Täter und Opfer

Autor: ehemaliges Mitglied

Täter und Opfer
Täter und Opfer
 
Es war nur ein Traum – Gott sei Dank. Als ich um drei Uhr nachts erwachte, war ich erleichtert.
 
Ich träumte, ich befände mich in einer Art Gefängnis oder Lager, aus dem es keinen Ausweg gab. Die Wahl schien nur zu sein: gehorchen oder sterben. Im Traum wurde ich genötigt, erniedrigt und gedemütigt, bis der einzige Ausweg darin bestand, den Tod zu akzeptieren, um dieser Qual ein Ende zu setzen.
 
Als ich mich aus diesem Traum befreite und erwachte, wurde mir etwas klar: In jedem Menschen steckt die Möglichkeit, Täter oder Opfer zu sein.
 
Der Traum ließ mich ein wenig erahnen, wie es sein muss, von anderen erniedrigt und entwürdigt zu werden. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass jeder Mensch auch dunkle Seiten in sich trägt. Sonst hätte ich einen solchen Traum wohl kaum träumen können.
 
Mir wurde klar, wie schnell man zum Täter oder zum Opfer werden kann. Wie Worte und Taten einen Menschen an den Rand der Verzweiflung bringen können. In diesem Traum war ich das Opfer, und gerade dadurch wurde mir manches verständlicher.
 
Das Internet trägt viel Gutes in sich, aber auch viel Böses. Es macht es einfach, zum Opfer zu werden – und manchmal ebenso einfach, zum Täter. Hinter Bildschirmen vergisst man leicht, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt, der dieselben Gefühle hat wie man selbst..
 
Der Gedanke am Ende ist besonders stark: Dass die Grenze zwischen Täter und Opfer oft viel dünner ist, als wir glauben. Ich bin mir bewusst, dass ich mal Täter und Opfer gewesen bin, und ich mir das nie mehr erlauben will.

So kann ein Traum zur Selbsterkenntnis führen.
 

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