartenspiel. Ja, war die denn jetzt ganz verrückt geworden? Sie machte fast den Eindruck eines naiven Goldfischleins, welches sich in einem gefährlichen Haifischbecken verschwommen hatte.
Ausgerechnet Black-Jack! Bestimmt waren an diesem Tisch die größten Zocker des Ruhrgebiets versammelt.
Kurze Zeit später kam Gabi langsam auf uns zu: „Jetzt habe ich mich aber ganz schön blamiert“,
bekannte sie kleinlaut. Auch sie war jetzt total pleite. Keine Frage, der Abend war gelaufen, dabei waren wir noch gar keine Stunde hier.

Die Heimfahrt verlief kurz darauf ziemlich geräuschlos, weil niemand ein Wort sprach. Sicher mussten Gabi und Peter erst mal ihren Schock verarbeiten. Jetzt taten sie mir leid. Doch wie viel Geld sie insgesamt verloren hatten verrieten sie mir nicht.
Und ich fragte auch lieber nicht nach.

Rosi65

Titelbild: freepik.com












 

Kommentare (11)

Rosi65

Falls ich vielleicht doch noch einmal in diese Situation kommen sollte, würde ich einfach mit identischen Einsätzen gleichzeitig auf Rot und auf Schwarz setzen. So kann man dann stundenlang spielen, zwar ganz ohne Gewinn..., aber man würde dann auch wenigstens nicht verlieren.
😄😅😂

Bedanke mich bei allen 💖chen-Gebern und natürlich bei den Schreibern, für ihre erlebten Roulette-Erfahrungen.

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Bild kostenlos:freepik.com

Herzliche Grüße
   Rosi65

 

Globetrotter

Ich oute mich dann mal als Zockerin😂 besser noch als Gelegenheitszockerin!  Ich gehe gerne in Spielkasinos auch war ich schon mehrmals in Las Vegas. 
Aber die Zeit wo man sich für einen Besuch dort schön anziehen musste, ist vorbei jedenfalls was ich in den deutschen Casinos gesehen habe. 

Für mich ist das ein unterhaltsamer Abend nicht mehr und nicht weniger. Ich bin weder abhängig, noch erwarte ich zu gewinnen. Wenn ich ins Konzert oder Theater gehe kostet mich das auch eine schöne Stange Geld. Und mal ehrlich, wohin kann frau denn im gesetzten Alter noch alleine hin, hier kann ich auch ganz alleine an der Bar sitzen und evtl sogar mit Menschen ins Gespräch kommen, versucht das mal während einer Theateraufführung😂

Meine Stärke hier ist: Ich kann aufhören. Ich spiele solange ich Lust habe egal ob ich gewinne oder verliere. Da ich nicht pausenlos Geld setzte hält sich, gegebenfalls, mein Verlust auch in Grenzen. Wer das nicht beherrscht hat meiner Meinung nach in einem Casino nichts zu suchen. Denn hier steht der Gewinner von vornherein fest. Es ist das Casino.

LG Globetrotter🙋‍♀️

Rosi65

Liebe Gisela/ Globetrotter,

vielen Dank für Deine Ehrlichkeit und Deinen Standpunkt.

In meiner Erzählung habe ich nur meine ganz persönlichen Empfindungen und Eindrücke dieses Spielbankbesuchs versucht zu schildern.
Keinesfalls würde ich mir deshalb erlauben, die Menschen zu verurteilen, die vielleicht aus verschiedenen Gründen eine Spielbank aufsuchen. Das lag auch nicht in meiner Absicht.
Die Entscheidung dazu muss schließlich jeder selber treffen.

