Man gewöhnt sich
Ich war am Freitag einkaufen, nach einer Pause, die mehrere Tage gedauert hat. Wenn gegen 30 Grad Hitze, bleibe ich lieber zu Hause. Nun brauchte ich aber wieder manches, und es wurde auch endlich deutlich kühler – nach den etwa 40 Grad am Sonntag, das war wirklich ein Horror – jetzt konnte man ohne Problem durch die Straßen auch in der Sonne gehen.
So ich ging zuerst in meinen beliebten Laden: keinen Supermarkt, und auch keinen Tante-Emma-Laden, etwas dazwischen. Ich konnte da aber vieles besorgen, kein Schlangestehen an der Kasse, und so. Das Personal auch freundlich und kompetent. Ich kam also an die Eingangstür zu – und durch die Scheiben konnte ich sehen, dass der Ladenraum ganz leer war, keine Regale, nichts da!
Kein Zettel mit einer Information, ob der Laden nur saniert werden sollte, oder zu, weil zum Beispiel keinen guten Gewinn gebracht; das wäre möglich. Also, eher keine Tätigkeit mehr. Schade, denn ich habe mich einfach daran gewöhnt, da einzukaufen. Der Laden wird mir nun fehlen; ich fand es etwas Gutes. Jedes Mal, wenn ich vorbeigehen werde, werde ich daran denken müssen.
Es kann auch mal anders sein mit dem ganzen Gewöhnen. In meiner ehemaligen Heimatstadt gibt es einen kleinen Marktplatz. Der hatte lange Jahre lang genauso ausgesehen, also, ehrlich gesagt, gar nicht schön: ein paar grüne Sträucher, es ist ja ein Kurort, einige Sitzbänke, Gras; alles. Nicht sehr gut gepflegt, denn es gibt da in anderen Stadtteilen mehrere Parks und andere wirklich schöne Grünanlagen.
Und mal – alles wurde da anders. Schöner eigentlich. Das Grüne wurde nur teils entsorgt, dafür hat man zwei Reihen von kleinen Einzelhandelspavillons aus Holz erstellt. Am Rande des Platzes auch eine moderne automatische Toilette. Es wurde also schöner und besser; als ich da aber mal unterwegs war, musste ich ein wenig sentimental an den alten Marktplatz denken. Wieso eigentlich, der war mir nicht wichtig. Ich habe nie da auf einer Bank gesessen, denn immer nur irgendwohin unterwegs. Aber – man gewöhnt sich. Auch in dem Sinne zum Glück, dass man sich an das Andere, das Neue gewöhnen kann.
(eigenes Titelbild)
Kommentare (22)
@Kurt20
Recht, lieber Kurt. Auch mit Gefühlen muss man vorsichtig umgehen, und nicht übertreiben. Und das versucht man auch, um nicht leiden zu müssen, was aber wiederum zu anderen Problemen führen kann. Die Psychologen sprechen von eingefrorenen Gefühlen, wenn sich jemand (meistens betrifft es Kinder) vor Traurigkeit und Schmerz wehren will. Wird man aber gegen Traurigkeit immun, hört man mal auf auch die Freude zu empfinden, was in schwierigen Fällen zu Anhedonie führen kann. Also, ein wenig Nostalgie geniessen, und dann zurück zur Gegenwart.
Na ja, und Milchschokolade ist sowieso besser. 👍
Mit Grüßen
Christine
Liebe Christine,
leider verändert sich vieles immer öfter, immer schneller.
Ich wohne 30km von meiner Heimatstadt Nürnberg entfernt und wollte eigentlich wieder dort hin zurück, aber in den letzten Jahren hat sich vieles zum Nachteil verändert. Hier ist es ruhiger und die Umgebung wunderschön. 2 Seen in der Nähe und Wiesen, Wälder. Da bleib ich.
Auch die Menschen haben sich verändert. Gestern in der SBahn saßen fast nur junge Leute, die mit ihrem Handy beschäftigt waren.
Mit mir stiegen einige ältere Damen zu und einer war schlecht. Ich bat ( höflich) eine Familie, die mit 2 Kindern saß, ob eines ihrer Kinder - ca.8 und 10 Jahre alt - Platz für die Dame zur Verfügung stellen könne. Daraufhin schrie mich eine junge Frau ( ca. 25 Jahre alt) an: " Sie können doch dem Kind nicht den Platz weg nehmen!"
Was sagt man dazu? Ich mag Kinder wirklich, aber nicht die Eltern die sie zu Egoisten werden lassen. Der Junge stand dann aber auf, weil die alte Dame leichenblass war.
Dies zu den Veränderungen.
Schön dass du nun auch den Zeichenstift in die Hand nimmst.
