Wattebäuschchen

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Wattebäuschchen

Wieder schweben an milden Tagen
Wattebäuschchen, so wunderzart,
sie lassen sich vom Lenzwind tragen
in leichtschwingender Reiseart
hoch über Wiesen, Täler, Berge
bis hin, wo es ihnen gefällt,
dort gehen sie alsbald zu Werke
und keimen auf dem Landefeld.

Sie bilden Wurzeln, aufwärts Stämme
mit Seitenarmen, dicht begrünt,
schon bald sind es stattliche Bäume
nach kaum einem vollen Jahrzehnt,
sie strecken ihre stolzen Wipfel
fast bis hinauf zum Himmelszelt
und halten Ausschau bis zum Gipfel
der schneestrahlenden Bergeswelt.

Bald schon an milden Frühlingstagen
lassen sie in Watte gehüllt
versteckte Samen vom Wind tragen
bis hin wo es diesen gefällt,
um sich leise niederzulassen,
sogleich Wurzeln auszutreiben
und neuen Standort fest zu fassen,
denn sie wollen nun hier bleiben.

So geschieht es seit allen Zeiten
und setzt sich emsig ewig fort
in tausend Generationen
hier im Land wie an jedem Ort.

Pappel-1.jpg

Es schicken Schwarz- und Silberpappeln
im Frühling Samen in die Welt,
diese landen nach alten Regeln
nur dort, wo es ihnen gefällt.


© Syrdal 2026


 

Kommentare (12)

Tulpenbluete13

Lieber syrdal 
mir ging es wie Renate; ich war auch erst gedanklich in der Kosmetik bei den Wattebäuschen um Wattestäbchen…..
Habe aber gleich gemerkt was du meinst
Sie fliegen mir ständig in die Frisur oder sonstwo hin die Pappelbäuschchen
wenn ich draußen unterwegs bin
ja das ist schon eine tolle Sache mit den vielen Samen…..aber allergisch darf man jetzt nicht sein
danke für diese tolle „Nachhilfe-Stunde in Biologie . Es ist toll was dir so alles einfällt 
danke dafür

Es grüßt 
Angelika

Syrdal

@Tulpenbluete13

Liebe Angelika,
diese weißen wunderfeinen Wattebäuschchen sind der Frisur doch ein ganz natürlicher krönender Schmuck. Nicht einmal eine kunststudierte "Coiffeuse de Luxe" könnte solch feinen Haarschmuck erschaffen.

Und hab nur keine Bedenken, diese feinen Wattebäuschchen und auch die "mitfliegenden" Samenpassagiere haben (im Gegnsatz zu Birken- oder auch Gräserpollen) keinerlei Allergiepotential. Also erfreue dich herzlich an dem lustigen Spiel im Wind, es wird in wenigen Tagen vorüber sein.

Eine heitere Frühlingszeit wünscht dir
Syrdal  

Marlen13

Da drauf muss man erstmal kommen - von Wattebaueschchen so schönen Zeilen zu schreiben lieber Syrdal. War total begeistert.
Mit lieben Grüßen von mir zu dir ❤️ lichst Marlen 

Syrdal

@Marlen13

Nun, liebe Marlen, auch diese feinen Wattebäuschchen mit den darin weich eingehüllten winzigen Samenkörnchen sind ein wohlbedacht geschaffenes, äußerst effektives und somit unbedingt bewundernswertes Teilchen der Schöpfung. Immerhin dient es dem Zweck der Arterhaltung. Die an ihrem Standort fest verwurzelten hohen Pappelbäume nutzen das über die Landschaften dahinziehende Wallen des milden Frühlingswindes, um sich in weitem Umkreis zu vermehren - welch eine geniale Idee, die durchaus dazu berechtigt, auch einmal eine poetische Würdigung zu erhalten. Und weil das bislang wohl noch nie jemand gemacht hat, habe ich es halt getan... ganz einfach,

sagt mit lieben Grüßen zu Mitternacht
Syrdal  

ladybird

Lieber Syrdal, als ich Deine Überschrift las, mußte ich schmunzeln und ich dachte an die "Wattebäuschen" in der Kosmetik....
doch dann fiel die "Watte" von den Augen....und ich folgte Deinem Text mit großer Begeisterung...und Staunen....bei mir fliegen gerade die "Wattbäuschen" von der Birke....
mit Freude und Dank gelesen
lieben Gruß aus Köln - Renate

Syrdal

@ladybird

Ach liebe Renate, wir brauchen doch schon längst keine Wattebällchen mehr, um Rouge oder sonstige "Camouflage-Pülverchen" auf die Wangen zu tupfen. Schließlich sind wir in unseren Jahren längst von ganz alleine "Lebensschön". – Normal aber ist, dass an diesen milden Frühlingstagen Samen von verschiedenen Bäumen und bald auch von Gräsern usw. vom Wind in "alle Welt" getragen werden. Gut so, denn dadurch bleibt die Natur lebendig.

