Weihnachten
Theodor Birk lebte allein im fünften Stock eines grauen Betonbaus, Blickrichtung: Parkplatz. Im Dezember konnte er von dort aus beobachten, wie die Menschen ihre Kofferräume mit Geschenken füllten, während aus den Ladentüren Musik drang, die immer dieselbe war. Weihnachten, dachte er, war wie eine Melodie, die jemand auf Dauerschleife gestellt hatte, damit niemand merkte, dass die Stille längst verschwunden war.
Er mochte die Jahreszeit, nicht das Fest. Die Kälte, ja. Die Dunkelheit, die alles gleich machte. Nur der 24. fiel ihm schwer — dieser eine Tag, an dem sogar der Himmel so tat, als müsste er feierlich aussehen.
Vor zwei Jahren hatte er beschlossen, den Tag umzubauen. Nicht zu fliehen, nicht teilzunehmen. Etwas Eigenes zu machen. Ein Ersatzritual, sachlich, funktional, wie eine Reparatur an sich selbst.
Rückblende I: Das letzte Familienweihnachten.
Theodor war damals vierzehn gewesen. Seine Mutter hatte eine Tanne aufgestellt, kahl auf einer Seite, aber voller Lichterketten auf der anderen. Sein Vater hatte einen Schal um den Hals, obwohl sie in der warmen Stube saßen. Nach dem Essen hatte sich ein Gespräch entzündet, leise zuerst, dann laut. Irgendwann war der Vater aufgestanden, hatte den Baum berührt, und die Kugel, die er dabei anstieß, zersprang.
Seitdem war Weihnachten für Theodor immer Geräusch gewesen: das Splittern von Glas, gedämpft durch Teppichboden.
Rückblende II: Der Versuch mit Freunden
Viele Jahre später hatte er sich überreden lassen. Freunde, Glühwein, Lichterketten. Sie hatten gelacht, und irgendwann fragte jemand: „Und was war dein schönstes Weihnachtsgeschenk als Kind?“
Theodor hatte kurz überlegt und dann gesagt: „Dass es irgendwann aufhörte.“
Danach war es still geworden, so eine stille Stille, die man nicht wieder loswird. Auf dem Heimweg beschloss er, ab jetzt ganz auszusteigen. Aber nicht resignierend – ordnend.
Im Frühjahr begann er, Notizen zu sammeln. Lichtformen, Windrichtungen, Geräusche kurz vor Regen. Kein großer Plan, nur kleine Registrierungen. Im Sommer kaufte er ein Stück Kupferrohr. Im Herbst schraubte er aus Restholz einen Tisch, dessen Oberfläche so glatt war, dass man jede Unebenheit hörte, wenn etwas darauf fiel.
Am 24. Dezember stellte er alles auf: das Rohr, eine alte Stoppuhr, ein Glas Wasser, ein Blatt Papier. Draußen klangen Kirchenglocken. Drinnen setzte er sich, stellte die Uhr auf 00:00:24 und blies in das Rohr. Ein sachlicher, klarer Ton vibrierte durch den Raum. Er schrieb das Datum auf, dann einen Strich. Das Glas Wasser begann leicht zu zittern, als wolle es nicken.
Rückblende III: Der Lehrer
Er erinnerte sich an seinen Physiklehrer, Herrn Winkel, der einmal gesagt hatte: „Alles, was regelmäßig schwingt, ist eine Ordnung im Lärm.“
Theodor hatte das damals nicht verstanden. Jetzt vielleicht ein bisschen.
Am nächsten Tag, beim Bäcker, fragte ihn die Verkäuferin mit diesem routinierten Lächeln, ob er ein schönes Weihnachtsfest gehabt habe.
„Ein Versuchstag“, sagte Theodor.
„Und? Hat’s geklappt?“
„Ja. Gleichmäßig.“
Sie nickte, als hätte sie’s verstanden, und das reichte ihm.
Seitdem freute er sich auf den Dezember. Nicht auf Weihnachten – aber auf den Moment, an dem die Stadt innehielt, als würde sie den Atem anhalten. Dann wusste er: Bald war wieder 24. Bald würde wieder etwas schwingen.
Ja, ich erinnere mich an viele verschiedene Weihnachten. Schöne Feste mit meinen Eltern als ich noch Kind war.
Später dann einige harmonische Feste mit meiner eigenen kleinen Familie bis diese auseinanderbrach.
Dann oft die Flucht jeweils an Weihnachten in die Ferien
Meine schönste Weihnachten habe ich vor cirka 30 Jahren erlebt. Ich kam zurück vom Pflegeheim in dem meine Mutter untergebracht war. Meine Schwester, die auch dort war, sagte: "Zu uns kannst Du nicht mitkommen, wir haben keinen Platz mehr, zuviel Gäste." Ich wollte auch gar nicht zu ihr. Ich ging auf dem Nachhauseweg spontan in eine mir bekannte Kirche, die war trotz 24.Dezember gähnend menschenleer, jedoch mit geschmücktem Weihnachtsbaum und schöner Krippe und sie war offen. Ich feierte dort für mich alleine einen schönen Weihnachtsgottesdienst mit Singen und Beten und einer Ansprache. Das war der schöne Teil, doch
auf dem Nachhauseweg, in der Strassenbahn, traf ich ein junges Paar mit Kind (cirka 8jährig) an. Die stritten beide grässlich. Der Mann bedachte die Frau mit üblen Schimpfwörtern und schlussendlich sagte die Frau sie würde sich nun besser umbringen und er meinte dann, sie solle das doch tun.
Da dachte ich mir, lieber alleine als mit so einem Scheusal zusammen zu sein.
Dann kamen die Weihnachten als Oma bei der Familie meiner Tochter und dann
war da noch die erste Weihnachten vor cirka 8 Jahren mit meinem neuen Freund, den ich ungefähr 2 Monate vorher kennengelernt habe. Obwohl ich alles vorbereitet hatte, gutes Essen, Baum, Bescherung fing er plötzlich an zu schimpfen und verschwand im Gästezimmer um zu schlafen. Das machte mich sehr traurig, da ich wegen ihm auf die Weihnachtsfeier bei der Familie meiner Tochter verzichtet habe. Als ich dann weinend auf dem Sofa sass, tröstete mich sein Hund, ehrlich. Er kam, stupste mich an und schmiegte sich an mich.
Seitdem feiere ich Weihnachten im Kreise meiner Kirchgemeinde und was mein Freund jeweils an Weihnachten macht, der sich so schlecht benahm, mit dem ich immer noch zusammen bin, ist mir total wurscht.
Ich frage mich warum wohl an Weihnachten soviele komische Sachen passieren. Weihnachten ist doch das Fest der Liebe, oder?
Liebe Grüsse Sorya
P.S. Sorry, mein Kommentar ist nun auch eine Geschichte geworden.