Kommen Sie auf den Punkt ⚫️


Als ich mal wieder meine Dokus im Laptop sichtete und neu ordnete stolperte ich über einen Text, den ich vor Jahren nach einem Telefonat spontan verfasst habe ...

KOMMEN SIE AUF DEN PUNKT   ⚫️
 
Kennen Sie auch diesen Satz ?
 
Sie sprechen mit jemandem, wollen ein Anliegen erklären, möchten den anderen umfassend informieren, damit er oder sie versteht, was Sie wollen – um was es Ihnen geht. Nicht immer sind ausführliche Erklärungen wichtig, aber manchmal hängt davon ab, ob Sie mit Ihrem Anliegen verstanden werden, und Sie bekommen, was Sie wollen – also gibt man sich Mühe.
Ihr Gegenüber trommelt genervt mit den Fingern auf dem Schreibtisch, schaut im Raum herum, die Mimik zeigt wachsende Ungeduld – oder am Ende des Hörers hören Sie genervtes Stöhnen. Nun fühlen auch Sie sich zusehends unwohl und dann erfolgt die rüde Unterbrechung Ihres Bemühens: Kommen Sie auf den Punkt
⚫️.  
Wahrscheinlich kennen manche von uns solche Situationen.
 
Ich erlebte heute (damals) ein kleines Kontrastprogramm, als ich in einem Krankenhaus anrief und etwas recherchieren musste. Schon allein die Stimme der Dame an der Zentrale „klar und zackig“ forderte von mir höchste Konzentrationsstufe – innere Anspannung – kein Wort zu viel – keine kostbare Zeit verschwenden. Ich fühlte mich auf einen Punkt komprimiert.
Aber so einfach lag der Fall nicht, die Situation, um die es ging, war etwas komplexer, also musste ich mich wieder einmal zurechtstutzen lassen.
Ich wurde weiter verbunden und konnte es kaum glauben. Da meldete sich eine junge, entspannte, angenehme Stimme, die auch noch langsam sprach und einem das Gefühl gab, als ob sich ein weiter Raum öffnete.
Ich begann tief durchzuatmen und sagte zu dem jungen Mann: Das ist ja wunderbar, dass ich mal wieder einen "richtigen Menschen" am Apparat habe und keinen "sog. Sprachcomputer" und ich mich nicht auf einen Sprachoptimierungsprozess reduziert fühlen muss. Er lachte und freute sich - und ich mich auch. Wohltuend war das kurze Gespräch und ich konnte mal wieder – wenn auch nur kurz  - ein Gefühl davon erhaschen, wie schön doch menschliche Kommunikation sein könnte, wenn wir wieder mehr auf unser Gegenüber schauen und hören würden, und nicht nur auf unsere Uhren.
 
ClaraMaria



 
 

Kommentare (6)

werderanerin

Leider ist es ja heute so, dass die nervige Stimme "im "Telefon so garnicht auf eine Nachfrage des Anrufers eingeht..., sie verweist auf etliche Wahlmöglichkeiten, die man mit Taste 1, 2, 3 oder oder oder wählen kann, wenn.., ja wenn man sich dann auch gemerkt hat, was man denn eigentlich wollte...🤣

Heute ist das telefonieren ja schon ganz anderes, man kann länger quatschen, sich auch verquatschen, oft versucht man Probleme lieber am Telefon zu lösen, als es dem Gegenüber zu sagen. Vorausgesetzt man hat einen guten Tarif !

Aber - telefonieren ist nicht mehr das Kommunikationsmittel Nr. 1..., andere Möglichkeiten, wie WhatsApp haben da die Nase klar vorn.

Ja, man sollte sich irgendwie "anpassen" oder es ist eben so, wie es ist.

Kristine

ClaraMaria

Liebe Linzette,
Du hast ja einiges in Deinem Leben durchgemacht ...
Ich habe es in Deinem Beitrag gelesen.
Wie schnell Menschen doch bewerten, und wie wenig Geduld aufgebracht wird ...
Das tut mir sehr leid, wie Menschen Dich behandelt haben und es Dir noch schwerer gemacht haben, als es ohnehin schon war. Ich kann Dir nur wünschen, dass es doch wenigstens einige in Deinem Umfeld gibt, die Dich unterstützen und mit Respekt und Würde behandeln. 

Liebe Grüsse,
ClaraMaria
 

Linzette

@ClaraMaria , inzwischen  bin ich die alte Omma, die jeden Tag aus dem Fenster guckt und die jungen Leute unten auf der Straße beobachtet. Von meinem Fenster aus habe ich die große Straßenkarte und die Ladestation im Blick, wo halb Linz ihre Handys kostenlos auflädt; spät abends, wenn es keiner sieht. (Oder glauben, dass es keiner sieht, LOL) 

Beim Beobachten der Leute an der Stadtkarte merke ich, wie viele diese nicht mehr lesen können, weil sie es nie gelernt haben. 

Manchmal reiße ich das Fenster auf und frage, wo die Leute hinwollen. Wir sind eine 6 000-Seelen-Gemeinde; da kennt jeder Jeden. Manchmal habe ich den Eindruck, die Leute hätten Angst vor mir, weil ich sage, was ich denke. Ich behandle die Menschen so, wie sie mich behandeln. Sind sie freundlich, bin ich es auch. Ich kann aber auch ein Biest sein. Diejenigen, die mich gut kennen, wissen das aus Erfahrung. 

Linzette

Meine Generation wurde aus Kostengründen dazu angehalten, sich am Telefon kurz und bündig auszudrücken. Das habe ich auch mein Leben lang so gehalten, obwohl ich seit einiger Zeit nicht mehr telefoniere. Auf Grund von Hör-und Sprechproblemen vermuten meine Gesprächspartner, dass ich einen Dachschaden haben müsste und legen kurzerhand auf. 

Schriftliche Darlegungen haben aber einen Vorteil; geschriebene Worte können einem nicht im Mund verdreht werden.

Endlich schreibt mal einer in Prosa! Das habe ich hier vermisst.

Liebe Grüße:
Christine

Christine62laechel


Liebe ClaraMaria, gut beobachtet und interessant beschrieben. Solchen Menschen ist man nicht selten begegnet, leider auch in der Familie. Und wenn man schon als Kind immer wieder das Gefühl haben musste, dass man stört, egal wie wichtig gewesen sein konnte, was man mitzuteilen hatte, wird man in solchen Situationen besonders empfindlich.
Um aber nicht ganz ernst zu werden: wäre es möglich gewesen, dass diese andere, nette Person - ein KI-Roboter war...?

Mit Grüßen
Christine

ClaraMaria

@Christine62laechel  

Liebe Christine,

die Dame war kein Sprachcomputer, die gab es zu dieser Zeit auch noch eher selten. 
Die Situation in Deiner Kindheit, die Du beschreibst, kennen wohl viele Kinder, besonders unserer Generation, in der Kinder weniger ernst genommen wurden, die Erziehung eine ganz andere war. Aber diese Erfahrungen  hinterlassen Spuren ...

Akustisches Hören und wirklich zuhören stimmen leider oft im Kontakt mit anderen Menschen, ob nahe oder ferner stehend, nicht überein, die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig. Zum Zuhören gehört ja auch mehr, Interesse am anderen, Respekt, Offenheit, Verstehen wollen, und noch vieles mehr ...
Kommunikation ist ein wirklich interessantes und vielfältiges Gebiet und auch ein lebenslanges Lernfeld. 

Herzliche Grüssli, 
ClaraMaria 
 

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