Projekt verfehlt


Ich nannte das ganz groß ein Projekt, und es ist eigentlich nur ein kleiner Versuch. Und nichts neues: es gibt heutzutage überall Orte, an denen man Bücher tauschen kann. In England sind das oft alte Telefonzellen. Manchmal postuliert man sogar, die nicht mehr nötigen Bücher einfach auf einer Parkbank liegen zu lassen. Es regnet in der letzten Zeit deutlich seltener, als früher, diese Lösung finde ich aber nicht sehr gut.

Da ich aber jetzt einen ziemlich weiten Weg zu laufen in die Bibliothek habe, kam ich auf die Idee, so einen Bücheraustauschpunkt im Treppenhaus meines Wohnblocks zu organisieren. Fünf Stockwerke je zwei Wohnungen, zehn Familien also. Sollte es darunter nur fünf Personen geben, die gerne lesen, könnte das schon genug sein. Ich wäre die Bücher los, die mir nicht sehr gut gefallen haben, und andere, hoffentlich alte Ausgaben, könnte ich gerne mal lesen, oder manche sogar behalten; das ist üblich so.

Eine Kartonbox also, einen Hocker mit Aufschrift „Zum Austauschen“ (Titelbild), und los damit ins Treppenhaus. Neben meiner Wohnungstür unter dem Stromzählerschrank – das kann ja nicht stören. Sechs Bücher erst mal: ein Kriminalroman, ein Liebesroman, ein Buch über die Magie des Glaubens, verschiedenes also. Es hat mehrere Stunden gedauert, bis sich da jemand ran wagte, am Abend waren aber fünf Bücher von den sechs ausgestellten weg. Die zwei Zeitschriften, eine populär-wissenschaftliche, und eine eher für Frauen, beide aber nicht schlecht, sind im Karton steckengeblieben. Ich dachte mir: es wird schon funktionieren.

Am späteren Abend habe ich zwei weitere Bücher dazugelegt, eines verschwand dann irgendwann in der Nacht. Das war Montag vor zwei Wochen. Seit dieser Zeit habe ich immer wieder etwas daran geändert, damit es nach einem Interesse aussieht, und damit man vielleicht auch etwas reinlegen würde. Nichts. Na ja, vielleicht hätte ich das eher mal im Herbst versucht haben? Oder müsste man länger abwarten? Ich lasse das Ding noch eine Weile da stehen. Vielleicht ändert sich noch etwas, und es würde dann nicht mehr „Projekt verfehlt“ heißen müssen, sondern: „Projekt teils gelungen“...? 😏😊






(eigenes Titelbild)

Kommentare (11)

Rosi65


Liebe Christine,

Deine Idee mit der Bücherkiste ist natürlich gut.
Doch Achtung, sie im Hausflur aufzustellen kann gegen die Hausordnung verstoßen (Fluchtweg, Brandschutz)!!!
Dazu solltest Du Dir unbedingt die Erlaubnis des Vermieters und auch Deiner Nachbarn einholen, dann bist Du jedenfalls abgesichert.👍

Beispiel: In meiner früheren Wohnung durften wir Mieter niemals die Außenhaustür mit dem Schlüssel verriegeln, weil es eine Fluchttür war.

Viele Grüße
   Rosi65

Christine62laechel

@Rosi65  

Liebe Rosi, Du bist im Moment eine echte Stimme der Vernunft, danke. 🌷 Ich bin wirklich oft so spontan wie ein Kind, obwohl ich ja sonst diese Vorschriften kenne. Ich bringe dann einfach meine Box runter, und stelle sie auf die Aussentreppe, ganz an der Seite, damit sie nicht stört, und trotzdem unter einem Dach. Das könnte meiner Idee sogar guttun, denn da könnten sich mehrere Personen dafür interessieren, etwas mehr davon nehmen, und auch etwas reinlegen.

Tja, und wenn das auch eine Erlaubnis benötigen würde...? Na dann, da wird meine kleine Hausbibliothek geschlossen werden, ich hasse jegliche Erlaubnisse. 😉

Mit herzlichen Grüßen
Christine

Winterbraut

Liebe Christine,
Vielleicht vermittelst du ja erst jetzt mit deiner Idee den Nachbarn den Spaß am Lesen. 
Ich gebe meine Bücher in ein Sozialkaufhaus, da sind sie schnell weg.
Zurzeit lese ich nach 50 Jahren nochmal den Zauberberg von Thomas Mann, den ich damals genervt weggelegt hatte.
Es ist mühsam, aber auch interessant, wie ausführlich und altmodisch verschroben er in allen Einzelheiten jedes Ereignis und die Personen beschrieb.

Vielleicht findest du irgendwann auch für dich Bücher, wenn die Nachbarn demnächst zu Leseratten werden.

