Flanieren
Guten Tag Euch allen. – Müsst Ihr Euch auch manchmal bremsen, um nicht in eine ungesunde Hektik zu verfallen? Dagegen hilft vielleicht
Flanieren
Hierbei denke ich an unseren Vater. Er war durch kaum etwas ist er aus der Ruhe zu bringen. Niemand hat ihn einmal so richtig außer sich gesehen. Hektik und Hast waren ihm wesensfremd.
Das ist eine Eigenschaft, ja eine Kunstform, die gerade heute nicht mit Geld zu bezahlen ist.
Es gab Zeiten, in denen Ruhe, Gelassenheit, ein angemessenes Tempo hoch im Kurs standen.
So schrieb der Philosoph und Denker Walter Benjamin in seinem Passagen-Werk:
„1839 war es elegant, beim Prominieren eine Schildkröte mit sich zu führen.
Das gibt einen Begriff vom Tempo des Flanierens in den Passagen.“ [1]
Ich hoffe, einiges von der Ruhe und Gelassenheit unseres Vaters geerbt zu haben.
Das erscheint mir umso wichtiger, je älter ich werde und in diesem Zusammenhang erkenne, das vieles, was mich früher aufgeregt hätte, nicht der Rede wert ist.
Euch allen wünsche ich einen schönen Tag mit nur ganz wenig Hast und Hektik.
Herzlichst
Kurt20
[1] Benjamin, Walter: Gesammelte Schriften. Bd. 5: Das Passagen-Werk. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1991.
Kommentare (8)
@U. Petri
10. November 2025
Liebe Ursula,
die Vorteile, im fortgeschrittenen Alter noch zum Flaneur oder zur Flaneurin zu werden, liegen auf der Hand.
Der Journalist Michael Bahnerth schreibt:
"Man mag nicht mehr irgendwelchen Dingen, Göttern, Ideologien, Luftschlössern und Frauen hinterherrennen. Man möchte nicht mehr durch das Leben hetzen in der Hoffnung, einen geilen Höhepunkt nach dem andern zu haben. Ab einem gewissen Alter ist die Zeit gekommen, sich das Wesen eines Flaneurs anzueignen, eines Spaziergängers, eines Bummlers."
Das gilt meiner Ansicht nach auch für das Lesen und Denken:
Keinem Kanon folgen, sondern durch Texte und Gedanken (eigene und fremde) flanieren.
Stehenbleiben und schauen, wenn es uns etwas gefällt. Danach weitergehen, entspannt und in gemächlichem Tempo.
Keine so schlechte Idee, oder?
Liebe Grüße
Kurt
@Kurt20
erinnert mich an meine Heimatstadt Berlin und die Zeiten da das Flanieren unter den Linden normal war. Mir liegt flanieren gar nicht……heißt doch wohl langsames und ruhiges Gehen -
da ich meistens temperamentvoll unterwegs bin. Mir liegt es so gar nicht aufzufallen oder gesehen zu werden, die die Mich sehen wollen kommen auf mich zu und lächeln mich an.
Mich zum flanieren zu bringen dürfte also sehr schwierig sein😉🦋
@Schmetterling04
09. November 2025
Hallo Moni,
ein gemütlicher Stadtbummel, geling mir bisher nicht.
Meistens ist man ja in Eile, hat etwas vor.
Ohne Grund durch die Stadt zu streifen ist mir bisher noch nicht eingefallen. Aber das kommt vielleicht noch.
Ohne Fitness-Tracker oder Schrittzähle einfach nur gemächlich voranschreiten, seinen Gedanken nachhängen, das klingt doch gut. Aber wer kann sich diesen Luxus heute noch leisten?
Ich könnte das – theoretisch.
Sich nicht hetzen zu lassen ist doch erstrebenswert. Meistens hetzen wir uns selbst.
Dass soll ein Ende haben 😉. Entschluss: Ich werde zum Flaneur.
