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Eine Kette von Unglücksfällen – Teil 2
Nach unserem Stopp in der freundlichsten Werkstatt setzten wir unsere Fahrt fort. Über Samsun sollte es entlang der Küste gehen, dann wieder quer durch das Hinterland – zwischen Teeplantagen bis nach Rize und Hopa.
Wir kennen diese Strecke gut. Wir waren schon oft hier.
Aber dieses Mal wollten wir uns Zeit lassen.
Richtig Zeit.
Und eigentlich jede Teeplantage mit einer kleinen Teeprobe „kontrollieren“.
Doch der Wettergott hatte andere Pläne.
Es wurde kalt, es regnete, und der Nebel hing so tief, dass er fast auf der Straße lag. Auch der Wetterbericht war sich einig: keine Besserung in Sicht.
Nur im Süden sollte es schön sein.
Na gut. Wir sind ja flexibel.
Also: Plan geändert.
Süden.
Wir fuhren bis Hopa und bogen dann in die Berge ab.
Und was für Berge das waren. Man glaubt gar nicht, welches Gebirge sich dort versteckt – der kleine Kaukasus.
Anfangs begleiteten uns noch Teeplantagen, doch schnell wurde die Landschaft wilder, rauer, ernster. Bald erreichten wir die Region um die Deriner-Talsperre. Riesige Bauarbeiten prägten das Tal, LKWs und Bagger überall, während sich die Straße in endlosen Serpentinen über den Stausee schlängelte. Beeindruckend – und gleichzeitig ein bisschen unwirklich, wie stark der Mensch hier in die Natur eingegriffen hat.
Weiter oben trafen wir immer wieder auf Reisegruppen aus dem Iran mit umgebauten Campern. Man begegnete sich, winkte, überholte sich, traf sich wieder – so wie das in diesen Bergen eben passiert.
Die Straße wand sich weiter durch alpine Landschaften, mit weiten Ausblicken, Weiden und abgelegenen Dörfern, die eher an die Alpen erinnerten als an den Kaukasus.
Schließlich ging es wieder hinunter Richtung Grenze nach Georgien.
Und wir dachten: warum eigentlich nicht gleich rüber? Dort ist das Wetter ja gut.
Also Pässe gezückt und einfach weiter.
Der Grenzübergang verlief relativ unkompliziert. Und auf georgischer Seite setzten wir die Fahrt über einfache, teils sehr ruppige Straßen bis nach Achalkalaki fort.
Ein kurzer Gruß nach Georgien – wir waren ja schon öfter hier.
Doch dieses Mal war der Gedanke ein anderer:
Eigentlich waren wir noch nie in Armenien.
Das sollte sich ändern.
Schnell gegoogelt, was man braucht: Visum, Versicherung, das Übliche eben.
Über Tiflis ging es weiter bis zum Grenzübergang Sadakhlo–Bagratashen. Zwei Stunden später waren wir drin – inklusive passendem Geld.
Nächster Stopp: Gyumri.
Natürlich, um das bekannte Bier zu probieren.
Danach standen Klöster auf dem Plan. Viele Klöster.
Wir haben sie auch alle gesehen – fast alle.
Wir fuhren bis tief in den Süden, bis zum Tatew-Kloster, und machten uns dann wieder auf den Weg Richtung Norden.
Und dann passierte es.
Es war spät am Abend. Die Sonne stand tief und blendete, als uns auf einer dieser typisch engen, schlechten Straßen ein LKW mit hoher Geschwindigkeit entgegenkam. Eigentlich nichts Ungewöhnliches hier.
Ungewöhnlich war nur das, was hinten drauf war.
Ein Schaufelbagger.
Groß. Breit. Und deutlich zu optimistisch verladen.
Was soll ich sagen:
Es machte „peng“, „krach“ und „schepper“ – und unser Seitenspiegel verabschiedete sich in tausend Teile.
Wir hielten an. Der LKW-Fahrer auch.
Hände, Gesten, Schulterzucken. Mehr Kommunikation war nicht nötig.
