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Restzeit
Die Gefahren der Nacht
Guter Schlaf ist eine seltene Kostbarkeit, wenn man alt ist. Kaum eine Nacht, in der man nicht zeitweise wach liegt. Ich jedenfalls, Eine Stunde, zwei Stunden. Yoga-Entspannungsübungen helfen nur selten. Das wäre eigentlich eine gute Gelegenheit zum Nachdenken. Und das ist es ja manchmal auch. Da werden plötzlich Dinge wieder lebendig, die man schon vergessen glaubte. Ereignisse. Gespräche. Gedichte. Da kommen hin und wieder sogar gute Ideen für die nächste Zukunft an die Oberfläche. Leider ist es auch eine gute Gelegenheit für Todesängste.
Mein Bett steht oben unterm Dach. Da fühle ich mich nachts manchmal sehr allein in der stillen Welt. Gut, wenn es regnet. Dann prasseln die Tropfen auf mein Veluxfenster und verbreiten Gemütlichkeit. Aber normalerweise ist es ab Mitternacht totenstill. Darauf scheint die Angst zu warten. Wer hilft mir, wenn es mir plötzlich schlecht geht? Wenn ich es gar nicht mehr nach unten schaffe? Umso schlimmer, wenn dann der Blutdruck plötzlich ausrastet. Einmal war das tatsächlich so extrem, dass ich 112 anrief. Die schafften mich mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus. Fehlalarm.
Das soll mir nie mehr passieren!
Ein Freund vermittelte mir damals schnell einen Termin bei seinem Kardiologen-Freund und der beruhigte mich: Herz ist ok. Und dass der Blutdruck verrückt spielt, das komme im Alter schon mal vor. Also: Bangemachen gilt nicht. Aber der Respekt vor der Totenstille der Nacht ist mir geblieben. Die meisten Menschen sterben in den frühen Morgenstunden.
PS. Inzwischen habe ich mir für den Fall der Fälle einen dieser Notrufknöpfe besorgt
Kommentare (2)
Barbara90
Danke, liebe Pippa.
Ich war nicht sicher, ob meine 'schwarzen Gedanken' eigentlich hierher passen. Aber Altsein ist eben nicht nur bunte Bildchen und Tralala...
Lieben Gruß
Barbara
@pippa
Liebe Barbara,
dieses Gefühl kenne ich auch, obwohl mein Mann im Nebenzimmer schläft.
Weil er fast ertaubt ist, würde er überhaupt nichts hören. Ich habe sogar doppelt Angst, denn auch er könnte ja nicht mehr aufwachen und i c h merkte es nicht.
Ich habe ein Telefon auf meinem Nachtisch stehen, aber in den schlaflosen Stunden überlege ich ernsthaft, ob ich mir nicht so eine „Alexa“ zulegen sollte, die auf Zuruf die gewünschte Musik spielt.
Dein Notrufknopf ist ja schon mal ein Anfang.
Ich lese gerne was du schreibst und auch das Titelbild ist toll.
Liebe harzliche Grüße von Pippa