Immer mit der Ruhe
Guten Tag allerseits!
Es gibt viele Möglichkeiten, uns selbst (und anderen) die Laune zu verderben.
Gerade kommt wieder das Gefühl auf, ich sollte viel mehr tun.
„Zu wenig“! schreit eine innere Stimme. „So kommst du nie voran!“
Ruhe da oben, entspannt euch!
Langsam, mit Bedacht, Schritt für Schritt.
Hektik und überstürztes Tun sind nicht nützlich.
„Langsamkeit ist Voraussetzung für sicheres Zupacken und wohlbedachte Entscheidungen“, schreibt Sten Nadolny.
Und weiter:
„Wer Langsamkeit, Offenheit und Nachdenklichkeit im Repertoire hat (die drei gehören eng zusammen), wird nicht nur Angst reduzieren, sondern schneller ans Ziel kommen als der Hastige.“

Übereilung
„Jetzt musst du schnell noch …“, sagt eine dieser lästigen inneren Stimmen. Nichts muss ich!
Das Wörtchen „schnell“ entferne ich aus meinem Wortschatz. 😉
Die Illusion vom Fertigsein
„Fertig“ sind wir nie (oder erst kurz vor unserem letzten Atemzug).
Deshalb sollten wir versuchen, zu akzeptieren, dass eine Sache so lange dauert, wie sie dauert.
Stichwort Eigenzeit: Wächst das Gras schneller, wenn man daran zieht?
Die Annahme, wir könnten in einem vorgegebenen Zeitabschnitt mehr schaffen, als es realistischerweise möglich ist, führt in die Irre.
Werfen wir diese Illusion über Bord, denn sie erzeugt nichts als Unzufriedenheit.
Im Club der Bedächtigen
Vielleicht habt Ihr das Glück, wie ich, dass Euch Langsamkeit, Gemütlichkeit und Bedächtigkeit in die Wiege gelegt wurden.
Diese Eigenschaften passen zu unserem Wesen, zu unserer natürlichen Ausrüstung, zum Blatt im Kartenspiel des Lebens, welches uns zugeteilt wurde und mit dem wir versuchen, das bestmögliche Spiel zu machen.
Wir lassen es langsam und gemütlich angehen und ignorieren die Schulmeister, die uns das auszureden versuchen.
Hektik, Eile, Hast & Co. schicken wir freundlich, aber bestimmt zu Leuten, für die sie eine Bereicherung sind. Dort sind sie gut aufgehoben, und sowohl diesen Leuten als auch uns ist damit gedient.
Solltet Ihr aber Mitglied im Club der Gehetzten sein, ist es noch nicht zu spät: Aus jedem Club kann man austreten. (Und wir nehmen noch neue Mitglieder auf 😉).
In diesem Sinne einen guten Start in die neue Woche und herzliche Grüße,
Kurt.
PS: Natürlich gibt es Situationen, in denen Eile geboten ist. Darüber vielleicht demnächst. K.
Kommentare (10)
@Roxanna
29. Juli 2026
Liebe Brigitte, vielen Dank für Deinen Kommentar!
Nachdem die meisten von uns aus dem Hamsterrad ausgestiegen sind, haben sich unsere Prioritäten verschoben.
Ich kann hier nur von mir sprechen, glaube aber, dass vielen von uns Lebensfreude, Ruhe und Gelassenheit inzwischen ziemlich wichtig geworden sind.
Wir wollen „einen Gang herunterschalten, die schönen Augenblicke des Lebens genießen, sie mehren und so lange wie möglich andauern lassen.“ [*]
Ein Leben im Turbo-Tempo steht dem im Wege. Das gilt für mich und viele meiner Altersgenossen.
(Einige mögen das anders sehen. Gut so, die Welt ist bunt. Und wem es Freude macht, durch den Tag zu wirbeln, „wie ein Eichhörnchen auf Ecstasy“, dem sei das von Herzen gegönnt.) 😉
Jedenfalls lautet mein Vorschlag: „Immer mit der Ruhe“.
Der „innere Antreiber“ weiß wahrscheinlich noch nicht, dass wir den Kurs korrigiert haben.
Er meint es gut, ist aber nicht mehr auf dem Laufenden. Jahrzehntelang hat er gelernt, dass Schnelligkeit Erfolg bedeutet und Entschleunigung uns lahm, träge und weniger erfolgreich macht.
Das glauben wir heute nicht mehr; lassen wir dem Antreiber Zeit, sich daran zu gewöhnen.
Herzliche Grüße, Kurt
[*] Holden, Lee (2025): Slow: How to Improve Your Energy, Health and Relationships Through the Power of Slow. London: Penguin Books
@Kurt20
Habe es lernen müssen „Langsam, statt zu schnell“ meine Devise war leider immer die Hektik
mehr als andere zu schaffen, beweisen welch ein straffes Programm ich schaffe. Leider hat mir mein Körper dann nach xx Jahren die rote Karte gezeigt und gestreikt. Nach dem 3. Streik ist es oben im Kopf endlich angekommen, wurde ruhiger weil einfach zu überlastet. Heute, sind mir „Auszeiten“ heilig, ich muss sie bekommen, sonst ist die Stimmung ade.
Na gut, werde dann in Deinen Club eintreten und Euch vielleicht mal verraten wie und wann ich meine Pausen reserviere. Heute z.B. ab 14.03 h muss ja erst zu Ende schreiben.
