Jugendliche zum Mögen
Es gibt zum Glück noch solche. Vor einigen Tagen ging ich zum Beispiel eine Gasse entlang, und da kamen von Gegenüber zwei Radfahrer, so 13 – 14 Jahre alt. Sie waren ruhig gefahren, nicht sehr schnell – wahrscheinlich, weil den Bürgersteig entlang. Ich machte ihnen Platz, denn als ich früher noch Rad fuhr, tat ich genauso, aus Sicherheitsgründen – es gibt hier wenig Fahrradwege. Sie lächelten mich an, und sagten der Reihe nach, so wie sie vorbeigefahren waren: Hallo, einen schönen Spaziergang!
Ich war überrascht, denn das war zwar ein wenig scherzhaft, doch absolut freundlich. Ich selbst habe so gut wie nie Probleme mit Kindern oder Jugendlichen, weiß aber, wie unangenehm sie sein können, wenn es ihnen gerade danach ist. Das war also ein ganz schönes Ereignis, das meine Stimmung an dem Tag sehr gut gemacht hatte.
Ein anderes Mal ging ich nach einem Spaziergang eigentlich schon nach Hause, da habe ich mir noch gedacht: wie komme ich von hier zur Bibliothek? - denn ich bin in der Stadt immer noch neu. Die Straße war menschenleer, niemand da, wen ich fragen könnte. Da kamen plötzlich zwei Mädchen aus einem Wohnblock raus; ich habe sie gefragt, ob sich die Bibliothek da geradeaus befinden würde. Eines von den etwa 11 – 12 Jahre alten Mädchen hat nachgedacht, und in ihrem Smartphone nachgeschaut.
Bald wusste sie genau, wie ich hin gehen sollte, und hat es mit kurz erklärt. Ich habe mich bedankt, und ging weiter. Nach einer Weile waren die sympathischen Mädchen hinterher, und haben vorgeschlagen, dass sie mich zur Bibliothek gern begleiten könnten. Das war sehr nett von ihnen (sehe ich wirklich so ratlos aus…?), und früher wäre das ja üblich gewesen. Heutzutage würde es aber wohl heißen, dazu bräuchte man eine Genehmigung von ihren Eltern.
Ich habe mich also ganz herzlich bedankt, und ging nach Hause. Mal wieder habe ich mir aber gedacht: wie gut, dass es so liebe junge Leute doch noch gibt. Man kann mit ihnen im gleichen Ton reden, trotz des ja so großen Altersunterschiedes.
(Titelbild aus dem Internet)
Kommentare (16)
@ladybird
Liebe Renate, wie schön ist doch auch Dein Erlebnis. 👍😊 Man liest darüber mit echtem Vergnügen. Wovon kann es etwa zeugen? Ich glaube, erstens davon, dass Du dem jungen Mann sympathisch vorgekommen warst - kein Wunder, das bist eben Du ganz. 🐞😊
Und zweitens davon, dass seine Oma einen Schlüssel zu seiner jungendlichen Seele finden konnte. Ob sie optimal streng war, oder optimal liebevoll - auf jeden Fall optimal aufmerksam, damit er sich wichtig in ihren Augen fühlen konnte, und damit sie ihm bedeutend sein konnte. Und so hat er "unterschwellig" gelernt: sei hilfsbereit, das ist gut... Ich freue mich mal wieder, dass es mehr nette Jugendliche gibt, als man es vermuten könnte.
Mit herzlichen Grüßen
Christine
Liebe Christine,
ich glaube so oder ähnlich haben viele diese Erfahrungen gemacht.
Wenn die Erinnerung eine schöne war, wird sie auch nie verloren gehen.
Liebe Grüße für dich ❤️ lichst Marlen
@Marlen13
Ja, liebe Marlen, denn es gibt sehr viele ganz nette junge Menschen. Sie sind anders, als wir es in ihrem Alter waren; und diese Unterschiede sind so groß, wie nie vorher in der Geschichte, glaube ich. Trotzdem finde ich eine Kommunikation möglich, und für alle daran beteiligten Generationen günstig. 😊
Mit herzlichen Grüßen
Christine
Liebe Christine,
bestimmt waren die beiden Mädchen sehr stolz darauf, dass sie dir helfen konnten.