Vielleicht ganz langsam anfangen. Hier in London erstmal bis zum nächsten Pub flanieren. Das sind ungefähr 200 Meter, für einen Anfänger genug. Und auf dem Rückweg flaniert es sich dann sowieso fast wie von selbst.
Über Fortschritte berichte ich Dir demnächst. Vielleicht wirst Du dann auch irgendwann zur Flaneurin.
Bis demnächst,
Herzliche Grüße
Kurt
Hallo Kurt,
Flanieren kommt für mich nur vor Schaufenstern oder Läden in Frage. Da lasse ich mir gerne Zeit, auch wenn ich meistens nichts kaufe.
Ansonsten halte ich es wie Songeur, ich gehe zügig. Wandern kommt für mich nicht in Frage, da ich dann alleine gehen müsste. So aber schaffe ich auch täglich mindestens meine 10.000 Schritte, meistens werden es 12 - 13.000.
Hektik bringt mich oft durcheinander, weil ich finde das die von aussen an mich herangetragen wird, sozusagen ungewollt. Unter Stress, aber, den ich auch Faulenzerei selbst verursacht habe, bin ich am produktivsten.
LG Gisela🙋♀️
@Globetrotter
Liebe Gisela,
Schildkröten Gassi führen, vor Schaufenstern flanieren, fröhlich wandern durch Wald und Flur … Fortbewegung per pedes ist vielfältig.
Ich gehe ungern zu Fuß, würde lieber in meiner Kammer hocken. Aber man muss sich bewegen, das ist mir schon klar; insbesondere als Oldtimer.
Ungefähr zwei Kilometer von hier gibt es einen Kiosk. Mein innerer Kompass pendelte nach dem Verlassen des Hauses sofort und präzise in diese Richtung.
Nach zwei Kilometern – ein Bier!
So macht mir Bewegung auf Schusters Rappen sogar ein wenig Spaß.
Wahrscheinlich schaffe ich damit die berüchtigten 10.000 Schritte nicht, aber meiner Ruhe und Gelassenheit ist diese Tour auf jeden Fall zuträglich.
Bis demnächst – herzliche Grüße Kurt
Hallo Kurt,
flanieren à la Walter Benjamin ist nichts für mich da entschieden zu ruhig. Zwar renne ich bei meinen Wanderungen niemals, aber eine Schildkröte würde mich doch nach gut 200 Metern aus den Augen verloren haben.
Bei "Ruhe und Gelassenheit" und "Songeur" gibt es in der Beurteilung durchaus unterschiedliche Bewertungen, je nachdem wer da bewertet.
Einen schönen Abend wünsche ich dir.
Hubert
@Songeur
Hallo Hubert,
ja, das mit der Schildkröte ist vielleicht etwas zu krass. Aber die Richtung ist mir ganz sympathisch (der Schnellsten einer bin ich nicht😉).
Rennen? So gut wie nie („ein feiner Mann rennt nur, wenn er verfolgt wird“, um meinen Vater zu zitieren, der lauter so schöne Sprüche auf Lager hatte).
Stramm wandern? Kann mir das gut vorstellen, bin aber zu träge dazu. Kommt vielleicht noch, „da ist noch Luft nach oben“.
Ruhe und Gelassenheit strebe ich zwar an, bin aber noch weit von der Meisterschaft entfernt.
Jetzt wandere ich ins Bett; hat mich gefreut, von Dir zu hören.
Bis demnächst,
herzliche Grüße
Kurt
"Flanieren " ein Wort, das heute sicher fast am Aussterben ist.
In meinen Gedanken gehört viel Ruhe dazu,
ein Weg im Park oder am Meer oder See entlang -
natürlich auch Auslagen edler Geschäfte - möglichst auf Reisen. . .
Spontan sehe ich Damen im Reifrock und Herren im Cut mit Zylinder und Stöckchen 😉
Zu mir würde das Wort wohl nicht passen 😆 Ich bummle lieber vor mich hin.
Liebe Grüße
Ursula