Liebe Grüße
Ingrid
@Winterbraut
Liebe Ingrid, Nürnberg finde ich eine wunderschöne Stadt, an deiner Stelle würde ich aber wahrscheinlich auch da bleiben, wo du jetzt lebst.
Ich denke immer wieder daran, wie es dazu gekommen sein konnte, dass nun auch die Pädagogik darauf gern verzichtet, den Kindern und Jugendlichen gute Manieren - im besten, anspruchslosen Sinne des Wortes - beizubringen. Es gibt ja so etwas wie gute Sitten sogar im Fußball: die Spieler begrüßen sich freundlich, das Wort "Respekt" bedeutet da etwas, es gibt sogar Strafen, wenn es einen Verstoss gibt. Wieso sollten junge Leute so etwas nicht lernen, wieso macht man alte gute Regeln ungültig? Ich glaube, die moderne Pädagogik wird sich mal diese Zeitspanne einfach schämen müssen, denn sie lässt das kaputtgehen, was sich Generationen erarbeitet haben, um friedlich und zivilisiert ja zu leben.
Mit herzlichen Grüßen
Christine
ja, und der online-Verkauf ist oft die einzige Möglichkeit für den Bezug vieles Waren, weil zusätzlich, zum Beispiel im Alter meiner FRau und mir, die Mobiltät schrumpft, stark schrumpft.
Und die jüngeren Menschen brauchen die lokalen Möglichkeiten auch nur zum Teil. Da brauchen sich viele nicht mal umgewöhnen. hmmmm
@JuergenS
Echt hmmmm, würde ich sagen. Ich glaube, viele ältere Personen würden es gar nicht mehr lernen wollen, per Internet ihre Einkäufe zu machen. Ehrlich gesagt, mache ich das auch nie - werde es aber wohl erlernen müssen. Meine körperliche Mobilität ist - noch - nicht schlimm, dafür sind Wanderungen nicht mein Hobby, mit Bussen fahre ich nicht gerne, obwohl die hier ganz gut und bequem sind, und ein Auto werde ich sicher nicht mehr fahren. Und hier leben auch mehrere Personen mit Gehbehinderungen - für sie war "mein" ehemaliger Laden am besten erreichbar. Hmmm...
@Christine62laechel
meine FRau bestellt auch vieles über Teleshopping, also Verkaufssender, die alles vorführen im TV, weil Geschäfte-Aufsuchen zwar sinnvoller wäre, aber mühevoller hinzukommen, ganz zu schweigen, dass die TV-SEnder oft TRaumpreise haben. Man weiss zwar, da kommt vieles aus China und z:b. Bangladesch, aber.....
@JuergenS
Teleshopping habe ich mir früher oft angeschaut, als ich mal müde war. Ich musste die ModeratorenInnen bewundern: mehrere Stunden lang konnten sie fast ohne Pause reden, und das über Bettmatratzen oder Uhrenbeweger. Das muss man auch können.
Liebe Christine,
besonders erschreckend finde ich, dass jetzt die großen Baumarktketten Hellweg, Hagebau, Baywa Bau- und Gartenmärkte, sowie ihre Tochterunternehmen, ganz oder zum Teil, Insolvenz anmelden mussten. In unserer Stadt sind davon gleich zwei Baumärkte mit schönem Gartencenter betroffen.
Sehr schade, nicht nur für die Kundschaft, sondern auch besonders hart für die vielen langjährigen Mitarbeiter dieser Unternehmen.
Viele Grüße
Rosi65
@Rosi65
Das finde ich auch grausam, liebe Rosi. Ich habe ja so lange in einem sozialistischen Land gelebt, wo es Arbeitslosigkeit - scheinbar natürlich - gar nicht gab. Man bildete Arbeitsplätze ohne Ende, fünf Leute bedienten einen Spaten, in Büros Teetrinken, und so. Nun sieht das ganz anders aus. Zusammen mit meinem Sohn habe ich auch Schlimmes erlebt: er hatte auch seinen Job vor einem Jahr verloren, und es dauerte mehrere Monate, bis er wieder etwas Interessantes finden konnte. Jetzt ist er wieder zufrieden, ich auch, im Hinterkopf haben wir beide aber die bösen Erinnerungen, und können der Zukunft auch in dieser Hinsicht nicht ganz vetrauen. Ja, schade um die früher erfolgreichen Unternehmen, schade um die Menschen, die so unsicher werden müssen.
Mit herzlichen Grüßen
Christine
Liebe Christine,
mit verschiedenen gefühlen habe ich Deinen Artikel gelesen: und immer dabei an Deinen kleinen Laden gedacht..eine solche "Veränderung" tut eigentlich weh? Mir machen Veränderungen jetzt während des Alterns doch Schwierigkeiten, wie auch Veränderungen, die einfach belasten und auch unbequem sind. Sicherlich weil man seinen eigenen "Trott" verlassen muß?
