Mit Tinte und Feder
Mit Tinte und Feder
Wer kennt denn heute noch Löschpapier,
vergangen sind längst die Zeiten,
als öfter ein plötzliches Malheur
geschah bei den Schularbeiten,
nur eine kleine Unachtsamkeit
und schon kleckste es beim Schreiben,
man musste bei dieser Tätigkeit
jede Ablenkung vermeiden.
Schönschreiben mit Tinte und Feder
galt einst als tägliche Übung
und sehr stolz war freilich ein jeder,
war fleckfrei seine Gestaltung,
denn es konnte sehr leicht geschehen,
dass es von der Feder tropfte.
das hat man dann deutlich gesehen,
auch wenn man es rasch auftupfte.
Zwar gab es saugende Papiere
im Schulheft oder auf Rollen,
doch nichts vermied letztlich die Schmiere,
die man hat vermeiden wollen.
deshalb wars alleine nur möglich,
ein Blatt sauber zu gestalten,
beim Schönschreiben immer grundsätzlich
Ablenkungen fern zu halten.
Der Actuarius* nahm Schreibsand*,
zum Trocknen der frischen Handschrift,
ein Papier aber wurde bekannt,
das Saugeigenschaften verspricht,
im Orbis pictus* ists beschrieben,
später im Brockhaus Lexikon
und veredelte Tintenwiegen*
zierten das Schreibzeug im Salon.
Diese verstauben inzwischen nur
als alte Aktenbeschwerer
neben der kaputten Schreibtischuhr
und dem vergilbten Kalender.
Niemand braucht heute noch Löschpapier,
denn man schreibt mit dem Computer,
verloren ist der Handschriften Zier,
sie kommt leider auch nicht wieder.
© Syrdal 2026
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Erklärungen:
*Schreibsand (auch Streusand oder Löschsand) = feinkörniger Sand. der in der Vergangenheit zum Trocknen schreibnasser Tinte diente
*Orbis pictus (Die sichtbare Welt) = ein in Europa vom 17. bis zum 19. Jahrhundert weit verbreitetes Jugend- und Schulbuch.
*Tintenwiege = Schreibgeräte-Zubehör, das zur schnellen Trocknung der Tinte auf Papier dient und besonders in der historischen Schreibkultur verbreitet war.
Kommentare (19)
@Tulpenbluete13
Aber ja, liebe Angelika, mit wahrem Stolz trugen wir unsere holzgerahmte Schiefertafel im Schulranzen, aus dem seitlich zwei weiße Schnüre heraushingen, eines mit einem feuchten Schwämmchen, das andere mit einem sauber umsäumten weißen Tüchlein - beides wichtige Utensilien zur geflissentlichen Reinhaltung des persönlichen Schreibgerätes. Freilich hatten wir auch eine hölzerne Schatulle mit bemaltem Schiebedeckel, in der sich die feinen angespitzten Griffel befanden. - Aus heutiger Sicht alles ein äußerst nachhaltiges "Werkzeug", denn die Tafel war nach Gebrauch immer wieder erneut verwendbar...
Und Liebesbriefe? Ob es sie heute noch gibt...? Mit einem hinzugelegten roten Rosenblütenblatt und das rosafarbige Papier leicht besprüht mit etwas lieblich duftendem Parfüm? Ich vermute, dies ist alles vergangen. Wir leben heute in einer überfrachteten, überreichen, in manchen Dingen aber völlig verarmten Zeit!
Deine Gedanken habe ich mit verstehender Freude gelesen - danke sagt mit Sonntagsgrüßen
Syrdal
Meinen ersten und letzten Füllfederhalter - ein Pelikan - gewann ich bei einem Aufsatzwettbewerb und war darauf wahnsinnig stolz. Meine Eltern hätten mir niemals so ein teures Stück kaufen können.
Mit Löschpapier und Bügeleisen konnte man auch prima Kerzenwachsflecke entfernen.
Komisch, das hatte ich glatt vergessen. Dein hübsches nostalgisches Gedicht hat meine Erinnerung wachgerufen. Herzlichen Dank.
