Schlüsselherz

Sein Flüstern klang einst warm am Ohr
und sein Lachen samtig, zart.
Verloren lehnt er nun am Tor.
Der Zug um seinen Mund wirkt hart.

Er schnippt die Zigarettenasche
achtlos auf erste Krokosblüten.
Den Schlüssel in der Manteltasche
starrt er zum Eingang Nummer Sieben.

Den Kopf gesenkt und unentschlossen
streift er gedankenvoll im Kreis.
Er ringt nach Worten – scheint verdrossen,
weil er sie nicht zu finden weiß.

Im Hause Sieben brennt noch Licht.
Er fühlt sich elend und gemein.
Wie sagt er ihr .“Ich lieb dich nicht“-
war sie doch immer sein Daheim.

Die Andere sitzt still im Wagen -
erwartet ihn voll Ungeduld.
Spürt nicht, wie sehr ihn Unbehagen
zermürbend quält und große Schuld.

Das Silberherz am Schlüsselbund
mit eingravierten Initialen
geschenkt aus tiefstem Herzensgrund
und hoffnungsvollen Idealen.

Den Talisman mit Altersspuren,
die abschiedglänzend schwach noch flimmern
mit all den Jahresringblessuren
trennt er sich ab für sein Erinnern




(C) Ingrid Bezold
 

Kommentare (12)

Winterbraut

An die Herzchengeber

Agathe,Pippa, Tulpenbluete,Songeur,Sommerzauber,protes,Marlen13,Monalie, Globetrotter, Rosi65, Christine, Cecile


herzlichen Dank!
Ingrid

Tulpenbluete13

Liebe Ingrid

eine traurige Geschichte aber sehr lebensecht…..
klingt sehr lebensecht und so als hättest du sie selbst erlebt.
Bei mir löst sie Erinnerungen- mit Wehmut behaftet…
Aber lange her und trotzdem….

sehr gut in Verse gesetzt man kann die Gefühle (wieder) spüren….

meint nachdenklich
Angelika

 

Winterbraut

@Tulpenbluete13  

Liebe Angelika,

ich wollte dich aber nicht traurig stimmen....
nur versuchen, mich mit diesen Zeilen in den, der geht, hinein zu versetzen.

Liebe Grüße 
Ingrid

Marlen13

Liebe Ingrid,
verletzende Erinnerungen vergisst man nicht so leicht.
würde mir jedenfalls so gehen.
Doch mit der Zeit werden sie schwächer, die Zufriedenheit mit sich später -  lassen sie dann einfach als gewesen sein.
Liebe Grüße Marlen 

Winterbraut

@Marlen13  

Liebe Marlen,

das Gedicht habe ich geschrieben, weil ich glaube, dass es auch dem, der verlässt, nicht gut dabei geht.

Es ist aber nicht autobiografisch. 

Liebe Grüße 
Ingrid

Rosi65


In Deiner Geschichte, liebe Ingrid, hat der Beziehungs-Abbrecher immerhin noch den Willen besessen und ein mündliches Abschiedsgespräch geplant. Doch nun, vor dem Haus Nr.7, übermannt ihn wohl sein schlechtes Gewissen.

Laut it-daily.net beenden viele der Befragten ihre Beziehung per Telefon, mit einem Brief, per E-Mail, oder schicken ersatzweise sogar eine dritte Person als Boten vorbei.😠

Es ist natürlich auch ein Zeichen der Persönlichkeit, ob man sich feige aus der Verantwortung schleicht, oder eine Beziehung vernünftig und somit fair im persönlichen Gespräch beendet.
Ob er wohl genügend Courage besaß, um dieses Gespräch zu führen?

Rosi65




 

Winterbraut

@Rosi65  

Liebe Rosi,

stimmt, heute wird es sich leicht gemacht mit dem Abschied.

Ich habe mich mit diesem Text in den Mann versetzt, der plötzlich mit Gefühlen zwischen zwei Lebensabschnitten konfrontiert wird.

Liebe Grüße 
Ingrid

Rosi65

@Winterbraut  

Hast Du aber echt gut geschrieben 👍

werderanerin

Ja, liebe Ingrid, ich kenne auch diese, zu tiefst schmerzhaften Erinnerungen. Vielleicht gehören sie zum Leben dazu (...), nur fragt man sich schon auch..., warum und vor allem wie ist alles verlaufen..., was war passiert...?

Einen Weg gibt es immer, das Leben geht ja einfach weiter, als wäre nichts gewesen.

Wie sagt man so schön..., die Zeit heilt alle Wunden...ich denke, dass die Zeit Tatsache heilsam sein kann, wenn der Abstand da ist..., nur bleiben eben die Narben des Lebens auf der Seele. Sie sind da und werden auch nie weg gehen. 

Wohl dem, der dann ein neues Leben beginnen konnte...mir war es vergönnt, weil ich u.a. immer auch positiv war und bin.
Ja, auch heute ist nicht alles Friede, Freude..., wie auch..., aber man ist nicht allein.

Kristine

Winterbraut

@werderanerin  

Die Geschichte ist nicht autobiografisch, liebe Kristine.
Ich wollte mich nur in einen Mann hineindenken, dessen Neue ihm wahrscheinlich wenig Zeit lässt, sich mit schönen Erinnerungen, die ihn plötzlich durchströmen, auseinander zu setzen.

Ich glaube, jeder, der verlässt, leidet auch.

Liebe Grüße 
Ingrid 

Christine62laechel


Liebe Ingrid, obwohl eher traurig, liest sich dein Gedicht sehr gut. Die Melancholie scheint nicht mehr schmerzhaft zu sein. Und vor allem verspricht der bedeutungsvolle Mangel am letzten Punkt vielleicht noch eine Fortsetzung der ganzen Geschichte...


Mit herzlichen Grüßen
Christine

Winterbraut

@Christine62laechel  

Liebe Christine,

diese Situation betrifft wahrscheinlich viele Paare. 
Ich denke, der Mann, der sich den Schlüsselanhänger abtrennt und zur Erinnerung behält, ist reif genug, aus dieser Ehe trotz Trennung gute Zeiten mitzunehmen. 

Danke und liebe Grüße 
von Ingrid

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