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Thomas Osterkorn im Interview mit Margit Fischbach - Seite 3
M.F.: Wie war das mit Adenauer?
Osterkorn: Das war eine andere Zeit. Stern hatte im letzten oder vorletzten Jahr in einer Sternausgabe eine sehr kritischen Artikel über die zu jungen in der Politik, über Kristina Schröder, Daniel Bahr, Philipp Rösler, mit dem sehr kritischen Titel „Merkels Kinderkabinett - zu jung um gut zu sein“. Sie könnten nun sagen, das ist Jugenddiskriminierung. Man braucht für Politik ein gewisses Alter in Form von einer gewissen Lebenserfahrung, die jungen haben selber noch nichts so richtig auf die Reihe bekommen und sitzen nun in einem wichtigen Amt.
Bei Leuten über 60 Jahren ist die Frage erlaubt, ob sie für Erneuerung der Partei stehen können oder ob sie das fortsetzen, was man von der Partei kannte. Brüderle ist seit Jahrzehnten in der FDP. Er ist kein neues Gesicht und er steht nicht für Erneuerung und die braucht die Partei.
M.F.: Also in dem Sinne zu alt, dass er nicht für Erneuerung steht, obwohl die Partei sich erneuern wollte.
Osterkorn: Wenn sich niemand aufgeregt hätte, wäre der Artikel nicht gut gewesen – so haben sich alle aufgeregt, von links, von rechts, alle.
M.F.: Durch den Seniorentreff beschäftige ich mich intensiv mit Alter und stelle immer wieder fest, dass Altersdiskriminierung ständig stattfindet und von der Gesellschaft nicht hinterfragt wird. Wie sind Ihre Erfahrungen?
Osterkorn: Was heißt Altersdiskriminierung? Die wird es sicher geben, an mir habe ich nichts festgestellt, ich bin aber noch nicht so weit.
Das Thema wird schon demografisch geringer. Früher hatten die Jüngeren die Macht, die haben gegen die Alten aufbegehrt und die Älteren waren in der Minderheit. Heute sind die geburtenstärksten Jahrgänge zwischen 50 und Anfang 60 eher in der Mehrheit. Sie stehen politisch, ökonomisch, kulturell oben.
Es wird sicher auch Altersdiskriminierung geben, jemand wird immer diskriminiert.
In einer unserer viva! Ausgaben haben wir geschrieben, dass Firmen wieder bei Mitarbeitern im Ruhestand anfragen, ob sie wieder ein oder zwei Tage in der Woche arbeiten. Nicht, um am Band zu stehen, sondern um ihre Erfahrung einzubringen und sein Wissen an Jüngere zu vermitteln..
M.F.: Im Internet habe ich mit der Suche nach Synonymen für zu alt Folgendes gefunden: abgewirtschaftet, degeneriert, entartet, faul, ...
und unter Senioren: alt, alte Dame, alterschwach, schwächlich, ...Altsein kann aber genauso gut für aktiv, agil, lebensfroh stehen.
Osterkorn: Da hat eine Veränderung stattgefunden. Ein 60- und 70-jähriger empfindet sich heute nicht als alt und möchte auch nicht so angeredet werden.
M.F.: Fehlt uns da das passende Wort? Ein „Älterer“ ist jünger als ein „Alter“.
Osterkorn: Ja, nicht nur bei uns, auch im englischen Raum. In Amerika gibt es den senior editor. Hier weist „senior“ auf Erfahrung und eine gehobene Stellung hin.
M.F.: „Alt“, „Senior“ „reif“ - Begriffe wie diese werden negativ gebraucht oder tabuisiert. Stattdessen gibt es Euphemismen wie „Best Ager“, Fortgeschrittene, Silver Ager, ...
Alle wollen alt werden, wieso wird alt sein dann geächtet? Oder warum wird das Wort als diskriminierend empfunden?
Osterkorn: Das ist die berühmte Frage Warum wollen Sie nicht sagen , Sie fühlen sich alt? Alt steht für die Zeit, wenn schon alles etwas schwerer fällt.
Es gibt hier ein Vakuum, das man füllen muss. Dies zeigt sich auch in der Unsicherheit der Werbewirtschaft gegenüber der Zielgruppe, die sie gerne haben möchte: kaufkräftige, intelligente Menschen mit immenser Kaufkraft. Trotzdem wagen sie es nicht sie als „älter“ anzusprechen, es sei denn, sie wollen eine Versicherung verkaufen. Wenn man die Werbung aufmerksam betrachtet, so sieht man, dass im Modebereich in Bildergalerien mit Jugendgruppen oder Familien ältere Leute dabei sind. Die Aussage ist relativ klar: „Diese Klamotten kannst du tragen, wenn du 20, 30 bist, aber es ist auch nicht peinlich, wenn du graue haare hast und 50 bist. Direkt Mode oder eine Hose zu machen für 50+, traut sich keiner – kein Schwein würde diese Hose kaufen. Man fühlt sich heute 10 – 15 Jahre jünger als man ist und orientiert sich auch bei der Mode daran.