Das war doch ein schönes Erlebnis.😊
Viele Grüße
Rosi65
@Rosi65
Ja, liebe Rosi, das war ein schönes Erlebnis für die Mädchen, weil sie sich stolz fühlen konnten, und auch für mich. Denn es war so nett zu spüren, dass sie mich kein langweiliges Zeug fanden, sondern eine Person, mit der sie sich wahrscheinlich gern unterwegs unterhalten würden. Man kann sich so schön einander brauchen. 😊
Mit herzlichen Grüßen
Christine
Liebe Christine,
du hast hier mal eine Lanze für die Jugend gebrochen und das finde ich super.
Ich persönich habe meist gute Erfahrungen mit Jugendlichen gemacht. Es kommt eben auch darauf an, wie man ihnen begegnet.
Natürlich gibt es auch Rüpel - aber genauso findet man böse alte Menschen. Diesen Menschen geht man am besten aus dem Weg.
Liebe Grüße
Ingrid
@Winterbraut
Liebe Ingrid, böse Menschen sind oft ehemalige Kinder und Jugendliche, die von ihrer Umgebung nicht richtig gestaltet wurden – obwohl sie das besonders gebraucht hatten. Natürlich wirkt das nicht immer so einfach.
Wir Erwachsene suchen oft Ratschläge, Weisheiten, Hinweise – in Büchern, auch Kochbüchern, Filmen, Zeitschriften, im Internet. Das tun junge Leute auch. Ihr erstes und wichtigstes „Kochbuch“ des Lebens sollten aber ihre erwachsenen Mitmenschen sein, die ihnen sagen könnten: das geht so, das geht gar nicht, das kannst du ganz vorsichtig versuchen, das darf man nicht! Schlimm aber, wenn so ein "Buch" einer jungen Person sagt: mach‘ was du willst, und wie du willst. Das ist das Schlimmste, was man dem Kind oder einem Jugendlichen "raten" kann. Denn es bedeutet entweder Gleichgültigkeit, oder Mangel an Kompetenzen, oder beides zusammen...
Mit herzlichen Grüßen
Christine
Wie schön du das berichtet hast, liebe Christine. Ich bin ja eine unerschütterliche Unterstützerin der jungen Menschen, habe ich ja selbst 7 Enkel. Ich finde es auch traurig, dass oft nur negativ über unsere Jugend geredet und berichtet wird...warum aber ist das so?
Ich habe durchweg nur positive Erfahrungen, habe auch zum Glück nie mit Messerstechern o.ä. zu tun gehabt. Eines jedoch weiß ich..., auch junge Menschen möchten höflich, freundlich angesprochen , behandelt werden, dann werden sie immer auch helfen, einen nicht stehen lassen. Manchmal erschrecke ich mich .., wenn mich manche grüßen und finde es ganz toll.
Ich mag sie...die jungen Menschen, (!), wie oft sagt man...das ist unsere Zukunft.
Genau, sie lernen doch von uns Erwachsenen und wenn sie mürrische Alte sehen und hören...wen wunderst, wenn sie auf "die" Alten manchmal nicht gut zu sprechen sind.
Kristine
@werderanerin
Liebe Kristine, sieben Enkelkinder finde ich echt beneideswert, zumal ich keine habe, und glaube kaum, dass ich je eines haben werde. Wer hat aber schon alles... Ich würde nie denken als selber noch jung, dass ich junge Leute so gern haben werde, und dass sie auch mich so mögen werden. Ich war viele Jahre als Pädagogin tätig, und mein Job war zugleich mein Hobby. Ich hasste die langen Sommerferien hier.
Ja, ich bin auch der Meinung (das ist keine eigene Entdeckung von mir), dass die Kinder nicht das am besten lernen, worüber man ihnen erzählt, sondern vor allem: sie sehen die Taten der Erwachsenen. Und die sehen sie sehr genau, und mit jeglichen Hintergründen.
