Oma würde staunen


Die eine Oma war ’ne Dame und nicht gerade liebevoll,
die and’re lebte auf dem Lande, und nett wie Oma auch sein soll.
Zwar kannte ich die Beiden kaum, hab’ mir gedacht was würd’ geschehen,
wenn ich die zweite Oma mal in meiner Wohnung könnt’ jetzt sehen.

Was würde Oma dazu sagen, dass man nicht einfach kommt da rein,
sondern mal klingeln, Namen melden, bevor man wirklich Gast kann sein.
Beim Händewaschen würde sehen die Waschmaschine steh’n im Bad,
und sicher würde sie erschrecken, wenn die im Gange wäre g‘rad.

Kaffeemaschine in der Küche, Fernseher groß wie Fenster fast,
und ein Gerät noch, das zu sehen, wenn auf dem Sofa kurze Rast.
Wie könnte armer Frau erklären, was man damit so alles kann?
Vielleicht doch besser, dass die Oma kommt zu Besuch nicht irgendwann... :)






(Titelbild: KI)
 

Kommentare (14)

Syrdal



Als Urgroßvater im achten Dezennium habe ich vieles noch erlebt, was man sich heute nicht mehr vorstellen kann:
Wäsche wurde im Waschhaus im großen Kessel gekocht, mit dem Stampfer durchgewalkt, danach mit der Wurzebürste auf dem Waschbrett geschrubbt und auf der Wiese gebleicht...
Fleisch gab es höchstens am Sonntag, wenn mal wieder ein Huhn oder ein Karnickel geschlachtet worden war...
Gans gab es nur zu Weihnachten...
Schreiben lernten wir auf der Schiefertafel und zum 1 x 1 dienten die Finger...
Im Volksempfänger-Radio gab es einen einzigen Sender...
Sonntags war der Kirchgang Pflicht...
Damit waren wir fürs Leben bestens gerüstet und haben mit dem permanent herrschenden Mangel ohne zu murren mit großem Fleiß gearbeitet und durchweg zufrieden gelebt.

Heute verkündete man in den Rundfunk-Nachrichten, dass 60 % der Schulabgänger mit 16 Lebensjahren und immerhin 10 Schuljahren weder richtig lesen noch schreiben noch rechnen können. - Diese Illiteralität im ehemaligen Land der Dichter und Denker kann man nicht mal mehr kommentieren...

...sagt mit absolutem Unverständnis
Syrdal

...und schreibt fleißig und sehr aufmerksam weiter am umfangreichen Buch über "Das moderne Leben im Hier und Heute"

 

Christine62laechel

@Syrdal  

Ja, lieber Syrdal, ich habe auch noch in einer bescheidenen Welt gelebt. Manchmal fand ich das doch komisch, wenn der Parteisekretär Gomulka in den 60. Jahren ganz ernst behauptete, dass ein Paar Schuhe pro Jahr genug wäre, oder dass die Küchen keine Fenster brauchen. Ich erinnere mich auch, das war noch später, an das Fernsehen mit zwei Programmen nur, und um 22.00 Uhr die Nationalhymne, Schluss. 

Dafür funktionierte die Edukation eindeutig besser. Es wurde viel verlangt; heutzutage gilt es als Unrecht für die armen KInder und Jugendlichen. Als ich jung war, konnte man mit schwachen Noten zum Abitur gar nicht zugelassen werden; wer aber die Reifeprüfung gut bestanden hatte, war sicher besser ausgebildet, als Viele mit dem Studienabschluss jetzt.

Ich habe gerade ein Buch über moderne Edukation und neue Schultypen gelesen, hier herausgegeben; der Autor hat einen Doktortitel; ich muss mir schon denken: wie konnte er es sich erworben haben. Er meint unter anderen: "die Ergebnisse sind unwichtig" und "die Lehrer albern herum und die Kinder sind glücklich". Ich kann es kaum fassen.

Trotzdem versuche ich auch weiter im so meinem Büchlein zu schreiben. 