Umso besser sind Veränderungen, die Vorteil bringen und sogar den Ablauf der Lebenssituation, erleichtern....
Du hast durch Deine häufigen Umzüge wahrlich bereits viele Veränderungen,
durchleben müssen!
Danke für diesen Denkanstoß, mit lieben Gruß von Kölner Renate
@ladybird
Liebe Renate, so ist das... Wenn ich mal schlechter Laune bin (selten), denke ich mir: das ist nicht mehr meine Welt. Ja, und die wird nicht mehr nach meinem/unserem Geschmack.
Meine Umzüge, vor allem die früheren, brachten nicht viel mehr mit sich, als einen anderen Ort, eine andere Umgebung, so. Jetzt werden die Menschen anders, Mode anders, Sitten anders. Was vorher als wertvoll und richtig galt, wird heutzutage unterschätzt, und umgekehrt. Und man muss entscheiden, wobei man bleibt, was man an eigener Mentalität eventuell noch ändern würde, was man akzeptieren können wird. Und manches wird man, wie denn sonst; das muss schon so sein. 😊
Mit herzlichen Grüßen
Christine
Habe nun alles durchgelesen.
Da kann ich nur bei manchem mitreden, denn ich wohne am Rande der Großstadt mit einer sehr gemischten Infrastruktur, viel dörfliches noch, die City 20 minuten mit der U-Bahn erreichbar, es wird viel gebaut, gutes und unangenehmes.
Dieser Mix kann nicht überall sein, wir können aber wählen, zwischen allem.
Am liebsten würde ich jetzt für euch alle nochmal das "TROSTBILD" von dem anderen blog schicken, weil ich für euch völlig!!! ratlos bin.
😧
Übrigens Christine, find ich toll, dass du dich fürs Malen wieder entschlossen hast, das kann keine KI-Phantasie ersetzen.👌
@JuergenS
Wir schauen dann in deinen Blog, Jürgen, um ein wenig Trost zu finden. 😊 Ich lebe auch so gut wie am Stadtrand, nur kein Vergleich mit München; mein jetziger Wohnort ist eine mittelgroße Stadt.
Ja, ich male immer wieder gern, obwohl mit gemischten Gefühlen, denn aufs Papier kommt nie das schöne Bild, das ich im Kopf hatte. 😏😁
Zu deiner Geschichte, liebe Christine,
passt in etwa eine Marginalie, die ich
im vergangenen Jahr formuliert habe:
Was heute du als gut erachtest,
ist sehr bald schon Vergangenheit,
du dann die Welt anders betrachtest,
als bisher in der Lebenszeit,
alles erfährt stets Veränderung
und nichts bleibt ewig bestehen,
lerne deshalb mit Bewunderung
die Welt täglich neu zu sehen.
...vielleicht kann man so am besten
mit den Veränderungen umgehen... meint
Syrdal
@Syrdal
Ja, lieber Syrdal, so könnte man am besten mit den Veränderungen umgehen - wären sie immer nur gute Veränderungen. Und wäre man jeden Tag gut drauf. Vielleicht ist das eine Ausrede, vielleicht sollte man es wirklich können; ich kann es aber von mir nicht behaupten. Deine schöne Aufmunterung möchte ich aber gern annehmen, und wenn nur möglich, werde ich neue Tage mit Bewunderung begrüßen. Sollte das interaktiv wirken, werden mir die Tage auch oft nett sein.
Mit Grüßen
Christine
Ja, liebe Christine, das alles kann man ja eigentlich seit den Coronazeiten hautnah miterleben. Vieles hatte danach nicht überleben können, vor allem kleinere Geschäfte haben zahlreich schließen müssen, auch gastronomische Einrichtungen u.a.m.
Den Leerstand kann man oft noch heute sehen.
Was auch ich schade finde..., dass fast nur noch die ganz großen, starken "Ketten" überleben. Diese können z.B., wie DM bei uns, einfach mal 2 Monate schließen und alles erneuern. Für den Kunden ist das gut und auch richtig, zumal ich mir erhoffe, dass auch dort SB Kassen Einzug halten. Leider zu selten auch hier Vorort , aber genial.
Wir werden Neues /Anderes nie aufhalten können, aber manchmal hängt eben das Herz und auch die Seele an Altem und das ist gut so !
Herzliche Grüße
Kristine
@werderanerin
Das stimmt, liebe Kristine, die Pandemie hat vieles lahmgelegt, und es wird nun oft nicht mehr möglich, die Tätigkeit wieder auszuführen. In meiner Wohnsiedlung hier gibt es auch einige Leerstände; wie schön wäre es, wenn es doch mal da eine Imbissstube geben würde, oder ein gemütliches Café. Solche Einrichtungen fehlen hier.
