Es war im späten Mittelalter. Frau Kestenholz wohnte mit Ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn und deren fünf Kinder auf einem riesengrossen Bauernhof, der ihr alleine gehörte seit ihr Mann im «Suff» die Treppe zum Keller runter fiel und verstarb.

Frau Kestenholz war krank. Sie lag im Bett, schon seit einigen Tagen. Sie fühlte, dass ihre letzte Stunde bald kommen würde. Ihre Tochter holte deshalb den Priester. Der kam mit einer grossen schwarzen Tasche.
Frau Kestenholz sagte dem Priester, dass sie Angst hätte in die Hölle zu kommen. Der Priester meinte aber, sie hätte doch nichts Schlimmes gemacht und brauche sich deshalb nicht vor dem Fegefeuer zu fürchten.
Da gestand aber Frau Kestenholz unter Tränen dem Priester, dass sie wohl Schlimmes gemacht hätte. Sie hätte ihrem Mann, der wieder einmal betrunken nach Hause kam, einen Stoss gegeben und er sei die Kellertreppe hinuntergefallen. Danach sei er Gott sei Dank gestorben. Sie sei froh über seinen Tod gewesen, denn im «Suff» hätte er sie oft sehr heftig geschlagen.
Auch hätte sie, als sie mit 52 Jahren nochmals schwanger wurde, eine Engelmacherin aufgesucht um das Kind wegzumachen, da sie sich phsychisch nicht in der Lage gefühlt hätte nochmals ein Kind zu haben.
«Komme ich jetzt ins Fegefeuer?» fragte sie ängstlich den Priester. «Hundertprozentig bei zweifachem Mord», meinte der Priester. Frau Kestenholz weinte erbärmlich. Der Priester, der Mitleid mit ihr hatte, zeigte ihr einen Ausweg auf, um dem Fegefeuer zu entgehen Er holte Papier, Tinte und eine Feder aus seiner grossen schwarzen Tasche. Er setzte ein Testament auf in dem Frau Kestenholz alles: Haus, Hof, Wald und Vieh der Kirche vermacht.
«Wenn sie unterschreiben», sagte der Priester, «dann bleibt ihnen das Fegefeuer erspart.» Frau Kestenholz schrie auf: «Nein, ich kann doch meiner Tochter nicht alles wegnehmen.» «Denken sie an sich, nicht an ihre Tochter», meinte der Priester. «Das Fegefeuer ist schrecklich und es dauert ewig.» Frau Kestenholz wimmerte nur noch und unterschrieb.
Der Priester betete zum Schluss liebevoll mit ihr und machte sich auf den Heimweg. Es war schon schwarz am Himmel. Ein Gewitter zog auf. Der Priester, der zu Fuss unterwegs war, flüchtete unter eine Eiche, denn es begann wie aus Kübeln zu schütten.
Da…… ein Blitz schlug in die Eiche ein, traf auch den Priester, der sofort tot umfiel. Feuer verschlang seine grosse schwarze Tasche mit dem Testament von Frau Kestenholz. Zum Schluss war nur noch ein Häufchen Asche von der grossen schwarzen Tasche und dem Testament übrig.
Das Gewitter verzog sich und in der Ferne hörte man einen gar lieblichen Gesang
von Engeln. Sie begleiteten die Seele von Frau Kestenholz in den Himmel.



 

Kommentare (1)

Anzeige