Reden und Schweigen



Mit and’ren Menschen stets zusammen
bedeutet sprechen oder schweigen;
stimmt’s wirklich, reden mehr die Damen,
und Herren eh’ zum Schweigen neigen?

Immer nur Stille – nichts zu sagen?
Sollte das etwa nun bedeuten
kein Interesse, keine Fragen?
Mögen sich nicht mehr dann die Leute?

Oder auf einmal wird gesprochen:
keiner, der möchte nur zuhören…
Schöner wenn Stille kaum gebrochen,
ob Durcheinander besser wäre?

Schweigen sei Gold; kann’s immer gelten?
Klingt Stille nicht doch mal schon böse?
Paar Worte wären ja nicht selten
besser, als in Gedanken lesen.






(Titelbild: KI)

 

Kommentare (12)

JuergenS

Ich habe erst jetzt dieses Gedicht und die Diskussion lesen können und festgestellt, dass kein Mann mitdiskutiert hat.

ich tu es auch nicht, weil auch mir zeitlebens oft passiert ist, im falschen Augenblick  gesprochen oder geschwiegen zu haben.

Überhaupt kann beim Reden miteinander ja oft Ungewolltes herauskommen, weil es ja spontan ist und kaum Überlegungszeit bleibt, weil sonst Gespräche längst ganz woanders hingelaufen sind. Zu spätes zu einem Thema wird oft aber kaum mehr wahrgenommen, weil inzwischen zwanzig Themenwechsel erfolgt sind. 

Vielleicht neige ich deshalb mehr zu Bildern, die ich sprechen lasse, weil die meist beliebig ausgelegt werden können oder keine Auslegung brauchen.

Servus, 



NB, stimmt nicht, protes hat ja mit diskutiert!

Christine62laechel

@JuergenS  

Mich konntest du leicht übersehen, bin so ein Mauerblümchen. 😉 Ich glaube, im ST sind die meisten Männer woanders vertreten, nicht gerade im Blog. Oder haben sie meine Vermutungen für richtig gehalten.

Es kommt immer wieder vor, und es kann wirklich jedem passieren, dass man mit einer Aussage falsch ist, oder schweigt, wenn es galt, sich zu äussern. Zum Glück gibt es dann ein Zauberwort "Entschuldigung". Zu lange muss man daran nicht denken, wenn es nicht mehr zu ändern ist, um sich nicht ganz kaputt zu machen, wie der bekannte Beamte aus der Erzählung von Tschechov. 

Bilder - schön, dass es sie gibt. 👍👌

protes

hat ein mensch gar nichts zu fragen
kann es fast schon sicher sein
dass er hat auch nichts zu sagen
bleibt am besten dann allein
 oder so
 ich hab es immer gemocht wenn heiß diskutiert wurde
auch wenn es als mal ausartete und laut wurde
nur alle durcheinander reden das führte zu nichts .
schöne idee liebe Christine
liebe grüße hade

Christine62laechel

@protes  

Ja, lieber Hade, obwohl das Schweigen auch sehr schön sein kann, kann es auch mal bedeuten, dass man nichts Interessantes zu sagen hat, und auch nicht neugierig, Neues zu erfahren. Da würde ein Gespräch kein Spaß machen, wenn alles aus der Nase gezogen, wie man es so nennt.

Wenn alle auf einmal laut, das kann auch nichts bringen. Und ja, wenn es mal eine Situation gibt, dass alle schön aufgeregt sind, interessiert, und die Sache irgendwie gut, hoffnungsvoll - dann kann es auch laut werden, emotional. Hauptsache, mit Sinn, und - das betone ich mal wieder - ohne Aggressivität.

Danke für deine netten Worte.
Mit herzlichen Grüßen
Christine

Rosi65


Schweigen ist nicht immer Gold, liebe Christine.

Manchmal kann die beschämende Stille nach einem peinlichen Vorfall nicht nur bedrückend, sondern gefühlt sogar lauter sein als tatsächlicher Lärm.
So entstand mal ein kollektives Gruppenschweigen in einem Kursus, den ich besuchte, in dem sich wohl alle als Versager fühlten, weil niemand (mich eingeschlossen) schnell und angemessen auf diese unangenehme Situation reagiert hatte.
Auch die Dozentin ignorierte den Vorfall, um danach mit ihrer Vorlesung schnell fortzufahren.
Das hat mich gedanklich lange beschäftigt.