Mit Grüßen
Christine

protes

ja liebe Christie
die zeiten ändern sich
und sie ändern sich mit großer geschwindigkeit
und je älter man ist desto schwieriger ist es da mit zu kommen
wie sollte das erst mein großvater verstehen
der eine sondergenehmigung hatte sein auto zu fahren
 wenn er plötzlich in die heutige welt käme

meistens bin froh so alt zu sein
manchmal allerdings auch nicht

liebe grüße hade

Christine62laechel

@protes  

Lieber Hade, damit geht es mir genauso: Mal bin ich froh, nicht mehr jung zu sein, und Mal fühle ich mich damit überfordert. Und dann hilft kein Philosophieren, kein Glauben. Zum Glück findet man sich doch damit irgendwie ab, und hofft, dass alles eben so ist, wie es sein soll. Hauptsache, dass man diese komischen Zeiten immer noch irgendwie - nicht ganz allerdings - verstehen kann.

Mit herzlichen Grüßen
Christine

Winterbraut

Liebe Christine,
ich glaube, deine Oma würde sich freuen, dieses Gedicht von dir lesen zu dürfen
 Sie würde dir vielleicht übers Haar streifen und stolz auf ihre Enkelin sein.

Liebe Grüße 
Ingrid
 

Christine62laechel

@Winterbraut  

Liebe Ingrid, dein Kommentar hat mich bewegt... Obwohl selber nun im Alter, wo ich erwachsene Enkelkinder haben könnte, habe ich diesen von dir dargestellten Streichler gespürt. Wie wichtig wäre so etwas für mich gewesen, als ich noch Kind war. Danke für diesen schönen Moment.

Mit herzlichen Grüßen
Christine

Marlen13

Die meisten Omis wissen mit der heutigen Technik ganz gut bescheid,
:enn nicht lassen sie sich gerne helfen - soweit sie gesundheitlich dazu in der Lage sind.
Ich wünsche dir eine supi neue Woche liebe Christine. Liebe Grüße ❤️ lichst Marlen 

Christine62laechel

@Marlen13  

Ja, liebe Marlen, die Frauen und auch die Männer von Heutzutage, die im Oma/Opa-Alter sind, kommen nun meistens mit der Technik gut zurecht. Wie gut, dass man jetzt so vieles zur Verfügung hat, dass man seine Interessen so gut wie ohne Ende weiterentwickeln kann, und sich vom Leben nicht ausgeschlossen fühlen muss. 

Mit herzlichen Grüßen
Christine

Rosi65

Natürlich würden die Omis staunen, aber mit etwas Hilfestellung würden sie auch in der heutigen Welt bestimmt gut zurechtkommen. Sicher hätten sie vorrangig viel Freude an einer Waschmaschine, 😃einem Elektroherd und einer Etagenheizung gehabt ( PC-Bedienung vielleicht etwas später).

Unsere Vorfahren waren ja nicht dumm, sondern sogar sehr erfinderisch, was z. B. Reparaturen und Handarbeiten anbetraf, denn man hatte damals oft nicht die Möglichkeit für eine Neuanschaffung. Frühere Generationen waren oft von der Landwirtschaft geprägt, und deshalb an schwere körperliche Arbeit, eiskalte Winter ohne Heizungskomfort, sowie an große Entbehrungen gewöhnt. Viele hielten Hühner und Gänse, die sie sogar selber schlachteten. Man konzentrierte sich damals mehr auf das lebensnotwendige psychische Überleben.

Umgekehrt, wenn man uns plötzlich in ein früheres Zeitfenster versetzen würde, oh je, da hätten wir aber bestimmt alle ganz große Probleme.😨

Meint mit vielen Grüßen
       Rosi65
 

Christine62laechel

@Rosi65  

Liebe Rosi, das kann ich mir auch kaum vorstellen. 😨 Es sei denn, ich wäre da eine Dame mit zahlreichen Dienstleuten. Hühner und Gänse halten, uppss... 😉
Ja, es wäre sicher nicht leicht, auf das alles plötzlich verzichten zu müssen, was uns das Leben so komfortabel und angenehm macht. Es ist genug, wenn mal der Strom ausfällt, oder das Wasser kurz nicht da. 
Unsere Vorfahren würden sich sicher schnell abfinden können, obwohl es mit PC-Bedienung sicher schwieriger wäre, da hast Du absolut Recht. So viel zu erlernen, sich zu merken, automatisch zu machen... 

