Thomas Osterkorn im Interview mit Margit Fischbach - Seite 2

Autor: ehemaliges Mitglied

M.F.: Welche Themenbereiche sind Ihnen wichtig?
 
Osterkorn: Wir machen wenig politische Themen, es sei denn, dass sie für unsere Zielgruppe interessant sind. Dies hängt auch mit unseren Erscheinungsterminen im Rhythmus von einem viertel oder einem halben Jahr zusammen.  Da kann man sich keine tagesaktuellen Themen vornehmen. Ganz ausschließen möchte ich Politik nicht, wenn wir interessante Themen haben wie zum Beispiel „Länger arbeiten“. Aber wir machen keine Politikerporträts und berichten auch nicht von Parteien, wie sie zu bestimmten Fragen stehen.
 
Explizit nicht machen wir Mode, dafür sind unsere Leser dankbar. Es gibt genügend eigene Zeitschriften zu diesem Thema,  auch aus unserem Haus. Im Alter unserer Leser hat man seinen eigenen Stil gefunden, ihr Geschmack ist so gefestigt, dass sie nicht noch Tipps von uns dazu haben wollen.
 
Sehr reduziert bringen wir medizinische Themen und auch die nicht im Stil der Apothekenrundschau. Wir betrachten das Leben positiv, ohne die Probleme, die das Alter mit sich bringt zu negieren.
 
Unsere Themen reichen von  Reisen über Lebensberatung, Geld, Auto, Computer, Motorradreisen bis hin zu modernen E–Bikes in unserer neuen Ausgabe.
Wir stellen Menschen in der passenden Zielgruppe vor, die etwas aus ihrem Leben machen.
 
M.F.: Haben die viva! Leser Einfluss auf die Gestaltung?
 
Osterkorn: Sie haben Einfluss. Wir haben Hunderte von sehr ausführlichen Leserbriefen mit Anregungen erhalten. Es findet ein enger Dialog statt, wir erhalten nicht nur Lob, sondern auch Kritik. Wir führen die Diskussion einzelner Themen mit Lesern, die ernsthaft Interesse am Inhalt haben, wir spielen uns da die Bälle zu. Wir stehen in engem Austausch mit unseren Lesern.
 
M.F.: Geschieht das nur per E-Mail oder erhalten Sie auch noch gelbe Post?
 
Osterkorn: Die gelbe Post wird weniger. Die Generation 50+ hat dramatisch im Netz zugenommen. Sie ist auf diesem Gebiet fitter als es Jüngere sind.
 
Die Älteren sind inzwischen erheblich weiter,  z.B. beim Hobby Fotografie, wobei das Wort Hobby keiner mehr so richtig hören mag, besser passt da „Passion“. Aktiv in professionellen Fotokursen sind fast nur Leute 50+, die etwas mehr Zeit haben sich der Sache voll und ganz widmen zu können, nicht nur an einem Abend pro Woche in der Volkshochschule, und die es bei der Bildbearbeitung oftmals zur Meisterschaft bringen. In SPIEGEL ONLINE erschien gerade eine Reportage zu Fotoreisen in den Grand Canyon.
 
M.F.: Welches Durchschnittsalter hat das viva! Redaktionsteam?
 
Osterkorn: Da ich auf Leute aus der Sternredaktion zurückgreife, kann ich das nicht genau sagen. Ich werde 60, der Redaktionsleiter ist über 60, die Layouterin etwa 30, das Durchschnittsalter liegt zwischen 45 und 50 Jahren.
 
 
Teil II: Fragen zu Altersdiskriminierung und zum demografischen Wandel
 
M.F.: Der Artikel im Stern über Herrn Brüderle von Frau Himmelreich entflammte eine fruchtbare Diskussion über Geschlechterdiskriminierung.
 
Osterkorn: Sie sagen jetzt, wir hätten den alten Brüderle diskriminiert? Das wurde uns auch vorgeworfen.
 
M.F.: Fand Diskriminierung nicht bereits schon mit der Frage statt, ob Herr Brüderle nicht zu alt sei für den Parteivorsitz?
 
Osterkorn: Die Partei versucht sich als Erneuerungspartei zu definieren. Da ist die Frage schon berechtigt. Eine Partei, die  einen solchen Sprung von Rösler, der um die  40 Jahre alt ist  zu jemand, der 67 Jahre alt ist, macht einen Spagat, der schwer nachzuvollziehen ist. Ich glaube, Parteien müssen ja auch Jüngere gewinnen und tendieren so auch zu jüngeren Kandidaten, das merkt man in der gesamten Politik. Insofern fand ich die Frage nicht altersdiskriminierend. Kann ein 67 Jähriger noch Hoffnungsträger sein?
 
 

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