Thomas Osterkorn im Interview mit Margit Fischbach - Seite 5

Autor: ehemaliges Mitglied

Teil IV: Persönliche Fragen
 
M.F.: Kennen Sie Senioren, die Sie sich als Vorbild nehmen würden?
 
Osterkorn: Da fällt mir jetzt spontan keiner ein, den ich mir als Vorbild nehmen wollte. Es fallen mir Leute ein, von denen ich sagen würde,  ich möchte das so machen wie der oder ich möchte eine solche Reise machen. Das hat aber nichts mit älter oder jünger zu tun.
 
M.F.: Inwiefern beeinflusst Ihr Alter Ihre eigenen beruflichen Pläne? Sie hören als Chefredakteur vom Stern in diesem Jahr auf .
 
Osterkorn: Im Bertelsmann Konzern, also auch bei Gruner & Jahr, scheiden  Mitarbeiter, gewöhnlich mit 60 aus dem operativen Bereich aus. Das ist nicht diskutierbar, sondern eine weise Regel, die Reinhard Mohn noch eingeführt hat,  im Sinne von Erneuerung. Dies ist  für einen Konzern vernünftig und sinnvoll. Für mich war immer klar, dass ich im Jahr 2013 als Chefredakteur ausscheiden werde.  So kann ich Dinge machen, die ich bisher nicht machen konnte,  wie z.B.  die Zeitschrift viva!, Reisen, besonders Auslandsreisen. Ich bin flexibler, habe mehr Ruhe und mehr Flexibilität und das finde ich ganz toll. Im ersten viva! Heft hatten wir einen sehr guten Alterstest, dem nach werde ich an die 90 Jahre.
 
M.F.: Solange sitzen Sie wahrscheinlich nicht mehr auf diesem Platz. Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach Ihrer Berufstätigkeit?
 
Osterkorn: Das lasse ich auf mich  zukommen, ich habe eine  große Familie, ich plane Auslandsreisen dienstlich wie privat, denn das Reisen ist definitiv viel zu kurz gekommen wie  auch der Urlaub. In den letzten 14 Jahren war ich nie länger als 2 1/2 Woche in Urlaub. Vier Wochen und ich bin weg:  ein unvorstellbares Glück, das ich auch weidlich ausnutzen werde.
 
M.F.:... also Sie sind dann wirklich weg, nicht web?
 
Osterkorn: weg,  weg!
 
M.F.: Welche Bedingungen müsste eine Seniorencommunity im Internet erfüllen, damit Sie sich entscheiden könnten, Mitglied zu werden?
 
Osterkorn: Es müsste Anregungen geben, von denen ich auch  etwas habe. So gehe ich nicht nur als viva! Redakteur auf Seiten wie „half past fifty“.
Für allgemeine Seniorenseiten bin ich wahrscheinlich nicht der richtige, ich ginge eher auf Seiten, auf denen bestimmte Interessen von mir diskutiert werden. Wenn ich mich für Fotografie interessiere oder für Segeln, da gehe ich direkt auf Spezialseiten und nicht auf Seniorenseiten, wo auch Leute sind, die fotografieren oder segeln.
Darum geht es auch bei viva! Ich folge persönlichen Interessen und nicht denen einer Zielgruppe. Wenn wir es bei viva! schaffen, Themen zu diskutieren, die für alle interessant sind oder das Lebensgefühl zu fassen, das für alle gleichermaßen zutrifft, ob man sich nun für Fotografieren oder Segeln interessiert, haben wir es geschafft. Beim Jugendmagazin Neon ist uns das gelungen. Es gibt politisch, im Musikgeschmack tausend verschiedene Jugendbewegungen und trotzdem gibt es einen Sound in einer Generation, einen Blickwinkel auf Themen, ein Lebensgefühl, das eint.
Dieses gemeinsame Lebensgefühl  von Menschen zwischen 50 und 70 anzusprechen, das alle doch haben, trotz irre auseinandergehender Partikularinteressen für Hobbies, für Menschen, für Erdteile, das ist unser Ziel bei viva!
Dann kann viva! auch so ein Erfolg werden wie Neon. Schaun wir mal.
 
M.F.: Herr Osterkorn, vielen Dank für das Gespräch.
 
 

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