Jetzt weiß ich...
Jetzt weiß ich das, was früh´ nicht wusste:
Warum die Alten - klaglos, still -
durchqueren die Gefühle-Wüste
ganz wortlos, und: kein Muss, kein Will!

Jetzt weiß ich auch, warum Senioren,
in ihrer Einsamkeit verhüllt,
nicht mehr geschätzt sind als Mentoren
und wirken gar als abgekühlt.

Jetzt weiß ich wohl, warum Betagte,
den Blick ins Leere stets fixiert,
oft fühlen sich als Nicht-Gefragte:
"man habe schon genug doziert!"



@ Copyright: Aurora borealis / 30.11.2025
Bild: Pixabay for free

Kommentare (13)

werderanerin

Ich kann mich schon den ersten Zeilen so nicht anschließen. Es ist in der heutigen Zeit doch oft ganz anders, die "Alten" haben eine Stimme, egal wo und wie und nutzen diese auch.

Schon hier im ST kann man dabei sein, schreiben, sich äußern und somit teilnehmen, lesen, zuhören oder eben auch nicht.

Mir sind die Zeilen viel zu pessimistisch, sie widerspiegeln für mich nicht die Tatsachen der meisten, oft sehr rüstigen älteren Menschen.

Eine Stimme kann immer auch erhört werden, man muss sich aber auch äußern, teilnehmen am Leben und dann ist man auch "im Alter" immer noch dabei.

Es liegt oft eben an den Menschen selbst..., nicht immer, aber sehr oft.

Kristine

Aurora borealis

@werderanerin  

Hallo, werderanerin/ Kristine!

Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren. Das weiß ich zu schätzen.

Es ist sehr oft so, dann man - bei dem Versuch einen Beitrag zu verstehen - die Analyse unbewusst simplifiziert oder den Beitrag gar in eine bestimmte "Schublade" deponiert.

Mein Gedicht war gar nicht politisch oder gesellschaftlich gemeint, es war auch keine Art von "Klage der Alten" an die Adresse der Jüngeren, sondern eher eine Beobachtung im persönlichen Bereich des Einzelnen.
Und ich "sehe" genug...

Ein Beispiel:
Unter mir wohnt eine liebe 94-jährige Frau, die einen einzigen Sohn hat.
Aus mir unbekannten Gründen, kommt er nie zu ihr. Sie beschwert sich nie. Sie hat mir kurz lediglich vor ca.18Jahren den Grund zu verstehen gegeben.
Übrigens: Es geht um eine einfache Frau, ohne Computer(-Kenntnisse) und ohne Freunde, weil sie alle tot sind.

Das gibt mir zu denken.

Nochmal danke!
Aurora borealis

U. Petri

Nachtrag: ich glaube fast, die vornehme Zurückhaltung und Abgeklärtheit der edlen Dame auf dem Foto ist nicht mehr "zeitgemäß". . .😉

Aurora borealis

@U. Petri  

Hallo, U.Petri!

Einen verspäteten Gruß von der Autorin, weil ich bis vor zwei Tagen vereist, bzw. krank war.

Danke fürs Lesen und Kommentieren.

Ich gebe zu, dass mein Gedicht (gewollt) trist und pessimistisch klingt. Das war eine Nachdenkzeit für mich, ein "Hineinschauen" - links und rechts.
Es gibt viele interessante Dinge in Menschen zu beobachten, die den meisten unsichtbar bleiben - Hilfsmöglichkeiten oder "Alter-Rechte" hin oder her.
Jeder Mensch ist anders.

Es geht auch nicht gerade um erfreuliche Situationen, die viele Alten erleben.
Das behaupte ich auch, weil ich eine allgemeine Veränderung bemerke.


N.B. Ich bin grundsätzlich kein Pessimist und alle meine Beiträge in ST sind ausgesprochen satirisch-humoristisch.
Humor mit Kern, meine ich...

Ich gehöre aber nicht zu denen, die immer nur lachen (können).

Nochmal Gruß und danke!
Aurora borealis

U. Petri

Liebe Aurora borealis, 
auch ich kann mich der Argumentation von Kurt anschließen -
das hat er wieder ausführlich und treffend beschrieben.

Ich denke, zu Deinen etwas tristen Erkenntnissen ( gut formuliert!)
gehört einfach noch eine Strophe dazu 😉
All dies, was Kurt ausführt - in kurzen Worten :
eine Strophe mit etwas von der heiteren Gelassenheit,
die das Alter hoffentlich auch bereit hält.

