Reden ist Silber, Schweigen ist Gold


Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

09. April 2026

Guten Tag allerseits,

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“ Das hat man uns beigebracht. Und wenn man sich so umschaut, stellt man fest: Ganz falsch ist das nicht.

Wir werden von morgens bis abends mit Dauergeschwätz belästigt. Man könnte einwenden: Einfach ignorieren. Gute Idee, aber manchmal geht das nicht.

Zum rüpelhaften, schamlosen Verhalten, dem wir heute in der Öffentlichkeit begegnen, gehören lautstarke Handygespräche in der Bahn, im Café oder sonst irgendwo, gegen die wir uns nicht wehren können. Hinz und Kunz belästigen uns ungefragt mit ihren Problemen, Traumata, Familientragödien oder Verdauungsschwierigkeiten.

Die Festtagsreden unseres Onkels Willi waren berüchtigt, wahre Zumutungen. Sich zu entziehen war kaum möglich. Die Geburtstagstafel mal eben für zehn Minuten zu verlassen, wäre aufgefallen. Vielleicht hätten Ohrenstöpsel geholfen, aber wer denkt denn an sowas.

Anderen etwas mitzuteilen, wovon man annimmt, es könnte sie interessieren, ist eigentlich völlig in Ordnung.

Entscheidend ist aber: Man muss den potenziellen Lesern oder Zuhörern die Möglichkeit lassen, sich unseren „Ausführungen“ zu entziehen. Einen Blogbeitrag, einen Zeitungartikel oder ein Buch aus unserer Feder muss ja niemand lesen. Es lebe die Freiheit!

Besonders wir Älteren laufen Gefahr, anderen mit unserem Geschwätz auf die Nerven zu gehen.

Der Philosoph Wilhelm Schmid sagt: „Beim Älterwerden wächst das Bedürfnis nach Erzählen – gleichzeitig schwindet die Bereitschaft zuzuhören. Das ist so ein krasses Missverhältnis, dass dies in persönlichen Beziehungen, aber auch gesellschaftlich für Probleme sorgt.“

Geschwätzigkeit im Alter und der Drang, ungefragt Ratschläge zu erteilen, gehen oft Hand in Hand. Diese Mischung ist abscheulich!

Warum sollten wir die Welt mit Ratschlägen beglücken wollen (und das auch noch ohne angemessenes Honorar? 😉). Es gibt weitaus schönere Beschäftigungen!

Euch allen ein schönes Wochenende!

Herzliche Grüße
Kurt

Kommentare (13)

Schmetterling04

@Kurt20

Gebe nicht immer meinen Senf dazu, nur wenn ich etwas zu sagen habe. 
Heute hab ich den Blog gelesen und mag mit keiner Wiederholung nerven, ergo halt den Mund 🦋 okay ab in die Wiese 👋👋👋👋👋
Bleibt gesund wünscht in die Runde, Moni 

Kurt20

@Schmetterling04  

12. April 2026

Grüß' Dich Moni,
120426_001.pngSchön, dass Du wieder an Bord bist!

Herzliche Grüße,
Kurt

Schmetterling04

@Kurt20  
Danke , ❤️ Moni 

Schmetterling04

@Kurt20
In 4 Wochen ist Hochzeit , bissle im Vorbereitungs Stress  , seht es mir bitte nach ! Herzlichst euer 🦋 Moni 

Kurt20 @Songeur  

Danke, Hubert!

Manchmal fällt es mir (noch) schwer, mich mit ungefragten Ratschlägen zurückzuhalten. Zu gern würde ich Tochter, Schwiegersohn und Enkeltöchtern erklären, was sie alles besser machen könnten. Auch meiner Frau könnte der eine oder andere Hinweis von mir vermeintlich gute Dienste leisten … 😁😇

Nein, natürlich nicht. Aber gelegentlich möchte ich dem einen oder anderen Mitmenschen doch ungefragt etwas mitteilen.