Rosi65

Christine62laechel

@Rosi65  

Liebe Rosi, ich glaube dass es kaum Menschen gibt, die nie an so einer Situation beteiligt (gewesen) wären. Als Zeuge, als "Opfer", oder als "Übeltäter". 

Selbst wenn man sich danach schuldig fühlte, selbst wenn so eine Situation einen Namen hat: Sünde der Unterlassung, habe ich dafür eine Erklärung, die wohl für die meisten Fälle gelten könnte. Ohne irgendwie metaphysisch zu wirken: ich denke, das war eine Situation, die so geschehen sollte, wie es passiert war, und die Anwesenden hatten da nichts zu sagen. Alle fühlten sich wie paralysiert, nicht wahr? Obwohl sonst redselig, geistig gegenwärtig, mutig, und was auch immer. 

Liebe Rosi, das musste so sein, und ich möchte auf diese Weise gar nicht sich selbst und andere "Sünder" rechtfertigen. Man konnte nicht reagieren, und hat es auch nicht getan. Wer weiß, was dieses scheinbar böse Schweigen doch Gutes bringen sollte...

Mit herzlichen Grüßen
Christine

werderanerin


Ich denke, liebe Christine, dass es zu diesem Thema mehrere Antworten geben könnte. Es kann garnicht "die eine" geben. Zu unterschiedlich sind , als erstes die Menschen, viel zu verschieden die Situationen.

Ich selbst empfinde es derweile als angenehm, nicht mehr viele Menschen um mich zu haben. Bin gern auch mal allein, sind es aber z.B. mal Geburtstage o.a. Zusammentreffen, bin ich immer auch jemand, die sich an Kommunikation beteiligt...und das dann auch gerne !

Aber alles mit Gefühl, nie würde ich unterbrechen, wenn es nicht notwendig ist. Gespräche nehmen oft ihren ganz eigenen Gang, finde ich...oft muss man garnicht viel machen. Ebt etwas mal ab, kann auch das gut sein, wird die Stille länger, ist es immer gut, jemand zu haben, der wieder etwas in "den Ring wirft" und weiter gehst.

Meine Erfahrungen sind, nie sollte man etwas erzwingen, egal, wann, wo..., es sollte sich einfach auch "ergeben", dann wird's auch interessant.

Oft sind es aber auch andere Situationen, die garnicht so einfach, zu klären sind..., weil schon lange etwas unausgesprochen schwelt. Auch da bin ich der Meinung, muss sich eine Situation ergeben...dann kann man reden, etwas klären.

Ja, liebe Christine - da hat vielleicht jeder auch andere Erfahrungen..., mal gute, mal weniger...erzwingen, wie schon geschrieben, kann man eh nichts.

Ich höre sehr viel auf mein inneres Bauchgefühl..., das hat mir schon oft geholfen, Situationen gut einzuschätzen. Dabei bin ich geblieben !

Liebe Grüße

Kristine

Christine62laechel

@werderanerin  

Liebe Kristine, was ich in meinem Gedicht nicht erwähnt habe, so wäre es auch wohl zu lang, hast du schön genannt. 

Ja, wie unterschiedlich die Menschen sind, so können auch die Gespräche - oder auch das Schweigen - unterschiedlich sein. Das kann mal auch mit dem Temperament der daran beteiligten Personen zusammenhängen: die Einen reden sehr gern und viel, die Anderen begnügen sich mit paar undeutlichen Silben. :) Am besten ist es wirklich, wenn alles wie von allein schön verläuft; das nennt man dann wohl Kultur des Gesprächs. Natürlich muss es so nicht immer zwischen Kindern oder jungen Leuten verlaufen, oder in besonderen Situationen.

Ein Gespräch erzwingen - das soll man wirklich nicht tun. Selbst wenn man denkt, dass man da recht hat, dass es der anderen Person etwas bringen kann, nein. Die beiden Seiten müssen gerne bereit sein,  Gedanken zu tauschen. 

Möge uns dann das Bauchgefühl immer richtig handeln - oder eben nicht handeln - lassen.

Mit herzlichen Grüßen
Christine

indeed

Liebe Christine,

du hast hier Fragen eingestellt, die aufzeigen, dass Reden als auch das Schweigen richtig ausgependelt sein will.

Immer kommt es auf die Situation an, aus der man heraus reagiert. Reden ist wichtig und Schweigen ebenfalls. In sich hinein hören, die Stille auf sich wirken lassen. Man kann dann eher zu Erkenntnissen kommen, die wichtig für das Eigenleben sind.
Miteinander kommunizieren ist ebenso wichtig. Alles hat seine Zeit. Ein harmonisches Miteinander setzt sich zusammen aus richtig Zuhören, miteinander Reden im Dialog als auch schweigen können. 