Wir sammelten die Reste ein und standen da:
nach hinten komplett blind.
Sehr praktisch.
Weiterfahren ging zwar irgendwie, aber vor uns lag noch eine lange Strecke.
Also erst einmal Improvisation:
Tape. Wolle. Und als Stabilisierung eine leere Wasserflasche.
Notlösung erfolgreich.
…für ungefähr 30 Kilometer.
Dann war klar: Wir brauchen Ersatz.
In der nächsten Stadt fanden wir einen dieser typischen Mini-Ersatzteileläden. Öl in Kanistern, Teile ohne Namen, Dinge, die man nur grob zuordnen kann – aber irgendwie gibt es dort alles.
Nur eben keinen Spiegel für ein ein Jahr altes Hightech-Wohnmobil.
Logisch.
Aber: Er hatte einen kleineren Spiegel.
Den nahmen wir.
Kostenpunkt: umgerechnet 4 Euro.
Dazu noch mehr Tape.
Inzwischen schon leicht geübt in der Kunst der Außenspiegel-Notoperation, bastelten wir den Mini-Spiegel an den zerdepperten Rest unseres alten Systems. Mit Flasche. Mit Tape. Mit Überzeugung.
Und irgendwie hielt es.
Und so fuhren wir weiter.
Nach hinten nicht ganz vollständig, aber erstaunlich zuversichtlich.
Manchmal sind es genau diese kleinen Improvisationen, die unterwegs plötzlich zur Normalität werden. Ein bisschen Tape, ein bisschen Fantasie – und weiter geht’s.
Der Spiegel hielt übrigens länger, als man ihm zugetraut hätte. Nicht perfekt, nicht elegant, aber zuverlässig genug, um die nächsten Kilometer zu überstehen.
Und irgendwo zwischen Bergen, Grenzen und Baustellen haben wir wieder einmal gelernt:
Es geht oft nicht darum, wie es geplant war.
Sondern darum, dass es überhaupt weitergeht.
Und das war – wie sich später zeigen sollte – noch lange nicht das Ende der Geschichte.
Illustrationen mittels KI erstellt
Wir kennen diese Strecke gut. Wir waren schon oft hier.
Aber dieses Mal wollten wir uns Zeit lassen.
Richtig Zeit.
Und eigentlich jede Teeplantage mit einer kleinen Teeprobe „kontrollieren“.
Doch der Wettergott hatte andere Pläne.
Es wurde kalt, es regnete, und der Nebel hing so tief, dass er fast auf der Straße lag. Auch der Wetterbericht war sich einig: keine Besserung in Sicht.
Nur im Süden sollte es schön sein.
Na gut. Wir sind ja flexibel.
Also: Plan geändert.
Süden.
Wir fuhren bis Hopa und bogen dann in die Berge ab.
Und was für Berge das waren. Man glaubt gar nicht, welches Gebirge sich dort versteckt – der kleine Kaukasus.
Anfangs begleiteten uns noch Teeplantagen, doch schnell wurde die Landschaft wilder, rauer, ernster. Bald erreichten wir die Region um die Deriner-Talsperre. Riesige Bauarbeiten prägten das Tal, LKWs und Bagger überall, während sich die Straße in endlosen Serpentinen über den Stausee schlängelte. Beeindruckend – und gleichzeitig ein bisschen unwirklich, wie stark der Mensch hier in die Natur eingegriffen hat.
Weiter oben trafen wir immer wieder auf Reisegruppen aus dem Iran mit umgebauten Campern. Man begegnete sich, winkte, überholte sich, traf sich wieder – so wie das in diesen Bergen eben passiert.
Die Straße wand sich weiter durch alpine Landschaften, mit weiten Ausblicken, Weiden und abgelegenen Dörfern, die eher an die Alpen erinnerten als an den Kaukasus.
Schließlich ging es wieder hinunter Richtung Grenze nach Georgien.
Und wir dachten: warum eigentlich nicht gleich rüber? Dort ist das Wetter ja gut.
Also Pässe gezückt und einfach weiter.