Vor einigen Wochen konnte ich mir wieder mal den Film "Hibernatus" mit Louis De Funés anschauen. Vielleicht würde ich auch die Situation vortäuschen müssen... 

Mit herzlichen Grüßen
Christine

 

werderanerin

Ja, liebe Christine, was würden die Omas so sagen...man weiß es nicht, könnte mir aber denken, dass sie manches sogar recht positiv sehen würden.

Denken wir nur mal an die Waschmaschine..., schon sie erleichtert unser aller Leben definitiv. Man könnte hier noch viel mehr aufzählen..., nur glaube ich auch, dass so einiges, was es heute gibt, wirklich nicht geben bräuchte. 

Würde Oma nicht auch staunen, wenn man ihr erklären würde..." Oma das neumodsche Zeugs ist heute richtig gut und das Beste..., wir haben mehr Zeit für uns...(???) "
😉

Genau ..., aber es ist erwiesen, das es eben nicht so ist..., wie kann es sein, dass "tolle" Entwicklungen uns sogar auf Dauer so richtig krank machen...?

Fazit : Nicht alles ist heute gut, dennoch gibt einige Dinge, die den Alltag im Haushalt z.B., sehr erleichtern. 

Kristine

Christine62laechel

@werderanerin  

Liebe Kristine, eine Waschmaschine wäre etwas Wundervolles für meine Oma gewesen, denn sie hatte neun Kinder zur Welt gebracht. Sechs nur wurden erwachsen, trotzdem. Ich kann mir aber vorstellen, dass sie mit der Wäsche immer prima fertig war, obwohl Wasser aus dem Brunnen, und so. Sie war eine große und starke Frau, alles andere als ich. Na ja, und sie verfügte ganz sicher auch über einen starken Geist: Kinder, Haushalt, Acker...

Ob sich die Menschen heutzutage nicht mehr nahe kommen...? Ich glaube, liebe Kristine, das kann sehr unterschiedlich sein - wie es auch früher war. Auf jeden Fall muss man sich nicht einsam fühlen, unabhängig vom Alter, denn Bekannte kann man schon finden, wenn man es nur versucht. Und man ist dabei nicht nur auf die wenigen Dorfbewohner ausgewiesen. Oder vielleicht war es meiner Oma gerade lieb...?

Mit herzlichen Grüßen
Christine

JuergenS

daran denk ich auch oft, was frühere Generationen sagen würden, wenn sie alles mitbekommen würden, was heut völlig anders ist als zu ihrer Zeit. Und das alles, ohne dass sich die Menschen parallel genetisch weiterentwickelt haben, denn der Fortschritt war schneller, als den Menschen gut getan hat. Denke dabei an Hyperschallflugzeuge, Mondlandungen, Internet, aber auch an weiterer ZUnahme des persönlichen Egoiimus und die "Verfeinerung" der Mlitärtechniken.

Besonders aber würden sie sich wundern, dass es mehr Kriege gibt als je zuvor...

Christine62laechel

@JuergenS  

Ja, da würde sich auch meine Oma wundern, obwohl sie schon manches in ihrem Leben gesehen hatte. Zum Beispiel war sie zusammen mit ihrem Mann, meinem Opa, in Amerika, so zwischen 1900 - 1910, glaube ich. Nicht als Touristen natürlich, sondern Jobben.
Über den persönlichen Egoismus würde sie besonders staunen wahrscheinlich, denn sie war ein absolut guter Mensch. Das weiß ich leider nicht aus eigener Erfahrung, denn sie verstarb bevor ich zur Welt kam. Dafür trage ich ihren Namen. 😊

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