Rum im Tee statt Schuss ins Knie


Rum im Tee statt Schuss ins Knie

06. September 2026

Guten Tag allerseits!

Am Morgen wissen wir noch nicht, was uns der Tag bringen wird.

Das Leben spielt sein eigenes Spiel.

Ob man am Abend zufrieden ist oder sagen muss, „das war ein richtig mieser Tag“, hängt von unendlich vielen Faktoren ab. Auf die meisten dieser Faktoren haben wir wenig Einfluss.

Es gibt elende Tage

Das Leben wirft uns Sperrmüll in den Garten, immer wieder. Das reicht von einer schlaflosen Nacht oder heftigen Zahnschmerzen bis hin zu schweren Schicksalsschlägen. Es gibt Tage, die können nicht gut werden.

An den übrigen Tagen aber haben wir (zumindest ein wenig) Einfluss darauf, ob wir am Abend sagen können: „Das war ein guter Tag“.

Dafür könnten wir einiges tun.

Doch leider: Die eigene Lebensfreude zu sabotieren, beherrschen wir meisterhaft. Wir vermiesen uns manchen Tag, der hätte gelingen können.

Das Grundprinzip dieser „Kunst“ besteht darin, den Blick auf Negatives zu lenken.

Unsere Gehirne sind darauf spezialisiert, Probleme und Gefahren zu erkennen. Für unsere Vorfahren war das eine lebenswichtige Fähigkeit. Heute machen wir uns damit das Leben schwer. [1]

Aber: Dieser uralte menschliche Instinkt lässt sich austricksen. Wir sind nicht gezwungen, unsere Aufmerksamkeit wie hypnotisierte Kaninchen auf alles zu richten, was uns Angst macht, ärgert oder bedrückt.

Wir haben die Möglichkeit, zu entscheiden, worauf wir uns fokussieren.

Für die Gestaltung unseres Tages bedeutet das:

Glückliche Momente einfangen oder selbst herbeiführen und auskosten.

Das klingt trivial. Aber leider vergisst man im Trubel des Alltags nur allzu leicht, solche Vorhaben umzusetzen. Bereits vor vielen Jahren hat Raymond Hull dazu geschrieben: Wir tun vieles, was für uns gut wäre, nur deshalb nicht, weil wir es schlichtweg vergessen. [2]

Nicht für alle geeignet

Natürlich setzt diese Empfehlung voraus, dass jemand den Wunsch hat, sich wohlzufühlen und den Tag zu genießen.

Manche Menschen lehnen das ab. Für sie kommt es nicht infrage, die negativen Seiten des Lebens auch nur für einen Moment auszublenden. Vielleicht, weil sie meinen, es gäbe Wichtigeres zu tun angesichts der wirklichen Probleme auf der Welt (oder in ihrem eigenen Leben).

Wer seinen Blick bevorzugt auf das Dunkel richtet, hat dafür sicherlich gute Gründe. Jeder betrachtet die Welt auf seine Weise. Es würde mir nicht im Traum einfallen, daran etwas zu kritisieren.

Die Geschmäcker sind verschieden

Was positive Gefühle schafft, ist bei jedem von uns unterschiedlich.

Es beginnt bei einfachen Freuden wie einer Melodie, die uns anspricht, einem Spaziergang oder einem kühlen Bier und führt bis zu eher exotischen Vergnügungen wie Eisbaden, Extrem‑Bügeln, Unterwasser‑Schach oder virtuellem Klo‑Putzen (das gibt es tatsächlich!).

Im Allgemeinen weiß jeder Mensch am besten, welche Ereignisse oder Aktivitäten bei ihm positive Gefühle auslösen und welche eher nicht.

Die Psychologen Wilson und Gilbert schreiben dazu (sinngemäß übersetzt): 

„Menschen sind geschickt darin vorherzusagen, ob Ereignisse wahrscheinlich angenehm oder unangenehm sein werden. Selbst eine Ratte kann leicht lernen, dass das Drücken des einen Hebels einen Leckerbissen und das Drücken eines anderen Hebels einen elektrischen Schlag erzeugt, und wird mit ihren Pfoten für die angenehmere Option stimmen. Menschen wissen, dass ein guter Schuss Rum im Tee bedeutend angenehmer ist als ein Schuss ins eigene Knie.“ [3]

Und wenn es heute, trotz allen redlichen Bemühens, eher suboptimal läuft?

