Lachen (1)
Guten Abend allerseits,
Das Thema Lachen ist unerschöpflich. Allein die Themenvielfalt: Lachen und Schadenfreude, Lachen in dunklen Zeiten, Lachen in der Diktatur, Lachen über Witze, Lachen und Gesundheit, … Diese Liste ließe sich beliebig erweitern.
Deshalb lautet der Titel dieses Beitrags Lachen (1) und nicht nur einfach Lachen.
Das heißt: Fortsetzung folgt.
Zuerst aber sei gesagt: Es gibt Situationen, in denen Lachen fehl am Platz ist und es gibt Menschen, die partout nichts zu lachen haben. Darum soll es aber hier nicht gehen.
Lachen gegen die Ohnmacht
Uns unsere Ohnmacht einzugestehen ist schwer. Zu sagen: „Darauf habe ich keinen Einfluss“, verletzt unseren Stolz. Das können wir nur schwer ertragen. Deshalb versuchen wir fortwährend, „Einfluss zu nehmen“, indem wir mit dem Kopf gegen Betonwände rennen.
Eine Grundfrage, die man sich als Techniker immer wieder stellen muss, lautet: „Funktioniert das?“
Klarer Befund: „Köpfe gegen Betonwände, das funktioniert nicht“.
Was also hilft gegen unsere Ohnmacht? Im Prinzip nichts, das ist die bittere Wahrheit.
Aber Lachen kann sie erträglicher machen.
Und in manchen Situationen, wenn wir Glück haben, können wir sie sogar „weglachen“.
Aber zumindest hilft Lachen in Tausend Lebenslagen.
Zum Beispiel, wenn wir gerade melodramatisch düster gestimmt sind – (der Oktober weht solche Stimmungen per Herbstwind ins Haus).
Oder wenn wir mit den Beschwerden, die das Alter mit sich bringt, hadern.
Man wird schließlich nicht jünger. Umso wichtiger werden zwei Dinge: Lachen und kontrollierte Alkoholzufuhr (insbesondere in Zeiten, in denen es wenig zu lachen gibt).
Ein solider Vorrat an Anekdoten, Sprüchen, Blödeleien, Kalauern und dergleichen, die uns zum Lachen bringen, ist daher Gold wert.
Das Internet ist hierfür eine wahre Goldgrube.
Dabei gilt das Gleiche, was für das richtige Goldschürfen gilt: man findet Unmengen Geröll und nur selten ein wirkliches Goldklümpchen.
Da greift man doch besser auf altbewährte „Hardware“ zurück.
Etwa auf ein schon etwas älteres Buch von Eike Christian Hirsch mit dem Titel „Der Witzableiter“ [1].
Man findet darin ein bisschen „Witz-Theorie“; aber vor allem ist dieses Werk eine Fundgrube für Lachauslöser unterschiedlichster Art.
Nachstehend nur zwei Fundstücke:
«Warum haben Fische Schuppen?» «Na, wo sollen sie sonst ihre Fahrräder unterstellen?»
Tut das weh? Weil’s so schön war, gleich noch einen aus dieser Schublade:
Sitzen zwei auf einer Bank. Sagt der eine: «Wie schön frisch die Luft heute morgen ist!» Sagt der andere: «Kein Wunder. Sie war ja auch die ganze Nacht draußen.»
Darüber könnt Ihr nicht lachen? Kein Problem. Die Welt ist derart überfüllt mit Lachauslösern, da ist garantiert für jeden etwas dabei.
Ich gestehe, dass ich eine spezielle Vorliebe für solche Nonsens-Witze zu habe.
Ihr meint, die wären nur etwas für Menschen mit schlechtem Geschmack? Die Wissenschaft sieht das anders:
Menschen, die Nonsens mögen, lieben auch komplexe und fantastische Gemälde, komplexe Rasterbilder und Strichzeichnungen, komplexere Formen von Musik (Jazz und Klassik), sowie groteske Literatur. [2]
Damit bin ich aus dem Schneider!😉
Die Energie solchen Blödsinns ist nicht zu unterschätzen. Vor ein paar Jahren saßen wir – Angelika, ich und unsere Freunde Hans und Anne – am Neujahrsabend in einer Kneipe, als folgender Witz erzählt wurde:
Adjutant: „Herr Hauptmann, sie sitzen verkehrt ’rum auf dem Pferd.“ Hauptmann: „Sie wissen ja gar nicht, in welche Richtung ich reiten will.“
Es folgte ein kollektiver Lachanfall feinster Art. Vierzig Minuten Gelächter, bestimmt in hundert Metern Umkreis zu hören. Tränen flossen, die Leute an den Nachbartischen wurden angesteckt und die Wirtin musste für zehn Minuten das Tablett abstellen. Stunden später noch waren glucksende Geräusche zu hören.