Das erlaube ich mir nur unter einer Bedingung: Der Adressat oder die Adressatin müssen jederzeit die Möglichkeit haben, meine Äußerungen zu ignorieren. Alles andere wäre für mich „Zwangsbeglückung“, und so etwas lehne ich rigoros ab.

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Weder möchte ich „zwangsbeglückt“ werden, noch will ich das anderen zumuten.

Unter dieser Voraussetzung kann ich alles, was mir einfällt, in die Welt hinausposaunen. Es muss ja niemand lesen oder sich anhören.

So kann ich meinen Senf zu allem Möglichen dazugeben und nach Herzenslust Ratschläge erteilen.

Unverbindliche Angebote sind harmlos; die meisten meiner Mitmenschen behandeln sie wie die Reklameblättchen im Briefkasten. 😘

Einen schönen Sonntag und herzliche Grüße,
Kurt
Rosi65

Lieber Kurt,

Kommunikation gehört zu unserem Leben. Sicher benötigt man eine gute Portion Courage dazu, wenn man ein Unrecht offen kritisiert und anprangert. Das kann bestimmt nicht jeder.

Doch manchmal gibt es auch Situationen in denen man besser schweigt. Das können Momente von Emotionen (Trauer, Schock, Mitleid, Glück), aber auch Angst vor Konfrontationen oder Blamage sein. Oder man möchte einen lieben Menschen mit seiner brutaler Offenheit nicht unnötig verletzen.

In der früheren Firma erlebte unser Arbeits-Team mal (über einen längeren Zeitraum) die Betreuung von professioneller Supervision. Dabei wurde jeder Mitarbeiter, mit Hilfe von verschiedenen Kriterien (Teamfähigkeit, Kompetenz, Kritikfähigkeit, Einsatz- und Lernbereitschaft), „analysiert“.
Ob es aber dem besseren Arbeitsklima unbedingt dienlich war? Über manche Sachen hätte man vielleicht besser Stillschweigen bewahrt.

Und da ich zum Glück keine Supervisorin bin, ist es auch nicht meine Aufgabe andere Menschen durchs Leben zu coachen.😏

Viele Grüße
   Rosi65

Kurt20

@Rosi65  

12. April 2026

Liebe Rosi,

wenn ich an das Thema Supervision denke, erfasst mich kalte Wut, was mir wirklich selten passiert.

Was berechtigt Unternehmen dazu, ihre Mitarbeiter anhand von Kriterien wie Teamfähigkeit, Kompetenz, Kritikfähigkeit oder Lernbereitschaft zu „analysieren“ und zu katalogisieren? Für mich ist das eine Dreistigkeit sondergleichen.

Wie das bei Euch war, weiß ich nicht. Bei uns (mittelständisches Unternehmen) wurde damals Supervision von der Geschäftsführung verordnet, nachdem sie durch Inkompetenz das Unternehmen an den Rand des Ruins gebracht hatte.

Der Belegschaft wurde dann, zwar etwas verklausuliert, aber doch ziemlich eindeutig, mitgeteilt, sie sei an der Misere schuld. „Mit euch stimmt etwas nicht.“

Hinzu kam, dass die beauftragten „Supervisoren“ von keinerlei Fachkenntnis getrübt waren. Das Einzige, wovon sie wirklich etwas verstanden, war das Festlegen saftiger Tagessätze (was sich natürlich schnell per Flurfunk herumsprach). Darin waren sie Weltklasse.

Bestimmt gibt es auch seriöse Supervision. Aber leider hatte das „Management“ einen jener zahlreichen Scharlatane ins Haus geholt, von denen es überall dort, wo viel Geld zu holen ist, nur so wimmelt.

Nachdem diese Pfeifen uns, die Belegschaft, bevormunden wollten, uns nötigen wollten, persönliche Konflikte oder Gefühle offenzulegen und sogar Statements über Kollegen und Kolleginnen abzugeben, hat es vielen von uns gereicht. Die Mehrzahl der Belegschaft, meist hochqualifizierte, (lebens)erfahrene Mitarbeiter, entzog sich diesen Zumutungen.

Die „Supervisoren“ verschwanden daraufhin recht zügig von der Bildfläche und die „Geschäftsführung“ gleich mit.