Ich finde deine Fragen einfach gerechtfertigt und gut. Jeder sollte mal darüber nachdenken.
Wir alle wissen, wie gut Worte sein können, wie weh sie auch tun können. So ist es auch mit dem Schweigen.

Danke dir für deinen Beitrag und ich grüße dich sehr herzlich und wünsche dir einen schönen Sonntag in innerer Ausgewogenheit.

Ingrid

 

Christine62laechel

@indeed  

Liebe Ingrid, wir denken also mal wieder ähnlich, das freut mich - obwohl ich mir sicher bin, dass wir auch mal diskutieren könnten, wenn andere Meinungen, und ganz sicher würde es zwischen uns zu keinem Streit kommen. 

Ja, wenn gute Worte, wenn friedliches Schweigen, dann kann man sich so schön mit den Menschen abfinden, egal ob mit Familienmitgliedern, Partnern, oder einfach nur mit zufälligen Leuten mal im small talk auf der Straße oder in einem Laden.

Über das Schweigen in einem richtigen Moment und zwischen Menschen, die es richtig verstehen können, kann man an einigen Stellen in meinem beliebten Buch "Drei Männer im Schnee" lesen. Zwar gibt Erich Kästner klar zu verstehen, dass es eher bei den Männern geschehen kann, als unter Frauen, die er ganz, ganz leicht verspottet. Na ja, er darf seine Meinung haben, die Zeiten waren auch anders. Auf jeden Fall lese ich das so einmal im Jahr, und amüsiere mich jedesmal köstlich.

Einen schönen Sonntag auch dir, liebe Ingrid, und bald einen guten Septemberanfang.

Mit herzlichen Grüßen
Christine

Roxanna

Ob geschwiegen oder geredet wird, liebe Christine, kommt ja ganz darauf an, um was es sich handelt. Wird mir etwas sehr persönliches anvertraut, muss ich darüber schweigen. Geht es um ein Unrecht, muss geredet werden. Wird nicht mehr miteinander geredet und geschwiegen, weil es Spannungen gab, dann ist es ein belastendes Schweigen. Es gibt aber auch das Schweigen zweier Menschen, die sehr vertraut miteinander sind und sich nicht ständig austauschen müssen. Schweigen hat viele Facetten, es kommt immer auf die Situation an. Besonders belastend empfinde ich es, wenn eigentlich etwas geklärt werden sollte, sich die "Fronten" aber so verhärtet haben, dass nicht mehr miteinander gesprochen wird. Dieser alte Spruch "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" ist nicht in jeder Situation anwendbar.
Man spürt es eigentlich körperlich, ob es ein wohltuendes oder belastendes Schweigen ist, indem man entspannt sein kann oder angespannt ist.

Herzlichen Gruß und einen guten Sonntag wünscht dir

Brigitte

Christine62laechel

@Roxanna  

Ja, liebe Brigitte, ich glaube auch, dass sowohl Schweigen, als auch Reden viele Facetten haben. Da kann es viele Nebenerscheinungen geben. Wenn es eine unangenehme Spannung gibt, werden die Beteiligten oft laut, nicht nur im Gespräch. Da wird eine Tasse lautvoll abgestellt, die Tür nicht ganz leise zugemacht. Die Augen verraten auch vieles: es wird unfreundlich zugeschaut, oder gar weg. 
Das Schlimmste ist meiner Meinung nach, wenn man sich nicht daran konzentriert, was im Moment die richtige Kommunikation stört, sondern man schickt ein Signal, das man nur als ein allgemeines "ich hasse dich/euch" wahrnehmen kann. Wenn man klar Aggressivität verspüren kann. Das schliesst dann auch eine richtige Diskussion aus, wenn die andere Person nicht zu Ende hören will, sondern zu schreien beginnt. Irgendwo liegt dann eine echte Ursache, wieso es nicht klappen kann. Man muss dann selber darüber entscheiden, ob man es immer wieder noch versuchen wird, oder mal nicht mehr. Solche Situationen kommen ja selbst im Familienleben vor; das weiß ich aus meiner eigenen Erfahrung. Das ist einfach so.

Einen sonnigen (aber nicht zu heißen) Sonntag auch dir, liebe Brigitte.

Mit herzlichen Grüßen
Christine

 

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