HALT
Es ist eine Abkürzung, die wie auf Deutsch klingt: HALT. Und es kommt vom Englischen: hunger (Hunger), anger (Zorn), loneliness (Einsamkeit) und tiredness (Müdigkeit).
Eigentlich nichts Neues: jede Ehefrau weiss ja, dass man mit dem Ehemann über keine Probleme reden sollte, nichts von ihm verlangen, bevor er sich gut erholt, und satt isst. Nun hat man die Erscheinung gründlich erforscht, und es steht fest, dass natürlich nicht nur die Männer davon betroffen werden.
Auf Englisch nennt man auch den Zustand, wenn man die Wirklichkeit als sehr schwierig und kompliziert wahrnimmt, „hangry“. „Hungry“, also hungrig, und „angry“ – böse. In diesem Zustand denkt man zum Beispiel an eine Scheidung, das Leben findet man sinnlos, oder denkt, dass man sich vielleicht nach einem besseren Job umschauen soll, obwohl noch gestern zufrieden gewesen, usw. Wenn man dann aber richtig isst, erholt sich, eventuell auch noch eine Nacht richtig durchschläft, sieht die Welt wieder schöner aus.
Manchmal fühlt man sich sogar körperlich schlecht – und es wird mit Emotionen verwechselt. Mit der Nachbarin gestritten, Freunde haben lange nicht mehr angerufen, PartnerIn nicht mehr interessiert… Solche Gedanken können eben auch dadurch hervorgerufen werden, dass man zu wenig geschlafen und/oder gegessen hat, oder da wird es eine kleine Infektion geben, oder eine andere Beschwerde.
Es ist also gut, die Emotionen von anderen Faktoren zu unterscheiden, bevor man etwas unternimmt: die Tür zuknallt und weg, oder sich von der Nachbarin aus der Ruhe bringen lässt. Essen, schlafen, ruhig nachdenken, und erst dann entscheiden, ob man reagieren wollen wird.
Ich habe darüber in einer hiesigen Frauenzeitschrift gelesen, für meine Begriffe zu stark feministisch geprägt, sonst nicht schlecht aber. Eines würde ich da ändern, denn ich glaube nicht, dass loneliness, also Einsamkeit, wirklich noch so schwer heutzutage zu ertragen wäre. Man kann auch praktisch ohne Ende versuchen, eine/n PartnerIn zu finden, wenn man es nur will. Schlimmer finde ich die typische für unsere Zeiten Unruhe, oder Unsicherheit. In dem Fall wäre die Abkürzung dann nicht HALT lauten, sondern HAUT. Die sprichwörtlich dicke, oder auch dünne.
(eigenes Titelbild)
Kommentare (6)
@Rosi65
Ich muss gestehen, liebe Rosi, dass ich diesmal selber ein Problem mit der Textwiedergabe hatte; mehrmals bearbeitet, nicht genug klar also doch geworden. Dazu hat wahrscheinlich das schlechte Wetter hier beigetragen: starker Wind und viel Regen. Der Regen ersehnt, der Wind wirkt aber sehr ungünstig.
Und es geht mir – hoffentlich der Textautorin auch – darum, dass manche Umstände wie eine dunkle Brille – im Gegenteil zu einer Rosabrille – wirken können. Man sieht alles schwieriger, hässlicher, als es in Wirklichkeit ist. Man wird dadurch gereizt, und kann leicht etwas sagen oder tun, was man dann später wahrscheinlich bereuen würde. Die Abkürzung HALT finde ich also prima, wenn man die deutsche Sprache beherrscht: halt, denk mal nach, erhole dich. Wahrscheinlich wird morgen alles ganz anders aussehen, wenn man sich die Sache mal wieder anschauen wird.
Mit herzlichen Grüßen
Christine
Interessant, liebe Christine, was du hier ausführst. Die Lehre daraus ist, niemals aus einer schlechten Stimmung heraus handeln, man könnte es bereuen. Aber nicht immer kann man diesem Impuls widerstehen, sich sofort Luft zu verschaffen. Das zeigt aber auch wieder, wie sehr der Mensch von seinem Hormonhaushalt abhängig ist und dass es wichtig ist, immer gut für sich zu sorgen.
Interessant auch, wie ein Buchstabe alles verändern kann, aus HALT wird HAUT. Meiner Erfahrung nach ist die dicke oder dünne Haut eine Sache des Naturells eines Menschen. Sich eine dicke wachsen zu lassen, wenn man eine dünne hat, klappt meistens nicht. Gerne wird ja auch anstatt Haut das Fell verwendet. Vielleicht kann man ein kleines Stück weit im Laufe des Lebens lernen, sich nicht alles so tief unter die Haut gehen zu lassen, aber ob das klappt, wer weiß?
Herzliche Grüße und ein gutes Wochenende wünscht dir
Brigitte
@Roxanna
Liebe Brigitte, das ist wirklich nicht immer einfach, nur dann zu handeln, wenn man sich optimal komfortabel fühlt. Also, nicht traurig, aber auch nicht allzu fröhlich; nicht müde, nicht verärgert. Tja, wenn mal böse, reagiert man oft besonders gern sofort, und findet eine manchmal ganz dumme Lösung richtig. Nicht ganz bewusst hat man einfach nur eine schnelle Erleichterung gesucht; wenn verärgert, steckt man ja im Stress. Genauso wie wenn beängstigt. Der Volksmund sagt dazu: abwarten und Tee trinken, und diesmal hat er Recht.
Ich liebe mit den Worten spielen, deswegen habe ich mich auch über diese Verwandlung gefreut. Dicke Haut zu haben kann schon Vorteile haben, was aber, wenn man mal über sich selbst denken müsste: was bin ich für ein grobes Ding... 😉
Mit herzlichen Grüßen
Christine
@Christine62laechel
interessante Gedanken, nicht nur Wortspielerei.
dem kann ich wenig hinzufügen, originell finde ich die Tatsache, dass ein dickes Fell ja auch bedeutet, dass man nicht aus der Haut fahren kann, weil ja die oder der andere ebenfalls ein dickes Fell haben könnte.
Ich denke man kann sich kaum ändern, biologisch wird die wirkliche Haut ja im Alter immer dünner, da kann man froh sein, wenn man so reagiert, als man noch eine dickere Haut hatte. 😃
@JuergenS
Ja, ein dickes Fell ist sogar besser, denn auch noch warm. 😉
Aus der Haut fahren - das tat ich als jung, wahrscheinlich war das nicht ganz bewusstes Nachahmen. Jetzt nicht mehr; alles lässt sich auch ohne dessen irgendwie erledigen, überleben, lösen.
Dünne Haut - wörtlich - im Alter: ein weiteres Problemchen, doch mit guten Hautcremen zu beseitigen. 😏😊
Liebe Christine,
sorry, aber leider verstehe ich Deinen Beitrag nicht.
Bin mir nämlich nicht sicher, ob Du hier die persönliche Selbstbeherrschung in provokativen Situationen meinst, die manche Menschen dann zu spontanen Überreaktionen hinreißen lassen,
oder doch eher die allgemeine Unzufriedenheit und das gefühlte Unwohlsein in bestimmten Lebenssituationen.
Rosi65