Harzliche Grüße von Pippa
@pippa
"Pelikan"... jui, diese Marke kannten wir nur vom Hörensagen aus einer fernen, sehr, sehr fernen und auf ewig unerreichbaren Welt. Da wurdest du sicher in der ganzen Klasse beneidet - oder?
Wie auch immer, wir haben das Schreiben mit der Hand gerne gelernt und es war vor allem wichtig für die Wahrnehmung der Sprache, für die Ausbildung der Motorik und nicht zuletzt für das Gedächtnis und für das Denken überhaupt, ebenso auch für die Ausbildung des Leistungs- und Selbstwertgefühls. Das Schreiben mit der Hand trainiert weit mehr als nur die Schrift - alles äußerst wichtige Aspekte, die dem heutigen "nur noch Tippen" völlig abgehen. So gesehen ist der technische Fortschritt zugleich auch eine gewisse Verarmung.
Es hat sich eben so vieles verändert, aber wenigstens haben wir unsere Erinnerungen - welch ein großer Lebensschatz!
Herzlich grüßt zum Abend
Syrdal
Nun ja, lieber Syrdal..., Tinte und Feder kannte ich zumindest , nicht mehr zu meiner Schulzeit, aber ich habe noch gute Erinnerungen an den Füllfederhalter...schon das Wort schien "endlos".
Es gab ja, wie du sicher noch weißt, diese Patronen zum auffüllen, wenn die eine leer war, schob man eine einfach nach.
Kann mich noch gut erinnern, dass es anfangs immer gut "lief"..., die Tinte auch vorne raus kam, wehe aber, die Patrone näherte sich dem Ende zu.
Ich zumindest weiß noch, dass ich schüttelte und dann kam beim schreiben meist als erstes ein großer Klecks raus. So sah dann das Heft aus...überall Kleckse.🫠
Solange her und ich muss auch ehrlich sagen, das alles vermisse ich wahrlich so garnicht. Dank deiner Anregungen, war aber ganz kurz die damalige Schulzeit wieder da.
Kristine sendet herzliche Grüße
@werderanerin
Aber ja, liebe Kristine, den Füllfederhalter mit Tintenpatronen benutze ich heute noch immer und habe längst gelernt, damit gut und ohne Kleckse umzugehen. Vielleicht aber sind die Patronen heute auch von besserer Qualität - das möchte ich gerne zugestehen. Es freut mich aber, dass das kleine Gedicht mal wieder Erinnerungen an die Schulzeit wecken konnte. Es war ja doch bei weitem nicht die schlechteste Zeit, meint
mit heiteren Grüßen
Syrdal
ich erinnere mich nicht so gerne an griffel und federhalter.
irgendwie tropfte die tinte in der schule immer wieder
weil in die eingebauten tintengläser irgendwer fusseln gemacht hatte.
außerdem hatte und habe ich bis dato eine saupfote.
ein lehrer sagte mal zu mir.
Du bist ein hoffnungloser Fall
komisch, dass ich das heute immer mal bei allen möglichen und unmöglichen dingen, auch von mir denke😔
ja lieber Syrdal das löschpapier hat zwar die tinte
aufgenommen, die zu viel war, aber auch geholfen die wichtige zeile zu verschmieren.
gut, dass ich heute darüber lachen kann.
fröhliche grüße
hade
@protes
Naja, lieber hade, wir hatten noch Schulbänke mit an jedem Platz eingebrachten Vertiefungen für das Tintenglas und haben den "Kampf" mit den klecksenden Federn und Fusseln in der Tinte wohl alle in eher unguter Erinnerung. Und doch hat uns das alles auf seine eigene Weise wunderbar geprägt und ein jeder hat das Schreiben irgendwie zu beherrschen gelernt. Ob nun mit einer "Saupfote" (wie du es benennst) oder in gediegener Schönschrift, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls konnte jeder spätestens mit Abschluss der 3. Klasse einigermaßen vernünftig schreiben. Heute ist das nicht einmal bei Abiturienten eine Selbstverständlichkeit. Ich meine, da liegen Welten dazwischen! - Ob ich darüber lachen kann, fragt sich sehr nachdenklich
Syrdal
@Syrdal nein besser nicht
beim rechnen ist es ja auch so
dafür haben sie aber mehr stress
dieses wort kannte ich damals überhaupt nicht
wir haben halt eine total andere zeit
man kann alles relativ schnell nachsehen
ohne in büchern zu suchen ein schönen wochenende wünsche ich dir
mit sonnigen grüßen
hade
@protes
Ja richtig, wir haben halt eine total andere Zeit, denn der Begriff "Stress" kam erst in den 1960er Jahren in den allgemeinen Sprachgebrauch, bei uns dominierte dafür eher der körperlich spürbare Begriff "Hunger" (...ohne jede Aussicht auf etwas Essbares!). Ein jeder darf für sich entscheiden, was schwerer wiegt...
