...für ein langes Leben


...für ein langes Leben
.
...für ein langes Leben

Er wächst auf staubtrockenem Boden,
mitunter in Pflasterritzen,
zeigt selbst in Hitzeperioden
kleine Blüten an Zweigspitzen
zwischen glänzend-wulstigen Blättern,
die das Regenwasser speichern,
so muss er sich selten bekümmern,
Trockenzeit zu überdauern.

In Gärten, auf Äckern und Wegen
kann man ihn im Sommer sehen,
einstmalen wurde er zum Segen,
Notzeiten zu überstehen,
er war als nahrhaft Wildgemüse
in den Küchen bestens bekannt,
allweil wurd’ er üblicherweise
vom Volksmund Portulak* genannt.

Portulak-1.jpg

Die Pflanze dienet der Gesundheit
mit dem was Blatt und Saft enthält,
sie wurd’ bereits in antiker Zeit
zu guten Heilkräutern gezählt,
und Fünfzehnhundertachtundachtzig
ist im „New Kreuterbuch“* gesagt,
die Anwendung sei einzigartig,
wenn „beißend Sod* vom Magen“ plagt.

Gesund und reich an Omega-drei*
sind die allerjüngsten Triebe,
man gibt sie gerne Salaten bei,
ob ihrer nussähnlichen Note
für unverwechselbaren Genuss,
und beim leckeren Joghurt-Dip
ist der Portulak sehr oft ein Muss –
verheimlicht als ein Gourmet-Tipp.

„Gemüse für ein langes Leben“
nennen Chinesen Portulak,
womit sie ihm die Ehrung geben,
die er sich freilich verdient hat
durch seine heilwirkenden Kräfte*,
die er der ganzen Menschheit schenkt,
dieses Gewächs ist das Beste,
das man mit Dankbarkeit bedenkt.

Der Saft dieser uralten Pflanze
fördert die Leberfunktion,
hemmt Entzündung und treibt die Harne,
hilft bei mancher Indikation.
Der Portulak löst Hustenkrämpfe,
tötet Bakterien und Viren,
wirkt heilsam auf Nervenprobleme,
lindert bei Gicht schlimme Schmerzen.

Portulak-2.jpg

Es ist ein Kraut mit vielen Stärken,
die es nur recht zu nutzen gilt,
doch sollte man sich sehr gut merken,
dass man es stets im Zaume hält,
damit es nicht zu üppig wuchert,
gar ringsum alles attackiert
und andrer Pflanzen Wuchs verhindert,
dass sich Naturvielfalt* verliert.


© Syrdal 2026


…………………

Erklärungen

*Portulak (bot. Portulaca oleracea) = einjährige, krautige, sukkulente Pflanze, die als Gewürz oder Gemüse verwendet werden kann, auch bekannt als Gemüse- oder Sommerportulak
*vorchristliche Zeit = hier ist eine alte babylonische Schrift aus dem achten vorchristlichen Jahrhundert gemeint, in der die Pflanzen des Heilkräutergartens des Königs Marduk-Appla-Iddina II. (das ist der biblische Merodach-Baladan) aufgezählt sind und dort auch der Portulak verzeichnet ist.
*Omega drei = essentielle, ungesättigte Fette, die im Organismus entzündungshemmend wirken, die Immunabwehr stärken und durch Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen
*New Kreuterbuch = Verfasser: Jacobus Theodorus Tabernaemontanus (* um 1522 in Bergzabern; † August 1590 in Heidelberg). Beschrieben sind „über 3000 Kreuter / mit schönen und kunstlichen Figuren / auch deren Underscheid und Würckung / sammt ihren Namen in mancherein Sprachen, dessgleichen auch / wie dieselbige in allerhand Kranckheiten / beyde der Menschen und des Viehs / sollen angewendet und gebraucht werden.“
*beißend Sod = Sodbrennen mit beißendem Schmerz hinter dem Brustbein, der häufig nach üppigen, fettigen Mahlzeiten, Alkohol- oder Nikotinabusus durch aufsteigende Magensäure entsteht
*heilwirkende Kräfte = In den letzten Jahren wurden zahlreiche Studien über die pharmakologischen Wirkungen von Portulak veröffentlicht. Sie belegen, dass er ein außergewöhnlich breites Spektrum besitzt. Er wirkt z.B. nachweislich antidiabetisch, antikanzerogen, antimikrobiell, entzündungshemmend, leberprotektiv, neuroprotektiv, blutdrucksenkend, cholesterinsenkend, wundheilungsfördernd und er schützt vor Magengeschwüren. Hervorzuheben ist vor allem die neuroprotektive Wirkung der Pflanze.
*Naturvielfalt = Portulak ist eine ungemein vitale Pflanze mit dem Vermögen, sich in nahezu jeder Umweltsituation gegenüber anderen Pflanzen durchzusetzen und diese an Wuchs, Entwicklung und Vermehrung zu hindern und somit das ökologische Gleichgewicht maßgebend zu beeinträchtigen.