Grüße an Alle hier und Danke lieber Kurt, herzlichst Euer 🦋
@Schmetterling04
28. Juli 2026
Danke Moni,
Du schreibst, dass Du „langsam, statt zu schnell“ erst lernen musstest.
Ich auch.
Früher, im Beruf, war „langsam“ eher kein Qualitätsmerkmal. Obwohl wir alle wussten, dass Eile und Hektik die Fehlerwahrscheinlichkeit erhöhen.
So manches Produkt landete im Papierkorb oder im Schrott, weil es viel zu schnell fertig werden sollte.
Das Gute ist, dass man Lebenserfahrung hat und ständig hinzulernt:
„Ältere Menschen lernen zwar langsamer als junge, dafür haben sie jedoch bereits sehr viel gelernt und können dieses Wissen dazu einsetzen, neues Wissen besser zu integrieren. Je mehr man schon weiß, desto besser kann man neue Inhalte mit bereits vorhandenem Wissen in Verbindung bringen.“ [1]Was „langsam“ oder „schnell“ betrifft, so habe ich gelernt:
Sobald Hektik, Eile, Hast & Co. so überhandnehmen, dass die Lebensfreude leidet, ist Schluss.
Herzliche Grüße,
Kurt
[1] Spitzer, Manfred. „Langsam, aber sicher.“ Gehirnforschung und das Lernen (2003).
Lieber Kurt,
die "komm ich heut nicht, komm ich morgen" -Mentalität ist nicht meins. Ich bin am effektivsten und auch am kreativsten wenn ich unter Stress bin.
Langsam und bedächtig bin ich mittlerweile nur im Fitness-Studio, wenn ich meine Übungen mache oder beim Lesen. Da bringt Eile mich nicht voran
LG Gisela🙋♀️
@Globetrotter
27. Juli 2026
Liebe Gisela,
danke für Deinen Kommentar.
Von morgens bis abends gibt die Uhr den Ton an. Wir sind ihre Sklaven. „Nur nicht in Rückstand geraten!“
Der Tag hat nie genug Stunden. Die Idee, wir könnten alles abarbeiten, was wir uns vorgenommen haben, scheitert; muss scheitern.
Klar ist: In vielen Fällen ist es notwendig, sich an Zeitvorgaben zu halten. Anderenfalls würde unser modernes Leben zusammenbrechen.
In anderen Fällen aber ist das nutzlos bis schädlich.
An solche Fälle habe ich gedacht.
Ich meine, dass wir es uns jetzt, im fortgeschrittenen Lebensalter, leisten könnten, uns öfter einmal von der Tyrannei der Uhr zu befreien.
Wir könnten „einen Gang herunterschalten, die schönen Augenblicke des Lebens genießen, sie mehren und so lange wie möglich andauern lassen.“ [*]
Dafür wollte ich in meinem Beitrag ein wenig werben.
Herzliche Grüße,
Kurt
[*] Holden, Lee (2025): Slow: How to Improve Your Energy, Health and Relationships Through the Power of Slow. London: Penguin Books.
Wobei heute ja Geschwätzigkeit Standard ist, vor allem in den Medien, jede(r) bekommt ein Zeitfenster, da wird viel wiederholt, voreiliges gesagt, die Entschuldigung dauert dann hinterher 100 mal so lang.
Besonders miserabel sind heutzutage Filme, aber auch Gespräche irgendwo mit irgendwem, das wichtige und bessere bleibt auf der Strecke.
Bedächtigkeit ist out, leider, der Textmist ist die Normalität.
@JuergenS
27. Juli 2027
Danke für Deinen Kommentar, lieber Juergen.
„Bedächtigkeit ist out, leider, der Textmist ist die Normalität“, schreibst Du.
Im Großen und Ganzen würde ich das unterschreiben, aber hinzufügen: Daneben gibt es nach wie vor „die besseren Sachen“.
Es ist vielleicht nur schwieriger, sie zu finden in den Lawinen von sprachlichem Müll, die täglich über uns hinwegrollen.
Diese besseren Sachen zu suchen, zu finden und mir zu Gemüte zu führen, gelingt mir weiterhin und macht mir Riesenfreude.
Der große Rest wird entsorgt oder gar nicht erst zur Kenntnis genommen.
„Die Freiheit nehm’ ich mir“. 😉
❤️liche Grüße,
Kurt
@U. Petri
27. Juli 2026
Danke Ursula, welcome to the club!
Hier ist es ruhig und bequem. Und wichtig: es gibt keine Uhren.
Einen herzlichen Gruß zurück!
Kurt
An dieser Eile, Kurt, ist doch auch dieser innere Antreiber, ich weiß nicht ob du deinen kennst, beteiligt. Oder ist er sogar schuldig? An manchen Tagen gibt er keine Ruhe und findet 1000 Sachen, die dringend erledigt werden müssen. Das treibt den Blutdruck in die Höhe und verursacht Stresssymptome. Wo immer der herkommt, dringend müssen ihm Grenzen gesetzt werden. Da braucht es auch schon mal einen harschen Ton, indem man ihm sagt: Du hältst jetzt mal die Klappe. Funktioniert nicht immer, aber immer öfter.
Lieben Gruß
Brigitte