Glatt oder kraus
Glatt oder kraus
Seien die Blätter glatt oder kraus,
von den Kennern unterschieden,
dieses Kraut gibt es in jedem Haus,
– in Schlössern und ärmsten Hütten -
schon in der Antike war es bekannt,
verehrt als heilige Pflanze,
oft auch zur Siegerkrönung* verwandt
im frisch gebundenen Kranze.
Erkannt hatte Dioskurides*
des Krautes natürliche Kraft,
er fand heraus, es gibt Solides
in den Blättern und auch im Saft,
Myristicin* sowie Apiol*
Mangan, Kalium, Eisen, Zink –
dies alles dient dem Gesundheitswohl,
es ist fürwahr ein Gottgeschenk.
Heilwirkung zeigt das bekannte Kraut
bei vielen Indikationen,
wohl dem, der seinen Kräften vertraut,
die Anwendung söllt sich lohnen
bei Harngrieß, Nieren- und Blasenstein,
auch Gelbsucht und Leberleiden,
rasche Linderung tritt zumeist ein
und Krankes kann es vertreiben.
Sud aus den Blättern oder Stängeln
nahm die Obsterix* zum Abort*,
zusammen mit anderen Mitteln
gelang die Sache dann sofort.
Bestens bekannt ist auch die Wirkung
bei Anasarka* in der Haut,
das Kraut ist ein Aquaretikum*
so dass Wasser sich nicht mehr staut.
Viele Vitamine hat das Kraut,
sein Verzehr hat stets gut getan,
der Heilkundige darauf vertraut,
er wendet es bei Kranken an.
Und hat die Mücke zugestochen,
trägt er zerriebenes Blatt auf,
der Juckreiz wird sogleich vergehen,
man hat das Kraut ja stets im Haus.
Es stehen draußen ganze Büschel
im Kasten auf dem Fensterbrett,
denn jedem Koch ist in der Regel
die Speis nur mit dem Kraut komplett,
sein feines Aroma veredelt
des Meisters Speisekreation,
niemals wird die Würze verwechselt,
denn einzig ist ihre Option.
So zählt es zu den Küchenkräutern
nordafrikanischer Herkunft,
mit glatten oder krausen Blättern
verwenden's Kenner mit Vernunft.
Mönche pflegten im Klostergarten
in trauter Pflanzenfamilie
die Pflanze mit anderen Arten –
bekannt als Petersilie.
© Syrdal 2025
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Erklärungen:
*Dioskurides = griechischer Arzt, Botaniker und bedeutendster Pharmakologe der Antike, der im 1. Jhdt.n.Chr. mit seiner Schrift "De materia medica" (5 Bücher) das erste und wichtigste Werk der europäischen Arzneimittellehre verfasst hat
*Myristicin = Bestandteil eines ätherischen Öls mit antioxidativen, entzündungshemmenden und antitumoralen Eigenschaften
*Apiol = natürlich vorkommendes farbloses Öl, medizinisch emmenanogen(die Menstruation anregend) wirksam bei Mentruationsstörungen
*Obsterix = in der Antike Bezeichnung für Hebamme
*Abort = vorzeitige (auch provozierte) Beendigung einer Schwangerschaft
*Anasarka = nichtentzündliches Ödem des Unterhautgewebes (Hautwassersucht)
*Aquaretikum (Diuretikum) = medizinisch wirkendes Mittel zur Verstärkung der Wasserausscheidung
Kommentare (7)
wieder was dazu gelernt
ich gestehe
ich verwende beide, aber nur in der küche
und nie zusammen
danke lieber Syrdal
und sonnige grüße
hade
@protes
Lieber hade,
könntest aber auch beide Varianten gemeinsam einsetzen, sie stören sich nicht gegenseitig. Hauptsache Petersilie...
...sagt mit Genießergrüßen
Syrdal
Lieber Syrdal,
du hast der Petersilie die Krone aufgesetzt!!!
Ich mochte sie schon immer, da sie einfachste Mahlzeiten zu schmackhaften Lieblingsgerichten verzaubern kann.
Fast überall ist sie das Tüpfelchen aufs i.
Ich wusste nicht um die Vielfältigkeit ihrer Heilkraft. Danke, dass du uns hier so ausführlich und unterhaltsam informiert hast. Ich mag die glatte Variante am liebsten.
Übrigens wurde sie von mir auch schon als Haarschmuck entfremdet ( im Fasching vor ca. 40 Jahren, als ich als Maggiwürze verkleidet war).
In Vorfreude auf Omlett mit Champignons und Petersilie - heute Abend
grüßt Ingrid
@Winterbraut
In der Tat kann man Petersilie zur Geschmacksverfeinerung vieler Küchenkreationen als wahres "i-Tüpfelchen" bezeichnen. Auch ich ziehe die glatte Variante der krausen vor. Aber das ist wohl eher "Geschmacksache".
Was nun aber den Haarschmuck betrifft, hast du den Petersiienkranz – wenn auch unbewusst – einfach mal so von den alten Griechen übernommen. So setzt sich ganz heimlich ein alter heiliger Brauch fort.
...das alles erfreut
Syrdal
Lieber Syrdal,
wer kennt die Petersilie nicht, ob glatt oder kraus. Sie ist sicherlich in fast jedem Haushalt zu finden.
Mir gefällt deine Ausführung über dieses Kraut sehr gut und verständlich und mit dem botanischem Hintergrund dazu sehr lehrreich. Dafür danke ich dir sehr.
Habe wieder etwas dazu gelernt.
Wünsche dir einen entspannten und besinnlichen Sonntag bei gemäßigten Temperaturen zum Auf- und Durchatmen und sei lieb gegrüßt von
Ingrid
@indeed
Ja richtig, liebe Ingrid, die Petersilie ist wohl jedem bekannt und sie fehlt in keinem Garten, in keinem Haushalt... Weniger aber weiß man über die Herkunft des feinen Krautes und wohl kaum, dass sie enorme Heilkräfte besitzt, also neben dem Würzkraut auch zu den Heilkräutern zählt u.a. mit antioxidativen, entzündungshemmenden und antitumoralen Eigenschaften oder auch als wirksames Diuretikum - leicht anzuwenden und dazu ohne jegliche Nebenwirkungen. – Was die Natur uns doch für wunderbare Gaben schenkt!
Einen entspannten Sonntag wünscht dir
Syrdal
Lieber Syrdal,
Vorhin habe ich mir vom Einkauf, ein Sträußchen Petersilie mitgebracht, meine Nase hinein gesteckt und den Duft inhaliert. Mit einer Abbitte, nicht gewußt zu haben von der helfenden und doch edlen Pflanze,die ich immer nur zum Verfeinern der Speisen oder Dekorieren verwendet habe.
Erst Deine Abhandlung öffnete mir die Augen......
Danke Dir sehr fürs "Augen-öffnen" und für Deine wieder sehr gelungene
Erklärung.
Wünsche Dir ," laß Dir niemals die Petersilie verhageln"
lacht mit Gruß
Renate