Weihnachten und Neujahr (3)


Weihnachten und Neujahr (3)
03. Dezember 2025

Liebe Weihnachtsfreunde, Weihnachtsskeptiker und Weihnachtsgegner männlichen, weiblichen und sonstigen Geschlechts,

ich grüße Euch!

Habt Ihr schon ein Stück innere Ruhe und Gelassenheit gefunden, die wir so nötig herbeisehnen in dieser Zeit? Gewissensfrage, ich weiß, und ich will auch gar nicht weiterfragen.

Bis Januar 2026 ist es noch eine schöne Strecke.

Deshalb scheue ich mich nicht, auf ein paar heiße Eisen hinzuweisen, an denen wir uns in der stillen Zeit die Finger verbrennen könnten.

Zweck dieser Übung: erkennen, wo Gefahren für unsere Ruhe und Gelassenheit, für unser Wohlbefinden und unseren Seelenfrieden lauern, um ihnen sodann geschickt ausweichen zu können. Oder, wie der Volksmund sagt: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!“

Eine dieser Gefahren geht von Menschen aus, die manchen von uns in nächster Zeit „ins Haus stehen“: Mütter, Väter, Großeltern, Enkel, Onkel, Tanten …

Seid gerüstet, sie werden kommen!

Zwar können wir ein wenig mitbestimmen, wer wann bei uns erscheint, aber nur bedingt. Zum Beispiel, indem wir nur ausgesuchte Personen einladen und das auch nicht jedes Jahr. Sagen wir alle drei Jahre oder noch seltener:

„Es ist schon das siebte Mal, dass meine Schwiegermutter an Weihnachten zu uns kommt. Diesmal lassen wir sie rein.“ (Diese Aussage stammt angeblich von Woody Allen.)

Spätestens am 24. Dezember nachmittags trudeln sie ein.

Und das ist doch auch schön so, oder? Wir wollen gemütlich zusammensitzen, über Gott und die Welt und das vergangene Jahr reden. Wir wollen trinken und gut essen. Ja, das wollen wir.

Theaterdonner. (Gefahr liegt in der Luft!)

Manche von uns sind mit ihren Kräften am Ende, die Vorweihnachtszeit hat uns geschafft. Vielen der Gäste geht es ähnlich. Die Atmosphäre ist aufgeladen, stärker als in normalen Zeiten. Da genügt bereits ein kleiner Funke und es entzündet sich ein Streit.

Es gibt massenhaft Ratschläge in Büchern, in der Presse und im Internet, die uns erklären, wie man Frieden bewahren kann in der kritischen Zeit zwischen Advent und Silvester, speziell an den Weihnachtstagen.

Eine Methode möchte ich beisteuern.

Sie ist aus der Beobachtung entstanden, dass Menschen friedfertiger werden, nachdem sie ordentlich gespeist und das eine oder andere Gläschen dazu getrunken haben. Susanne Kippenberger schreibt dazu:

„Tafeln heißt: Frieden schließen. Das Messer richten wir bei Tisch nur gegen Butter und Steak. Ist der schlimmste Hunger erst mit der Suppe gestillt, das erste Glas Rotwein getrunken, macht sich schnell ein Gefühl der Friedfertigkeit breit.“ [1]

Aus dieser Erkenntnis habe ich eine Methode zur Verhinderung von Streit in der Weihnachtszeit entwickelt und zum Patent angemeldet.

Der allerwichtigste Teil dieser Methode besteht in Folgendem: Sofort, nachdem die Gäste eingelaufen sind, Getränke reichen. Am besten noch im Flur – beginnend mit etwas Starkem. (Hier wäre Sparsamkeit  verfehlt; sie könnte die Wirkung der Methode erheblich beeinträchtigen.)

Nachdem die Gäste ordentlich abgefüllt sind, bitte unverzüglich zum Festmahl übergehen.

Die Stimmung ist nun bereits erheblich lockerer, was ja beabsichtigt war.

Wie das Festmahl abläuft, ist individuell verschieden. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Auf jeden Fall aber muss stets für alkoholischen Nachschub gesorgt sein (was bei einer trinkfreudigen Gesellschaft eine beachtliche logistische Herausforderung bedeuten kann).

Manchmal ist ein Mitmensch unter den Gästen (m, w, d – meistens w), dem es Freude bereitet, sich selbst zu kasteien und der daher zwischen Anfang Dezember und Neujahr streng Diät hält.

Das ist ein Glücksfall: Es bringt eine exotische Note ins Geschehen und außerdem erhöht es die Lebensfreude der übrigen Gäste und der Gastgeber, wenn wir zuschauen dürfen, wie sich der Asket mit Salat ohne Dressing und einem Glas stillen Wassers verpflegt, während wir uns der Gänsekeule mit Klößen und Rotkohl widmen, wahlweise begleitet von einem guten Roten oder einem köstlichen Weihnachtsbier.

Und wie geht der Abend dann weiter?

 „Nach dem Diner ziehen sich die Herren ins Zigarrenzimmer zurück, während die Damen sich im Tee-Salón das eine oder andere Likörchen genehmigen.“ [2]

Naja, jetzt habe ich etwas übertrieben, aber „im Prinzip“ stimmt das schon 😉.

