Riskante Abenteuer im Alter?


Riskante Abenteuer im Alter?



Vor einigen Tagen konnte man hier über eine junge Frau lesen, die eine einsame Reise unternommen hatte, und wäre dabei ums Leben gekommen, wenn nicht eine Prise Glück. Junge Menschen halten wohl jegliche Gefahren für eine Abstraktion, die sie selbst nie betreffen könnte. Riskieren ältere Menschen auch so gerne, sind sie auch AbenteurerInnen?

Meine ehemalige Schulfreundin, jetzt rund 70 Jahre alt, war schon immer eine robuste, körperlich und psychisch starke, selbstbewusste Person. Dabei lange kerngesund. Erst vor zwei Jahren wurde sie von einer seltenen Krebskrankheit erwischt, die sie Gott sei Dank nach einer richtigen medizinischen Behandlung nun los ist. Was aber nicht bedeutet, dass sie wieder ganz gesund ist: zwei wichtige Organe bereiten ihr Probleme (in Behandlung), und ihre Knie sind auch alles andere als fit.


Meine Freundin macht aber keinen Eindruck, dass sie eine kranke Person wäre. Sie behauptet, dass das alles hauptsächlich im Kopf steckt, deswegen denkt sie nicht daran, und tut, als ob nichts geschehen würde. Sie funktioniert, wie man es so nennt. Vor einigen Monaten hat sie sich sogar einen ganz jungen Hund wieder zugelegt, weil ihr alter Freund in den Hundehimmel musste. Sie lebt mit ihrem Mann unter einem Dach, hat auch erwachsene Kinder, ist also nicht allein, trotzdem finde ich sie einfach brav.

Nun wurde es ihr aber nicht genug: sie will im Herbst einen Fallschirmsprung (natürlich mit Begleitung) versuchen. Fliegen war für sie nie ein Problem, das macht die Sache schon möglich. Um eine Ahnung zu kriegen, wie es so im Flug ist, bevor sich der Fallschirm öffnet, will sie auch noch vorher mal einen Windkanal besuchen. So etwas ist auf dem Titelbild zu sehen. Zwei Minuten lang bleibt man in einem sehr starken Luftstrom hängen. Zwei Minuten – in den Umständen schon ziemlich viel. Sicher wird man dabei beobachtet, und die ganze Geschichte kann jederzeit unterbrochen werden. Wenn dann aber wirklich in der Luft, müsste sie schon zu Ende machen… Also, nichts für mich. Und weil sie nicht mitlesen kann: nicht sehr vernünftig finde ich das.




(Titelbild aus dem Internet)
 

Kommentare (13)

werderanerin

Ja, liebe Christine, das kann man eben so oder auch so sehen. Du schreibst ja, dass der Windkanal ihr dann doch nicht gut bekommen sei. So ist es dann eben.

Grundsätzlich jedoch finde ich es gut, wenn man einfach auch manchmal seine Grenzen überschreitet, dabei aber immer auch eine Art "Sicherheitsgefühl" haben sollte.

Meist spürt man ja auch, ob es richtig/falsch ist...kann ggf. gegen lenken. Das sind für mich dann die riskanten aber dennoch klugen Aktionen..., egal was, wo und wann.

Es gibt aber eben auch diejenigen, die alles riskieren, nie nachdenken und dann...ja, geht's eben schief. Na und, sage ich nur, dann ist es so.

Ich für mich bin ja auch eher ein sportlicher Typ, der auch mal schneller fährt, weils schön ist, dass alles aber ist immer auch mit Obacht verbunden, nie würde ich etwas aufs Spiel setzen, gar ein 100 % iges Risiko eingehen.
Risiko ja, aber dabei müssen mir mein Kopf und Köper sagen - okay, mach es, wir sind dabei ! 

Lass sie einfach - sie macht eh, was sie will. "Bekehren" wirst du sie nie!

Kristine

Christine62laechel

@werderanerin  

Ja, liebe Kristine, Bekehren wäre nicht meine Sache, das bringt sowieso nichts, und schon gar nicht bei einer solchen Person wie meine Freundin, die eher die Anderen gerne bekehren würde. 

Die eigenen Grenzen überschreiten: ich bin auch absolut dafür, solange nicht riskant eben. Solange nicht ungesund. Und ja, darüber muss man schon selber entscheiden, und später auch eventuelle Konsequenzen tragen. Ich hoffe, dass sich meine Freundin doch mit anderen Beschäftigungen abfindet; es sei denn, dass dies eine Art Autoaggression wäre, oder dass sie die Emotionen ihrer Mitmenschen - da zähle ich natürlich nicht mit - auf die Probe stellen will. So etwas kann es auch mal geben.



Mit Grüßen
Christine

Songeur

Fallschirmspringen ist nicht gefährlich, Christine. Dabei lernt man vor allem die richtige Landung. Ich habe das über 30 Jahre gemacht, von 20 bis 50 Jahre alt. 
Wenn befolgt wird, was man gelernt hat, passiert auch nichts. 😎
 

Christine62laechel

@Songeur  


Ha, zwischen 20 und 50…? Und würdest du es auch jetzt noch versuchen, Hubert, ungefähr so alt wie meine Freundin? Mal ganz ehrlich…? 😎

