FIRE AND ICE, ein eindrucksvolles Kurzgedicht von Robert Frost
Ich war im 4.Semester, glaube ich (Anglistik), als wir Amerikanische Literatur behandelten.
Und es kam, wie es kommen musste: Mein Favorit wurde Robert Frost, DER Literat schlechthin, der Literat mit vier Pulitzer Preisen!
Vielleicht sind seine Gedichte auch deswegen bemerkenswert, weil er zeitlebens von zwei Philosophen beindruckt und beeinflusst wurde: William James und Henri-Louis Bergson.
Speziell ein Kurzgedicht von ihm fasziniert mich in seiner emotionaler Form bis heute, wie eine Art Refrain.
Ich sinne seit Jahren über das Gedicht nach, immer und immer wieder.
Ganz ohne ein Pessimist zu sein.
Fire and Ice/ Robert Frost
Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I´ve tasted of desire
I hold with those who favor fire,
But if it hat to perish twice,
I think I know enough of hate,
To know that for destruction ice
Is also great,
And will suffice.
Das kurze Gedicht ist zum ersten Mal 1920 in "Harper`s Magazine" erschienen. Und 1923 bekam er seinen 1. Pulitzer Preis.
Bild: Pixabay for free
Kommentare (5)
@cecile
Moin, Cecile!
Ja, auch dein Lieblingsgedicht von R. Frost ist emotional uns stimmt einen nachdenklich.
Ich fragte mich oft, wieso sich Frost solche Fragen stellte, wie im "Fire and ice"?
Ich glaube nicht, dass die Fachwissenschaft Kosmologie damals soweit war, um mit Sicherheit zu sagen, dass die Erde irgendwann von der Sonne zuerst "gebraten" und dann von ihr "geschluckt" wird, wenn die Sonne älter und einen Roten Riesen wird.
Sie hat immerhin die Hälfte ihres Alters "hinter sich". . .
Doch die Meinungen sind unterschiedlich: Manche Fachleute glauben tatsächlich, dass die Erde (wieder!) ein Eis-Klumpen wird.
Zum Glück für uns werden wir nicht unendlich leben, d.h. noch einige Generationen werden von der einer oder der anderen "Zukunftsalternativen" der Erde verschont.
Interessant finde ich bei R. Frost, wie er dieses (Un-)Wissen so emotional mit seinen eigenen Erfahrungen verbindet (er hat privat viel gelitten, was ihm zu schaffen machte).
Wie sagt man doch: Jedes Genie ist unglücklich. . .
Gruß und danke
Aurora borealis
@Aurora borealis
Salut Aurora borealis!
Der Satz "Wieso hat Frost sich diese Fragen gestellt" hat mich jetzt natürlich auch beschäftigt😊.
Ich bezweifle, dass es wissenschaftliche Erwägungen waren.
Mein erster Gedanke: die Bibel!
Aber die naheliegende Apokalypse kann es nicht sein. Ich lebe in Angers, wo die berühmten Tapisseries de l'Apocalypse ein eigenes Museum haben und ich bin mir, nach x Besuchen, sicher: da gibt es eine Unmenge Plagen, die Schrecken des Feuers sind allgegenwärtig, aber Eis kommt definitiv nicht vor.
Dann habe ich gelesen, dass zum Beispiel in der nordischen Mythologie, die ich nicht kenne, von einem furchtbaren Kampf die Rede ist, der von Feuer und Eis geprägt ist.
Vielleicht liegt der Ursprung des Gedichtes darin?
Neun Zeilen und sooo viele Rätsel....
Gruß
Cécile
@cecile
Cecile, er kannte mit Sicherheit die Bibel, weil seine Mutter sehr religiös war.
Er aber nicht, denn er trat aus der Religion-Gemeinschaft seiner Mutter aus und hatte ständig "Fragen" über Genesis u. s. w.
Ich würde eher sagen, sein Thema oben ist vielleicht philosophisch- wissenschaftlich zu betrachten.
Wenn man bedenkt, dass er viele Jahre (aus finanziellen Gründen) auch Lehrer war, und später sogar an Harvard unterrichtete, dann muss man davon ausgehen, dass er sich oft wichtige, tiefsinnige Fragen stellte.
So auch über die Zukunft der Menschheit und der Erde.
Ich frage mich das selbst, ohne ein Philosoph zu sein, sondern aus "menschlicher Selbstkritik": Die meisten Menschen glauben, dass die Erde ewig so bleiben wird, wie wir sie kennen und "wie sie immer war".
Das ist aber ein Irrglaube, denn die Erde war nicht immer so, wie wir sie kennen und wird auch nicht so bleiben.
Nach dem Motto: Konstant ist nur die Veränderung!
Ich kenne mich mit den Mythen des Norden nicht aus, da muss ich passen.
Aber:
Belegt sind mindestens 2-3 Vereisungen der Erde im Laufe ihrer Existenz:
- das erste Mal vor ca. 720 bis 650 Mill. Jahren (die Sturtische Vereisung)
- das zweite Mal (Marinoische Eiszeit) war die Erde ein "Snowball" vor 635 Mill. Jahren (? Sorry, ich bin kein Fachmann).
- es soll auch ein drittes Mall mit Sicherheit eine vereiste Erde gegeben haben (genannt Gaskier-Eiszeit, vor ca.580 Mill. Jahren), die ist aber umstritten, bzw. man weiß, dass das Eis bis zum Äquator kam, die Erde soll aber nicht vollständig gefroren gewesen sein.
Manche Fachleute glauben sogar, dass die Erde mehr als dreimal tiefgefroren war.
Dass die Erde von der Sonne geschluckt wird, das steht fest.
Das ist der Grund, warum NASA unbedingt eine "Terraforming" auf Mars plant Mars ist "ein bisschen weiter" von der Sonne als die Erde, wird bleiben.
Später will man die Kolonisierung des Roten Planeten schaffen.
Das wäre aber "One way ticket" sozusagen - ob erfolgreich, oder erfolglos.
Ich selbst glaube nicht, dass der Mensch in 200 Jahren das schaffen wird.
Erdlinge sind zu kriegerisch und zu viel mit . . . Anexionen und Töten beschäftigt, um sich mit einem so schwierigen Planeten wie Mars "anfreunden" zu können. . .
Gruß und danke, Cecile!
Aurora borealis
@Aurora borealis
Die Nasa hat das Problem erkannt und versucht eine Lösung .
Das steht eigentlich ganz im Einklang mti einem andern Frost-Zitat aus dem Gedicht A Servant to Servants:
:
The best way out is always through.
Ob es am Tage X der Menschheit etwas hilft?
Unsere Generation wird es glücklicherweise nicht erfahren ...
Gruß
Cécile
Ich stimme dir zu, Fire and Ice ist ein Gedicht, das durch seinen Rhythmus, die Knappheit seiner Wörter, die sich so treffsicher aneinanderreihen, den Leser fasziniert.
Bei mir war es so, dass ich es beim ersten Mal sozusagen in einem Atemzug durchlas und es einfach nur schön fand . Dass tue ich auch heute noch.
Und genau wie du mache ich mir meine eigenen Gedanken. - allerdings ohne jemals zu einer definitiven Interpretation zu kommen. Wie bei so vielen Gedichten ....
Mein Lieblingsgedicht von Robert Frost ist übrigens "Acquainted with the Night".
Gruß
Cécile