Der Grenzübergang verlief relativ unkompliziert. Und auf georgischer Seite setzten wir die Fahrt über einfache, teils sehr ruppige Straßen bis nach Achalkalaki fort.
Ein kurzer Gruß nach Georgien – wir waren ja schon öfter hier.
Doch dieses Mal war der Gedanke ein anderer:
Eigentlich waren wir noch nie in Armenien.
Das sollte sich ändern.
Schnell gegoogelt, was man braucht: Visum, Versicherung, das Übliche eben.
Über Tiflis ging es weiter bis zum Grenzübergang Sadakhlo–Bagratashen. Zwei Stunden später waren wir drin – inklusive passendem Geld.
Nächster Stopp: Gyumri.
Natürlich, um das bekannte Bier zu probieren.
Danach standen Klöster auf dem Plan. Viele Klöster.
Wir haben sie auch alle gesehen – fast alle.
Wir fuhren bis tief in den Süden, bis zum Tatew-Kloster, und machten uns dann wieder auf den Weg Richtung Norden.
Und dann passierte es.
Es war spät am Abend. Die Sonne stand tief und blendete, als uns auf einer dieser typisch engen, schlechten Straßen ein LKW mit hoher Geschwindigkeit entgegenkam. Eigentlich nichts Ungewöhnliches hier.
Ungewöhnlich war nur das, was hinten drauf war.
Ein Schaufelbagger.
Groß. Breit. Und deutlich zu optimistisch verladen.
Was soll ich sagen:
Es machte „peng“, „krach“ und „schepper“ – und unser Seitenspiegel verabschiedete sich in tausend Teile.
Wir hielten an. Der LKW-Fahrer auch.
Hände, Gesten, Schulterzucken. Mehr Kommunikation war nicht nötig.
Wir sammelten die Reste ein und standen da:
nach hinten komplett blind.
Sehr praktisch.
Weiterfahren ging zwar irgendwie, aber vor uns lag noch eine lange Strecke.
Also erst einmal Improvisation:
Tape. Wolle. Und als Stabilisierung eine leere Wasserflasche.
Notlösung erfolgreich.
…für ungefähr 30 Kilometer.
Dann war klar: Wir brauchen Ersatz.
In der nächsten Stadt fanden wir einen dieser typischen Mini-Ersatzteileläden. Öl in Kanistern, Teile ohne Namen, Dinge, die man nur grob zuordnen kann – aber irgendwie gibt es dort alles.
Nur eben keinen Spiegel für ein ein Jahr altes Hightech-Wohnmobil.
Logisch.
Aber: Er hatte einen kleineren Spiegel.
Den nahmen wir.
Kostenpunkt: umgerechnet 4 Euro.
Dazu noch mehr Tape.
Inzwischen schon leicht geübt in der Kunst der Außenspiegel-Notoperation, bastelten wir den Mini-Spiegel an den zerdepperten Rest unseres alten Systems. Mit Flasche. Mit Tape. Mit Überzeugung.
Und irgendwie hielt es.
Und so fuhren wir weiter.
Nach hinten nicht ganz vollständig, aber erstaunlich zuversichtlich.
Manchmal sind es genau diese kleinen Improvisationen, die unterwegs plötzlich zur Normalität werden. Ein bisschen Tape, ein bisschen Fantasie – und weiter geht’s.
Der Spiegel hielt übrigens länger, als man ihm zugetraut hätte. Nicht perfekt, nicht elegant, aber zuverlässig genug, um die nächsten Kilometer zu überstehen.
Und irgendwo zwischen Bergen, Grenzen und Baustellen haben wir wieder einmal gelernt:
Es geht oft nicht darum, wie es geplant war.
Sondern darum, dass es überhaupt weitergeht.
Und das war – wie sich später zeigen sollte – noch lange nicht das Ende der Geschichte.
Illustrationen mittels KI erstellt
Ich nehme diese Zeilen mit in mein Leben:
"Es geht nicht darum, wie es geplant war, sondern dass es ueberhaupt weitergeht. "
Chris33, die sich auf die Fortsetzung des Reiseberichtes freut.