Mit einem heitern Schulterzucken grüßt Dich herzlich
Ursula
 

protes

Dein " jetzt weiß ich " habe ich gelesen liebe Aurora borealis
und bevor ich antworten wollte auch das, was Kurt geschrieben hat.

Er hat alles dazu gesagt, was mir auch eingefallen ist
und so gut hätte .ich es vermutlich nicht gekonnt.
deshalb möchte ich mich dem anschließen und hoffe
Kurt hat nichts dagegen.

trotzdem hat mir gefallen was du geschrieben hast und wie
fröhliche grüße
hade

Aurora borealis

@protes  
Guten Abend, Hade!

Ich freue mich sehr, wenn ein User ein bisschen Zeit mit meinen Beiträgen verbringt. Ich danke dir dafür.

Man kann eine Sache so oder ganz anders sehen und jede Meinung hat ihre Berechtigung. 

Ich liebe alte Menschen, auch wenn manche von ihnen furchtbar nerven können. Mann-oh-Mann!

Ich bin selbst alt (auch wenn ich es nicht glauben will!),

Gruß
Aurora borealis

Kurt20

30. November 2025 (1. Advent)

Liebe Aurora borealis,

wenn ich Dich richtig verstanden habe – vielleicht irre ich mich auch –, beschreibst Du einen Tatbestand, dessen wesentlicher Gedanke lautet: Die Alten werden nicht mehr geschätzt als Mentoren, oft fühlen sie sich als „Nicht-Befragte“. Natürlich formulierst Du das viel poetischer, als ich es könnte.

Was Du beschreibst, lässt sich tatsächlich beobachten – nicht nur heute. Schon in früheren Generationen wurde darüber geklagt.

Ich erlaube mir ein paar Einwände (das darf ich, weil ich ebenfalls zu den Alten gehöre 😉).

Erster Einwand: Haben wir – Hand aufs Herz – als wir jung waren wirklich auf die Alten gehört? Warum sollten es dann die Jungen von heute tun?

Zweiter Einwand: Längst nicht alles, was wir Älteren zu sagen haben, ist es wert, gehört zu werden. Goethe hat das treffend formuliert: „Das Alter hört sich gern, auch wenn es nicht viel zu sagen hat.“

Gute, wertvolle Ratschläge sind nicht zwangsläufig die Früchte eines langen Lebens. Ganz und gar nicht. Hier hat der Volksmund recht: „Alter schützt vor Torheit nicht.“

Viele meiner Altersgenossen sind geübt im Kritisieren und Beschweren. Konstruktiver, fundierter Rat ist eher selten.

Dritter Einwand: Ungefragter Rat und Geschwätzigkeit treten oft Hand in Hand auf – man höre sich nur einmal an manchen Seniorenstammtischen um.

Der Philosoph Wilhelm Schmid sagt: „Beim Älterwerden wächst das Bedürfnis nach Erzählen – gleichzeitig schwindet die Bereitschaft zuzuhören. Das ist so ein krasses Missverhältnis, dass dies in persönlichen Beziehungen, aber auch gesellschaftlich für Probleme sorgt.“

Und überhaupt: Warum sollten wir die Welt mit Ratschlägen beglücken wollen (und das noch ganz ohne angemessenes Honorar? 😉). Es gibt doch weitaus schönere Beschäftigungen!

Eine frohe Adventszeit und herzliche Grüße
Kurt
 

Aurora borealis

@Kurt20

Moin, Kurt!

Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren.  

Auch wenn mein Gedicht pessimistisch* klingt, ist man als User von ST dagegen gestolpert und es gelesen. Das schätze ich.

* Für gewöhnlich bin ich in ST für Humor "zuständig".
Ich mag aber ebenso Ausnahmen...

Übrigens: Es sollte pessimistisch klingen, aber nicht unbedingt als "Klage" gegen die ach so tolle und altenfreundliche Gesellschaft verstanden werden.
Mein Gedicht war auch nicht politisch gedacht. Ich fühle eher mit dem Einzelnen.

Aber bitte schön:

Zu deinen Einwänden:

1 - Deine erste Einwand ist gesellschaftlich gemeint. Es kann auch so sein...
 
Also: Ja, auch wir waren als Jungen oft möchte-gern selbstbewusst und gar rebellisch - aber nicht in diesem Ausmaß wie heute!
Die meisten wussten schon, wann sie sich schämen sollen und wann sie mit dem Blödsinn aufhören mussten.