Kein Grund zu verzagen, morgen ist auch noch ein Tag. 😊

Herzliche Grüße,
Kurt

***

[1] Baumeister, Roy F.; Tierney, John (2020): Die Macht des Schlechten: Nicht mehr schwarzsehen und gut leben. Frankfurt am Main / New York: Campus Verlag.

[2] Hull, Raymond (1973): Alles ist erreichbar. Erfolg kann man lernen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.

[3] Wilson, Timothy D.; Gilbert, Daniel T. (2005): Affective forecasting: Knowing what to want. In: Current Directions in Psychological Science, Jg. 14, H. 3.

 
 

Kommentare (14)

Kurt20


17. September 2026

An:

  •     Brigitte (Roxanna)
  •     Elou
  •     Heidi (pippa)
  •     Hubert (Songeur)
  •     Ingrid (Ingira)
  •     Marlen (Marlen13)
  •     Mona (Monalie)
  •     Petra (Guschi
  •     Rosemarie (Rosi65)
  •     Ursula (Anna-Lena)
  •     Ursula (U. Petri)

Vielen Dank für Eure Kommentare und Eure ❤️!

Bis bald,
herzliche Grüße, Kurt
 

Guschi

Hallo Kurt, 

ich finde Deine Einstellung gut. Auch ich versuche das Beste aus dem Leben zu machen. Man sollte immer versuchen gegen Schlechtes sich etwas Gutes zu setzen. Das muss nichts  Großartiges sein, eine schöne Tasse Kaffee oder ein Spaziergang tun es auch.
Man hat ja nicht wieder einen Tag geschafft sondern eine Tag weniger.
Viele Grüße    

Kurt20

@Guschi  

14. September 2026
 
 
Ja, liebe Petra,
 
es gibt unzählige Dinge, die uns erfreuen.
 
Was uns guttut oder schadet, haben die meisten von uns im Laufe der Jahre erkannt. Das ist bei jedem Menschen anders und einzigartig, ähnlich wie ein Fingerabdruck.
 
Unsere jahrzehntelangen Erfahrungen, unsere Gefühle, Empfindungen, Meinungen und Ansichten bestimmen, was wir als angenehm empfinden. Ob wir am Küchentisch Kreuzworträtsel lösen, eine Tasse Kaffee genießen, Musik hören, eine Pflanze umtopfen oder was auch immer.
 
Es gibt aber auch vieles, das uns Lebenskraft raubt. Dazu zählen zum Beispiel: sich mit Nörglern umgeben, sich mit schlechten Nachrichten überfluten, Grübeln oder sich unter Zeitdruck setzen. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
 
Und obwohl wir diese Übeltäter gut kennen, werfen wir sie nicht immer konsequent aus unserem Leben. Da sind wir manchmal ein wenig pervers.
 
Das führt zu einem Zustand, den manche Psychologen als mentale Erschöpfung bezeichnen. Kein Wunder, wenn man sich am Abend eines solchen Tages innerlich leer, erschöpft oder gereizt fühlt.
 
Cordula Nussbaum schreibt sinngemäß:

Mentale Erschöpfung ist mehr als „Müdesein“. Sie beschreibt einen Zustand geistiger Überlastung, der oft mit Gehirnnebel einhergeht. Dieses Gefühl ähnelt einem Kater nach einer wilden Party, nur ohne Alkohol. All das ist ein Warnsignal, dass in unserem Leben und in unserem Körper etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. [1]
 
Das will doch keiner, oder?
 
Deshalb werbe ich in meinen Texten immer wieder einmal dafür, den Blick auf das Positive zu richten und dem Negativen, soweit es möglich ist, wenig Beachtung zu schenken.
 
Einen schönen Tag und herzliche Grüße 
Kurt
 
---
 
Nussbaum, Cordula (2024): Die 1‑Minuten‑Strategie gegen mentale Erschöpfung. Mehr innere Stärke und mentale Gesundheit mit Mini‑Hacks für Energie, Fokus und Balance. München: Gräfe und Unzer.

pippa

Kein Grund zu verzagen, morgen ist auch noch ein Tag. 😊

Herzliche Grüße,
Kurt

Tja, lieber Kurt, das ist im Alter ja gerade die Krux, dass man jeden Abend   h o f f e n   muss, dass es ein „Morgen“ überhaupt noch gibt. Der Gedanke daran kann mir manchmal schon den Tag verderben.

Vielleicht bin ich ja dümmer als eine Ratte, aber ich weiß einfach nicht auf welchen Knopf ich drücken muss, welcher diese Gedanken vertreibt.