Einen naturlebendigen Frühling wünscht dir mit lieben Grüßen nach Köln
Syrdal 

Winterbraut

Lieber Syrdal,

bis jetzt war ich den Pappeln böse, weil ihre Wattebäuschchen in meiner Wohnung und auf dem Balkon landeten.
Jetzt, nachdem ich dein schönes Gedicht gelesen und nachgedacht habe, werde ich mich mit ihnen versöhnen. Wenn es bei mir schön für sie ist, lass ich sie herein...
Ich hab es den Bäumen  gerade zugeflüstert - sie sind in Sehweite unten am Pegnitzufer.

Liebe Grüße 
Ingrid


 

Syrdal

@Winterbraut

Aber ja, liebe Ingrid, es ist immer gut, sich mit den ganz normalen Dingen der lebendigen Natur zu "versöhnen". - Wie stumpf wäre doch unsere Welt, wenn wir alles, was wir gerade mal nicht haben wollen, konsequent verbannen.

Pappelsamen tragen keine Allergen in empfindliche Atemwege. Faszinierend aber ist es doch, die luftig schwebenden Bäuschchen mal ganz in Ruhe zu beobachten. Da möchte man am liebsten gleich mitschweben... oder?

Übrigens: Diese feinen Samenbäuschchen fliegen oft sehr weit... 10... 20... und mehr Kilometer. Schließlich suchen sie sich ja den besten Platz, eben manchmal auch auf deinem Balkon oder in der Wohnung. Darauf kannst du stolz sein...

...meint mit heiterem Gruß
Syrdal 
 

Lerge

Lieber Syrdal, 
hier mal wieder ein Gruß in Antwort auf Dein inspirierendes Gedicht.


Als Wattebäuschchen flog ich vom fernen (deutschen) Osten
ins Bergische Land, wo keine Schlösser rosten.

(Die Schloßmacher-Industrie sorgt immer noch dafür)

Als ich dann bauschiger wurde, flog ich in die Ferne ...
Uralt...., vielstämmig....., hier bin ich immer noch gerne.


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Syrdal

@Lerge

Dein Antwort-Gruß, liebe Karin, freut mich sehr, erinnert er mich doch sogleich auch an das schöne Treffen in der Sieberzmühle (auch an Eure tollen Mitbringsel für alle) und an das ganze Programm in und um Fulda... zudem aber auch an das hübsche und interessante Buch über "Das Alte Land", das bei mir immer sichtbar und greifbar im Bücherschrank steht. - Hab Dank dafür und heute freilich besonders für deine poetischen Zeilen zum Wattebäuschchen-Gedicht mit dem urigen Foto vom diesem weit ausladenden Baumstamm.

Grüße "schweben" federleicht zu dir von
Syrdal 

Christine62laechel


Lieber Syrdal, sehr schön hast du wieder mal beschrieben: etwas ganz Herkömmliches, und trotzdem so Wundersames. Und natürlich wäre man kein Mensch, wenn den Weg eines Wattebäuschchens nicht mit eigenem Leben verglichen. Ja, die Einen schweben lange hier und da, bevor sie Wurzeln bilden; die Anderen finden ihr beliebtes Landefeld bald. Und darüber entscheidet auch eine Art - Wind...

Mit Grüßen
Christine

Syrdal

@Christine62laechel

Liebe Christine,
in sehr feiner Weise hast du die wenigen Strophen des kleinen Gedichtes über den luftig-beschwingten Flug der in Wattefäden gehüllten winzigen Pappelsamen gedeutet und zu einer feinsinnigen Metapher hinsichtlich der bei Menschen üblichen Lebensverläufe transponiert – eine überraschende, zutiefst metaphysisch-transzendente Sicht, die zugleich deine ganz persönliche Empfindungstiefe zum auch nur geringsten Geschehen in der Natur anzeigt.

Mit großer Freude habe ich deine Zeilen gelesen und danke dir mit beschwingten Grüßen

Syrdal 

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