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Eine Kette von Unglücksfällen – Teil 1
Manchmal passieren Dinge, die kann man eigentlich gar nicht glauben.
Das hier ist so eine Geschichte.
Und es ist erst der Anfang.
Als wir in Kasachstan unterwegs waren, standen wir mit unserem Wohnmobil auf einem Parkplatz am Charyn Canyon. Alles ganz normal. Wohnmobil abgestellt und in den Canyon gewandert.
Nach vielen „Ohs“ und „Ahs“ und noch mehr Fotos kamen wir zurück – und erschraken.
Da war uns doch tatsächlich jemand in die Seitentür gefahren.
Einfach so. Auf dem Parkplatz.
Und natürlich war niemand mehr da.
Das allein wäre schon eine eigene Geschichte wert – aber die kommt ein anderes Mal.
Viel später, wieder zuhause, dachten wir:
„Naja, ist halt eine Delle.“
Also ab in die Werkstatt, Schaden anschauen lassen, kurz ausbeulen, fertig.
Dachten wir.
Der Kostenvoranschlag: 10.000 Euro.
Zehntausend Euronen!!!!
Heute wird ja nichts mehr repariert. Da wird ersetzt.
Neue Tür, neues Innenleben, Fenster – einmal alles bitte.
Also haben wir den Schaden der Versicherung gemeldet. Vollkasko, eigentlich eine klare Sache.
Dachten wir auch.
Die Versicherung sah das ….. anders.
Sie schickten einen Gutachter.
Der reiste extra 300 Kilometer an, schaute sich alles sehr genau an und kam dann zu einem überraschenden Ergebnis:
Der Schaden könne unmöglich von einem anderen Auto stammen.
Aha.... Ein Ufo vielleicht?
Wir bekamen großzügig 2.000 Euro angeboten.
Quasi aus Kulanz.
Nach einigem Hin und Her – und dem dezenten Hinweis der Versicherung, dass wir wohl eine Falschaussage gemacht hätten (sie hatten ja schließlich ihr Gutachten) – beschlossen wir, die Versicherung zu wechseln und erstmal einfach mit der Delle weiterzufahren.
Auf unserer nächsten Reise Richtung Türkei suchten wir dann nach einer anderen Lösung.
Irgendwo musste es doch noch Orte geben, an denen man Dinge repariert.
Die Erfahrung hatten wir dort schon öfter gemacht.
Geplant war eine große Rundreise – einmal rund um die Türkei, mit Abstechern ins Landesinnere. Immer dorthin, wo es etwas zu sehen gibt.
Wir fuhren entspannt los, über Rumänien und Bulgarien, und überquerten nach zwei Wochen den Bosporus. Danach ging es am Schwarzen Meer entlang.
Bei Vezirköprü schauten wir uns den Şahinkaya Canyon an – beeindruckend und genau der richtige Ort für noch mehr Fotos.
Auf dem Rückweg fuhren wir durch die Stadt, eigentlich auf der Suche nach etwas zu essen, und kamen an einer Werkstatt vorbei. Für türkische Verhältnisse sogar ziemlich professionell.
Also hielten wir an.
Die Verständigung war… kreativ.
Der Werkstattbesitzer sprach kein Englisch, wir kein Türkisch. Viel lief über Hände, Füße und den Google Translator, der seine ganz eigene, leicht poetische Sprache entwickelte.
Trotzdem waren wir uns erstaunlich schnell einig:
Er könne das machen. Übermorgen.
Das war uns zu spät.
Nach einigem Hin und Her – ganz leicht wie auf einem Basar – wurde aus „übermorgen“ ein „morgen“.
Und aus „morgen“ schließlich: „sofort“.
Auch der Preis wurde vorher irgendwie festgelegt.
So günstig, dass wir uns kurz gefragt haben, ob wir uns verhört haben.
Die beiden Söhne legten sofort los und arbeiteten den ganzen Tag.
Wir saßen derweil im Wohnmobil, unter dem Ventilator, haben gelesen und so getan, als hätten wir keinen Zeitdruck.
In regelmäßigen Abständen kam jemand vorbei und brachte uns Çay mit Zucker.
Einfach so.
Die beiden werkelten, was das Zeug hielt, und bearbeiteten diese Delle – die ja immerhin fast einen Meter lang war – Stück für Stück zurück in Form.
Am Ende hatte das Blech aufgegeben und sich wieder gefügt.
Mittags war große Pause.
Und plötzlich stand der Chef vor der Tür – mit Essen. Für uns.
Geliefert ins Wohnmobil: Nudeln, Bohnen in Tomatensoße, Gurken- und Tomatensalat und ein halbes Weißbrot.
Wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir hier Kunden oder Gäste sind.
Am späten Nachmittag war die Delle verschwunden.
Einfach weg.
Sie mischten den Lack selbst an – metallic, exakt passend – und im Nu war alles neu lackiert.
Glatt, sauber, perfekt.
Man sah wirklich nichts mehr.
Gar nichts.
Bei der Gelegenheit wurden noch ein paar andere Schönheitsfehler gleich mit erledigt.
Alles inklusive.
Kostenpunkt: umgerechnet 100 Euro.
Wir haben ein ordentliches Trinkgeld dagelassen und noch Süßigkeiten verteilt.
Fühlte sich irgendwie richtiger an als eine Rechnung über 10.000.
Manchmal passieren Dinge, die kann man nicht glauben.
Und manchmal gehen sie besser aus, als man denkt.
Wenn ihr wissen wollt, wie die Unglücksserie weitergeht:
Habt ein bisschen Geduld.
Da kommt noch was.
Illustrationen mittels KI erstellt
Das hier ist so eine Geschichte.
Und es ist erst der Anfang.
