Was koche ich Morgen

Autor: ehemaliges Mitglied

Was koche ich Morgen
Es gibt diese Momente, diese Tage,
an denen dir die Wahrheit – oder besser: die brutale Wirklichkeit – voll ins Gesicht spuckt.
 
Diese Augenblicke, in denen die rosarote Brille plötzlich die Schminke verliert und du gezwungen bist, der Realität ins kahle Gesicht zu schauen.

Zu kapieren, dass du an etwas oder  jemanden geglaubt und gesehen hast, das nie existiert hat. 
Eine verdammte Fata Morgana der Gefühle. Einen Projektion ohne  Ende.

Ein Irrtum mit Ansage – und du bist voll hineingelaufen.
Ein, im Nachhinein ein fast lächerlicher Realitätsverlust, wo jeder Psychiater sich mit Genuss hat ausleben konnen.
 
Und wenn dann auch noch der Krimi am Abend so schlecht ist,
dass du fast weinst – nicht weil er berührt, sondern weil er einfach unerträglich mies ist – ja, dann weißt du endgültig:

Es wird Weihnachten.
 
Die Saison der Scheinheiligkeit.
Die Zeit, in der dir die Werbung das große Glück ins Gesicht grinst, während du genau weißt, dass die einzigen, die wirklich feiern, die Werbefirma selbst sind.

Die Kirchen wieder ihre heilige Kulisse aufstellen, während ein paar tausend Kilometer weiter, sich junge Menschen abschlachten, als wäre es ein gottverlassenes Computerspiel.
 
Und wenn du dann nur jemandem schreiben willst, um einfach zu fragen, wie es ihr geht, wirst du behandelt wie der letzte Volltrottel, der es wagt, ein einziges Mail zu schicken –als wäre Freundlichkeit ein Verbrechen. 

Wobei sie in dem Sinne recht hat, daß du einen warst,  das überhaupt versuchen.zu wollen.


Dann siehst Du endlich klar.

Da bleibt dir am Ende des Tages nur noch eine Gedanke, der wenigstens noch logisch ist:
 
Was koche ich morgen?


C.
 
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