Für diejenigen von Euch, die eher nicht auf Nonsens-Witze stehen, habe ich noch eine kurze Anekdote.
Es geht um einen Schreibwettbewerb, der im Ersten Weltkrieg von einer deutschen Soldatenzeitung ausgeschrieben wurde. Die Geschichte durfte nicht mehr als 200 Worte umfassen. Den ersten Preis bekam die folgende:
„Am Ende unseres Laufgrabens befand sich eine Latrine. Der Balken war angesägt. Das sind zwölf Worte. Die übrigen 188 sagte der Feldwebel Huber, als er sich draufgesetzt hatte.“
Euch allen einen schönen Sonntag.
Herzliche Grüße
Kurt20
[1] HIRSCH, Eike-Christian: Der Witzableiter oder Schule des Lachens. Überarb. Neuaufl. München: [Verlag], 2001.
[2] Humor in Psychiatrie und Psychotherapie: Neurobiologie – Methoden – Praxis. Stuttgart: Schattauer, 2018.
[3] NUSTER, Josef: Humor – Gottesgabe und Kind der Lebensfreude. Anregungen auf dem Weg zu einer christlichen Kardinaltugend des Humors. Dissertation. Wien: Universität Wien, 2010.
Kommentare (2)
Lieber Kurt,
ich oute mich dann mal als absolute Slapstick-Liebhaberin, ich liebe diese Situationskomik vor allem wenn sie im Alltag auftritt.
Wenn z.B. eine Kundin ein Paket im Supermarkt aus dem Regal holt und dadurch ungeahnte Energien freisetzt. Nämlich durch den Versuch noch einige Pakete mit den Händen aufzufangen was aber einen anderen Effekt hat. Die Pakete werden nicht aufgefangen sondern quer durch den Supermarkt Gang geboxt. So, oder so ähnlich habe ich es in verschiedenen Varianten selbst erlebt. Herrlich, wenn man dann zusammen über solch ein Missgeschick herzhaft lachen kann.
Auch der berühmte schwarze Humor a la Monty Python....😂
Für mich wird ein Witz aber nicht nur allein durch das Erzählen lustig, sondern auch durch die Körpersprache des Erzählers. Oft gelingt es mir meine Enkelinnen nur mit dem Hochziehen einer Augenbraue zum Lachen zu bringen. Ein Witz der flach erzählt wird, bleibt ein Flachwitz.
LG Gisela🙋♀️
(die sich schon auf Teil 2 freut)
Kurt20
19. Oktober 2025
Guten Morgen Gisela,
ich nehme an, bei Euch ist jetzt früher Morgen, hier in London ist es gerade 11:30. (Kann mir das nie richtig merken, habe auch immer Probleme bei der Umstellen Sommer-Winter-Zeit. „Habe ich jetzt eine Stunde gewonnen oder wird sie mir abgeknapst?“)
Vielen Dank für Deinen schönen Kommentar.
Slapstick, Situationskomik, … alles, was mich zum Lachen bringt, ist willkommen. Von völligem Nonsens bis zu den Sachen an der Grenze zur Geschmacklosigkeit, solange es nicht wirklich jemanden beleidigt und verletzt.
Die Betonung liegt auf „wirklich“. Manche, inzwischen viele, reagieren heutzutage überaus mimosenhaft, verstehen keinen Spaß, fühlen sich sofort beleidigt. Darauf nehme ich nur selten Rücksicht. Natürlich provoziere ich niemals absichtlich, was brächte es?
Irgendwo habe ich gelesen „Auf dem Boden des Humors wachsen tausend Heilkräuter für Geist und Seele.“ Her damit.
„Warum lachen Deutsche dreimal, wenn sie einen Witz hören? Einmal, wenn man ihn erzählt, das zweite Mal, wenn man ihn erklärt, das dritte Mal, wenn sie ihn verstehen.“
Daran sollten wir arbeiten. 😉
Einen schönen Sonntag. Wenn ich „richtigherum“ gerechnet habe, liegt der noch vor Dir.
Herzliche Grüße
Kurt