Positive Gedanken muss ich mir bei meiner Einschränkung tatsächlich inzwischen mühsam selber erzeugen. Exotische Vergnügungen liegen nicht mehr drin.

Doch ja, wenn ich im Radio plötzlich Bach’s Air höre, dann bin ich auch heute noch für Momente glücklich.

Glücklich wäre ich auch, wenn ich mich an meinem Sehnsuchtsort aufhalten könnte; jedoch ist das Hinkommen inzwischen mit großen Schwierigkeiten verbunden.

Nun ja, unglücklich bin ich meistens nicht und das ist ja auch schon mal was.

Danke für deine Anregungen
und harzliche Grüße von Pippa


 

Kurt20

@pippa  

08. September 2026
 
Liebe Heidi,
 
vielen Dank für Deinen Kommentar.
 
Du schreibst: „Tja, lieber Kurt, das ist im Alter ja gerade die Krux, dass man jeden Abend   h o f f e n   muss, dass es ein „Morgen“ überhaupt noch gibt. Der Gedanke daran kann mir manchmal schon den Tag verderben.“
 
Wenn ich ein stupider Typ wäre, würde ich antworten: „Einfach nicht daran denken.“ Das bin ich aber (hoffentlich) nicht.
 
In gewisser Weise jedoch bin ich rigoros, schon immer. Und willensschwach.

Aus diesem Grund suche ich bereits seit früher Jugend nach Abkürzungen. Nach Möglichkeiten, mein Leben nicht unnötig zu erschweren (es ist schwer genug).
 
Unter den Millionen Ratschlägen dazu, von Erziehern, Lehren, Theologen, Philosophen, professionellen Ratgebern, von Hinz und Kunz und von meiner Schwiegermutter 😉, sind es ein paar wenige, die Hand und Fuß haben (Für mich! Das muss immer wieder gesagt werden).
 
Wenn ich etwas zum Thema „Was tun für ein möglichst gutes Leben“ gefunden habe, was mir einleuchte und was bei mir einigermaßen funktioniert, fällt mir ein „Das könnte vielleicht auch ein paar Leute bei ST interessieren.“

Also einen kurzen Text dazu schreiben und ins Schaufenster damit. Die interessanten Kommentare dazu, wie der Deinige hier, erfreuen mich natürlich und bringen mich zum Weiterdenken und Weiterschreiben.
 
Kurz noch zu Deinem Kommentar.

Ja, die Einschränkungen werden mehr, mit jedem Monat. Da bleibt uns nur übrig, aus dem, was noch geht, das Beste zu machen.

Das klingt hart und ich würde das vielleicht gar nicht so formulieren, wenn das nicht auch an mich selbst gerichtet wäre. Vieles, was noch vor einigen Jahren ging, geht heute nicht mehr.
 
Und vielleicht erwarten mich sehr bald ernste Krankheiten, Schmerzen, Unglücksfälle und der Tod.

Aber bis es so weit ist, so mein Entschluss, konzentriere ich mich (trotzig) auf die vielen kleine Dinge, die das Leben auch heute noch angenehm machen.

Rigoros, so wie es nun einmal meine Art ist.
 
Herzliche Grüße,
Kurt

pippa

@Kurt20  
Weißt du was, lieber Kurt, ich musste über deinen Trotz lachen und sah dich vor mir, wie du mit den Füßen aufstampfst. Nicht schimpfen, ist nur eine Vision.
Mich haben ja schon viele Krankheiten erreicht und ich kann zur Zeit nicht mal mehr in den Wald. Das ist das allerschlimmste für mich, denn er ist für mich alles. Die schönste Kirche, nicht einmal ein romanischer Dom und auch nicht das schönste Haus könnten mir den Wald ersetzen.
Aber ich bin ein Kämpfer.
Harzliche Grüße  von Pippa

Songeur

Hallo Kurt,

deine Überschrift ist - wörtlich genommen - nichts für mich. 

Das Trinken von Tee lehne ich ebenso entschieden ab, wie das Trinken von Rum. Die negativen Seiten des Lebens nehme ich hin, sie in gute umzuwandeln gelingt nicht immer, aber doch ziemlich oft. Und das alles ohne irgend etwas zu kosumieren. 😉

Herzliche Grüße
Hubert

 

Kurt20

@Songeur  

07. September 2026

Hallo Hubert,  

schön wieder von Dir zu hören.

Kein Tee und kein Rum? Muss ja auch nicht sein, mein Lieber.

Dass Du Dich Deines Lebens freust, davon bin ich überzeugt und sehe das auch immer wieder an Deinen herrlichen Beiträgen hier.