 

Kommentare (10)

indeed

Lieber Syrdal,

Portulak: Diese Pflanze ist mir gänzlich unbekannt, wobei ich sie sicher schon einmal gesehen habe, sie aber niemals als so umfangreiche Heilpflanze erkannt habe.

Danke dir für deine Ausführungen und man lernt immer wieder dazu. Welche Arbeit und Recherche hinter deinem Gedicht steht, vermag wohl nur Mancher erahnen.

Gerne habe ich gelesen und ich hiermit zolle ich dir meine ganze Anerkennung.

Herzliche Grüsse und alles Gute für dich von

Ingrid

Syrdal

@indeed

Danke, liebe Ingrid… Ganz sicher hast du den Portulak – also die weit verbreitete Pflanze – schon einmal gesehen, aber einfach "übersehen". Aber kein Wunder, dass man sich kaum erinnern kann, denn sie ist in ihrem Wert völlig in Vergessenheit geraten. Hat sie in früheren Zeiten vor allem in Notzeiten überaus gute Dienste geleistet, so wird sie heute zum Überleben nicht mehr benötigt, denn Notzeiten, wie sie in früheren Zeiten nahezu regelmäßig auftraten, gibt es bei uns gottlob heute nicht mehr. Und auch in der Medizin benötigt man viele Heilkräuter nicht mehr, es gibt ja für fast alles raschwirkende Medikamente. – Die Welt hat sich verändert. Ob in allem grundsätzlich zum Guten, sei bei dieser Betrachtung hier ausgelassen.

Danke und liebe Grüße
Syrdal  

Marlen13

Lieber Syrdal,
dieses Kraut kenne ich. Habe es aber immer als Unkraut bewertet.
Man lernt nie aus... Danke für deine Einstellung.
Wünsche noch schöne Sonntagsstunden, ❤️ lichst Marlen 

Syrdal

@Marlen13

Ja, liebe Marlen, das Kraut ist „aus der Mode“ gekommen und wird halt als Unkraut angesehen, vor allem auch, weil es oft stark wuchert und andere Pflanzen in deren Lebensraum bedrängt. Das alles nimmt ihm aber nichts von seinem Wert, sowohl in der Küche als auch im Heilbereich. Man muss sich eben nur seines Wertes erinnern…

...meint mit abendlichen Grüßen
Syrdal  

Roxanna

Es freut, lieber Syrdal dich wieder einmal zu lesen. Gehört habe ich den Namen Portulak schon einmal, aber dass es ein Kraut ist mit ganz besonderen Heilkräften weiß ich nun durch dein Gedicht. Bei meinem nächsten Besuch auf dem Markt werde ich mich umschauen, ob vielleicht einer der vielen Stände ihn im Angebot hat.

Herzlichen Gruß
Brigitte

Syrdal

@Roxanna

Liebe Brigitte,
ob es auf dem Bauernmarkt wirklich Portulak gibt… naja, ich bezweifele es, denn die Pflanze ist heute kaum noch als Küchenkraut bekannt und wird auch nicht gärtnerisch oder gar landwirtschaftlich angebaut. Aber draußen in den Feldern ist er sicher zu finden, ganz frisch und absolut kostenlos. Doch bitte nur in Maßen essen (Oxalsäure) und – ich schrieb es bei Agathe – unbedingt vor der Blüte ernten.
Guten Erfolg beim Probieren und Genießen wünscht
Syrdal  

Agathe

Portulak, von dieser Pflanze habe ich noch nie gehört. Dabei ist sie so wertvoll. 
Ich werde nach ihr Ausschau halten.
Danke für den Hinweis.
Agathe 

Syrdal

@Agathe

Du wirst den Portulak ganz bestimmt finden. Er sollte aber vor der Blüte geerntet werden, denn dann ist er zarter und enthält weniger Oxalsäure. Mit der Blüte werden Blätter und Stängel faseriger, bitterer und teils stärker oxalsäurehaltig und sie sind dann weniger bekömmlich und im Geschmack auch nicht mehr so nussig. Mit dem Übergang zur Blüte investiert die Pflanze Energie in die Samenbildung. Das führt dazu, dass die Blätter bitterer werden und der typische frisch-säuerliche, leicht salzige Geschmack nachlässt. Aber frischer  junger Portulak ist eine wahre Delikatesse. – Guten Appetit wünscht
Syrdal  

Globetrotter

danke für diesen blog @Syrdal es ist schön mal wieder etwas von dir zu lesen
LG Gisela🙋‍♀️

Syrdal

@Globetrotter

Ja danke… habe trotz der bei mir tagtäglich anstehenden überaus vielen Aufgaben mal wieder ein Gedicht zustande gebracht und wollte es nicht nur bei mir behalten.

Sei gegrüßt von
Syrdal  

Anzeige