Im Kaffeehaus


Das Kaffeehaus
 
 
Weltweit gibt es viele Arten, Kaffee aufzubereiten und zu trinken. In mediterranen Gegenden werden die Kaffeebohnen stärker geröstet und mit wenig Wasser gebrüht. Die Russen bereiten sich ihren Kaffee wie die Türken und Araber mit fein gemahlenen Bohnen zu. Die Deutschen und Amerikaner trinken ihren Kaffee gerne aus der Filtermaschine. Neuerdings kommt der Espresso immer öfter aus vollautomatischen Kaffeeautomaten.
Kaffee gibt es heutzutage überall, doch in Wien wurde das Kaffeezubereiten zur Wissenschaft. Eine Kunst, die sich über ganz Europa verbreitet hat.
 
So auch am 2. Adventsonntag in Salzburg, meiner Stadt.
Früh am Morgen, wenn die Altstadt noch schläft, liegt ein Zauber über den Hütten des Christkindlmarktes. Ich mag diese Winterspaziergänge. Der Frost legte glitzernd seine Kristalle über die Dächer der Lebkuchenhäuser. Menschenleer zeigten sie sich in ihrer Pracht.
Auch auf dem Alten Markt schien die Zeit still zu stehen. Nur im „Café Tomaselli” nicht – hier hatte der Tag schon begonnen – aber mit der angemessenen Beschaulichkeit. Als ich durch die Schwingtür in das Kaffeehaus eintauchte, empfing mich der Duft von frisch gerösteten Kaffeebohnen, süßer Schokolade und exotischer Vanille.
 
Man pflegt einen vertrauten Umgang. Der meist besuchte Ort im Café ist zu dieser Tageszeit der Zeitungsständer mit allen namhaften Tageszeitungen.  Wer nicht liest oder leise plaudert, genießt und lässt den Blick schweifen. Die Kristall-Luster, die Spiegel, die Stuckdecke, die historischen Bilder an den Wänden und die Vertäfelungen aus glänzendem Nussholz mit orientalischen Intarsien lassen den Charme vergangener Jahrhunderte aufleben. Auch ein Satz von Erich Kästner ist präsent:
„Das Tomaselli dürfte fast so alt sein wie das Kaffeetrinken in Europa.”
 
Ich nahm an einem Marmortisch gleich neben den Kleiderständern Platz. Und hatte es mir gerade bequem gemacht, als sich am Nebentisch eine elegante Dame beim Ober beklagte, dass ihr, von ihrem Vater, dem ehemaligen Festspielpräsidenten, vererbter Stammplatz, besetzt sei.
 
Ich genoss diese einzigartige Atmosphäre, lehnte mich entspannt zurück, winkte dem Oberkellner und bestellte einen „Kapuziner”. Und eine Zigarillo.
„Hier ist aber Rauchverbot, mein Herr”, sagte der Ober.
„Ich weiß. Den Kapuziner trinke ich heiß – die Zigarillo genieße ich kalt.”
 
Übrigens: Ein „Kapuziner” ist ein Mocca mit wenig Milch. Soll die Farbe des Gewandes der Kapuzinermönche haben, also dunkelbraun.
 
© text by ferdinand
© foto by tferdinand
 

Kommentare (1)

Elou

Der Cappuccino hat seinen Namen von den Kapuzinermönchen (ital. "Cappuccini"), da die Farbe des Getränks an deren braune Kutten erinnert, die eine Kapuze haben; er entwickelte sich aus dem österreichischen "Kapuziner" (Mokka mit Schlagsahne), der durch österreichische Soldaten nach Italien kam, wo er durch die Erfindung der Espressomaschine zum heutigen Espresso mit aufgeschäumter Milch wurde.

LG

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