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In London 1973 (Fortsetzung, Teil 3)
Nun hatte ich also drei Teilzeit-Jobs, arbeitete insgesamt 10 Stunden am Tag, aber das Geld reichte trotzdem nur für Unterkunft und Essen. Dass diese Rechnung auf Dauer nicht aufging, war mir völlig klar. Aber erstmal musste ich lernen, in London zurecht zu kommen. Speziell beim Regal-Auffüllen bei Sainsburys merkte ich, wie viel ich noch zu Lernen hatte. Die Kunden fragten mich: "Wo befindet sich der Cole Slaw, die Sausage Rolls, die Water Creams, das Lard?" Ich hatte keine Ahnung, was das alles sein könnte. Es gab Tausende Produkte, die ich nicht kannte. Wenn der Kunde mich also etwas fragte, sagte ich, dass wir das Produkt finden würden und nahm ihn mit durch die Gänge. Wenn der Kunde das Produkt zuerst entdeckte, war er mir dankbar für die Unterstützung bei der Suche und wenn ich es zuerst entdeckt hatte, war er auch dankbar. Ich konnte nicht verlieren und lernte jedes Mal dazu. Dieses Verhalten rettete mir wenig später den Hintern.
Beim Abendessen, das ich immer im selben Schnell-Restaurant einnahm, meistens waren es Pommes, Rührei und Salat, hatte ich ein Auge auf den gutaussehenden, asiatischen Manager des Restaurants geworfen und ich freute mich, als er auf meine Flirterei einging. Man hätte das Ganze als Kundenbindungs-Aktion des Managers abtun können, aber ich glaubte, da war mehr Interesse.
Eines Tages kam es, wie es kommen musste; Die 10 Stunden körperlich anstrengende Arbeit war zuviel für mich; ich kippte eines Tages auf der Straße um und fand mich im Krankenhaus wieder. Nachdem ich aus meiner Ohnmacht aufgewacht war, nahmen mich die Ärzte ins Verhör. Wer war ich? Wo kam ich her? Wo waren meine Angehörigen. Ich signalisierte den Ärzten, kein Wort Englisch zu verstehen und gratulierte mir selbst, die Ärzteschaft ausgetrickst zu haben. Doch bei der nächsten Visite hatten sie einen Arzt dabei, der fließend Deutsch sprach und der wollte die Telefonnummer meiner Eltern wissen, damit sie nach England kommen und mich abholen sollten. So ein Pech aber auch! Bis zu meiner Volljährigkeit, die damals erst mit 21 Jahren erfolgte, waren es noch ein paar Monate hin. Das Verhältnis zu meinen Eltern war angespannt. Ich wollte nicht, dass sie von meiner Lage wussten, also gab ich dem Arzt eine falsche Telefonnummer und verschwand bei der nächsten günstigen Gelegenheit aus dem Krankenhaus.
Schnurstracks eilte ich zum Schnell-Restaurant, wo ich immer mein Abendessen einnahm. Der Manager hatte mich schon vermisst, weil ich die letzten zwei Tage nicht gekommen war. Ich erzählte ihm von meinem Aufenthalt im Krankenhaus und meiner Lebenslage. Er nahm die ganze Geschichte auf und meinte schließlich: "Du brauchst einen Live-in-Job." - Einen Job mit angeschlossener Wohnmöglichkeit. Er erzählte mir, dass kein Mensch mit einem normalen Einkommen eine Wohnung in London bezahlen könnte. Er selbst wäre von seiner reichen Verwandtschaft abhängig, die ein Haus in Clapham Junktion besäßen und ihm ein Zimmer zur Verfügung stellten für die Zeit seiner Ausbildung als Ingenieur. Mit dem Geld als Manager des Schnell-Restaurants würde er nur seinen Lebensunterhalt finanzieren. Zusammen schmiedeten wir einen Plan. Ich sollte meine Arbeit in den Hotels aufgeben, bei ihm bis auf weiteres wohnen und nur den Job bei Sainsbury´s behalten, während wir einen Live-in-Job für mich suchten. Gesagt, getan. Nachdem ich bei den beiden Hotels gekündigt und meine Sachen aus meiner bisherigen Bleibe abgeholt hatte, zog ich bei Mahesh ein.
Fortsetzung folgt....
Beim Abendessen, das ich immer im selben Schnell-Restaurant einnahm, meistens waren es Pommes, Rührei und Salat, hatte ich ein Auge auf den gutaussehenden, asiatischen Manager des Restaurants geworfen und ich freute mich, als er auf meine Flirterei einging. Man hätte das Ganze als Kundenbindungs-Aktion des Managers abtun können, aber ich glaubte, da war mehr Interesse.