Auf jeden Fall habt Ihr jetzt eine Methode zur Hand, mit der sich die Wahrscheinlichkeit verringern lässt, dass Eure Gäste in der ‚stillen Zeit des Jahres‘ aufeinander losgehen.

Über Erfahrungsberichte würde ich mich freuen.

Euch allen weiterhin eine schöne Adventszeit!

Herzliche Grüße
Kurt20
 
[1] Kippenberger, S.: Tischlein, deck dich – Sushi am Fließband, Pizza aus dem Karton und Chips vor dem Fernseher. Dabei kann Essen so schön sein. Eine Tischrede. Der Tagesspiegel, 22.12.2002

[2] Kralicek, W.: Kralicek geht essen: Nach dem Essen ist vor dem Kaffee. Kurier, 03.12.2023. Online: https://kurier.at/kolumnen/kralicek-geht-essen-nach-dem-essen-ist-vor-dem-kaffee/402690331
 
 

Kommentare (8)

Kurt20

06. September 2025
 
Grüß‘ Dich Hubert,
 
Eine dieser Gefahren geht von Menschen aus, die manchen von uns in nächster Zeit „ins Haus stehen“: Mütter, Väter, Großeltern, Enkel, Onkel, Tanten …
 
Das war nicht ganz ernst gemeint. Natürlich haben wir gern Besuch an den Feiertagen, wenn es nicht ausartet. „Alles mit Maß und Ziel“, sagte mein Schwiegervater immer.

Manchmal kam an den Festtagen „unverhoffter Besuch“.

Vor vielen Jahren tauchte an einem Heiligabend Onkel Willy bei uns auf. Es traf uns unvorbereitet.

Zwar wussten wir, dass Willy existiert, aber mehr nicht.

Er kam gegen 19 Uhr per Bahn und Taxi, hatte einen kleinen Koffer dabei, in dem sich aufgetaute Fischstäbchen befanden und begann vom Krieg zu erzählen.

Das setzte sich dann einige Jahre so fort: Willy kam so sicher wie das Weihnachtsfest, da gab es kein Entrinnen.

Heute, viele Jahre später, denken wir: Onkel Willy war eine unerwartete Bereicherung des Fests, sowas hatte nicht jeder ! 😉.

Dir, lieber Hubert, wünsche ich weiterhin eine ruhige Zeit. Vielleicht hat ja der Nikolaus etwas in Deinen Wanderstiefeln versteckt?

Bis demnächst.

Herzliche Grüße
Kurt
 

Songeur

@Kurt20  

Hallo Kurt,

die Frage mit den Besuchern zu Weihnachten stellte sich in meiner Kindheit nicht. Im Blog 2 hatte ich schon auf die bei uns wohnende Teufelin in Frauenkleidern aufmerksam gemacht. Niemand in unserer Verwandschaft war bereit und willens, diese Dame ausgerechnet Weihnachten zu ertragen. 😁

Im Gegenteil, je weiter weg, desto friedlicher das Fest. 

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir

Herzliche Grüße
Hubert

Songeur

Hallo Kurt,

mal auf die Schnelle ein paar Worte zu diesem Satz:

Eine dieser Gefahren geht von Menschen aus, die manchen von uns in nächster Zeit „ins Haus stehen“: Mütter, Väter, Großeltern, Enkel, Onkel, Tanten …

Dieser Gefahr sehe ich mit übergroßer Gelassenheit entgegen. Bis auf die Enkel (ich habe davon zwei) sind alle anderen bereits verstorben, mein Vater sogar schon vor 41 Jahren. 

Bei den Enkeln ist es so, dass einer sehr gut erzogen ist und mich ganz gewiß nicht nur wegen Weihnachten oder Neujahr heimsucht. Wohl wissend, dass ich dann gar nicht zu Hause bin. 😁

Von meiner Enkelin geht ebenfalls keine Gefahr aus, denn ihr Vater hat schon vor ihrer Geburt den Kontakt zu mir abgebrochen, die kennt mich überhaupt nicht. 😇

Einen schönen Abend wünsche ich dir mit

herzlichen Grüßen
Hubert

Kurt20

@Songeur  

Danke Hubert!

Ich melde mich am Wochenende, bin auf Reisen. Bis dann,

herzliche Grüße
Kurt

werderanerin

Ach ja, lieber Kurt..., vorzüglich geschrieben, musste oft schmunzeln.

Nun zu meinen Erfahrungen mit dem "Weihnachtsfest". Als Kind habe ich noch heute Erinnerungen, die nur wunderschön sind. Immer war man als Kind irgendwie aufgeregt, je näher das Fest kam, vor allem aber der Weihnachtsmann, mit seinem langen roten Mantel und - ja - vor allem natürlich dem großen Geschenkesack. Hübsch hatten wir uns angezogen, immer ein Kleidchen an, wollten ja schön aussehen.