Viele Grüße
   Rosi65


 

Winterbraut

Liebe Rosi,

1976 war ich mit meinem Mann auf einer Rundreise in den USA. 
Auf der Fahrt zum Grand Canyon fuhren wir mit einem Mietwagen auch durch Nevada nach Las Vegas. 3 Tage blieben wir dort. 
Es war aufregend, da wir beide keine Spieler waren. Ich probierte immer an den einfarbigen Banditen mein Glück und die Münzen kullerten nur so raus. Innerhalb kurzer Zeit hatte ich den 3fachen Einsatz ( jeder von uns tgl.nur 20 Dollar) und das war in jedem Casino so. Damals wurden ständig kostenlose Drinks gereicht, weil man sich wohlfühlen und spielen sollte. In den Shows waren Neil Diamond, Frankieboy u. a. Mein Man  hatte seine Dollars beim Roulette immer gleich verspielt und setzte auch nichts mehr ein. 
Die Limousinen vor den Casinos hatten Autonummern wie z. B.MAFIA 1 .

Deinen Beitrag hab ich mit Interesse gelesen und dabei an vor 50 Jahren gedacht.

Liebe Grüße 
Ingrid

 

Rosi65

Wow, liebe Ingrid, was für ein tolles und aufregendes Erlebnis Du doch hattest! Dazu noch bei einer unvergesslichen USA-Urlaubsreise.

Gerne habe ich immer die Gangsterfilme gesehen, bei denen die „Schweren Jungs“ nur ein Ziel verfolgten, nämlich ein bestimmtes Casino in Las Vegas auszurauben. Sobald dabei auch noch richtig gute Schauspieler mitwirkten, ja, dann fand ich diese Gang natürlich sofort sympathisch.
Als TV-Zuschauerin hätte ich ihnen sofort meine volle Unterstützung angeboten..., und wenn auch nur zum Schmiere stehen.😅😃😂

Viele Grüße
   Rosi65

Christine62laechel


Liebe Rosi, diese Welt kenne ich nur aus Büchern. Es kann schon amüsant sein, glaube ich, wenn man gerne das Risiko mag. Das Anfängerglück ist aber schnell weg. 😉 Und man wird wohl kaum ein so geschickter Spieler, um immer nur gewinnen zu können, und geschweige denn - die Bank zu sprengen. 😏😊


Mit herzlichen Grüßen
Christine

Rosi65

Liebe Christine,

diesen erlebten Abend habe ich in keiner guten Erinnerung.
Erschreckend empfand ich daher die kurze Persönlichkeitsveränderung meiner Freunde (vor dem Spieleinsatz), und natürlich die Tatsache, in welcher Geschwindigkeit Geld verspielt werden kann.
Kurz gesagt, Spielbanken sind nicht meine Welt.👎

Viele Grüße
   Rosi65




















 

Songeur

In den 80ern habe ich auf einer Fähre von Travemünde nach Helsinki Roulette gespielt. Mit 100 SEK Einsatz. Worauf ich gesetzt habe weiss ich nicht mehr, aber bei 500 SEK habe ich aufgehört und nie wieder gespielt. 😎

Rosi65

Lieber Hubert,

die bittere Erfahrung, gleich beim ersten Spielversuch als Verlierer (Versager?) dazustehen, wird sicher viele Leute für immer ernüchtern.
Doch wenn man dabei gleich schönes Geld gewinnt, kann es gefährlich werden, weil man den Erfolg schnellstens wiederholen möchte.
Du hast Dich wenigstens nicht verleiten lassen.

Viele Grüße
  Rosi65



 

pippa

Ich war noch nie in einem solchen Etablissement, ob wohl in den ersten Jahren unseres Hierseins ein solches ganz in der Nähe war und ich auch ganz oft daran vorbei ging. Inzwischen hat es seinen Standort gewechselt. War wohl nicht mehr so viel zu holen in unserer kleinen Stadt.
Ich gebe es aber zu, manchmal war ich in  Versuchung.

Du hast deinen Besuch dort ganz wunderbar beschrieben und ich bedanke mich.

Harzliche Gruße
von Pippa

Rosi65

Liebe Pippa,

meine Spielbank- Erfahrung liegt zwar schon ein paar Jahre zurück, doch als ich kürzlich etwas über Casino-Erträge las, fiel mir dieser verkorkste Abend sofort wieder ein.
Dank Dir schön für Deinen Kommentar.

Viele Grüße
Rosi65
 

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