Man muss natürlich die Tatsache akzeptieren können, das sich vieles ändern muss. Zum Glück haben wir aber wirklich gute Erinnerungen, Fotos, Gespräche mit Personen, die sich an einiges auch erinnern können, was uns mal bedeutend war. Wie in einer Computer-Wolke bleibt diese Welt doch lebendig.
Mit herzlichen Grüßen
Christine
Das kann ich nur bestätigen, liebe Christine. Nichts bleibt auf Dauer, alles verändert sich irgendwann. Ich wundere mich auch immer wieder, warum in Geschäften ständig umgeräumt wird und man sich immer wieder neu orientieren muss. Der Sinn erschließt sich mir nicht. Schade ist es immer nur, wenn etwas bequem und angenehm war und plötzlich wird einem das genommen, aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht ist der Sinn ständiger Veränderungen, dass man flexibel bleiben muss. Das ist doch eigentlich gut. Schwierig ist für mich auch immer, wenn Ärzte aufhören und ich mich da neu orientieren muss. Diese Suche ist oftmals ziemlich schwierig.
Zeiten und Gegebenheiten ändern sich, liebe Christine und wir uns mit ihnen mit. Also versuchen wir möglichst flexibel zu bleiben.
Herzlichen Gruß
Brigitte
@Roxanna
Absolut richtig, liebe Brigitte. Flexibel bleiben muss man einfach, denn alles wird sich ändern, ob es uns gut gefallen würde, oder auch nicht. Manche Menschen kommen ganz schlimm damit zurecht; die bleiben dann gern immer nur zu Hause, wollen nie eine Meinung zu etwas ändern, ja sie bleiben sogar manchmal bei einem Haarschnitt oder Kleidung, die ihnen gar nicht mehr gut stehen - eine Änderung wäre aber etwas, was diese Personen einfach überfordern würde. Bemühen wir uns dann Kopf hochzutragen, und neue Wege gern zu entdecken; und tun wir das so, als wäre es unser Wille, und keine Notwendigkeit.
Mit herzlichen Grüßen
Christine
Liebe Christine,
da schreibst du etwas, was ich mit dir unbedingt teilen kann. Seit sehr langer Zeit lebe ich nicht mehr in meiner Heimatstadt und besuche sie aber sporadisch. Jedes Mal hat sich etwas geändert.
Anfangs war es nur wenig und man kam zurecht. Mit den Jahren ist aber soviel Neues hinzu und Altes ist verborgen oder nicht mehr da. Ich habe mich da schlicht verlaufen und suchte mir den Kirchturm als Richtungsweisung aus. Angekommen konnte ich den Faden wieder aufnehmen.
Wie gern habe ich im Park gesessen und der Musik gelauscht oder in den Anlagen etwas abseits ein gutes Buch gelesen. Viele Kindheitserinnerungen sind geblieben und die erhalte ich mir.
Mit der Zeit habe ich mir gedacht, die Zeit verändert alles, ob Städte oder anderes, alles entwickelt sich weiter und denken wir mal an uns: - wir doch auch. Was bleibt ist aber ein Gefühl, etwas verloren zu haben.
Mit lieben Grüßen
Ingrid
@indeed
Liebe Ingrid, ich kann deine Gefühle sehr gut verstehen, mir geht es ähnlich. Und das war bei mir auch schon früher so: bekannte Gegend tat mir gut. Sollte sich etwas geändert haben, wurde ich unruhig. Heutzutage nennt man so etwas Autismus-Spektrum; keine Ahnung, ob man das auch bei mir so sehen möchte.
Wenn ich lese in deinem Kommentar, liebe Ingrid, wie du den Weg in deiner ehemaligen Heimatstadt nicht mehr finden kannst, muss ich denken an einen Traum, den ich immer wieder träume. Da bin ich in einer Stadt, oft weiß ich im Traum ihren Namen, und will zum Bahnhof. Klar, da muss ich jetzt links - aber links siehst alles schon ganz anders aus, als in Wirklichkeit. Ich suche, will weg... Von diesen Träumen werde ich gerne wieder wach. 😊
Mit herzlichen Grüßen
Christine
06. Juli 2026
Liebe Christine,
ja, manches vermisst man. Man würde es gern noch einmal so oder ähnlich erleben.
Ein wenig Nostalgie kann da nicht schaden. Irgendwo habe ich gelesen:
„Nostalgie ist ein Gefühl wie ein Stück dunkle Schokolade: süß, bitter und etwas tröstlich. Ein natürlicher Stimmungsaufheller.“
Nur sollten wir es damit nicht übertreiben. Sich nach etwas zu sehnen, was endgültig vorbei ist und was vielleicht nur in unserer Fantasie existiert, (die Erinnerung sagt nie die Wahrheit), gleicht dem Heimweh.
Allzu viel ist ungesund, wie bei dunkler Schokolade. 😉
Herzliche Grüße Kurt