Sei zufrieden und gesättigt gegrüßt
Syrdal
@Syrdal daher kommt es vermutlich,
dass voller dankbarkeit ich heute oft
ein lebensmittelgeschäft betrete.
das ist für fast alle heute
selbstverständlich
Es regnet, deshalb keine sonnigen grüße
aber überaus fröhliche
lieber Syrsal
Hallo Syrdal!
Dein liebenswertes Gedicht läßt viele Erinnerungen auftauchen, unter anderem ein Tintenfaß, aus dem man seine Füllfeder "betanken" konnte. So weit ich mich erinnere, gab es im Inneren der Füllfeder eine Art Gummischlauch, der durch Drücken o.Ä. zum Ansaugen der Tinte gebracht werden konnte.
Auch häufig tintige Finger spazieren vor meinem inneren Auge herum.
Der Abbau aller Tätigkeiten und Dinge, die Menschen einander näher gebracht haben, die Vertrauen wachsen ließen und Freundschaften begründeten, ist erschreckend schnell passiert.
Auch ich hüte handgeschriebene Briefe mit großer Sorgfalt.
Manchmal überlege ich, was, wenn der längst erwartete, große Crasch im Strombereich kommt? Das intensive Fördern von E-Autos, E-Fahrrädern und dergl. mehr könnte ganz plötzlich ein böses Erwachen bringen. Was werden dann die Menschen von heute tun?
Ohne PC, ohne Handy, ohne Fantasie und mit wenig Wissen.
Noch kann man die Natur weiter unwiederbringlich ausbeuten und ruinieren, aber auch das ist endlich.
Schön, dass wir weniger und doch so viel mehr hatten.
Liebe Grüße Lydia
@keyly
Liebe Lydia,
es sind zutiefst nachdenklich stimmende Worte, die du hier geschrieben hast. Wollte man darauf eingehen und auch nur ansatzweise versuchen, auf die eindeutig mitschwingenden Fragen Antworten zu geben, würden wohl umfangreiche Bücher entstehen. Ich vermeide jedweden Versuch, unterstreiche aber alles mit einem dickem roten Strich, vor allem dein Fazit: Schön, dass wir weniger und doch so viel mehr hatten! - Welch eine kraftvolle Philosophie! - Danke sagt
Syrdal
Ja, lieber Syrdal, wir haben das Schreiben mit dem Füllfederhalter auch noch in der Schule gelernt. Allerdings erst in der zweiten oder der dritten Klasse.
Sicher war es das kostbarste Utensil in meinem Schulranzen. Das Löschpapierblatt hatte einen rosa Farbton und war dem Schreibheft (anfangs noch mit Hilfslinien) immer beigefügt. Trotzdem musste man sehr konzentriert und achtsam damit umgehen.
Wann der Füllhalter aber dann von anderen Stiften und Kugelschreibern abgelöst wurde, daran kann ich mich nicht mehr so genau erinnern.
Viele Grüße
Rosi65
NS: Sehr beachtlich: Der bis dato teuerste Füller der Welt, „Fulgor Nocturnus“ (lat.: „nächtlicher Glanz“) von Tibaldi, wechselte 2010 bei einer Auktion in Shanghai den Besitzer für etwa acht Millionen US-Dollar.