Also muss ich mir keinen Sorge machen um Deine Befindlichkeit. 😊

Herzliche Grüße,
Kurt

 

Elou

mein vater hat immer tee mit rum getrunken, nicht jeden tag, aber immer an hl. abend, und dazu ölsardinen mit trocken brot.

Kurt20

@Elou  

10. September 2026

Liebe Elou!

Da läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Habe gerade eine Dose geöffnet und mache mich daran zu frühstücken. Müsli gibt es erst morgen wieder.
 

100926_002.png

Einen schönen Tag und herzliche Grüße,
Kurt

***

(Foto: Gretarsson via Wikimedia Commons (CC0 / gemeinfrei)

Kurt20

@Elou

Atwort folgt bald, liebe  Elou.

LG Kurt

Rosi65

"Das Leben spielt sein eigenes Spiel."

Lieber Kurt,
und manchmal ist es nur ein Fußballspiel:
Doch auch das kann die riskante Spannung einer großen Erwartungshaltung auslösen. Doch wie will man sie beeinflussen?
Es sei denn, man denkt positiv und sendet mental mindestens 1000 gute Gedanken aus, und zwar nonstop in Richtung seiner Lieblings-Fußballmannschaft.

So wie gestern beim Spiel FC Schalke 04 gegen den FC Bayern München. Unser Kultverein Schalke 04, der nach langem „Fußball-Kelleraufenthalt“ nun endlich wieder in die Bundesliga aufgestiegen ist, musste bei seinem ersten Heimspiel ausgerechnet gegen diesen Bären antreten.
Die hämischen Tipp-Vorhersagen im Kicker lauteten mehrfach 5:0 für Bayern-München.

Auf Liveticker konnte ich dieses Spiel dann in Echtzeit im Internet verfolgen.
Eigentlich hatte unsere Mannschaft schwache Chancen, denn sie wurde von den Kimmichs, Musialas, Karls, Tahs usw., aus der dominanten rot-weißen Bayernwelt regelrecht eingekesselt. Nur der Name Kane tauchte dabei kaum auf. Wo war der eigentlich?
Nein, Tore fielen nicht, denn unser Keeper gab alles!
„Nur noch 30 Minuten, Jungs, haltet durch“, lautete meine Zwischennachricht an die Empfänger.
„Jetzt nur noch 3Minuten! Das schafft ihr!!!“
Dann war das Spiel zu Ende. Schalke hatte sich mit Leidenschaft gut verteidigt.
Wunderbar, ein Remis mit 0:0. Was hab ich mich gefreut! Das war ein schöner Abend.😃

Rosi65



 

Kurt20

@Rosi65  

11. September 2026

Liebe Rosi,

vielen Dank für Deinen spannenden Beitrag.

Leider weiß ich von Fußball kaum etwas, nur so viel: Fußball ist eine Ballsportart, bei der zwei Mannschaften mit dem Ziel gegeneinander antreten, mehr Tore als der Gegner zu erzielen und so das Spiel zu gewinnen. (Wikipedia).

Ihr Fußballbegeisterten habt ein besonders wirksames Mittel, glückliche Momente einzufangen.

Ob ein Tag gut war, lässt sich auch mit einer Reihe von Fragen abschätzen, die man sich am Ende des Tages beantwortet [1].

Zum Beispiel:

„Bin ich heute einem Wunder begegnet?“ Klares Ja, würde ich sagen. Ein 0:0 gegen Bayern!

Und das hast Du mit Deiner mentalen Fernbeeinflussung, 1000 gute Gedanken in Richtung Schalke, sogar selbst herbeigeführt 😉. [Das möchte ich auch können; habe es schon x‑mal mit den Lottozahlen probiert, ohne Erfolg. Wie geht das, liebe Rosi?]

„Habe ich anderen und mir eine Freude bereitet?“ Selbstverständlich ja.

Und „Ist das ein Grund, dankbar zu sein?“ Na, wenn das kein Grund ist!

Ein Tag mit solchen Antworten kann nur ein guter Tag gewesen sein.

Gerade lese ich: Schalke hat heute um 20:30 ein Auswärtsspiel gegen Union Berlin. Dein Tag ist gerettet!

Ein schönes Wochenende und herzliche Grüße, Kurt

***

[1] Eilert, Dirk W.: Mimikresonanz: Gefühle sehen, Menschen verstehen. Junfermann Verlag, Paderborn 2013.

Kurt20

@Rosi65  

Antwort folgt bald, liebe Rosi

LG Kurt

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