Liebe Grüße 
Ingrid 

Christine62laechel

@Winterbraut  

Liebe Ingrid, eigentlich konnte ich mir keine sooo großen Hoffnungen machen, denn unter meinen nächsten Nachbarn gibt es Familien mit kleinen Kindern - zu beschäftigt oder zu müde im Moment? - und auch junge Leute, die unglaublich laut die Treppe (aus Beton!) hoch und runter laufen, und wenn sie ihre Türen zuschlagen, bebt das ganze Gebäude; finde ich kaum Stoff für Leseratten. 😊  Die meisten Bücher haben wohl meine direkten Nachbarn, ein älteres Paar, genommen. Nichts reingelegt - vielleicht haben sie in ihrer Sammlung nur Bücher, von denen sie sich nicht trennen möchten.

Ich hatte auch paar Mal so eine Situation: dass ein beliebtes Buch plötzlich total uninteressant vorkommt, oder umgekehrt. Erst nach Jahren wird es erst mal richtig entdeckt und genossen.

Mit herzlichen Grüßen
Christine

Marlen13

Ja liebe Christine, daß ist eine gute idee mit den Büchern.
Hier gibt es eine alte Telefonzelle m wo man Bücher entnehmen und auch welche reinlegen kann. Ich wünsche dir einen schönen Sonntagsverlauf, ❤️ lichst Marlen 

Christine62laechel

@Marlen13  

Liebe Marlen, obwohl es in jedem Ort eine oder sogar mehrere Bibliotheken gibt, finde ich solche "Bürgeriniziativen" sehr gut. Es kann auch noch viele andere Ideen geben; das mit den Büchern ist nicht mehr neu, mal sehen, was die Kreativen auch noch ausdenken. 😊

Mit herzlichen Grüßen
Christine

werderanerin

Ich habe gerade gestern erst 2 Beutel voller Bücher in unserem Ort (Büchersäulen o.ä.) verteilt. Seit Jahren habe ich Bücher, die ich eh nicht mehr lese und habe dann an mehreren Orten solche "Ablagestationen" entdeckt.

Ich schmeiße ja auch keine Bücher weg, es sei denn, sie sind wirklich so richtig hinnüber, aber die meisten möchte ich weitergeben..., vielleicht werden sie ja gelesen.

Was mir auffällt..., viele werden bei sich "ausmisten" und die Bücher in diesen Stationen deponieren, nur kann man ja als interessierter Leser oft kein Buch mehr erkennen, geschweige sehen, welches Genre es abdeckt...

Schade eigentlich, denn mich dort hinstellen und jedes einzelne Buch anschauen...dazu sind es einfach viel zu viele und zu unübersichtlich.
Hier fehlt meiner Meinung nach, eine Art regelmäßige "Kontrolle". Die Bücher müssen ja auch mal durchgesehen und ggf. weggeschmissen werden. Ich sehe auch nur selten Leute dort stehen und sich Bücher aussuchen.

Die Idee, liebe Christine finde ich richtig gut...hab Geduld, das wird schon alles. Menschen müssen sich an Neues gewöhnen !  😊👍

Kristine

Christine62laechel

@werderanerin  

Ja, liebe Kristine, ich bin auch der Meinung, dass so eine Ablagestation doch ab und zu ein wenig geordnet werden sollte. Deswegen tausche ich am liebsten die Bücher an solchen Ecken, die nun fast jede Bibliothek auch besitzt. Es wird dann wirklich immer wieder nachgeschaut und Ordnung gemacht. 

Wie auch immer, man muss sich freuen, dass es überhaupt noch Interesse daran gibt, und dass man diese Orte nicht "für Spaß" kaputt macht, oder so. Meinem Karton hat man auch bislang nichts Böses angetan. 😉 Ich werde ruhig abwarten, ab und zu etwas Neues dazulegen, etwas dann zurück, damit es nicht langweilig wird. Mal sehen, wenn das Wetter schlimmer wird, oder wenn die Ostertage zu lange... :)

Mit herzlichen Grüßen
Christine

werderanerin

...kurz noch zur Ergänzung, liebe Christine..., was ich garnicht weggeben kann, sind Kinderbücher.

Die habe ich noch, hebe sie für meine Urenkel auf. Das sind ganz wichtige Erinnerunegn für mich, meine Enkel waren begeisterte Zuhörer, haben das auch bis heute nicht vergessen.

Kristine

JuergenS

super Idee!

weiter so, auch bei uns gibt es, von ein paar Menschen betreut, eine Art Telefonzelle, wo an die Hundert Bücher von jedermann reingestellt und geholt werden. Es läuft, und auch an vielen Stellen in der Stadt.

Jede Zeit hat ihre Möglichkeiten.                    📖

Christine62laechel

@JuergenS  

Ich glaube, es würde auch hier besser funktionieren, wenn es einen richtigen Platz draußen dafür gäbe - keine Telefonzelle leider vorhanden. 😊 Ich warte aber noch ab, vielleicht brauchen meine Nachbarn mehr Zeit, um damit umzugehen zu lernen. Hauptsache, es geht etwas im Treppenhaus los. 

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