Restzeit

Lebensbescheinigung
 
Jeden Monat bekomme ich kleinere Summen von einer Versicherung und vom Presseversorgungswerk. Privat angespartes Geld, das ich verrenten ließ. Da mir früh klar war, dass meine gesetzliche Rente nicht üppig ausfallen würde, hatte ich zusätzlich vorgesorgt. Diese Renten kassiere ich nun schon seit über 20 Jahren, da fragen sich die Zahler, ob das noch mit rechten Dingen zugeht. Auf gut Deutsch: ob ich überhaupt noch am Leben bin. Für die Versicherung muss ich mir den Nachweis richtig beglaubigen lassen. Beim Presseversorgungswerk tut es die Stimme. Ich rufe an, man wünscht mir weiterhin gute Gesundheit. Schön.
 
Ohrwurm

Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, fing es vor Tagen auf dem Weg zum Park an: ein Georg-Kreisler-Lied kam mir in den Sinn. „Vor unsrem Hause sitzt täglich ein sehr, sehr alter Portier…“ Seitdem lässt mich der alte Portier nicht mehr los. Ich suche im Kopf vergeblich alle Strophen zusammen, höre mir den Song dann bei YouTube mal wieder komplett an. Hilft nix. Seit Tagen werde ich ihn nicht mehr los. Spätestens wenn ich den Weg zum Park gehe, setzt er wieder ein. „Unheilbar gesund“.

Jahreszahlen

Jahreszahlen erinnern mich alle paar Tage daran, dass ich – leger ausgedrückt -  ‚auf dem letzten Loch pfeife‘:
-      In der Zeitung wird über die marode Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal berichtet. Sie muss ersetzt werden. Die neue Brücke soll 2030 fertig sein
-      Und bis 2030 soll 80% unserer Energie durch Windkraft gewonnen werden.
-      Bis 2035 will meine Stadt klimaneutral sein. Und das Land Schleswig-Holstein bis           2040. 
Manches werde ich vielleicht noch mit hoffentlich wachen Sinnen erleben. Klimaneutralität? – eher nicht.
 
Erkenntnis am Morgen

Sonntagmorgen. Es geht mir gut. Nix tut weh. Ich genieße mein Frühstück und  denke über das Alter nach. Plötzlich ein Riesenschreck: soo alt soll ich schon sein? Ist das möglich? Ich rechne nach. Tatsächlich bald 91! Ich kann und will es kaum glauben.
 

Kommentare (1)

Christine62laechel


Liebe Barbara, wofuer man uns Menschen bewundern koennte, waere die Tatsache, dass wir mit dem Gedanken leben koennen, sterblich zu sein. Und das muss ja nicht unbedingt im Alter geschehen. Meine Mutter lebte 97 Jahre. Wie oft musste sie fuerchten: nun bin ich aber dran... Wenn es aber wirklich kam, war sie bereit und ruhig. Moege es uns allen so ergehen, wenn es soweit wird.

Mit Gruessen
Christine

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