Männer z.B.. wagten sooo lange Haare zu tragen, solche verrückte Tänze zu veranstalten, ihre Lehrer aber, die Schule allgemein, die behandelnden Ärzte, die Staatsbehörden oder die Sanitäter, die einem zur Hilfe eilten, immer respektiert, wie es sich gehört!
Heute erleben wir leider das Gegenteil. Leider kein Einzelfall.

Zumindest hatten wir Respekt gegenüber den Älteren, ob sie uns bekannt waren oder nicht.
Heute sitzt im Bus ein "erschöpfter" Schüler und schaut extrem interessiert auf seinem Smartphone, anstatt den Sitzplatz einem Alten oder einer schwangeren Frau anzubieten.
Tägliche Beobachtung. Für mich ein NO GO!
Findest du mich hierzu zu streng?

2 - Zu deiner zweiten Einwand:

Ja, es stimmt, dass manche Alten nicht gerade als Nachwuchs von Immanuel Kant gelten können. Oder, dass ihre Haltung allgemein/ immer freundlich sei.
Ich bin KEIN Absolutist, und behaupte das nicht, Kurt.

Ich habe z.B. so ein Exemplar in meiner Aqua-Gruppe, die gegen alles etwas zu meckern hat (warum schwimmt die Eine so und nicht wie "es normal ist", warum lacht eine andere die ganze Zeit, und die Musik sei auch zu laut, etc.)
Diese Fälle meinte ich nicht, weil mein Gedicht eher den persönlichen, privaten, intimen Bereich des Einzelnen, "unsichtbaren" betrifft.

3 - Auch deine dritte Einwand ist nicht Teil meines Gedichtes, Kurt.


Außerdem:
Die Frage "warum sollen wir die Welt mit unseren Ratschlägen beglücken wollen" ist keine rhetorische, denke ich.

Mein schlauer Vater redete mit uns Kindern stets in Parabeln, anstatt uns Ratschläge zu geben. Eine davon war:
"Sei freundlich zu jedem und bleib bescheiden, denn: Sogar von einem dummen Menschen lernst du was".

Ich habe lange Zeit diese Parabel nicht verstanden.
Dann aber wurde ich 70, und dann immer älter und immer (sagen wir..) "erfahrener".

Herzlichen Dank nochmal Kurt!

Aurora borealis


 

Mentis

@Kurt20  

Erlauben sie mir ihnen von Herzen kommend zuzustimmen.

Es gibt dennoch in jeder Zeit stille (lesende) Zuhörer, die persönlich sehr erkenntnisreich sein können.
Da es viele Menschen gab und gibt (unabhängig ihrer Jahresringe) die ungefragt „Tipps“ geben und dabei vergessen wie arrogant, missionarisch, manipulativ sie sich verhalten - sich Selbst vielleicht gar nicht bewusst ?😊

Stille Grüße und auch ein Dankeschön für ihre "Betrachtungen" sie sind für mich durchaus bereichernd
Mentis

 

Kurt20

@Mentis  

03. Dezember 2025

Vielen Dank Mentis,

schöner Stoff zu Nachdenken.

Ungefragte Ratschläge? Grässlich.

Dagegen Kommentare, seine Sicht der Dinge kundtun: oft interessant und manchmal auch lehrreich.

Ich glaube, so sehen Sie das auch, wenn ich Sie richtig verstanden habe.

Eine schöne Adventszeit und herzliche Grüße
Kurt
 

indeed

Gewiss gibt es solche Situationen die sprachlos machen, weil sie die Erfahrung gemacht haben ihr Worte und Erfahrungen fruchten nicht.

Im Großen und Ganzen empfinde ich deine Beobachtung sehr bedrückend. Natürlich gibt es sie, aber es gab schon immer Menschen der schwächeren Art und die Gründe sind oft vielschichtig und vielseitig.

Es gibt durchaus auch Menschen, die anders reagieren, eine positive Lebenseinstellung haben und durchaus auch sehr wertvoll sind für  jüngere Generationen.

Es liegt hier, wie so oft, vieles im Auge des Betrachters. Auch in der eigenen Erwartungshaltung.

Ich wünsche allen eine Zeit der inneren Einkehr und dass sie daraus Kraft schöpfen können.

Liebe Adventsgrüße von
indeed

 

Aurora borealis

@indeed  

Gut bemerkt, Indeed.

Es liegt alles im Auge des Betrachters..

Vielen Dank für deinen Beitrag.

Ein schönes Weihnachtsfest euch allen!

Aurora borealis

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