Still, fast unbeachtet


Still, fast unbeachtet



Still, fast unbeachtet

Im schattigen Wald und nah dem Fluss
wächst es still, fast unbeachtet,
niemand entbietet ihm einen Gruß,
kaum wird es mal nah betrachtet,
denn dieses Kraut wurde vergessen,
weil es Bitterstoffe* enthält,
doch Kenner ihm Kräfte beimessen,
die zu den Heilwirkungen zählt.

Grüngelbliche Blüten erscheinen
unauffällig von März bis Mai,
hübsch, aber klein, kaum zu erkennen,
geben sie süßen Nektar frei,
Labspeise für Käfer und Fliegen,
die alsbald Pollen verteilen,
damit sie auch genug abkriegen,
können sie nie still verweilen.


Milzkraut-3.jpg


Das Kraut haben einst Kräuterfrauen
im Frühjahr sehr gerne gepflückt,
um Tee und auch Absud zu brauen
mit sichtlich heilendem Effekt
bei andauernden Milzbeschwerden,
auch bei Leber-Gallenleiden,
weil sie die Pflanzenkräfte kannten
die manche Krankheit vertreiben.

Dies nun begründet auch den Name,
der deutlich die Heilkraft benennt,
somit gibt es auch keine Frage,
weshalb man es als Milzkraut* kennt.
Zudem ist es pikante Würze
im Frühjahrswildkräutersalat,
mit dieser edlen Komponente
macht er besondes feinen Staat.


© Syrdal 2026

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Erklärungen
 
*Bitterstoffe = Für die ganze Pflanzenfamilie gelten enstsprechende Inhalsstoffe wie Phenolsäuren (z.B. Chlorogensäure, Kaffeesäure), hydrolysierbare und kondensierte Tannine sowie Flavonoide wie Quercetin- und Kaempferol-Derivate.
*Milzkraut (Chrysosplenium) = der wissenschaftliche Gattungsname leitet sich aus den griechischen Wörtern χρῡσός = chrysos für „Gold“ (wegen der gelb gefärbten Hochblätter der Pflanze) und σπλήν = splen für „Milz“ (wegen der milzähnlichen Form der Laubblätter) ab. Die Bezeichnung Chrysosplenium wurde erstmals von Jacob Theodor Tabernaemontanus
(* um 1522, † 1590) verwendet. Wie aus der Signaturenlehre hervorgeht, wurde die Pflanze im Mittelalter bei Erkrankungen der Milz eingesetzt.


 

Kommentare (4)

indeed

Liebe Syrdal,

dir ist inzwischen ja bekannt, dass ich deine Art der Kräuterkunde besonders gerne mag.
Diese Pflanze habe ich noch nie gesehen.

Dankeschön für deine Ausführungen nebst Foto. 

Lieben Abendgruß zu dir von

Ingrid

Syrdal

@indeed

Liebe Ingrid,
der Titel dieses Gedichtes lautet deshalb ja auch ganz bewusst "Still, fast unbeachtet", weil diese kleine Heilpflanze kaum mehr bekannt ist, denn die Heilwirkung ist mit der Zeit leider in Vergessenheit geraten.
Man findet das Milzkraut aber in ganz Deutschland von der Nordseeküste bis in die Alpen, bevorzugt an feuchten, schattigen Stellen wie an Bachufern, Quellfluren, in Auen- und Schluchtwäldern. Es wächst vor allem dort, wo der Boden ständig feucht und nährstoffreich ist. Wer es sammeln möchte, sollte Ausschau halten

  • in feuchten Laubwäldern (Erle, Esche, Ahorn)
  • an kleinen Bächen im Wald
  • an Quellen oder Sickerstellen
  • in schattigen Schluchten
  • am Rand von Waldwegen, wenn diese sehr feucht sind.
Es gibt viele Stellen...
Komm gut durch die anstehenden "Eisheiligen" und sei herzlich gegrüßt
Syrdal 

 

ladybird

Lieber Syrdal,
zwar habe ich allerdings mein "Haltbarkeits-datum" überschritten, aber lerne immer noch weiter dazu, durch Deine wertvollen "Heilkräuter- Themen"....
auch dieses "Milzkraut" kannte ich über 80 Jahre nicht...
mit Freude, Dank und Gruß
Renate vom Rhein

Syrdal

@ladybird  

Liebe Renate,
da bist du nicht alleine, auch ich lerne mit Mitte 80 tagtäglich noch dazu und möchte das auch nicht missen und gerne so beibehalten, denn es gibt ständig Neues und Wissenswertes, das das Leben farbig macht und bereichert und – das ist auch wichtig – aktiv hält. Und es sind bei weitem nicht einzig die Heilkräuter-Themen, sondern noch sehr vieles mehr.
Schön, dass dir das kleine Gedicht etwas dir bislang Unbekanntes nahe bringen konnte.
Das freut auch den dich herzlich grüßenden
Syrdal

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