Manchmal gehen Geschichten gut aus: Die Firma existiert noch heute. Und für mich war dieses Erlebnis einer der letzten Anstöße, von da an als Selbstständiger meine (und meiner Familie) Brötchen zu verdienen. 😊

Herzliche Grüße,
Kurt
 

Songeur

Hallo Kurt 

im hier bei mir gebräuchlichen Französisch heißt das Ganze ja "la parole est d'argent, le silence est d'or". Die meisten Quellen weisen dazu darauf hin, dass dieser Spruch aus dem Talmud stammt. Auch KI im französischen hat das so behauptet.

Wer keinen Spruch aus dem Talmud wünscht, dem wird ersatzweise angeboten "mieux vaut parfois se taire que parler". Das ist m.E. sogar besser, weil es nur "manchmal" besser ist zu schweigen, als zu reden. Man kann noch abwägen.

So einen Onkel Willi gab es in meiner Familie Gott sei Dank nicht. Der wäre wohl auch schnell allein gewesen, denn sonderlich duldsam in dieser Beziehung war "man" in unserer Familie nicht.

Übrigens, ich hasse unerbetene Ratschläge, schon deshalb gebe ich solche nicht. 😇

Herzliche Grüße
Hubert

 

Kurt20

@Songeur  

Antwort ist nach oben gerutscht, siehe dort. 

Gruß K.

Monalie

 Hallo Kurt-du hast den Nagel auf den Kopf getroffen-  die goldene Mitte ist oft wünschenswert- schönen Abend sagt Mona

Kurt20

@Monalie  

11. April 2026

Vielen Dank, Mona,

Du hast recht, ideal wäre es, wir fänden immer das richtige Maß zwischen Reden und Schweigen. Aber grau ist alle Theorie.

Wahrscheinlich kennst Du das auch: Man redet an der falschen Stelle, sagt an der richtigen Stelle das Falsche oder schweigt, wenn ein Wort nötig gewesen wäre.

In der weiten Landschaft der Kommunikation stehen unzählige Fettnäpfchen herum, und manche Gegenden sind vermint.

Ein paar unbedachte Sätze können Freundschaften aus den Angeln heben, und so manche/ mancher hat sich schon um Kopf und Kragen geredet.

Das richtige Maß zu treffen ist eine Kunst. Vermutlich gibt es dafür keine Patentlösung.

In vielen Fällen bewährt sich die goldene Regel von Hase Klopfer aus Bambi

„Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, sollte man lieber schweigen.“

Ein schönes Wochenende und herzliche Grüße 
Kurt

pippa

Moin Kurt,

da will ich mal nicht geschwätzig werden und nur bestätigen, dass Wilhelm Schmid ganz eindeutig recht hat.

Gruß aus dem Harz
von Pippa

Kurt20

@pippa  

10. April 2026

Hallo Heidi,
 
Geschwätzigkeit ist nicht gleich Geschwätzigkeit.

Dauerplauderei kann interessant und herzerfrischend sein oder eben hochgradig nervtötend.

Es gibt Menschen, denen höre ich ausgesprochen gerne zu. Dazu zählst natürlich Du und alle, die sich hier zu Wort melden. ❤️

Was mir misshagt, (und das ist, wie immer, nur meine ganz private Meinung), sind diese schrecklichen Dampfplauderer, die uns mit ihren Ansichten und Kommentaren überschütten.

Vieles davon interessiert mich nicht die Bohne. Ich möchte in Ruhe gelassen werden mit dem, was für mich keine Bedeutung hat.

Oft kommt noch hinzu, dass manche darauf bestehen, dass man ihre Themen wichtig nimmt. Ob Klima, Nahostkrieg oder Gendern, zu allem muss man, als moralischer Mensch, sich positionieren.

Ich muss gar nichts, außer selbst zu entscheiden, wem ich zuhöre und wann ich meinen Senf dazugebe.

„Weil ich es mir wert bin.“ (L’Oréal) 😉
 
Herzliche Grüße in den Harz,
 
Kurt

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