Ich muss das mal los werden.…
Alt werden ist ja spannend, aber das es so spannend ist hätte ich nicht gedacht. Es ist eigentlich total lebendig, weil auch alt werden ein Prozess ist und kein Stillstand. Der kommt erst mit dem Tod, oder auch nicht, wer weiß..…
Das einzig schwierige ist den Anschluss an den Weltprozess nicht zu verlieren, denn die ändert sich immer schneller. Was vor 50 Jahren noch galt, ungeschriebenes Gesetz war, ist heute nicht mehr präsent.
Wenn einer am Boden liegt ist er der Verlierer und es ist völlig unnötig und verpönt ihm noch ins Gesicht oder anderswo hinzutreten. Das galt einmal, nannte sich Fairness oder Achtung vor dem Feind, weil auch er ein Mensch ist.
Heute überwiegt die Lust an der Vernichtung, wenn es geht so langsam und qualvoll wie möglich.…
Und da soll ich mit leben?
Ändern kann ich es nicht, mitjubeln kann ich erst recht nicht und schweigen ist auch verkehrt.
Man muss sich immer mehr hinterfragen für was man bereit ist zu leiden, denn wenn du für eine andere Moral oder Gerechtigkeit im Leben eintrittst, wirst auch du ganz schnell zum Opfer.
Es entwurzelt einen aus seinen eigenen über Jahrzehnte gefestigten Überzeugungen. Vielleicht ist es jetzt die Zeit in der wir überprüft werden, wie tief unsere Überzeugungen nun wirklich waren oder sind.
Ich weiß es nicht, ich spüre nur immer mehr die Irritationen, die zunehmende Desorientierung und die auftauchende Einsamkeit in dem Vakuum, in das einen die Welt immer mehr drückt, weil man eben alt wird und mit seinen vielen Lebensjahren im Rückblick konfrontiert wird und es aushalten muss, wenn das tief verwurzelt geglaubte plötzlich morsch und brüchig wird und mit dem nächsten Sturm entwurzelt wird.
Aber erleben wir das nicht genauso in unserer Welt, die vielen Stürme und Katastrophen in der Natur, durch die Natur.
Und die will uns damit etwas sagen, wie eigentlich schon während der ganzen Menschheitsgeschichte. Die Natur ist eine einzige Antwort auf die existenziellen Fragen des Menschen.
Aber die Technisierung hat uns von der Mitte des eigentlichen Lebens weg gebracht. Weg von der Tiefe des Lebendigen hin zum nur noch Funktionierenden.
Die Welt ändert sich in einer neuen Geschwindigkeit, so schnell wie noch nie – und wir müssen es aushalten, denn zum lebendigen hin wird nichts mehr geändert....…
So werden unsere Enkel ganz andere Menschen, werden damit leben lernen und hoffentlich eine neue Mitte finden in der sie ruhen können...…
Kommentare (2)
Diese Gedanken gehen mir auch öfters durch den Kopf.
Das Rad der Zeit dreht sich unentwegt.
Bewusst wird es mir erst im Alter.
Lieben Gruss, Agathe
Alt werden
Alt werden ist spannend. Das hat etwas. Nur hat man damit nicht wirklich gerechnet.
Obwohl das Älter werden ja schon früh beginnt. Alt sein ist ein zeitlicher Prozess.
Früher war man mit 65 schon alt, heute ist man es vielleicht erst mit 80.
Aber seien wir ehrlich: In der Modernen Welt gilt man mit 50 schon als alt.
Wer in diesem Alter arbeitslos wird, sieht tatsächlich schnell alt aus.
In unserer kurzen, schnelllebigen Zeit wird Erfahrung nicht mehr so geschätzt
wie früher, als sie noch ein echtes Kapital war.
Also, was ist das Alter? Man sieht es im Spiegel. Man spürt es im Körper.
Sich damit abzufinden braucht Zeit. Man kennt die Welt inzwischen
mehr oder weniger gut. Nicht, dass man alles versteht –
aber vieles wiederholt sich. Gerade politisch gesehen ahnt man oft schon,
wie etwas beginnt und manchmal auch, wie es endet.
Loslassen ist so eine Sache, die man im Alter lernen muss.
Meiner Meinung nach ist das das Schwierigste. Loslassen von so vielen Dingen,
die einmal selbstverständlich und wichtig waren.
Es gibt Verluste, die man akzeptieren muss.
Einsamkeit – auch damit muss man fertig werden.
Ja, das Leben ist schön. Aber manchmal auch sehr schmerzhaft.
Ich kann nicht sagen, dass ich das Älter werde liebe.
Aber wenn ich zurückblicke und die schönen Dinge sehe, die man erlebt hat,
dann kann man hoffentlich sagen:
Es war wirklich einmalig.