Und ernst: wenn du auch jetzt noch mit deinen etwa 70 Jahren so sportlich bist, dass du immer wieder schöne und ziemlich schwierige Wanderungen machen kannst, musstest du früher ein echt sportlicher Mann gewesen sein. Und meine Freundin, über die ich hier erzählt habe, ist einfach mollig, null Sport, und sie hat auch noch Probleme mit ihren Knien, was ich im Eintrag erwähnt habe. Ich habe sie übrigens dazu angesprochen, in Hinsicht auf die Landung nach dem Sprung; sie sagte darauf: ach, einen kurzen Schmerz werde ich schon vertragen können… Sie zieht nichts Schlimmeres in Betracht, obwohl die Knie so einfach konstruiert sind, wie ein Dreschflegel, wenn aber mal kaputtgegangen, schwer zu reparieren. Na ja, mal sehen, ob sie den Fallschirmsprung im September auch wirklich wagt – nicht gelernt vorher ja... 😉 Ich lasse mich auf jeden Fall mit der Idee nicht anstecken. :)

 

Songeur

@Christine62laechel  

Ich habe damals nur deshalb aufgehört, weil ich meinen Wohnsitz in ein anderes Land verlegt habe, Christine. Damit konnte ich im Fallschirmsportclub in Deutschland nicht mehr bleiben. Ich bin aber schon auch in Belgien gesprungen (seinerzeit in Elsenborn, dort gab es damals auch noch Sportspringer und Soldaten). 

Unter anderem machte da ein Mann aus der Nähe von Düren einen Kurs, weil der dort mit gut 75 Jahren unbedingt noch springen wollte, das aber in Deutschland nicht durfte, weil er nicht nur alt sondern auch leicht behindert war. Das hat geklappt und sogar die BILD-Zeitung hat damals darüber berichtet. 

Aber es passt schon, mollig war ich noch nie und sportlich eigentlich immer. Ein belgischer Nachbar wollte auch noch unbedingt mit mir zum neueren Fallschirmsportzentrum bei Spa um wenigsten ein Mal zu springen (allein hatte er Angst). Geschafft hat er es nicht, der Krebs war schneller.

Übrigens, wenn deine Freundin bei der Landung die Knie belasten will, wird sie mit einiger Sicherheit ihr blaues Wunder erleben. 😇

Christine62laechel

@Songeur  

Also, ein sportlicher und erfahrener Profi. 👍 Zu der Landung, da verspricht sich meine Freundin, dass ihre Begletung die meiste Last übernimmt. Mögen ihr die Enttäuschung und das blaue Wunder erspart werden. 😁😇

Songeur

@Christine62laechel  

Will sie denn nur einen sogenannten Tandem-Sprung mitmachen, also gar nicht allein am Fallschirm hängen ?

Das könnte gutgehen, wenn sie denn bei einem richtigen Profi als "Anhängsel" mit runter geht. 😁

Christine62laechel

@Songeur  

Ja, so etwas, wie auf dem Foto da (aus dem Internet). Diese unheimliche Höhe unter den Füßen, und über dem Kopf nur paar Gürtelchen und ein Stück Stoff - dafür wäre ich nicht mutig und phantasievoll genug. 😊😉


skok.jpg

JuergenS

@Songeur  
naja, du warst/bist ein Könner, der kein Risiko einging, nicht wie der österreichische Typ, der sich stets steigenden Risiken aussetzte und nun tot ist, mehr sag ich nicht.

Rosi65


Liebe Christine,

zwar gilt das Bodyflying im Windkanal als absolut sicher, und trotzdem, auch wenn es dabei keinerlei Altersbegrenzung nach oben gibt, muss man dafür aber kerngesund sein.
Nicht empfohlen wird es z.B. für Menschen mit Herz-Kreislaufschwäche, Diabetes, Asthma, Rücken-, Schulter-, Gelenkbeschwerden sowie Erkrankungen des Mittelohrs. Es gibt wohl kaum Senioren ohne kleine körperlichen Einschränkungen.

Obwohl ich in früheren Jahren sehr gerne mit dem Flugzeug gereist bin, habe ich zu extremen Hobbies und Sportarten (Fallschirm- und Bungeespringen) allerdings keinerlei Ambitionen. Nein, nicht mal für Geld!!! 

Viele Grüße
   Rosi65


 

Christine62laechel

@Rosi65  

Und richtig, liebe Rosi, das würde ich auch ganz sicher nicht. Selbst für junge Körper muss so etwas ein Schock sein, für ganz gesunde junge Leute. Die Geschwindigkeit, die schnellen Wandlungen von Körperposition - einfach furchtbar. 

Und ja selbst die Profi-Fallschirmspringer tun es nicht von einem Tag auf den anderen, sondern es wird auf verschiedene Weisen zuerst geübt, damit sich der Körper langsam daran gewöhnen kann. Man springt zuerst von einem Fallschirmturm, und nicht gleich vom Flugzeug ja. 

Ich glaube, ein wenig Herausforderung und Anstrengung braucht man auch im Alter, um sich, wie man es so nennt, etwas beweisen zu können. In Grenzen aber, um sich selbst nicht zu schaden.



Mit herzlichen Grüßen
Christine

JuergenS

Für mich wär das auch nix, aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich.
Manchmal kann man andere Menschen nicht verstehen, in diesem Falle ist es so.

Servus, bleib wie du bist, das ist da beste.

Christine62laechel

@JuergenS  

Stimmt, Jürgen, des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Ich würde nicht mal versuchen, meiner Freundin diese Versuche abzuraten. Zumal sie ein echter Sturkopf ist. 😃 Gestern hat sie im Telefongespräch zugegeben, dass ihr der Besuch im Windkanal, der eben gestern stattgefunden hat, nicht gut bekommen war. Das kann ich mir denken.

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