Osterkorn: Das war eine andere Zeit. Stern hatte im letzten oder vorletzten Jahr in einer Sternausgabe eine sehr kritischen Artikel über die zu jungen in der Politik, über Kristina Schröder, Daniel Bahr, Philipp Rösler, mit dem sehr kritischen Titel „Merkels Kinderkabinett - zu jung um gut zu sein“. Sie könnten nun sagen, das ist Jugenddiskriminierung. Man braucht für Politik ein gewisses Alter in Form von einer gewissen Lebenserfahrung, die jungen haben selber noch nichts so richtig auf die Reihe bekommen und sitzen nun in einem wichtigen Amt.
Bei Leuten über 60 Jahren ist die Frage erlaubt, ob sie für Erneuerung der Partei stehen können oder ob sie das fortsetzen, was man von der Partei kannte. Brüderle ist seit Jahrzehnten in der FDP. Er ist kein neues Gesicht und er steht nicht für Erneuerung und die braucht die Partei.
M.F.: Also in dem Sinne zu alt, dass er nicht für Erneuerung steht, obwohl die Partei sich erneuern wollte.
Osterkorn: Wenn sich niemand aufgeregt hätte, wäre der Artikel nicht gut gewesen – so haben sich alle aufgeregt, von links, von rechts, alle.
M.F.: Durch den Seniorentreff beschäftige ich mich intensiv mit Alter und stelle immer wieder fest, dass Altersdiskriminierung ständig stattfindet und von der Gesellschaft nicht hinterfragt wird. Wie sind Ihre Erfahrungen?
Osterkorn: Was heißt Altersdiskriminierung? Die wird es sicher geben, an mir habe ich nichts festgestellt, ich bin aber noch nicht so weit.
Das Thema wird schon demografisch geringer. Früher hatten die Jüngeren die Macht, die haben gegen die Alten aufbegehrt und die Älteren waren in der Minderheit. Heute sind die geburtenstärksten Jahrgänge zwischen 50 und Anfang 60 eher in der Mehrheit. Sie stehen politisch, ökonomisch, kulturell oben.
Es wird sicher auch Altersdiskriminierung geben, jemand wird immer diskriminiert.
In einer unserer viva! Ausgaben haben wir geschrieben, dass Firmen wieder bei Mitarbeitern im Ruhestand anfragen, ob sie wieder ein oder zwei Tage in der Woche arbeiten. Nicht, um am Band zu stehen, sondern um ihre Erfahrung einzubringen und sein Wissen an Jüngere zu vermitteln..
M.F.: Im Internet habe ich mit der Suche nach Synonymen für zu alt Folgendes gefunden: abgewirtschaftet, degeneriert, entartet, faul, ...
und unter Senioren: alt, alte Dame, alterschwach, schwächlich, ...Altsein kann aber genauso gut für aktiv, agil, lebensfroh stehen.
Osterkorn: Da hat eine Veränderung stattgefunden. Ein 60- und 70-jähriger empfindet sich heute nicht als alt und möchte auch nicht so angeredet werden.
M.F.: Fehlt uns da das passende Wort? Ein „Älterer“ ist jünger als ein „Alter“.
Osterkorn: Ja, nicht nur bei uns, auch im englischen Raum. In Amerika gibt es den senior editor. Hier weist „senior“ auf Erfahrung und eine gehobene Stellung hin.
M.F.: „Alt“, „Senior“ „reif“ - Begriffe wie diese werden negativ gebraucht oder tabuisiert. Stattdessen gibt es Euphemismen wie „Best Ager“, Fortgeschrittene, Silver Ager, ...
Alle wollen alt werden, wieso wird alt sein dann geächtet? Oder warum wird das Wort als diskriminierend empfunden?
Osterkorn: Das ist die berühmte Frage Warum wollen Sie nicht sagen , Sie fühlen sich alt? Alt steht für die Zeit, wenn schon alles etwas schwerer fällt.
Es gibt hier ein Vakuum, das man füllen muss. Dies zeigt sich auch in der Unsicherheit der Werbewirtschaft gegenüber der Zielgruppe, die sie gerne haben möchte: kaufkräftige, intelligente Menschen mit immenser Kaufkraft. Trotzdem wagen sie es nicht sie als „älter“ anzusprechen, es sei denn, sie wollen eine Versicherung verkaufen. Wenn man die Werbung aufmerksam betrachtet, so sieht man, dass im Modebereich in Bildergalerien mit Jugendgruppen oder Familien ältere Leute dabei sind. Die Aussage ist relativ klar: „Diese Klamotten kannst du tragen, wenn du 20, 30 bist, aber es ist auch nicht peinlich, wenn du graue haare hast und 50 bist. Direkt Mode oder eine Hose zu machen für 50+, traut sich keiner – kein Schwein würde diese Hose kaufen. Man fühlt sich heute 10 – 15 Jahre jünger als man ist und orientiert sich auch bei der Mode daran.
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