Eines Tages kam es, wie es kommen musste; Die 10 Stunden körperlich anstrengende Arbeit war zuviel für mich; ich kippte eines Tages auf der Straße um und fand mich im Krankenhaus wieder. Nachdem ich aus meiner Ohnmacht aufgewacht war, nahmen mich die Ärzte ins Verhör. Wer war ich? Wo kam ich her? Wo waren meine Angehörigen. Ich signalisierte den Ärzten, kein Wort Englisch zu verstehen und gratulierte mir selbst, die Ärzteschaft ausgetrickst zu haben. Doch bei der nächsten Visite hatten sie einen Arzt dabei, der fließend Deutsch sprach und der wollte die Telefonnummer meiner Eltern wissen, damit sie nach England kommen und mich abholen sollten. So ein Pech aber auch! Bis zu meiner Volljährigkeit, die damals erst mit 21 Jahren erfolgte, waren es noch ein paar Monate hin. Das Verhältnis zu meinen Eltern war angespannt. Ich wollte nicht, dass sie von meiner Lage wussten, also gab ich dem Arzt eine falsche Telefonnummer und verschwand bei der nächsten günstigen Gelegenheit aus dem Krankenhaus.
Schnurstracks eilte ich zum Schnell-Restaurant, wo ich immer mein Abendessen einnahm. Der Manager hatte mich schon vermisst, weil ich die letzten zwei Tage nicht gekommen war. Ich erzählte ihm von meinem Aufenthalt im Krankenhaus und meiner Lebenslage. Er nahm die ganze Geschichte auf und meinte schließlich: "Du brauchst einen Live-in-Job." - Einen Job mit angeschlossener Wohnmöglichkeit. Er erzählte mir, dass kein Mensch mit einem normalen Einkommen eine Wohnung in London bezahlen könnte. Er selbst wäre von seiner reichen Verwandtschaft abhängig, die ein Haus in Clapham Junktion besäßen und ihm ein Zimmer zur Verfügung stellten für die Zeit seiner Ausbildung als Ingenieur. Mit dem Geld als Manager des Schnell-Restaurants würde er nur seinen Lebensunterhalt finanzieren. Zusammen schmiedeten wir einen Plan. Ich sollte meine Arbeit in den Hotels aufgeben, bei ihm bis auf weiteres wohnen und nur den Job bei Sainsbury´s behalten, während wir einen Live-in-Job für mich suchten. Gesagt, getan. Nachdem ich bei den beiden Hotels gekündigt und meine Sachen aus meiner bisherigen Bleibe abgeholt hatte, zog ich bei Mahesh ein.
Fortsetzung folgt....
Kommentare (8)
Marlen13
Hallöchen Linzette,
Eine wirklich interessante Schilderung ,
die du uns zum lesen dargeboten hast.
Mit lieben Grüßen ❤️ lichst Marlen
pippa
Moin Linzette,
ich finde deine Schilderungen so spannend, dass ich die Fortsetzungen gar nicht abwarten kann.
Gegen dein Leben ist meines pure Langeweile.
Danke !
Gruß aus dem Harz von Pippa
Linzette
@pippa , ich hätte auch manchmal lieber Langeweile gehabt. Das kannst du mir glauben.
Grüße aus dem Rheinland:
Christine
ladybird
Liebe Linzette, ich kann meinen usern hier nur zustimmen und Deine Vergangenheit ist uns sehr interessant und bewundernswert Dein Mut...
mit Gruß und Dank von 🐞-ladybird Renate
Guten Morgen liebe Linzette (Christine)
Deine Schilderung der Tage in den 70igern über die ersten Schritte in einem Ausland ist ganz besonders. Der Mut hat dich beflügelt und ich glaube auch, eine Menge Trotz, es allen zu zeigen hat, dich beflügelt.
Der Anfang ist meistens für den Normalbürger überall in der Welt nicht so leicht, wie man es sich anfangs vorgestellt hat. An den Aufgaben wächst oder zerbricht man und du bist auch so manches Risiko eingegangen und - hast bisher gewonnen. SUPER!
Mal sehen, wie es weitergeht.
Im übrigen habe ich das es auch gemacht, nur ca. 10.000km weit weg von zu Hause :-))
Ein schönes Wochenende wünsche ich dir.
indeed (Ingrid)