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Nicht mehr allein
Das Tor zur Welt.
Nicht mehr allein.
Sie saß am Fenster, schaute in den Vorgarten und sah den Schneeflocken zu die vom Himmel fielen. Im Sommer hatte sie ihre Wohnung aufgeben müssen und war in ein Seniorenheim gezogen. Sie brauchte Hilfe für die alltäglichen Verrichtungen. Sie fühlte sich wohl hier, doch sie war allein.
Allein --- nicht ganz --- sie sah zu dem kleinen Tischchen auf dem das schwarze Dingsbums stand, so nannte sie den PC. Den hatten ihr die Kinder geschenkt und mit Engelsgeduld die nötigen Klicks erklärt. Sie nannten den Kasten
Das Tor zur Welt
auch zu ihnen, sie wohnten sehr weit weg.
Sie hatte Freunde gefunden, PC-Freunde in einer Seniorengruppe, die waren in der ganzen Welt zu Hause, persönlich kannte sie niemand.
Sie spielte schon längere Zeit mit dem Gedanken die Kontaktbörse anzuklicken, könnte ja sein das ein Kontakt mit einem Menschen zustande käme, der ebenso allein war.
Ja, nein, ja, doch lieber nicht! Aber warum nicht?
Sie fragte in die Seniorenrunde und erhielt viele gute Ratschläge, aber das was sie im Stillen gehofft hatte:
Ich möchte Dich gerne kennenlernen, wie wäre es mit einem Treffen,
las sie nicht. Nein das schrieb niemand.
Also los hörte sie ihr Inneres sagen.
Es meldeten sich viele. Ihr fiel ein Foto mit einem Paar auf die schrieben sie würden sich über eine Antwort freuen. Sie schrieb zurück und erfuhr, sie wohnten in einer kleinen Siedlung am Rande der Stadt
und schilderten ausführlich wo ihr zu Hause war. Könnten keine weiten Wanderungen mehr machen, hätten ein ganz liebes Kätzchen das aber kein Gesprächspartner sei und hätten den Entschluss gefasst einen Menschen zu finden damit das Alleinsein ein Ende hat.
Das darf nicht wahr sein, waren ihre ersten Gedanken, das ist ja meine Stadt.
Sie verabredeten ein Treffen. Pünktlich ging sie aus der Tür, sie waren schon da. Sie blickte in vier warme Augen. Nach der Begrüßung und einigen zaghaften Worten gingen sie ins nahegelegene Kaffee. Wie lange war es her, das sie so beschwingt durch die weihnachtlich geschmückte Straße gegangen war. Eine Ewigkeit. Doch was heißt beschwingt, im Herzen ja. Langsam und bedächtig gingen sie den Weg.
Im Kaffee war es gemütlich, sie glaubte, alle Gäste sahen nur auf sie, wie glücklich sie war. War das ein Erzählen, sie hatten viele Gemeinsamkeiten, waren in die gleiche Schule gegangen, hatten immer in dieser Stadt gewohnt und waren sich doch nie begegnet.
Als sie aufbrachen läuteten die Abendglocken der nahen Kirche. Mehrere Jahre war sie nicht zur Kirche gegangen, hatte den Gottesdienst im Fernsehen verfolgt. Dieses Jahr würde sie hingehen und danken für den Schritt den sie getan hatte.
Am Gartentor angekommen strahlten drei Augenpaare und sie verabredeten
sich am Heiligen Abend um 18 Uhr zu treffen, um in der Kirche die Weihnachtsgeschichte zu hören und danach den Abend gemeinsam zu verbringen.
Sie winkte den beiden nach und wusste;
Ich bin nicht mehr allein.
Liebe Grüße
advise
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