Restzeit (8)



Abends bin ich oft schon gespannt, ob ich etwas Interessantes erleben werde, denn ich träume fast jede Nacht. Nicht nur diese Situationen, in denen man etwas sucht – Hotelzimmer, Kabine, Koffer, parkendes Auto – oder irgendwo herumirrt. Ich glaube, diese Situationen kennt jeder. Ich bin gespannt, wo ich diesmal im Traum unterwegs sein werde und habe keine blasse Ahnung, woher ich die Landschaften und Orte kenne, in denen ich nur nachts herumwandere. Nachts kenne ich sie gut, weil ich immer wieder dort unterwegs bin. Und ich erlebe sie so intensiv, dass ich sie auch nach dem Aufwachen noch beschreiben kann.

-     Da ist dieses riesige Kaufhaus, durch das ich gelangweilt, aber zügig gehe, weil ich ein anderes Ziel habe. Es steht an einem grauen Industriegelände. Ich laufe oberhalb auf einer Art Wall daran vorbei und sehe das Wasser schon in der Ferne. Ein schöner Badestrand.

-      Ich bin auf einem Wanderweg an einer Förde unterwegs. Das allein wäre bei meinem Wohnort nicht verwunderlich, aber warum laufe ich wieder und wieder durch dieses hügelige Naturschutzgebiet? Ich kenne inzwischen fast jeden Baum. Der kleine Hafen mit Buden und Restaurants am Ende der Wanderung kommt mir sehr gelegen.

-      Genauso gut kenne ich mich in einer Gebirgslandschaft aus. Manchmal wandere ich weit, weit bis in die Ebene. Aber ich bin auch schon oft hoch oben an einer Kreuzung auf einen kleinen Weg abgebogen. Ein Privatweg, dessen Schranke ich öffnen darf. Er führt zu einer Hütte, in der ich freundlich erwartet werde und übernachten kann. Das Überraschende: hier oben ist ein Landeplatz. Wenn es sehr eilig ist, darf man mit dem Hubschrauber kommen oder abreisen. Ich leider bisher noch nicht.

-      Eine oft erlebte Wanderung durchs Binnenland zieht sich gewaltig in die Länge. Ich passiere Dörfer, deren Namen (nur die Namen) ich aus dem richtigen Leben kenne und das Laufen wird mir sehr sauer. Aber ich weiß: Ich werde schließlich eine kleine Stadt erreichen, wo es in diesem gemütlichen Café an der Hauptstraße wunderbaren Kaffee und leckere Torte gibt.

-      Aber nicht immer wartet ein erstrebenswertes Ziel. Keine Ahnung, warum ich im Traum immer wieder Probleme mit dem Bahnhof Gütersloh habe. Ich habe ihn ja in der Realität noch nie passiert. Da ist ein sehr unfreundlicher Fahrkartenservice, und dann muss man eine weite Strecke gehen, um zum richtigen Bahnsteig zu kommen. Die Bahnsteige verzweigen sich irgendwie. Ich habe jedes Mal Mühe, den richtigen Bahnsteig für meinen Zug zu erwischen und ärgere mich im Traum, wenn es heißt, ich müsse von Gütersloh aus auf eine Reise gehen oder ich müsse über Gütersloh fahren..

-      Lieber bin ich natürlich in Berlin, meiner Heimatstadt, unterwegs. Wir lebten im Osten, meine Großmutter im Westteil. Nun bin ich im Traum mitten im Großstadtgewühl. Ich kenne jedes einzelne Geschäft in den engen Straßen. Nun suche ich eine Verkehrsverbindung zur Grenze am Teltow-Kanal. Erst bin ich in der S-Bahn, dann muss ich die Bus-Haltestelle finden. Schwierig. Es fahren nur wenige Busse und es ist eine lange Strecke, aber es klappt. Die Grenze ist weit geöffnet. Ich kann einfach weitergehen. So ein gutes Gefühl!
 
PS. Und jetzt interessiert mich, ob Ihr ähnliche Träume habt
 
 

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