Wir erleben das größte pädagogische Experiment aller Zeiten, wo es unter anderen heißt: vor allem Freiheit. Und ein Kind mit zu viel Freiheit fühlt sich wie auf einer hohen Treppe ohne Geländer. Ich möchte gerne noch am Leben sein, wenn man sich daran wieder erinnert. :)
Mit herzlichen Grüßen
Christine
@Christine62laechel
" Und ein Kind mit zu viel Freiheit fühlt sich wie auf einer hohen Treppe ohne Geländer."
dieser Satz, eine Lebenserkenntnis geht ins Mark, so ist es wirklich!!!
Servus
@JuergenS
Es freut mich, dass du auch der Meinung bist, Jürgen. Ja, ohne ein echtes, vernünftiges Engagement von ihren Eltern, Betreuern, Lehrern, werden Kinder und Jugendliche ängstlich und/oder aggressiv.
Interessant geschrieben , der letzte Abschnitt, liebe Christine.
Freiheit ist und bleibt wohl das höchste Gut, wer das mal miterlebt hat, wie Einschränkungen sein können (DDR), weiß Freiheit zu schätzen.
Kann es aber eigentlich "zu viel Freiheit" geben...da habe ich dann doch meine Zweifel, denke aber, dass es wichtig ist, genau diese zu schätzen. Wer sie aber immer hatte, weiß ja garnicht, wie es ohne Freiheit ist...
Das gebe ich zu bedenken
Kristine
@werderanerin
Liebe Kristine, absolut richtig, ich habe ja auch im sozialistischen Polen gelebt. Ich meine hier aber keine solchen Einschränkungen, wie zum Beispiel der obligatorische Anteil an dem Umzug am ersten Mai, oder dass man Volksmusik mögen sollte, und Jazz hassen. Ich meine so etwas, wie: Beim Sturm darf man im Meer nicht baden. Man muss einen Führerschein haben, um allein ein Auto zu fahren. Mann soll keinen Lärm machen, wenn es aus einem Grund nicht nötig ist. Ich meine Einschränkungen also, die etwas Gutes bedeuten können, vor etwas schützen, ja einfach vernünftig. Ich glaube, du wirst das genauso sehen, liebe Kristine.
Ähnliche Erfahrungen hab ich auch schon gemacht, die besten sogar, wenn man junge Menschen anspricht, die eher "ausländisch" aussehen, denn sie sind meist sozialer eingestellt, familiär sozusagen, auch Fremden gegenüber. HInzukommt mein Altersbonus, der meist so aussieht, dass die jungen Leute rücksichtsvoller sind und nachsichtig, sogar hilfsbereit.
Es gibt natürlich Ausnahmen, zum Beispiel, wenn sie mit Escootern unterwegs sind, sie wollen sich oft nicht umsichtig verhalten, weil sie schnell unterwegs sind, so um die 25 bis -gefühlt- 35 km pro Stunde.
Servus, schönes Wochenende.
@JuergenS
Ich bin auch der Meinung - ich hoffe dich richtig verstanden zu haben - dass die traditionelle Erziehung doch besser war, als nichts. Wobei man natürlich kein Dressieren hier meint, sondern respektvolles Gestalten.
Ich lebte auch in Deutschland die drei Jahre lang: nie ein Problem mit jungen Leuten gehabt. Ich kann mich an Manfreds Enkelkinder erinnern, wie nett sie zu mir waren. Vor allem der Junge, damals auch so 11-13 Jahre alt.
Escooter gab es in Kaiserslautern viele; hier nur ganz wenige, und möge es auch dabei bleiben. 😊
Ein schönes Wochenende dir auch.
Liebe ChristineLaechel,
Dein Artikel ist SEHR ZU MÖGEN, klasse, dass Du dieses Verhalten, der Jugendlichen, durchs Teilen mit uns , verbreitest. Das Gegenteil erlebt man leider öfter.
Dazu fällt mir ein positives eigenes Erlebnis ein, darüber ich immer noch schmunzeln muss:
Ein Jugendlicher half mir beim Aldi an der Kasse mit dem Auspacken der Ware auf dem Laufband....als ich mich bedankte und ihm einen kleinen"Obulus" gerne geben wollte, meinte er: NEIN, bitte nicht, ich dachte gerade an meine OMA !!!!!lach,lach...
mit lieben Gruß vom Rhein
🐞-Renate...