@Rosi65
So in etwa, liebe Rosi, habe ich es auch erlebt. Den ersten Füllfederhalter bekam ich als "teures" Geburtstagsgeschenk 1952 - stolzer Schüler der 5. Klasse und einer der ersten, die ein solch tolles Ding besaßen. Kugelschreiber gab es erst viel später in der Oberschule. - Ach es waren bei allem Mangel doch schöne und wirklich unbeschwerte Zeiten, an die ich mich gerne erinnere.
Liebe Grüße
Syrdal
PS: Interessant ist dein Hinweis auf den "Fulgor nocturnus", aber hätte man das kleine Hölzchen noch, mit dem vor über 5000 Jahren in Uruk (Mesopotamien, heute Irak) die ersten Zeichen in weichen Ton geritzt wurden, wäre das kleine Griffelchen heute unbezahlbar!
@Rosi65
...meiner mit dem Markenname "Heiko" war vom VEB Füllfederhalter Wernigerode – eine Firma, die dann auch ausgezeichnete Kugelschreiberminen in schwarz produzierte, die ich später sogar zu nie klecksenden Zeichnungen nutzen konnte.
Mit der Feder, lieber Syrdal lernte ich das Schreiben nicht mehr. Am Anfang war die Schiefertafel und der Griffel, dann kam der Füllfederhalter. Interessant war es doch auch, dass jeder Mensch irgendwann seine eigene Handschrift ausbildete, aus der Graphologen sogar etwas herauslesen konnten. Ob Kinder heutzutage ihre Handschrift noch ausbilden können, glaube ich fast eher nicht. Lernen sie doch recht schnell auf dem Smartphone zu tippen.
Es ist wirklich schade, dass dieses Ritual, einen Brief mit Füllfederhalter und auf schönem Papier zu schreiben verloren gegangen ist, bis auf wenige Ausnahmen vielleicht. Neulich bekam ich von meiner Cousine mal wieder einen solchen Brief, das war eine Überraschung.
Ich bedauere auch sehr, dass das unwiederbringlich verloren geht, wobei es aber doch auch an einem selbst liegt, ob man nicht hin und wieder mal einen schönen Bogen Papier nimmt und handschriftlich einen Brief verfasst.
Danke für dein nostalgisches Gedicht und herzliche Grüße
Brigitte
@Roxanna
Liebe Brigitte,
die Zeiten und Dinge verändern sich halt... in unserer Generation sogar mit Riesenschritten, so dass manch einer mit all den Neurungen kaum oder gar nicht mehr zurechtkommt. Wie auch immer, verhindern können wir es nicht, aber wir dürfen Liebgewonnenes oder auch kulturell Bedeutsames weiterhin pflegen und - wie z.B. das Briefeschreiben - noch immer vornehmen (zumindest solange es noch die Post gibt). Ich gebe zu, jetzrt im fortschreitenden Alter mit "schwerer gewordener Hand" für die Korrespondenzen auch den Computer zu nutzen. Wichtige, vor allem persönliche Briefe schreibe ich aber auch heute noch mit der Hand und wie du es angeführt hast, mit einem Füllfederhalter - immerhin aber mit Feder und Tinte...
...sagt mit lieben Grüßen zum Abend
Syrdal
Lieber Syrdal
du hast ja so recht….ich will auf das Gekleckse gar nicht mehr eingehen..das haben hier viele gekannt und sich erinnert (ich auch)..bei mir ging ja das Schreibenlernen noch mit der Schiefertafel einher…das Kratzen habe ich heute noch im Ohr…
Ich wollte auf deinen Abschlußsatz eingehen daß die Handschrift „gestorben“ ist……
das ist größtenteils richtig….aber eines hast du vergessen: Die Liebesbriefe von Hand geschrieben
gibt es doch noch???. Schon während ich dies schreibe kommen mir Zweifel… die werden doch nicht auch auf dem PC oder dem Handy geschrieben??::::: Oh wie schrecklich…
Ich habe meine noch immer aufgehoben und ab und zu hole ich sie mal hervor und freue mich daß es so etwas gab…und wirklich nicht mehr gibt????
Dein Gedicht habe ich gern gelesen und mich ebenso gern erinnert….
Schönes Wochenende
Angelika