Als wir in Kasachstan unterwegs waren, standen wir mit unserem Wohnmobil auf einem Parkplatz am Charyn Canyon. Alles ganz normal. Wohnmobil abgestellt und in den Canyon gewandert.
Nach vielen „Ohs“ und „Ahs“ und noch mehr Fotos kamen wir zurück – und erschraken.
Da war uns doch tatsächlich jemand in die Seitentür gefahren.
Einfach so. Auf dem Parkplatz.
Und natürlich war niemand mehr da.
Das allein wäre schon eine eigene Geschichte wert – aber die kommt ein anderes Mal.
Viel später, wieder zuhause, dachten wir:
„Naja, ist halt eine Delle.“
Also ab in die Werkstatt, Schaden anschauen lassen, kurz ausbeulen, fertig.
Dachten wir.
Der Kostenvoranschlag: 10.000 Euro.
Zehntausend Euronen!!!!
Heute wird ja nichts mehr repariert. Da wird ersetzt.
Neue Tür, neues Innenleben, Fenster – einmal alles bitte.
Also haben wir den Schaden der Versicherung gemeldet. Vollkasko, eigentlich eine klare Sache.
Dachten wir auch.
Die Versicherung sah das ….. anders.
Sie schickten einen Gutachter.
Der reiste extra 300 Kilometer an, schaute sich alles sehr genau an und kam dann zu einem überraschenden Ergebnis:
Der Schaden könne unmöglich von einem anderen Auto stammen.
Aha.... Ein Ufo vielleicht?
Wir bekamen großzügig 2.000 Euro angeboten.
Quasi aus Kulanz.
Nach einigem Hin und Her – und dem dezenten Hinweis der Versicherung, dass wir wohl eine Falschaussage gemacht hätten (sie hatten ja schließlich ihr Gutachten) – beschlossen wir, die Versicherung zu wechseln und erstmal einfach mit der Delle weiterzufahren.
Auf unserer nächsten Reise Richtung Türkei suchten wir dann nach einer anderen Lösung.
Irgendwo musste es doch noch Orte geben, an denen man Dinge repariert.
Die Erfahrung hatten wir dort schon öfter gemacht.
Geplant war eine große Rundreise – einmal rund um die Türkei, mit Abstechern ins Landesinnere. Immer dorthin, wo es etwas zu sehen gibt.
Wir fuhren entspannt los, über Rumänien und Bulgarien, und überquerten nach zwei Wochen den Bosporus. Danach ging es am Schwarzen Meer entlang.
Bei Vezirköprü schauten wir uns den Şahinkaya Canyon an – beeindruckend und genau der richtige Ort für noch mehr Fotos.
Auf dem Rückweg fuhren wir durch die Stadt, eigentlich auf der Suche nach etwas zu essen, und kamen an einer Werkstatt vorbei. Für türkische Verhältnisse sogar ziemlich professionell.
Also hielten wir an.
Die Verständigung war… kreativ.
Der Werkstattbesitzer sprach kein Englisch, wir kein Türkisch. Viel lief über Hände, Füße und den Google Translator, der seine ganz eigene, leicht poetische Sprache entwickelte.
Trotzdem waren wir uns erstaunlich schnell einig:
Er könne das machen. Übermorgen.
Das war uns zu spät.
Nach einigem Hin und Her – ganz leicht wie auf einem Basar – wurde aus „übermorgen“ ein „morgen“.
Und aus „morgen“ schließlich: „sofort“.
Auch der Preis wurde vorher irgendwie festgelegt.
So günstig, dass wir uns kurz gefragt haben, ob wir uns verhört haben.
Die beiden Söhne legten sofort los und arbeiteten den ganzen Tag.
Wir saßen derweil im Wohnmobil, unter dem Ventilator, haben gelesen und so getan, als hätten wir keinen Zeitdruck.
In regelmäßigen Abständen kam jemand vorbei und brachte uns Çay mit Zucker.
Einfach so.
Die beiden werkelten, was das Zeug hielt, und bearbeiteten diese Delle – die ja immerhin fast einen Meter lang war – Stück für Stück zurück in Form.
Am Ende hatte das Blech aufgegeben und sich wieder gefügt.
Mittags war große Pause.
Und plötzlich stand der Chef vor der Tür – mit Essen. Für uns.
Geliefert ins Wohnmobil: Nudeln, Bohnen in Tomatensoße, Gurken- und Tomatensalat und ein halbes Weißbrot.
Wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir hier Kunden oder Gäste sind.
Am späten Nachmittag war die Delle verschwunden.
Einfach weg.
Sie mischten den Lack selbst an – metallic, exakt passend – und im Nu war alles neu lackiert.
Glatt, sauber, perfekt.
Man sah wirklich nichts mehr.
Gar nichts.
Bei der Gelegenheit wurden noch ein paar andere Schönheitsfehler gleich mit erledigt.
Alles inklusive.
Kostenpunkt: umgerechnet 100 Euro.
Wir haben ein ordentliches Trinkgeld dagelassen und noch Süßigkeiten verteilt.
Fühlte sich irgendwie richtiger an als eine Rechnung über 10.000.
Manchmal passieren Dinge, die kann man nicht glauben.
Und manchmal gehen sie besser aus, als man denkt.
Wenn ihr wissen wollt, wie die Unglücksserie weitergeht:
Habt ein bisschen Geduld.
Da kommt noch was.
Illustrationen mittels KI erstellt
Kommentare (4)
indeed
Da bin ich schon sehr gespannt. Freue mich drauf.
Lieben Gruß und einen schönen Sonntag wünscht
indeed
Sehr spannend geschrieben, da freue ich mich auf die Fortsetzung!
Liebe Grüße von Ingrid