Wir hatten im Wohnzimmer, hinten in der Ecke am Kachelofen einen Sessel stehen, noch heute sehe ich ihn. Darauf sass unsere Mama. Oma und Opa saßen am Tisch, schauten vergnügt zu.
Kam der Weihnachtsmann, verschwanden wir Beide hinter unserer Mama, klemmten am Sessel fest. Es dauerte etwas, bis wir, gelockt von Geschenken, hervor kamen.

War er weg..., kam unser Vater zurück aus dem Keller (Weihnachten holte er jedes mal Kohlen, ausgerechnet...). Es dauerte einige Jahre, bis wir begriffen, wer der Weihnachtsmann war.

Schön wars...und das alles ohne Stress. Noch heute sehe ich die Märklin Eisenbahn in der Mitte des Zimmers fahren. Die Pute hatte unser Papi längst am Vortag schon in den Ofen geschoben, um sie ein erstes mal zu garen. Alles roch nach Weihnachten.

Später dann - hatte ich unsere kleine Familie, meine Schwester mit Sohnemann kam am Weihnachtsabend immer dazu, war es ähnlich schön. Vieles hatte ich aus der Erinnerung "mitgenommen", weitergeführt.

Streit gab es nie, die Festtage waren immer ruhig und angenehm, oft lag sogar Schnee, wie damals. Dann ging es raus mit den Schlittschuhen oder dem Schlitten.

Heute..., ist es etwas anders, einfacher für mich, weil wir uns bei den Kindern treffen, auch die Enkel sind alle da und es ist seit Jahren wunderschön.
Ein Weihnachtsbaum, den wir selbst aus dem Wald holen, Geschenke darunter , lachende Gesichter, Gespräche und Freude.

Ich denke, es kommt immer auf die Menschen an..., Weihnachten ist das Fest der Liebe und wenn man mal nur daran denkt, kann alles gelingen, man muss es wollen. Dann kann es schön werden...und die Erinnerungen daran , auch später noch nachhallen.

Vielleicht fehlt eben leider der Schnee...nicht schlimm, schöner wärs aber allemal.


Kristine

Kurt20

@werderanerin  

Hallo Kristine,
 
genau wie Du liebe ich Weihnachten.
 
Man kehrt in seine Kindheit zurück. Altvertraute Rituale und Bräuche. Verschneite Landschaften. Feierliche Musik. Illuminierte Fenster und geschmückte Bäume. Rauschgoldengel. Köstliches Gebäck und festliche Weihnachtsmenüs …
 
Kitsch? Sicher. Selbstbetrug? Kann sein.

Mit Vernunft hat dieses Weihnachtsgefühl nicht viel zu tun. Eher mit der Art, wie einer die Welt betrachtet. Ein bisschen (unrealistischer) Optimismus ist nützlich, davon bin ich überzeugt.
 
Wir hatten eine schöne Kindheit. Felder, Wald und Teiche direkt hinter dem Haus, immer massenhaft Spielkameraden, keine übermäßigen Anforderungen in der Schule und langmütige Eltern und Großmütter.

Und oftmals „weiße Weihnachten“ (oder bilde ich mir das nur ein?)
 
Unser Vater, ein begnadeter Handwerker, hat für uns Spielzeug gebaut, von dem viele andere Kinder in dieser Zeit des relativen Mangels nur träumen konnten. Wir hatten stabile LKW aus Holz, Bildwerfer mit Märchenfilmen, ein 8mm-Kino, eine elektrische Eisenbahn.
 
Unsere Wünsche waren natürlich sehr viel bescheidener als die Weihnachtwünsche heutzutage. Und auch die „Sensationen“ in der Weihnachtzeit.

Als wir Kinder waren, in den fünfziger Jahren, war die „Sensation“ eine Affenkapelle im Schaufenster des Kaufhauses Schocken in Chemnitz. Ein paar mechanische Affen, wahrscheinlich aus der Vorkriegszeit herübergerettet, die trommelten und klimperten. […]

Damit könnte man heutzutage kein Kind mehr hinter seinem Smartphone hervorlocken. Und die Art und Anzahl der Geschenke damals und heute – da liegen Welten dazwischen.

Trotzdem, die schönen Erinnerungen bleiben; Weihnachten ist eben Weihnachten 😊

In diesem Sinn einen ruhigen, besinnlichen 2. Advent und

herzliche Grüße

Kurt

werderanerin

Lieber Kurt,

ich hoffe, du hattest eine schöne Reise.

Danke für deine sehr schönen Zeilen.

Weißt du..., Erinnerungen, gerade in der Weihnachtszeit sind auch für mich wunderschön. Vieles kommt wieder hoch - natürlich nur Schönes - aber genau darum geht es ja. Ob mit Schnee oder ohne...

Sie tun gut...aber vor allem bin ich so stolz darauf, das ich alles auch weitergeben konnte. Mein Sohnemann hatte mir mal, etwas her, in einer großen Runde gesagt, dass er eine sehr schöne Kindheit hatte.

Das allein wärmt mich und ich weiß, es war alles genau richtig.

Herzliche und schöne Adventsgrüße
sendet

Kristine


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Kurt20

@werderanerin  

Danke Kristine!

Ich melde mich am Wochenende, bin auf Reisen. Bis dann,

herzliche Grüße
Kurt

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